The Genealogy of Johann Karl Heuchert                    
Die Genealogie von Johann Karl Heuchert
Memoirs (in German)
   
Ubi Bene Ubi Casa

(Wo es mir gut geht, da bin ich zu Hause)    
Kapitel I

 
 Entwurf: 12.04.2013
Autobiography der Lebensgeschichte von Johann Karl Heuchert
(Rufname: “Hans”) 1938-? (Hoffentlich 2038???)

Kurzfassung:

Ich, Johann Karl (Hans) Heuchert, bin in Alexandrien, Ägypten am 26.07.1938 geboren. Ich war das Fünfte, überlebende Kind von Klara Heuchert, geborene Bauer und Friedrich (Fritz) Wilhelm Heuchert. Meine Mutter war wohl in Kairo geboren, ihre Eltern waren aber aus Augsburg, Deutschland. Mein Vater waren in Czernowitz, Buchenland (heute Ukraine) geboren. Seine Vorfahren waren aus der Pfalz.
Ich habe die katholische Schule der Sankt Borromäerinnen in Alexandrien von 1942 bis 1949 besucht. Von 1949 bis 1951 habe ich das Istituto Don Bosco in Alexandrien besucht. 1951 ist meine Familie nach Deutschland ausgewandert, da es in Ägypten nicht auszuhalten war wegen der politischen und militärischen Unruhen. In Deutschland habe ich von 1952 bis 1955 eine Maschinenschlosserlehre bei der Firma Delmag in Ober-Esslingen absolviert. Von 1957 bis 1958 (18 Monate) habe ich bei der Bundeswehr als Freiwilliger in Wetzlar und Koblenz gedient und gig las Gefreiter ab. Danach arbeitete ich bei der Firma Robert Bosch in Stuttgart. 1960 wanderte ich nach Australien aus und heiratete in Sydney die Sonja, geborene Kalinowski aus Hamburg. 1965 gingen wir nach Deutschland zurück und ich absolvierte eine Technikerschule im Maschinenbau. 1967 nahm ich eine Stellung bei der Firma Pagendarm in Hamburg an, erst als Techniker und dann als Anwendungsingenieur. 1968 war unser einziger Sohn, der Mark, in Hamburg geboren. 1969 gingen wir nach Green Bay, Wisconsin, USA, wo ich als Product Sales Manager die Verkäufe von Pagendarm Maschinen zur Verantwortung hatte. 1976 gründeten wir unsere eigene Firma “Convex Corporation” in Green Bay, WI. Wir vertraten verschiedene europäische Maschinenhersteller. 1968 verkauften wir Convex an die italienische Firma Fabio Perini und gründeten die Filiale Perini America, Inc. in Green Bay, Wisconsin. 1993 verließ ich Perini, machte mich wieder selbstständig mit der Firma AapexX Corporation. 1994 zogen wir um nach Hot Springs, Arkansas, USA, wo wir heute noch sind (2013). 2002 und 2003 nahm ich einen Manager-Job an in Ettlingen bei der Firma PCMC Deutschland (Tochter der Paper Converting Machine Co. aus Green Bay, WI/USA). iMt 65,5 Bahrein Alter trat ich am 1.1.2004 in den Ruhestand, den wir großartig in der Hot Springs Village, Arkansas genießen.


Alexandrien, Ägypten
Meine erste Erinnerung: Krieg!
Das Erste, woran ich mich erinnere, ist, als ich ungefähr 4 Jahre alt war (1942). Wir lebten im 4 Stockwerk einer Wohnsiedlung, die “Daira Sef El Din” hieß. Die Straße hieß Sharragh Rassafa im Bezirk Moharram Bey von meiner Geburtsstadt Alexandrien. In der damaligen Kriegszeit hatten wir oft “Blackouts” (alle Lichter aus) weil die deutsche Luftwaffe immer wieder, den für die Briten wichtigen Mittelmeerhafen von Alexandrien, bombardierten.
Es war mal wieder ein “Blackout, alle Lichter waren aus. Es war dunkel in der Wohnung. Ich fühlte den festen Griff meines Vaters der mit erregter, aber ruhiger Stimme mir befahl, sofort in den Keller zu laufen. Ich hatte die hölzernen Jalousien leicht geöffnet um Sehen zu können, was sich da am Himmel abspielte. Grelle Suchlichter schweiften am Himmel hin und her. Die Sirenen schrieen schrill in die dunkle Nacht um die Bewohner von Alexandrien, Ägypten (http://www.aegypten-individuell.com/html/alexandrien.html) vor dem Angriff der deutschen Luftwaffe zu warnen. Die deutsche Luftwaffe wollte den Vormarsch nach El Alamein des “Wüstenfuchses” Rommel und sein Afrika Korps (http://www.topedge.com/panels/ww2/na/frame.html) (http://www.afrika-korps.de/) unterstützen. Mein Vater, Fritz (Friedrich Wilhelm Heuchert - siehe Anhang Friedrich Wilhelm Heuchert d. Ä.) war verärgert, dass ich Frechdachs die Lichtstrahlen am Himmel angucken wollte. Mit 4 Jahren hatte ich ja keine Ahnung was los war aber er verstand nur allzu gut, wie gefährlich die Situation war. Schließlich war er durch den Ersten Weltkrieg als Soldat durchgekommen. Meine Mutter, die Klara, geborene Bauer (siehe separate Autobiografie), war schon halbwegs die 4 Stockwerke herunter gerast, zusammen mit meinen 2 Schwestern, die Mary und die Traudl. Mein Bruder Fritz, der 6 Jahre älter ist als ich, und sehr athletisch war, war schon längst die Treppen herunter gesaust. Er auch verstand die Gefahr sehr gut, da er ein paar Jahre vorher miterlebt hatte wie am 6. Juni 1940 eine Messerschmidt ein “Lufttorpedo” (Riesenbombe), wenn auch irrtümlich, auf dem Wohngebäude in Sharagh Nizan, in der Nähe der Sharagh Menasha, wo wir damals wohnten, abwarf und es vollkommen zerstört hatte. Die Bombe hätte eigentlich auf ein in der Nähe stehendes Straßenbahndepot fallen sollen. Die deutschen glaubten das es ein Britisches Wafen- und Munitionslager war. Ich war damals nur 2 Jahre alt und hatte davon nichts mitgekriegt. Aber der arme Fritz hatte einen gewaltigen Schock abbekommen, als das 4-Stöckige Haus über unseren Köpfen in sich zusammenfiel. Wir überlebten den Einsturtz des vierstöckigen Hauses weil wir unten im Keller uns verschanzt hatten. Unser Vater hatte den Keller las Luftschutzbunker eingerichtet gehabt!
Unser Vater hatte auch den Keller in der Sharagh Rassafa in Muharram Bey als Luftschutzbunker ausgebaut mit Betten, Decken, Wasser und andere Notwendigkeiten. Wir sind schnell in die Kojen gesprungen und haben voller Angst die Decken über die Ohren gezogen. So hörten wir auch weniger die furchtbar lauten Sirenen. Wir hatten Glück, dass der britische General Montgomery, Mitte 1942 das Afrika Korps aus El Alamein heraus getrieben hatte, zurück in die Libysche Wüste wo dann auch der deutsch-italienische Angriff zusammenbrach. Die Briten nahmen viele deutsche Kriegsgefangene, die sie in der Wüste westlich von Alexandrien in Gefangenenlager einsperrten.
Das Kriegsgefangenenlager.
Zu Weihnachten backte meine Mutter immer eine Riesenmenge Kekse. Nicht nur für uns sondern auch für die deutschen Kriegsgefangenen. Manchmal packte sie die Kekse in kleine Papiertüten, nahm uns vier Kinder und mittels der Straßenbahn und dem Zug fuhren wir ‘raus in die Wüste zu den Gefangenenlagern. Sie hoffte immer, dass sie einen, oder beide ihrer Brüder dort finden konnte, weil die Zwei beim Afrika Korps gedient hatten. (Onkel Emil Bauer und Onkel Karl Bauer). Einmal waren wir da draußen, weit außerhalb von Alexandrien und warfen die mit Keks gefüllten Papiertüten über dem Stacheldrahtzaun des Gefangenenlagers. Da erwischte uns ein eifriger, britischer Soldat und brachte uns zum Lagerkommandanten. Hier waren wir vier Kinder im Alter von circa 11, 9, 6 und 4, mit meiner kleinen (ca. 152 cm) und rundlichen Mutter und zitterten wie Espenlaub. Der Kommandant blickte unsere Mutter schmunzelnd an, guckte uns an und dann ziemlich verärgert beschimpfte er die Wache, die uns hereingebracht hatte. “Was soll denn das” fragte er laut den Soldaten. Der, ziemlich verdutzt strammstand und erklärte, dass wir unerlaubte Ware an die Gefangenen über dem Zaun warfen. Der Kommandant sagte dem Soldaten “seit wann sind denn Kekse schlecht für die Gefangenen”? Schließlich ist es auch die Weihnachtszeit und er solle uns in Ruhe lassen, sagte er. Unsere Mutter erklärte dem Kommandanten, dass sie ihre Brüder suchte. Er sagte, dass er keine Möglichkeiten hat, ihr zu helfen. Wir fanden unsere Onkel nicht. Später erfuhren wir, dass mein Onkel Karl von den Amerikanern gefangen genommen worden war in Nord Afrika und dann nach dem Staate Iowa in USA in Gefangenschaft verschickt worden war. Der Onkel Emil war in Deutschland und nicht mehr in Nord Afrika und wurde auch von den Amerikanern erwischt und in Deutschland in ein Gefangenenlager eingesperrt. Ich erinnere mich, dass so manche Ägypter (wir nannten sie Araber, weil die echten Ägypter waren, für uns nur die Koppten, die christlich waren) sich schon freuten, dass die Deutschen sie von den Kolonialherren, den Briten, befreien würden.
Wegen der Angriffe der Deutschen auf Alexandrien zogen, oder flüchteten wir allesamt in 1940 nach Kairo. Dort hatte unsere Mutter eine Tante Maschek die ein großes, schönes Haus hatte. Der Mann von der Tante war ein Ingenieur im Dienste des Königs Farouk. Aber diese hässliche Tante, die keine Kinder hatte, wollte von uns nichts wissen. Wir standen im Hauseingang und glotzten hungrig auf die schönen Früchte, die in einer Porzellanschüssel waren, die auf dem Kamin stand. Sie machte, als ob sie es nicht sah und schickte uns weg, da angeblich sie und auch nicht ihr Mann uns helfen konnte. Augenscheinlich wussten sie nicht, wie die Nazis ihre Untertanen behandelten? Unser Vater erzählte, dass die Briten oft versucht haben ihn zu internieren. Aber er hatte Glück: Er war “staatenlos” da er im Buchenland (heute Bukowina http://www.genealogienetz.de/reg/ESE/bukowina.html und damals ein Teil von Rumänien) geboren war und er nie die rumänische Staatsangehörigkeit angenommen hatte. Die Bukowina ist dann 1940 von den Sowjets geteilt worden. Der Norden ging an die Ukraine, der Süden blieb bei Rumänien, außerdem hat meines Vater’s jüdischer Arbeitgeber und sein Schweizer Direktor von der “Bonneterie”, wo er gearbeitet hat, für ihn gebürgt. Was ihm auch geholfen hatte war, dass er nie in die Politik eingegangen ist. So konnten die Briten ihm keine Verbindung mit den Nazis nachweisen... da keine da war. Er empfahl mir auch, nie in die Politik zu gehen, da sie einem nur Schwierigkeiten bereitet. Unser Vater mochte auch die Briten nicht. Sie waren damals die Weltmacht und haben den Ersten Weltkrieg gewonnen. Diese Abneigung den Briten gegenüber machte ihn beliebter bei den Ägyptern, Italienern, Franzosen und anderer Nationalitäten, die damals in Alexandrien waren.
Die Daira Sef El Din (unser Wohnblock).
Das war der Name des Wohnblocks in dem wir eine 4-Zimmer-Wohnung, circa 90 m², im 4-ten Stockwerk gemietet hatten mit 3 Schlafzimmern, einer Toilette, ein Bad mit Dusche eine Küche und einen Riesenbalkon. Unsere Toilette war eine Sitztoilette wie man sie heute in Deutschland kennt. Normalerweise hatten diese Wohnungen eine Lochtoilette (Stehtoilette), ohne Sitz. Da wohnten wir bis wir Ende 1951 auswanderten. Sie war auch nicht allzu weit von Vaters Arbeit. Man konnte gemütlich zu Fuß dorthin in 10 Minuten gehen. Es war eine internationale Gesellschaft, die da wohnten. Wir hatten Ägypter (Muslime), Koppten (auch Ägypter, aber christlich), Juden (auch Ägypter, aber jüdisch), Griechen, Italiener, usw. Der Wohnblock bestand aus 5 Gebäuden, jedes mit einem eigenen Eingang. Auf jeder Etage gab es 2 Wohnungen von verschiedenen Größen. Die Dächer waren flach und man konnte da oben zusätzlich eine Lagerkammer mieten. Das Dach hatte einen gefliesten Boden und eine Zementmauer außen herum.
Viele der Bewohner hingen auf dem Dach ihre Wäsche zum Trocknen in der frischen Luft auf. Die ungefähr 120 cm hohe Mauer, erlaubte den Kindern auf dem Dach zu spielen. Wir nahmen oft Katapulte und kleine Kieselsteine und schossen uns gegenseitig an, von einem Dach zum anderen die ja nur circa 6 Meter voneinander entfernt waren. Wir hatten auch so eine Dachkammer, wo wir viel Kruscht aufbewahrten. Somit war es auch ein Zuchtrevier für Kackerlatschen. Manchmal hatten wir auch Hühner in dieser Kammer. Das war schön anzusehen. Wenn die Hühner die Kackerlatschen sahen wurden sie verrückt. Sie sprangen wie wahnsinnig herum und fraßen diese Leckerbissen. Manche Nachbarn hatten auch Tauben. Wir auch. Das war mein Hobby. Ich mochte gerne im Badezimmer schlafen. Wenn es wieder mal das wöchentliche Bad gab, hat unsere Mutter unseren großen „Primus“, ein Kerosinkocher mit großer Düse, angemacht. Darauf kam eine Riesenkupferwanne (circa 1,2 m Durchmesser) gefüllt mit Wasser. Der Primus brannte mit einem starken Brummen. Da legte ich mich auf den Holzrost und schlief. Auch heute noch fällt es mir leicht im Düsenflugzeug (Jet) zu schlafen, weil das Rauschen der Triebwerke mich einschläfert. Das Badewasser reichte für uns 4 Kinder! Ab und zu hatten wir eine Dienerin bei uns in der Wohnung. Die kosteten auch nur wenige Piaster am Tag. Die durften dann auch im Badezimmer übernachten, wenn sie zu weit weg wohnten. Diese waren meistens Fellachen die sehr fleißig waren und froh waren ein wenig Geld zu verdienen und etwas zum Essen zu haben. Manchmal schickte mich unsere Mutter um Joghurt zu kaufen. Es war gar nicht weit weg. Ich lief gemütlich in 10 Minuten dahin. Es war auch eine Fellachen die viele Tiere bei sich hatte. Ihre Wohnung scheint aus Lehm gewesen zu sein. Da waren viele Löcher in der Wand. Dort saßen entweder Hühner oder Tauben drin. Sie hatte auch ein paar Ziegen aus deren Milch sie Joghurt machte. Es schmeckte herrlich, ein wenig sauer. Sie legte es in Tongefässe die wir immer wieder zurückbrachten für Neue.
Die Taubenzucht
Wir hatten unsere Tauben auf dem großen Balkon unserer Wohnung. Eine besonders große und hübsche Taube mit braunen Federn hatte ich “Tarzan” getauft. Sein Weibchen war eine schneeweiße österreichische Turteltaube, die ich “Jane” nannte. Sie konnte waghalsige Purzelbäume machen beim Fliegen besonders kurz vor der Landung. Ihr großer, buschiger Federschwanz half ihr dabei, diese Akrobatik mit Sicherheit durchzuführen, ohne dass sie sich den Hals brach. Manchmal schlachtete unsere Mutter eine unserer Tauben, da anscheinend unser Vater sie als eine Delikatesse empfand. So weit wie ich mich erinnere haben wir Kinder nie Tauben gegessen.  Die waren reserviert für unseren Vater. Wir fingen manchmal fremde Tauben ein. Eines der Taubenschläge hatte eine Falltür, die ich per Hand zumachen konnte, sobald ein Fremdling ins Gehege gegangen ist. Wir machten aber auch Wettbewerbe in dem Wir unsere Tauben hochfliegen ließen und die lockten andere Tauben zum Mitfliegen. Beim Landen fingen wir dann diese Fremdtauben ein. Natürlich verloren wir manchmal auch eine oder zwei unserer Tauben.  
Die schönen Drachen
Wir mochten auch gerne Drachen fliegen. Das ging sehr gut auf dem Flachdach unserer Wohnblocks. Mein Bruder Fritz flog die meisten Drachen, da er älter und stärker war. Diese Drachenfliegerei war sehr erregend da man versuchte den Drachen eines anderen Fliegers in der eigenen Schnur zu verwickeln und dann musste man ganz schnell den eigenen Drachen herunter ziehen. Das war ein echtes Wettrennen, da der andere Flieger das Gleiche tat. Wer die Drachen als Erster bei sich auf seinem Dach herunter gezogen hatte der durfte den “eroberten” Fremddrachen behalten. Hierbei zerrissen manchmal die Bindfäden und die Drachen flogen dann unabhängig weit, weit weg. Dabei blieben sie manchmal an Dachantennen oder Hochspannungsleitungen hängen. Meistens haben wir die Drachen selbst gemacht. Auch unsere Mutter half uns oft dabei. Wir nahmen Bambusstöcke und zerschnitten sie vorsichtig in circa 1 cm breite Streifen. Diese Streifen banden wir kräftig mit Bindfaden zusammen. Meistens bildeten wir damit einen 6-Eckigen Rahmen. Darauf klebten wir meistens buntes Seidenpapier. Dann kam die Bespannung mit kräftigem Bindfaden. Ein großer Job war des Drachens Schwanz. Der hatte meistens die Form eines Ypsilons. An dem Schwanz banden wir Kinder, oft waren wir alle vier dabei plus Mutter, kurze Doppelpapierstücke an mit vielen, vielen Knoten. Der Schwanz diente der Stabilität des Drachens und verleite ihm auch ein schönes Rauschen im Wind. Manche der Drachen waren so groß wie ich damals, d.h. circa 1,2 Meter! Je größer ein Drachen, desto kräftiger war er und konnte leichter Fremddrachen erobern. Wir versuchten sie immer schön bunt zu machen, da wir nicht nur den größten und damit den stärksten Drachen haben wollten, er sollte auch der Schönste sein.
Verbotenes Rauchen!
Als ich ungefähr 8 Jahre alt war erwischte mich unsere Mutter oben auf dem Dach, wo ich versteckt unter einer Decke Zigaretten rauchte. Ich hatte diese von meinem Vater, der ein Kettenraucher war, geklaut. Sie zog mich an meine Ohren und verkloppte mich anständig. Diese schlimme Tat musste sie unserem Vater melden, sagte sie und tat es auch. Das war für uns Kinder immer ein schreckliches Erlebnis. An dem Abend nahm mich unser Vater, der sehr streng war, in deren Schlafzimmer. Schon beim Hineingehen ins Zimmer jammerte ich laut und versprach, dass ich es nie wieder tun werde. Die Türe ging zu und er fing an, mir mit seinem Hosengürtel ein paar wohlverdiente Schläge zu geben. Mein Weinen und Jammers war so laut, dass meine Mutter voller Mitleid laut an die verschlossene Tür klopfte und rief “bring ihn nicht um, den Kleinen”. Es half, mein Vater hörte auf mit den Schlägen, machte die Tür auf und ließ mich heulend gehen.
Strenger Vater (er war Jahrgang 1898!)
Ja, unser Vater war sehr streng. Manchmal sogar brutal. Besonders mein Bruder Fritz - der Erstgeborene - bekam sehr viele Schläge. Ich sehe immer noch die Bilder wo der Fritz im Schlafzimmer unserer Eltern an dem Chromfarbenen Messing-Bettgestell mit Riemen, wie Jesus Christus am Kreuz, festgezurrt war und unser Vater mit seinem Hosengürtel oder der gefürchteten “Trapatschka” (Rumänischer Teppichklopfer?), ihm auf dem Rücken fürchterliche Hiebe gab... und nicht Wenige! Wir mussten dabei auch noch zugucken. Eine sehr effektive Art der Einschüchterung. Der Fritz, mein Bruder war aber hart und machte meistens die Situation noch schlimmer in dem Er erstens nicht weinte und zweitens auch noch zynisch fragte “bist du fertig?” So eine herausfordernde Einstellung machte unseren Vater noch böser, noch wilder und er gab dem armen Fritz noch mehr Schläge. Wie schon oben erwähnt, ich war anders. Ich heulte schon, wenn unser Vater mich streng anguckte. Außerdem hatte ich das Glück, das ich der Jüngste und das letzte Kind war. Blond, frech aber nicht aufsässig. So war ich von meiner Mutter sehr verwöhnt. Manchmal bekamen wir eine “Kollektivstrafe”: Irgendetwas müssen wir alle vier zusammen angestellt haben? Unser Vater bestrafte uns, indem er uns zwang, für circa 10 Minuten oder so, auf rohen Reiskörnern zu knien. Die harten Körner pressten sich in die Haut ein und taten furchtbar weh. Gott sei Dank hat uns unsere Mutter nicht immer bei unserem Vater gemeldet, wenn wir mal wieder über die Stränge gesprungen sind. Sie wusste wohl, wie brutal er sein konnte. Mein Bruder Fritz war aber auch manchmal ein Schlawiner. So erzählte er mir, dass der Vater ‘mal sein Auto hat zu Hause stehen lassen. Ich nehme an, dass er war auf zum Derby nach Kairo gereist? Da hat der Fritz seinen heimlich nachgemachten Autoschlüssel genommen und ist mit seinen Freunden (und –innen?) spazieren gefahren. Da war das Auto wohl überladen und er fuhr wahrscheinlich ein wenig zu schnell? Was macht denn auch so’ n Teenager? Da flogen sie über einen Bahnübergang und der Auspuff, mitsamt dem Schalldämpfer, ist direkt vorne am Motor abgerissen. Er steckte das lange Auspuffrohr durchs Fenster und fuhr nach Hause. Der Vater sah das kaputte Auto am nächsten Tag und bekam beinahe einen Schlaganfall. So bekam der Fritz mal wieder eine gewaltige Tracht Prügel. Apropos Schlüssel nachmachen. Ich hatte das auch vom Fritz gelernt und hatte einen seiner Schlüssel nachgemacht und so konnte ich seinen Schrank aufmachen, in dem er Süßigkeiten verstaute. Eine ganz schöne Tracht Prügel bekam ich vom Fritz dafür, verdienterweise. Der Fritz war sehr talentiert mit Mechanik. Er hatte praktisch eine Feinmechanikerwerkstätte in seinem Zimmer. Dort machte er die letzten paar Jahre die wir noch in Ägypten waren verschiedene Werkzeuge für Ärzte. Unser Vater hatte auch Rheuma. Da hat er sich aufs Bett gelegt und die Mutti hat ihm „Kupkes“ auf den Rücken gelegt. Das waren kleine Gläser, die sie mit Spiritus erwärmte, sodass die Luft sich ausdehnte. Sobald diese Saugnäpfe auf dem Rücken unseres Vaters waren, kühlte sich die Luft ab und da entstand ein Vakuum. Dieser wiederum saugte die Haut ein und da entstand eine kleine Beule, wo angeblich die Feuchtigkeit aus dem Körper herausgesogen worden ist.
Jacky. Unser erster Hund.
Unser Vater hatte auch eine weiche Seite. Besonders wenn er im Billiarde-Klub gut gespielt oder beim Wettspiel gewonnen hatte. Circa 1946. Wir vier Kinder saßen mal auf dem Boden von unserem großen Balkon und spielten irgendein Spiel wie Mensch-Ärgere-Dich-Nicht. Da kam unser Vater herein und hatte eine schöne Lederjacke an. Eine wie die Flug-Piloten sie oft anhaben. Er stand da in seiner vollen Größe und lächelte uns an. Er fragte “sieht ihr etwas, was anders ist an mich?” Wir guckten ihn erstmal verdutzt an. Dann schrieen wir alle zusammen “ein Hund”??? Er hatte einen winzig-kleinen Hund in einer der Brusttaschen seiner Fliegerjacke. Der Hund hatte nur den kleinen Kopf und seine Vorderbeine aus der Tasche gesteckt. Das war eine Riesen-Überraschung und -Freude. Wir nannten den Hund “Jackie”. Sie brachte uns viel Freude. Aber sie machte auch unser Leben schwieriger, denn jetzt mussten wir auch noch für sie Platz in unserem Motorrad mit Seitenwagen finden. Die Jackie war circa so groß wie ein Cockerspaniel und eine Mischung von wer-weiß-wie-viele Rassen. Sie war sehr lieb, außer wenn sie aß oder wenn sie Nachwuchs hatte. Da durfte nur unsere Mutter ihr in die Nähe kommen. Sie knurrte warnend und fletschte die Zähne, wenn wir näher kamen. Es war klug, sie dann alleine zu lassen. Einmal haben wir die Jackie alleine auf dem Balkon gelassen und sind irgendwohin gefahren. (Wahrscheinlich in die Innenstadt um beim Trianon einen schönen Kaffee mit Kuchen zu genießen? Als wir nach vielen Stunden wieder zu Hause waren entdeckten wir, dass die Jackie ein Loch von circa 8 cm Durchmesser in die Balkontür genagt hatte. Durch dieses Loch hatte die Jackie eine Ecke vom Vorhang erwischt und hat ihn kaputt gefressen! Ach, war da die Mutter böse auf den Hund! War aber verständlich, dachte ich, die Jackie wollte nicht alleine zu Hause sein!?!
Die Weihnachtszeit
Die Weihnacht war immer schön in der Daira Sef El Din. Praktisch jedes Jahr hatten wir einen hübschen, natürlichen Weihnachtsbaum. Die kamen anscheinend aus dem Libanon, wo es viele Wälder gibt (oder gab?). Unsere Mutter dekorierte sie immer sehr schön, wie es eben in Deutschland Tradition ist. Sie benützte echte Kerzen denn damals gab es noch keine Elektrischen. So passierte es ein paar Mal, dass der Weihnachtsbaum Feuer fing. Da war unsere Mutter sehr mutig, die im Nu, ohne zu zögern, den Baum schnappte und mit ihm durch den Korridor lief (circa 8 m) und ihn unter die Dusche stellte.  Natürlich wurde sie auch ganz schön nass und wir hatten unsere helle Freude zu sehen, wie voller Energie die Mutter das Problem löste. Oft hatten wir entweder eine Gans oder einen Truthahn als Weihnachtsfestmahl. Da schickte unser Vater einer seiner Mechaniker aus der Bonneterie zu uns nach Hause um uns so’n Vogel anzuliefern. Diese Tiere, besonders die Gänse, wurden wochenlang gemästet. Dabei nahm unsere Mutter sie im Klinsch auf den Schoß, hielt deren langen Hals fest und stopfte in Milch aufgeweichtes Weißbrot in deren Schnabel. Diese Tiere verweilten während dieser Zeit in unserem Badezimmer, wo die Dusche (Weihnachtsbaumlöschstation) war. Das war schön denn dann brauchten wir uns nicht so oft zu waschen! Ich glaube, dass unsere Mutter dann auch noch die Vögel schlachtete, füllte und dann backte. Es war immer ein herrlicher Schmaus.
Weihnachten war auch immer die Backzeit für unsere Mutter. Sie fing schon im Oktober an zu backen, oft bis spät in die Nacht. Wie schon oben erwähnt, manche der Kekse waren für die Kriegsgefangenen und Nachbarn, aber die meisten waren für uns. Sie füllte große Holzkisten (60x60x120 cm) voll und hatte noch einen Haufen anderer Schachteln gefüllt mit Keksen. Die Traudl und die Mary halfen immer kräftig mit, da es schon ein großes Unterfangen war. Wir hatten manchmal Gebäck bis zu Ostern. Aber zu Ostern gab es oft Schnecken (ein Gebäck, kein Tier!) die in der Mitte mit einem bunten Ei versehen waren. Auch versteckte unsere Mutter Silbermünzen ins Gebäck und wir freuten uns immer die zu finden, ohne unsere Zähne kaputt zu beißen. Unsere Mutter erzählte, dass einmal, mitten in der Nacht, wo sie am Backen war, da kam der Fritz in die Küche und zählte gewissenhaft das Besteck in der Küchenschublade. Er war am Schlafwandlern! Sie ließ ihn ruhig zählen, damit sie ihn nicht aufweckt und erschrickt. Er ging danach wieder brav ins Bett und wusste am nächsten Tag nichts davon. Er war wohl im Traum der Ober-Inspektor?
Das Essen
Ja, Essen war immer wichtig bei uns zu Hause. Die Mutter kochte sehr gut und freute sich immer, wenn wir anständig zuhauten. Sie freute sich nicht sehr, wenn man ihr sagte, dass das Essen gut schmeckte. Sie erwiderte “das kann jeder sagen”! Aber wenn wir Nachschlag holten, dann lächelte sie zufrieden denn das war der Beweis, dass es schmeckt. So waren wir alle mollig, um es gelinde zu beschreiben. Zum Ende des Monats hin, wo so allmählich das Haushaltsgeld zu Ende ging, bekamen wir immer mehr und mehr Kartoffeln, Nudeln oder Reis, mit viel Soße. Dann beschwört uns die Mutter, Brot zu essen, damit wir satt wurden. Bis heute kann ich keine Wurst oder ein Stück Käse essen, ohne das ich ein Stück Brot dazu habe. Eine andere Art uns zum Essen zu animieren war, dass es am nächsten Tag schlecht Wetter wird, wenn wir nicht alles aufessen. Es wurde auch nichts weggeworfen. Wenn etwas übrig blieb, was selten war, wurde es am nächsten Tag serviert und verputzt. Wir hatten ja keinen Kühlschrank, das heißt keinen Elektrischen, wie man ihn heute für selbstverständlich hält. Aber wir waren schon super-modern denn wir hatten eine Kühltruhe, die mit Eisblöcken gekühlt werden konnte. Die Eismänner kamen auf der Straße mit einem zweirädrigen Handkarren an auf dem Sie Eisblöcke hatten, die circa 20 x 20 cm im Querschnitt waren und circa 120 cm lang waren. Man kaufte die Eisblöcke und die Männer trugen sie auf ihren Schultern die 4 Stockwerke hoch zu unserer Wohnung. Die Kühltruhe hatte auch eine Rohrspirale drin auf der das Eis lag. Am ende der Spirale, außerhalb der Truhe, war ein Wasserhahn, aus dem wir dann eisgekühltes Wasser trinken konnten. Modern, was? Manchmal, ich glaube am ende des Monats, wo das Geld knapp wurde, bekamen wir “billiges” Essen. Eines davon nannte sich “Molocheya”, das so ähnlich ist wie Spinat. Es wurde mit Schafsfleisch lange gekocht, bis es schön schleimig wurde und entsprechend schlecht roch. Oh mein Gott, das mochte ich nicht. Als ich klein war, wollte ich es nicht essen. Da nahm mich meine Mutter auf ihrem Schoß, mein rechter Arm war hinter ihr eingeklemmt und mein linker Arm, war fest in ihrer linken Hand. Mit der rechten Hand und einem Löffel zwang sie mir das scheußliche Zeugs in den Hals. Es war wirklich abscheulich:- Gott sei Dank- passierte dies selten, denn unsere Mutter konnte gut kochen und wir aßen, und aßen, und aßen. Mein Lieblingsgericht ist heute noch “Kofta bel Ros el Ahmar”. Frikadellen mit rotem Reis. Des Öfteren aßen wir “Fool”, das Hauptnahrungsmittel der Araber. Das sind Fava- oder Soja-Bohnen, die sehr lange und sehr langsam auf kleiner Flamme gekocht werden. Die werden dann mit ein wenig Olivenöl, Salz und Pfeffer gegessen. Schmecken sehr gut. Manchmal aßen wir den Fuhl zum Frühstück. Aber wir kochten ihn nicht selbst. Wir kauften ihn von einem wandernden Händler. Der hatte eine zweirädrigen Holzkarre die er auf der Straße durch die Gegend schob. Darauf befand sich eine riesengroße Kupferkanne, in der er den Fuhl hatte. Unter der Kanne hatte er ein kleines Feuer um den Fuhl warm zu halten. Wir gingen nicht einmal die Treppen (4 Stockwerke!) ‘runter sondern wir nahmen einen kleinen Korb, der an einem Seil festgebunden war, taten ein paar Piaster (10 Cents oder so) und eine Schüssel da ‘rein und ließen diesen Korb vorsichtig die 4 Stockwerke ‘runter. Wir schrieen ihm zu, dass wir Fuhl haben wollten. Er füllte die Schüssel und wir zogen den Korb samt Inhalt hoch zu unserem Balkon. Manchmal bereitete unsere Mutter den Fuhl mit Eiern und Zwiebeln zu. Andere Male kauften wir uns Falafel, die sehr gut zum Fuhl passen. Diese musste man aber gleich warm essen, sonst schmecken sie nicht. Die sind auch aus den gleichen Bohnen gemacht und sind stark gewürzt, mit viel Cumin. Die Falafel Paste wird frittiert und schmeckt wunderbar.
Manchmal schickte unsere Mutter uns Kinder zum “Shopping” damit wir Gemüse und anderes Esszeugs kaufen. Da ging ich nur schräg über die Straße und handelte mit dem Gemüsehändler bis zum geht nicht mehr. In Ägypten handelt man über alles. Auch klaute ich manchmal ein wenig, wenn der Händler nicht guckte. Das Fleisch kaufte unsere Mutter selbst. Der Metzger war ja gleich um die Ecke bei der Straßenbahn-Haltestelle von Moharam Bey. Der Metzger hatte die verschiedenen Tiere von der Decke an Hacken hängen. Wie z.B. Rind-, Schafs-, Ziegen-, Hasen-, Lamm-, Schafsfleisch, Hühner und Anderes. Mann suchte das Fleisch aus was man haben wollte. Der Metzger schnitt oder er zermahlte es in Hackfleisch, wie man es wollte. Wie gesagt, damals gab es keine Kühlschränke. Die Fliegen sausten wild herum, Kackerlatschen rannten in den Ecken herum, es war “wild”. Deswegen bekamen wir so ziemlich alljährlich Impfungen gegen Typhus, Cholera, Dysenterie und viele andere Krankheiten, die in Ägypten ganz schön verbreitet waren. Eines Jahres fuhr uns unser Vati in seinem Hilman (Englisches Auto) zum großen Krankenhaus in Alexandrien. Wie beinahe jedes Jahr wurden wir alle geimpft. Wir wollten abfahren. Ich war der letzte der einstieg, auf dem Schoss meiner Mutter. Meine Geschwister, der Fritz, die Traudl und die Mary saßen schon auf dem Hintersitz. Ich war noch nicht ganz drin und hielt mich noch am Fensterrahmen mit der Rechten Hand fest. Die Mutti dachte ich war schon drin, was ich auch war, außer meiner rechten Hand. Die war noch teilweise draußen. Die Mutti knallte die Türe zu und dabei quetschte sie meinen rechten Daumen zwischen Tür und Rahmen. Mein Schrei war stärker als der von Tarzan. Ich schrie wie am Spieß. Sie machte die Türe gleich wieder auf. Mein Daumen war am Bluten wie noch nie. So liefen wir gleich wieder ins Krankenhaus hinein und mir wurde ein Verband verpasst. Zum Glück ist der Knochen nicht verletzt worden, und ich trug nur eine kleine Narbe davon.

Die Straßenbahn und mein Auto-Unfall
Wir hatten ganz in der Nähe unserer Wohnung eine elektrische Straßenbahn. Die nahmen wir manchmal zur Schule, zum Bahnhof oder in die Innenstadt. Einmal, als ich ungefähr 8 Jahre alt war, kreuzte ich im Laufen die Straße vor einer Straßenbahn, die an der Haltestelle hielt. Da erwischte mich ein Taxi (Fiat), der unrechtgemäß die stehende Straßenbahn an der linken Seite überholte. Ich flog wohl 3 bis 4 Meter durch die Luft und landete hart auf dem Asphalt. Ich lag da flach auf den Boden. Gott sei Dank konnte der Taxifahrer gut bremsen und kam ein paar Zentimeter vor mir zum Stehen. Die Leute an der Haltestelle, viele kannten mich, schreien, schimpften, fluchten und wollten den Taxi-Fahrer lynchen. Aber sie ließen ihn gehen, da ich außer ein paar Kratzer nicht verletzt worden war. Sie halfen mir hoch und begleiteten mich nach Hause. Ich dachte, ich hatte gerade eine Episode von Superman erlebt, da ich durch die Luft geflogen bin!? Sehr wahrscheinlich wollte ich über die Straße, weil da drüben ein Konditorladen war, der meine Lieblingsspeise backte: Harissa. Es ist ein himmlisches Zeugs mit viel Honig, Nüssen usw. gemacht und schmeckt wunderherrlich, besonders wenn man es zusammen mit einer Flasche Pepsi Cola isst.
Fritz der Beschützer
Wir spielten viel mit Murmeln in der Nachbarschaft. Es war, egal ob der Andere ein Jude war oder ein Grieche oder ein Araber oder Italiener. Aber manchmal hatten wir Schwierigkeiten mit Kindern von anderen Gegenden. In diesen Fällen war es immer schön schreien zu können und der Fritz mit seinen Freunden, die ja circa 5 bis 7 Jahre älter waren als wir, kamen zur Hilfe. Da liefen die Halbstarken aber schnell weg.
Der Fritz hatte auch ein Luftgewehr. Da stolzierte er die Straße ‘rauf und ‘runter und schoss Wildtauben oder Spatzen ab. Die gab er dann den Putzfrauen, die sie gerne aßen. Er beschützte mich auch vor dem Ali, ein Nachbar und ein Freund von der Traudl und dem Fritz, da sie auch gleichaltrig waren. Der Kerl war, wie so viele Araber, ein bisexueller und streichelte mich und wollte mir unangenehm näher kommen. Da bin ich ihm weggelaufen und habe ihn beim Fritz verpfiffen. Der hat ihm eine ganz schöne Tracht Prügel gegeben und die Freundschaft mit Fritz und der Traudl ging in die Binsen. Wir hörten später, dass der Ali zur ägyptischen Marine gegangen ist und ist bei der Suez-Krise (circa 1952) zwischen den Briten, Franzosen und den Ägyptern umgekommen ist.
Der Fritz war mal so lieb und hat mir sein so gut wie nagelneues Fahrrad ausgeliehen. Ich muss wohl so um die 12 gewesen sein? Es war ein schönes Stück Technik von “Peugeot” mit Aluminium rahmen und mit vielen Gängen. Da bin ich zu schnell auf dem Hof von Don Bosco in Alexandrien gefahren und bin mit voller Wucht, frontal in eine Mauer gefahren. Siehe da, der Leichtmetallrahmen verbog sich vorne an der Gabel. Ich hatte furchtbare Angst verdroschen zu werden ist aber nichts geworden. Die schlimmere Strafe war, dass ich nie wieder dem Fritz sein schönes Fahrrad fahren durfte.
Mein Freund Erfan
Mein “bester Freund” in der Daira Sef El Din war der Erfan Abder Ader Beschir. Er war im gleichen Alter, wie ich und wohnte im nächsten Gebäude im dritten Stock. Wir spielten viel zusammen und mit seinen vielen Schwestern, ich glaube er hatte 4 oder 5 (¿) die alle ein wenig älter waren als wir. Sie lehrten uns die menschliche Anatomie und das Geschlechtsleben der Ameisen. Als Sonja und ich in 1965 Alexandrien besuchten haben wir den Erfan getroffen und eine ägyptische Hochzeit mitgefeiert. Wir waren von Australien auf dem Weg nach Deutschland damals. Der Erfan und seine Freunde scheinen bisexuell gewesen zu sein und rauchten viel Haschisch während der Feierlichkeiten.
Die Tenedios und Leila
Ein anderer guter Nachbar in der Daira Sef El Din war die Familie Tenedios. Sie wohnten im ersten Stock, uns gegenüber (wir waren im Vierten). Der Vater hieß Georgi, die Mutter hieß Marika, Nitsa war die Tochter (ca. 2 Jahre jünger als ich) und der Sohn hieß Costa der ca. 2 Jahre jünger war als die Nitsa. Da wir nicht griechisch sprechen konnten, verständigten wir uns auf Französisch oder Arabisch, die Landessprache. Die Marika war eine erstklassige Köchin. Sie lud uns oft ein. In deren Wohngebäude, zwei Stock höher wohnte eine libanesische Familie die eine Tochter hatten, die ungefähr in meinem Alter war. Sie hieß “Leila”. Sie war himmlisch hübsch und ich war schon mit 8 in ihr sehr verknallt. Unglücklicherweise wurde sie schon mit jungen Jahren sehr krank, verlor viel Gewicht und verstarb schon mit 10 Jahren (circa 1948). Dies war meine erste Begegnung mit dem Tod und machte mich sehr traurig.
Der Costa war ein schlechter Esser. Er hatte nie Hunger und war ein wenig dünn. So lud mich die Marika oft ein, um als “Voresser” dem Costa Appetit zu machen. Es scheint geklappt zu haben. Die Marika backte diese herrlichen griechischen Süßigkeiten wie Baklava, u.ä., voll mit Honig, Nüssen, usw. Die Besten waren dann noch die die sie mit Rum oder Brandy backte. Da genoss man den Nachtisch und wurde dabei leicht blau. Der Georgi, Nitsa’s Vater, machte abends Schuhkartons um ein wenig zusätzliches Einkommen zu haben. Des Öfteren lud er mich ein, ihm zu helfen. Da half auch der Georgi mit, der später die Nitsa heiratete. Für meine Hilfe bekam ich ein paar Piaster die ich prompt wieder für “Harissa” und Pepsi ausgab, oder ich kaufte mir manchmal auch noch ‘ne Taube.
Wie schon oben erwähn, besuchten Sonja und ich Alexandrien in 1965 und wir übernachteten bei der Nitsa die in der Zwischenzeit die Wohnung ihrer Eltern übernommen hatte. Ihre Eltern waren in der Zwischenzeit verstorben. Der Costa war nach Australien ausgewandert. Leider haben wir den Kontakt mit der Nitsa und dem Costa verloren. In 1999, als wir Griechenland besuchten, versuchten wir die Nitsa zu finden, ohne Erfolg. Wenn ich es richtig verstanden hatte, sagte man mir, dass die Nitsa zu ihrem Bruder, dem Costa, nach Australien gegangen ist.
Parkanlagen und Strände von Alexandrien
Zu Fuß konnten wir in ca. einer Stunde von unserer Wohnung zum Strand am Mittelmeer laufen. Unterwegs kamen wir durch einen Park der “Shallalat” hieß. Wir spielten oft in diesem Park der Riesenbäume hatte, die man so schön klettern konnte. Von dort aus liefen wir weiter durch eine vornehme Villengegend, die voll mit Palmen bestückt war. Dann kamen wir zur Strandstraße, die “Corniche”, die viele Kilometer direkt am Strand von Alexandrien läuft. An einem Ende befindet sich der Palast Montasa vom König Farouk. Heute ist es ein Museum. Aber der nächste Strand für uns war “Chatby”. Unsere Mutter mietete im Sommer dort des Öfteren eine kleine, circa 6 Quadratmeter große Kabine zum Umkleiden. Wir verbrachten unzählige, selige Stunden dort, wo zur gleichen Zeit Europa sich im Zweiten Weltkrieg gegenseitig umbrachte. Am Strand bauten wir Burgen, lernten schwimmen und holten uns Sonnenbrände. Wir konnten auch “Pennisoirs” mieten, so ähnlich wie ein offener Kajak. Die Ägypter machten die selbst aus einem Dünnen Holzrahmen, der mit Segeltuch bespannt war. Shatby hatte auch ein sehr schönes Restaurant, dass auf Stelzen mitten im Wasser errichtet wurde. Der Strand hatte auch freie Duschen, die man kostenlos benützen konnte.
Ein sehr schöner Strand den wir ein paar Mal besucht haben (ca. 1950) war ein wenig weiter draußen. Der hieß “Mandara”. Man musste den Bus oder den Zug dahin nehmen, oder unser Vater brachte uns dahin, wenn er nicht Billiarde spielen wollte, konnte oder musste? In Mandara hat unsere Mutter (oder der Vater?) ein kleines Strandhaus gemietet für den Sommer. Dort hatte ich ein großes Problem, dass mich schon seit Jahren plagte: Bettnässen. Unsere Mutter hatte von verschiedenen einheimischen Quellen gehört, dass das sengen der Haut mit einem rot-glühenden, heißen, 15 cm langen, 4 mm dicken Nagel dieses Problem löst. So versuchte sie es an mir. Ich wurde festgehalten von mehreren Personen (Hexen?) und ich wurde zweimal an den Beinen gesengt. Die verbrannte Haut stank, ich schrie wie am Spieß (ich war am Spieß!?) und? Es half nichts. Meine schwache Blase machte weiterhin, was sie wollte. Gelöst wurde das Problem als ich bei unseren griechischen Nachbarn, den Tenedios übernachtet habe und dort nicht ins Bett pinkeln wollte. Nach diesem Besuch habe ich das Bettnässen überwunden. In Mandara ist unsere Mutter beinahe ‘mal ertrunken. Sie schwamm zu weit vom Strand weg und wurde von der Strömung erfasst und noch weiter heraus getragen. Brave Rettungsschwimmer holten sie wieder zurück. Der Fritz hatte dort einmal das gleiche Malheur. Er wurde auch von der Strömung sehr weit herausgetragen. Er war aber ein erstklassiger Schwimmer und schwamm quer zur Strömung. Dabei schaffte er es nach vielen Stunden Schwimmen, das Ufer wieder zu erreichen.
Manchmal sind wir auch in den alten Hafen von Alexandrien gefahren, wo eine Gegend “Ramla Beda” (weißer Sand) hieß. Dort lagen viele, alte Schiffe auf Grund, da sie im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Luftwaffe versenkt worden waren. Wir mieteten für ein paar Piaster ein altes Motorboot und der Fritz kutterte uns dorthin. Wir kletterten die steilen Schiffstreppen hoch und sprangen von 4 bis 5 Meter Höhe in das Meer. Das Wasser war herrlich klar und sauber, da dieser Hafen nicht mehr benützt wurde. Die Engländer hatten einen neuen Hafen woanders gebaut. Ja, Alexandrien hat mindestens drei Häfen, einer den die alten Ägypter schon vor dreitausend Jahren gebaut hatten, und diesen Verlassenen und einen Neuen, Großhafen.
Abukir, der himmlische Strand
Dies ist ein wunderschöner Strand außerhalb von Alexandrien. Wir sind des Öfteren dorthin gegangen, da es abseits lag und nicht mit Menschen überlaufen war. Sogar unser Vater war ein paar Mal mit uns. Eigentlich eine Seltenheit denn meistens gingen wir ohne ihn zum Strand. Entweder hatte er viel Arbeit oder er zog es vor Billiarde zu spielen; oder er war nach Kairo gereist, um zum Pferderennen zu gehen. Abukir ist auch historisch sehr wichtig, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Abukir. Der Sand von Abukir war sehr sanft und weiß. Wir spielten in einer alten Festung, die auf einem großen Sandhügel war. Diese war von Napoleon errichtet worden. Alte, riesengroße Kanonen waren, da oben auf denen wir herumritten. Man hatte eine sehr gute Aussicht von da oben, über eine Reihe von kleinen Inseln, die in das azurblaue Mittelmeer hineinragten. Dies waren die Inseln, wurde uns erzählt, auf denen der britische Admiral Horatio Nelson sprungweise aufs Festland vorrückte. Er landete erst auf die am weitesten draußen sich befindliche Insel. Dort stellte er seine überlegenen Kanonen auf. Dem Napoleon seine Kanonen hatten nicht die Reichweite und so konnte der Nelson die Festung bombardieren, da seine Kanonen eine längere Reichweite hatten. Der Nelson gewann die Schlacht und der Napoleon segelte blamiert zurück nach Frankreich. Seine Truppen ließ er verhungernd zurück. So ähnlich machte er es auch später in Moskau, wo er auch die Schlacht verlor und die Truppen hinterließ, die dann im eiskalten Winter erfroren. Es war nicht leicht für uns nach Abukir zu kommen, da es eine Militärzone war. Aber mit ein wenig “Bakschisch” (Bestechung) ließen die Wächter uns ‘rein. Manchmal kam sogar unser Vater mit nach Abukir. Wir halfen ab und zu, den Fischern die Netze an Land zu ziehen. Da bekamen wir für wenig Geld frische Fische die wir gleich, von unserer Mutter gekocht, verputzten. Viele Wassermelonen (Batticha) haben dort gegessen. Diese saftigen Früchte mundeten uns ehr gut in der Hitze, die dort im Sommer herrschte. Obwohl der Fritz ein sehr guter Schwimmer war, ist er mal von einer Strömung weggerissen worden. Er wusste aber, dass man nicht gegen die Strömung schwimmt, in diesen Fällen sondern quer dazu. Das machte auch der clevere Kerl und kam wohl ein paar Kilometer weiter unten am Strand an Land, aber er überlebte es und erzählte uns diese Geschichte.
Der Nouzha Garten in Alexandrien
Ein sehr schöner Park, den die Briten haben errichten lassen. Er war riesengroß und sehr schön. Da war auch der Zoo, den wir öfters besuchten. Wir haben ein paar Bilder von uns und unsere Eltern, wo wir in diesem Garten fotografiert worden sind.
Der Billiarde Klub
Wie schon gesagt, unser Vater mochte gerne zu seinem Billiarde Klub gehen, der in der Innenstadt war. Er spielte meistens, wenn nicht immer, um Geld. Konnte er sich auch leisten, da er ein sehr guter Spieler war. Ich glaube er war sogar ein paar Mal der “Champion” von Alexandrien. Es war erstaunlich zu sehen, wie die Billiarde spielten. Manchmal durften wir dabei sein. mussten aber Mucksmäuschen still sein. Die Konzentration der Spieler war extrem hoch. Einmal machten sie eine “Show” wo sie die Billardkugeln von einem Tisch zum anderen, circa 2 Meter weit, springen ließen, um dort dann noch eine “Karambolage” zu machen, d.h. die weiße Kugel muss an drei Banden anstoßen bevor sie die zwei gegnerischen Kugeln stößt. Das war Akrobatik!
Wenn wir Kinder zum Kino gehen wollten und wir kein Geld dafür hatten, was alltäglich war, dann schickte mich der Fritz in den Billiarde Klub hinein. Ich bettelte dann unseren Vater ungeniert an. Er wollte sich nicht blamieren und gab mir meistens die paar Piaster, die wir fürs Kino brauchten. Wir mochten gerne in das nagelneue MGM-Cinema gehen (1948). Es war sehr hübsch mit viel Marmor und war sehr modern. Überhaupt war Alexandrien damals sehr modern, sodass es mit Montecarlo konkurrierte. Die Briten hatten es zu einer sehr hübschen und modernen Stadt entwickelt.
Die Schule der St. Borromäerinnen
Wir vier Kinder besuchten die deutsche Schule der St. Borromäerinnen; eine katholische Ordensschule in Alexandrien die ungefähr eine halbe Stunde per Straßenbahn von uns weg war. Mein Zeugnis zeigt, dass ich diese Schule von 1942 bis 1949 besucht habe. Es war eine Kombinationsschule von Volks- und Mittel- und Hochschule, die von Ordens-Schwestern geführt wurde. Gleich von der ersten Klasse an wurden wir in vier Sprachen im Lesen, Schreiben und Sprechen unterrichtet, und zwar in Deutsch, französisch, englisch und arabisch. Natürlich gab es auch Religionsunterricht, Mathematik, Geografie und Allgemeinlehre. Die Schule war ganz schön teuer, aber unsere liebe Mutter bestand darauf, dass wir was Vernünftiges lernen und so hat sie den Vater davon überzeugt. Der Fritz, die Traudl und die Mary machten die Schule da fertig aber ich war nur 4 Jahre da. Das kam daher, dass die Schule eigentlich eine Mädchenschule war (Owei!?). Aber bei meinem 4-ten Jahr wäre ich der einzige Junge gewesen unter 14 Mädchen (ach wie schön wäre das gewesen!?!) denn die anderen 3 Jungs die mit mir angefangen hatten waren nicht mehr da. Einer, der Rama, indischer Herkunft, war bei einem Autounfall an der Cornishe (Strandstraße) umgekommen. Die zwei anderen Jungs (ein Libanese und ein Italiener?) sind nach Brasilien ausgewandert. Es ist möglich, dass deren Eltern nicht in Ägypten bleiben, wollten da in dem Jahr (1948) der Staat Israel von der UN ins Leben gerufen worden ist und die Ägypter von Krieg sprachen da sie Israel auf palästinensischen Boden nicht dulden wollten. In der zweiten Klasse, als ich 8 Jahre jung war erwischte mich eine Schwester im Klo wo ich mit einem bildhübschen, französischen Mädchen war, die Jeanette Buktor hieß. Ich wollte sie küssen und sie wollte aber nicht. So hatte ich sie im Klo ganz alleine für mich und sie konnte mir nicht mehr weglaufen. Aber jemand hatte mich verpfiffen und die Schwester holte mich aus dem Klo und verdreschte mich. Hand aufmachen war die Tour. Und dann mit einem Lineal fest in die offenen Hände hineingeschlagen. Autsch tat das weh! Aber es war verdient, oder? Eine Schwester die oft, und manchmal ohne Grund, uns schlug (wohl eine Sadistin?) wurde von der Direktorin gescholten, nachdem ich mich bei unserer Mutter beschwert hatte. Die Mutti kam mit zur Schule und brachte die Beschwerde ein. So sah man, dass die meisten Schwestern sehr nett und freundlich waren. Nur die französisch-Lehrerin, keine Schwester, war sehr streng und benützte die gleiche Taktik mit dem Lineal, wenn wir mal wieder frech waren. Auch mussten wir des Öfteren in die Ecke gehen und den Zeigefinger auf den Mund halten.

Religion
Unsere Mutter war ganz schön religiös, im Gegensatz zu unserem Vater, der von Religion wenig hören wollte. So wurden wir in einer deutschen, evangelischen Kirche in Alexandrien getauft. Aber der alte, traditionsbewusste und konservative Pastor erlaubte keine Abkürzungen und modernistische Namen. So wurde von Fritz Friedrich, aus Traudl wurde Gertraude, aus Mary wurde Marie und letzten Endes wurde aus Hans Johann. Ab und zu gingen wir zur Kirche damit Mutti zufrieden und glücklich war. Wir gingen manchmal auch mit italienischen Freunden zur katholischen Kirche. Am Schönsten waren die Besuche zur griechisch-orthodoxen Kirche, besonders zu deren Weihnacht, die am 6ten Januar stattfindet. Die Mönche konnten so herrlich singen es war eine Wonne. Zusammen mit meinem innigen Freund Erfan bin auch zur Mosche gegangen und habe den islamischen Gottesschwur gemacht, womit ich ein Moslem wurde.

1948: Ägypten erklärt den Krieg an Israel.
(http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_%C3%84gypten)
Schon 1948 erklärte Ägypten den Krieg an Israel, das von der UN gerade gegründet worden war. Unser Vater erklärte uns, wie furchtbar die Situation war. Die Israelis waren gewappnet mit den neuesten Waffen der Briten und Amerikanern. Die israelischen Truppen waren motiviert bis zum geht nicht mehr denn es hieß, ihre schwer errungene Freiheit zu verteidigen. Auch glaubten sie, dass sie das erlesene Volk sind und das ihnen von Gott versprochene Land verteidigen müssen. Auch waren sie sehr gut trainier, da sie schon seit Jahrzehnten die Briten bekämpften. Obwohl sie weit weniger Soldaten hatten als die Ägypter, schlugen sie diese binnen eines Jahres. Auf der anderen Seite waren die ägyptischen Soldaten schlecht trainiert, überhaupt nicht motiviert (Palästina ist ja schließlich auch nicht ihr Land). Dazu kam, dass sie furchtbar veraltete Waffen hatten, manche noch vom Ersten Weltkrieg. Es wurde berichtet, dass der König Farouk und seine gesamte adelige Entourage (Beys und Paschas) extrem korrupt waren. So hatten uralte Waffen gekauft und Millionen Schmiergelder in die Schweiz verschoben.
Nach 1948 wurde jeder Kaukasier (Weiße) in Ägypten als ein Feind angesehen. Die Briten wurden verhasst als Kolonialisten, die Juden noch viel schlimmer, obwohl diese schon seit Jahrhunderten in Ägypten lebten. So hassten sie auch uns, weil wir Weiße waren. Aber ... wir sprachen perfekt arabisch, sogar mit dem Dialekt von Alexandrien, der ein besonderer ist. Es war interessant, dass wenn wir denen sagten, dass wir deutsche sind (ana Almani), akzeptierten sie uns, oder sie ließen uns in Ruhe. Ich vermute, dass sie die deutschen deswegen mochten, weil sie gegen die Kolonialmacht Groß-Britannien Krieg geführt haben und beinahe Ägypten “befreit” haben. Aber ein anderer Grund war wahrscheinlich auch, weil die deutschen Nazis so viele Millionen Juden im Holocaust umgebracht haben. Die Spannungen wuchsen täglich in Alexandrien und man wurde sehr unsicher. Viele Aufstände (Musahra) fanden statt. Die Briten versuchten, mit ihrem Militär für Ruhe zu sorgen. Aber immer öfters verloren sie die Kontrolle. Die ägyptische Armee fing an gegen die ägyptische Marine zu kämpfen und die ägyptische Flugwaffe schoss dazwischen. Chaos war an der Hand und war am wachsen. Man hörte, dass die Ausständigen mit dem Kopf eines britischen Soldaten Fußball gespielt haben!?!
Während dieser turbulenten Zeit, begannen meine 2 Schwestern Freunde zu haben. Manchmal Italiener und manchmal Ägypter. Unsere Mutter war grundsätzlich dagegen, dass eine ernste Sache mit den ägyptischen Jungs daraus werde. Sie hatte verschiedene Mischehen in Alexandrien kennengelernt und die waren allesamt schlecht abgelaufen. Die Männer verhauten ihre Frauen, und machten ihnen das leben auf Erden zur Hölle.
Unsere Mutter wollte aus Ägypten weg. Mit jedem Tag wurde ihr Wunsch stärker. Sie versuchte unseren Vater zu überzeugen, aber er Widerstand. Er hatte einen guten Job. Er wurde gut bezahlt. Er war circa 35 Jahre in Ägypten. Er hatte viele Freunde und in Europa war vieles durch den Zweiten Weltkrieg zerstört. Verständlicherweise waren die Juden, die als Erste auswanderten. Ziemlich schnell folgten die verschiedenen Europäer. Die Griechen, die auch seit Jahrhunderten dort gelebt hatten, und der Meinung waren, dass Alexandrien eine griechische Stadt war, wanderten aus. Die Italiener, die Alexandrien als eine römische Stadt ansahen und die auch seit Langem dort lebten, hauten ab. Unser Vater überlegte, ob wir nicht nach Brasilien auswandern sollten? Aber ein Italiener, der dorthin auswanderte, schrieb ihm nie wieder zurück. Das Gleiche passierte ihm mit einem Libanesen, der nach Beirut gegangen war. Auch von dem hörte er nie wieder ‘was. Unserem Vater seine Brüder schrieben ihm aus Deutschland, wie schön es da war. Die Geschwister meiner Mutter lebten in München und sagten nicht viel. Unsere Mutter wollte nach Deutschland, weil sie ja doch Deutschland als Heimat ansah, obwohl auch sie in Ägypten (Kairo) geboren worden war. Meines Vaters älterer Bruder, der Onkel Hans und sein jüngerer Bruder, der Onkel Lolo (Karl) waren nach ‘ner langen Odyssee von der Bukowina, über Schlesien (Zwangsumsiedlung durch den Ribbentrop vertag mit der Sowjetunion) http://en.wikipedia.org/wiki/Molotov-Ribbentrop_Pact in Esslingen am Neckar, in Baden-Württemberg vor ein paar Jahren (1946?) als Flüchtlinge angekommen. Der Onkel Hans schrieb aus Plochingen, dass es mit Deutschland aufwärts ginge und wir dorthin kommen sollten.
Istituto Don Bosco in Alexandrien                             
Wie oben erwähnt, konnte ich die deutsche Schule der Borromäerinnen nicht weiter besuchen. So brachte mich unser Vater zum renommierten Istituto Don Bosco, wo der Fritz schon seit ein paar Jahren studierte. Ich besuchte diese Schule vom 15.9.1949 bis zum 31.10.1951. Diese Mittel- und Berufsschule war von katholischen Mönchen geführt die den Schülern Italienisch, Mathematik, Geografie, usw. beibrachten aber auch praktische Mechanik. Ich war aber nur 11 Jahre alt damals und noch ein kleiner Pfurz. Wer bin ich, um ‘was zu sagen. Mir gaben sie eine Kiste, auf der ich stehen konnte. Dann kam ich gerade hoch genug um am Schraubstock feilen, meißeln und sägen zu können. Dabei musste ich mein primitives Italienisch aufmöbeln, um in der Klasse mitzukommen. Uns gaben sie z. B. ein 80-mm-U-Eisen, das wir herunterfielen mussten. Ich glaube das dauerte eine ganze Woche? Ab und zu besuchte mich mein großer Bruder Fritz um zu sehen ob alles OK ist. Ein anderes Projekt war auch wieder ein 80-ger-U-Eisen, dass ich aber dieses Mal heruntermeißeln musste. Auweia tat es weh, wenn der Hammer meine Hand traf, statt des Eisens. Aber so lernt man! Jeden Morgen vor der Schule standen wir in reih und Glied und beteten das Vater Unser auf Lateinisch... in Dominus del Padre...auch ave Maria...mater Dei...ora pronobis pecatoribus...Amen. Wir brauchten dazu circa 10 bis 12 Minuten. Wir hatten dann auch Unterricht in Metallkunde, Astronomie, Mathematik (bis zu 2 Unbekannten und die Kubikwurzel per Hand), Italienisch, Geschichte und katholische Religion. (Gut für Protestanten).
Sprachen kamen uns leicht, weil wir überall in Alexandrien eine andere Sprache sprechen mussten. In unserer Nachbarschaft wohnten Ägypter, mit denen wir Arabisch sprachen, Griechen, mit denen wir Französisch sprachen, Italiener, mit denen wir Italienisch sprachen, usw. Englisch sprachen wir mit den Briten. Französisch war die universelle Sprache, weil sie so schön ist und elegant scheint. Meistens sprach unsere Mutter deutsch zu uns und wir antworteten oft auf Arabisch, da dies die “Straßensprache” war.
Die Bonneterie
Unser Vater arbeitete von 1934 an bis zu unserer Auswanderung in 1951 bei einer Textilwarenfirma, die La Bonneterie hieß. Er begann als Mechaniker und für die letzten 10 Jahre vor unserer Abreise war er technischer Direktor. Die Fabrik war ca. 15 Minuten zu Fuß, von wo wir wohnten. Mann musste den Mahmoudeya Kanal, der Alexandrien mit dem Nil verband, überqueren. Dafür gab es dort eine flache, hölzerne Barke, die ein Fellache mit einem langen Stock vorwärts bewegte. Die Bonneterie stellte Textilwaren her wie z. B. Unterwäsche, Socken, usw. Sie benutzten die besonders gute “Mako” Baumwolle, die einmal ein Exklusivmaterial war für die Ägypten. Die letzten paar Jahre vor unsere Abreise stellten sie sogar Nylonstrümpfe her. Ja die waren modern! Sie hatten ungefähr 400 Rundstühle, die aus England, Deutschland oder der Schweiz gekommen waren. Diese Webstühle hatten Hunderte von Nadeln, viele Hebel, Exzenter, Zahnräder, usw. und liefen sehr schnell und laut.
Diese ganze Mechanik verschleißte (ach wie wichtig das „l“ ist hier!) schnell und brauchte viel Unterhaltung. Das war die Verantwortung unseres Vaters. Er trainierte auch die Araber, damit sie Mechaniker werden. Das war nicht leicht. Er sagte „bei uns deutschen ist die Mechanik schon im Blut. Bei den Arabern musste man damit anfangen, ihnen rechts und links beizubringen“. Einer seiner Mechaniker, Hassan, wurde auch sein Freund. Er war gut in der Arbeit aber auch ehrlich und treu. Dem hat unser Vater gezeigt, wie man ein Kinderauto bastelt. So bekam ich eines, als ich klein war. Dieser Hassan bastelte uns auch Holzformen, die wir am Strand benützten, um hübsche Burgen zu bauen. Der Hassan lernte viel von unserem Vater, denn dieser hatte auch dauernd verschiedene Motorräder. Auf Bildern kann man uns auf Harley Davidson, Indian und Triumph Motorrädern sehen. Die hatten alle Seitenwagen denn sie mussten die 6-Köpfige Familie Heuchert transportieren.
Der Mahmoudia Kanal war außerordentlich verschmutzt. Das Wasser war immer gelb oder braun. Oft schwammen angeschwollene, tote Kühe, Kamele, Ziegen, usw. vorbei. Die Einheimischen Fellachen oder Saiidi Bauern wuschen ihr Gemüse in dem schmutzigen Wasser. Dann „machten sie ihr Geschäft“ auch noch hinein. Der Bauer, der weiter flussabwärts sein Gemüse gerade am Putzen war, der schob einfach den Kot mit seiner Hand oder Bürste zur Seite. Pfui!?! In einem Jahr hatten wir eine Cholera Epidemie. Diese Pest verbreitete sich schnell. So befahlen die Briten, dass kein Wasser aus dem Mahmoudia Kanal getrunken werden darf. Die Araber taten es trotzdem. So befahlen die Briten, dass geschossen wird, wenn man jemand erwischt der das Wasser trinkt. So drastisch mussten die Behörden vorgehen, damit die primitiven Menschen es kapierten. Anscheinend wurden ein paar Bauern tatsächlich auch erschossen.
Unser Vater war ein Kettenraucher. Das sah man an seinen gelben Fingern. Auch wenn er im Büro war, zündete er die eine Zigarette mit dem Stummel der anderen an. Dieses starke Rauchen gab ihm auch den bekannten Raucherhusten. Jeden Morgen konnten wir unseren Vater hören. Er hustete wild und laut. Er gab das Rauchen erst nach dem zweiten Schlaganfall, spät im Leben, auf.
Unser Vater Fritz der Spieler
Wie schon gesagt, unser Vater hatte eine Leidenschaft fürs Wettspielen. Nichtsdestotrotz verlor er nie die Kontrolle über sich. Er sorgte immer für uns. Er war nicht sehr fair unserer Mutter gegenüber denn er verdiente anscheinend ca. 45 ägyptische Pfund in Monat und gab unserer Mutter nur 15 Pfund um den Haushalt zu managen, inklusive der teuren Schulkosten! Somit hatte er einen Haufen Geld für Sein Wettspielen. Er sparte aber keinen einzigen Cent. Er kaufte nie ein Stück Land. Machte keine einzige Investition. Wohl nichts für Spieler?
Ab und zu fuhr unser Vater nach Kairo, um zum großen Pferdederby zu gehen. Wie es beim Spielen ist, manchmal gewann er. Dann kam er zu Hause an mit einem neueren Motorrad, später mit einem Auto. So hatten wir manchmal eine Hilman Limousine, dann ein anderes Mal ein Adler Auto (schön!). Des Öfteren war dann der Kofferraum voll mit guten Sachen, die man damals in der Nachkriegszeit nicht so leicht bekam: Corned Beef Dosen, Quacker Oats, usw. Aber manchmal—wenn er verloren hatte—kam er mit dem Bus nach Hause, mit schlechter Laune. Dann war das Motorrad oder das Auto verspielt. Wir Kinder mussten dann ganz brav und leise sein. Wiederum das Gute war, dass er anscheinend, trotz seiner Spielleidenschaft, nie Schulden machte. Er erzählte mir, dass während der großen Depression Anfang der Dreißiger Jahre (!929-1933) er Geld mit Pokerspielen verdient hatte.
Unser Vater litt auch an Rheuma. So war es sehr lustig zu sehen, wie unsere Mutter ihm die „Kupkes” auf den Rücken tat. Diese Dinger waren, wie kleine 0,3 l Gläser die aufgewärmt wurden und dann auf die Haut gedrückt wurden. Sie wurden mit einem langen Holzstab aufgewärmt, dessen eine Ende, einen Watteball hatte. Dieser wurde in Spiritus getränkt und angezündet. Dann wurde der brennende Teil in das Glas gehalten, der dieses dann schnell aufwärmte. Die warme Luft im Glas kühlte dann ab und zog die Feuchtigkeit aus dem Körper ... wurde uns gesagt.
Der Exodus aus Ägypten
Dies ist nicht die Geschichte von Moses' Exodus, sondern die von der Heuchert-Familie aus Ägypten. Wie gesagt, die Situation in Ägypten wurde unerträglich und lebensgefährlich. Während der Aufstände konnten wir nicht zur Schule gehen (Hurra!). Manchmal brachte uns der Hassan, der treue Mechaniker meines Vaters, zur Schule. Der kannte sicherere Schleichwege durch die Stadt. Oft hörten wir dabei Gewehrschüsse in der Ferne und sogar Schnellfeuergewehre hörte man knattern. Während einem solchen Schulgang hörten wir hinter uns laute Stimmen rufen: “sie kommen, sie kommen”! Viele Leute waren auf den Straßen. Der Hassan bedrängte uns, nicht zurückzugucken und schnell weiter zu laufen. Autos und Lastwagen kreuzten hin und her. Wir kamen an einer Kreuzung an, da fuhr ein Riesen-Armee-Lastwagen auf uns zu, augenscheinlich außer Kontrolle. Wahrscheinlich war der Fahrer erschossen worden oder er war schwer verletzt? Wir liefen wie verrückt zurück und stürzten uns in ein Einkaufsladen hinein. Die Körbe voller Bohnen, Getreide, Linsen, Reis, Salz, usw. flogen in die Luft und wir waren darunter. Da hörten wir einen Krach, als ob der Lastwagen gegen einen Masten gerast ist. Dabei hörten wir einen fürchterlichen Schrei. Wir standen auf und guckten vorsichtig aus dem Laden. Da sah ich, dass der Lastwagen mit seinen hinteren Doppelräder, über ein Kind gefahren war und dessen Hirn lag ein paar Meter weiter weg, mitten auf der Straße. Mann hörte immer noch Schüsse, die immer näher kamen. Der Hassan packte uns und sagte “lass uns hier weglaufen, heute gibt’s keine Schule”. Ich war am weinen. Mir war übel. Die Tränen liefen mir die Wangen ‘runter, aber wir liefen und bangten um unser Leben. Dieses Erlebnis war das Schlimmste in meinem ganzen Leben.
Dann, endlich in 1951, entschied unser Vater nach Deutschland auszuwandern. Die Entscheidung viel ihm dann noch leichter, weil ein Bekannter von ihm, der bei einer Nachbarfirma von der Bonneterie arbeitete, ein Schweizer, von Unbekannten umgebracht worden war und zerstückelt in einem Sack gestopft vor seiner Haustür abgegeben wurde.  Anscheinend hatte er einem Araber keine Arbeitsstelle geben können und der betrachtete dieses als eine Erniedrigung.
In der Zwischenzeit wurde die Situation wirklich furchtbar, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Araber nannten uns Schweine und spuckten uns ins Gesicht. Sie berührten unsittlich unsere Mutter, meine Geschwister und auch mich in der Straßenbahn. Das Chaos wuchs täglich.
So organisierte uns unser Vater deutsche Pässe, obwohl wir “staatenlos” waren. Der jüdische Besitzer der Bonneterie verkaufte die Fabrik und haute auch ab. Das tat auch der schweizerische Direktor. Der Besitzer war noch so nett meinem Vater einen Treue-Bonus (oder Rente) für die 17 Jahre Mitarbeit von ca. 17.000 Pfund zu geben, obwohl er das gar nicht zu tun brauchte. So verließen ziemlich alle Europäer, oder die die so aussahen, das im Chaos verfallene Ägypten. Die Einzigen die geblieben sind waren die Familie Tenedios. Auch unsere guten Freunde, die Familie Samaan, mit samt dem Fritz, seinen guten Freund der Louis Samaan, und meine heimliche Liebe, seine Schwester Kathie waren schon ein paar Jahre vorher nach Marseille, Frankreich ausgewandert (oder geflüchtet). Die Samaans waren eine interessante Familie. Der Vater George war ein einäugiger, cholerischer Syrier, der in einem Waisenheim groß geworden ist. Die Mutter war Madame Samaan die auch in dem gleichen Waisenheim war. Die ältere Schwester hieß Therese und war ein wenig zurückgeblieben mit einem kleinen Kopf. Syrien war mal eine französische Kolonie und deswegen betrachteten sie sich als Franzosen. Wir sahen die Samaans oft, weil die Madam Samaan gut mit unserer Mutter auskam und sie zusammen oft im Kaffeesatz die Zukunft lasen. Anscheinend war unsere Mutter ganz gut darin?         
Die Auswanderung nach Deutschland
Meine Schwester Traudl war mit 18 die Erste die am 21. April 1951 nach Deutschland, als Vorhut geschickt worden war. Sie wurde von Onkel Hans, dem älteren Bruder unseres Vaters, in Hamburg abgeholt, wo ihr Schiff, aus Alexandrien kommend, gelandet war. Sie fuhren mit dem Zug erstmal nach Esslingen zum Onkel Karl (Lolo) für ein paar Wochen, dann ging die Traudl nach München zum Onkel Karl (Bauer), der Bruder von unserer Mutter Klara. In München sollte sie Arbeit finden. Da war aber keine und so fuhr sie zurück nach Esslingen am Neckar und wohnte beim Onkel Lolo und Tante Ditta. Der Onkel Hans hatte anscheinend geschrieben, dass es ihnen in Deutschland gut geht. Warum nicht? Wir hatten deutsche Vorfahren, die Bukowina war mehr Deutsch als alles andere. Wir sprachen deutsch und fühlten uns als Deutsche. Vielleicht waren es auch die deutschen Genen in uns?
Wir verkauften oder verschenkten alles, was wir in Ägypten hatten, außer Kleidung, die wir in Deutschland gebrauchen könnten. Wir nahmen ein italienisches Kreuzschiff (Esperia = Hoffnung???) das direkt von Alexandrien nach Brindisi, Italien segelte. Da es Dezember war, hatten wir hohen Seegang und ich wurde seekrank. Des Öfteren musste ich das Bullauge aufmachen und dort hinauskotzen. Trotzdem gelang es mir, das gute italienische Essen zu verputzen. Besonders die Bosco Birnen sind mir in guter Erinnerung geblieben. Von Brindisi aus nahmen wir den Zug über die Schweiz nach Esslingen am Neckar wo unsere Heuchert-Verwandten lebten. Keiner der Eisenbahn-Inspektoren oder Grenzpolizisten hatten Fragen über unsere gefälschten Pässe. Die schienen besser zu sein als die Echten!?


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Ubi Bene Ubi Casa
(Wo es mir gut geht, da bin ich zu Hause)
Kapitel II
 
Der Exodus der Heuchert...aus Ägypten...nach Deutschland

Die Auswanderung nach Deutschland
Meine Schwester Traudl war mit 18 jungen Jahren die Erste die am 21. April 1951 nach Deutschland, als Vorhut, geschickt worden war. Sie wurde von Onkel Hans, dem älteren Bruder unseres Vaters, in Hamburg abgeholt, wo ihr Schiff, aus Alexandrien kommend, gelandet war. Sie fuhren mit dem Zug erstmal nach Esslingen am Neckar  zum Onkel Karl für ein paar Wochen, dann ging die Traudl nach München zum Onkel Karl (Bauer), der Bruder von unserer Mutter Klara. In München sollte sie Arbeit finden. Da war aber keine und so fuhr sie zurück nach Esslingen und wohnte beim Onkel Lolo und Tante Ditta. Der Onkel Hans hatte anscheinend geschrieben, dass es ihnen in Deutschland gut geht. Warum nicht? Wir hatten deutsche Vorfahren, die Bukowina war mehr Deutsch als alles andere. Wir sprachen deutsch und fühlten uns als Deutsche. Vielleicht waren das auch die deutschen Genen in uns?
Wir verkauften oder verschenkten alles, was wir in Ägypten hatten, außer Kleidung, die wir in Deutschland gebrauchen könnten. Wir nahmen ein italienisches Kreuzschiff (Esperia = Hoffnung???) das direkt von Alexandrien nach Brindisi, Italien segelte. Da es Dezember war, hatten wir hohen Seegang und ich wurde seekrank. Des Öfteren musste ich das Bullauge aufmachen und dort hinaus kotzen. Trotzdem gelang es mir, das gute italienische Essen zu verputzen. Besonders die Bosco Birnen sind mir in guter Erinnerung geblieben. Von Brindisi aus nahmen wir den Zug über die Schweiz nach Esslingen am Neckar. Keiner der Eisenbahn-Inspektoren oder Grenzpolizisten hatten Fragen über unsere gefälschten Pässe. Die schienen besser zu sein als die Echten!? Die Pässe waren deswegen gefälscht weil wir in Ägypten als “Staatenlos” galten. Das weil unser Vater kein Rumäne oder Ukraine sein wollte. Über die guten Verbindungen die er in Alexandrien hatte besorgte er uns die gefälschten Pässe damit wir uns nach Deutschland durchschlagen konnten.
Esslingen am Neckar
In Esslingen lebten wir bei Onkel Lolo und seine Frau, die Tante Ditta in ihrer winzigen 2-Zimmer-Wohnung. Sie hatten selbst 3 Kinder, die Gudrun (1938), den Rudi (1941) und die Isolde (1945). Wir Kinder schliefen auf dem Boden. Es war eng wie in einer Sardinendose, aber wir kamen gut miteinander aus.
Der Onkel Lolo- mit seiner Frau Tante Ditta plus Kinder waren zusammen mit unserem Onkel Hans und die Tanten Frieda und Erna aus Schlesien nach Esslingen als Flüchtlinge angekommen. Die waren allesamt 1940 aus der Bukowina umgesiedelt worden nachdem Deutschland mit der Sowjet Union einen Nichtangriffspakt (Molotow-Ribbentrop-Pakt) abgeschlossen hatten. Praktisch alle Volksdeutsche die in der Bukowina lebten wanderten aus. Sie bekamen in Schlesien einen Schneiderladen zur Verfügung gestellt. Dieser war höchstwahrscheinlich armen Juden, die wohl umgebracht worden waren, zwangsabgenommen worden!? Sie blieben aber nicht lange in Schlesien, da ein paar Jahre später der Krieg verloren war und sie nach Esslingen vor den Sowjets geflüchtet sind. Der Onkel Hans, ein paar Jahre älter als unser Vater, hatte im Ersten Weltkrieg gegen die Italiener gekämpft und hat dabei im Südtirol ein Bein Verloren. Bei der gleichen Südfront ist dort ein anderer Onkel von uns gefallen. Die Kämpften in Italien weil ein Teil vom Nordöstlichen Italien, einschließlich Triest, einmal Österreichisch war. Auf ihrer Umsiedlung konnten sie nur das mitnehmen was sie selbst tragen konnten. Somit war es eher eine Flucht, als eine Umsiedlung. Aber...sie haben es überlebt. Der Onkel Hans erzählte mir, dass er den Schmuck seiner Mutter in seinem hohlen Holzfuß versteckt hatte damit es ihm keiner während der Umsiedlung stehlen konnte. Er und seine Geschwister bekamen dann auch einen „Lastenausgleich“ für das Haus ihrer Eltern, das sie in Czernowitz, Bukowina hinterlassen mussten. Man muss sich vorstellen wie unsere Vorfahren 1783 von der Pfalz in die Bukowina auswanderten. Dann sind ihre Nachfahren 1940 wieder zurückgekommen nach Deutschland. Sie wollten sich in der weiten Ferne ein neues zu Hause aufbauen. Dabei taten sie es und verloren wieder alles..wegen der verfluchten Kriege! Obwohl es mehr Kriege gab in denen Zeiten, meine Vorfahren hatten circa 135 Jahre lang Frieden in Galizien und der Bukowina!
Meine Cousine Gudrun war 1938 noch in der Bukowina geboren. Aber ihr Bruder, der Rudi Heuchert war 1941 in Schlesien geboren. Deren Schwester, die Isolde ward wiederum in 1945 in Esslingen geboren. Mutet einen an wie eine Zigeunerfamilie die dauernd herum reist?
In Esslingen wollte der Onkel Hans, dass unser Vater ihm sein Geld (Pension), dass er von Ägypten mitgebracht hatte anvertraute. Aber das tat unser Fritz nicht, er traute seinem großen Bruder nicht. Er fing sofort an eine Wohnung zu suchen, die er bald ein wenig ausserhalb von Esslingen fand, im Hohenbühl, im 4 Stock. Er musste jedoch einen hohen Baukostenzuschuss zahlen. Da kam ihm seine “Pension” von der Bonneterie zugute. Er suchte überall in Deutschland Arbeit aber fand keine. Deutschland war ja noch im Anfang des Wiederaufbaues. Aber er war auch schon 53 Jahre alt. Er half uns, Arbeit zu finden. Der Fritz fand eine Arbeit bei Robert Bosch in Stuttgart. Die Traudl beim Dick in Esslingen, die Mary bei Eberspächer in Ober-Esslingen und ich fand eine Maschinenschlosser-Lehrstelle bei Delmag in Ober-Esslingen. Die Firma war in privater Hand und stellte Rammen her die man im Baugewerbe benützt um Pfähle in den Boden zu rammen, wenn dieser zu weich war. Da aber meine Lehre erst im Herbst anfing, und es war Frühling, nahm ich eine Bauschlosserlehre in Esslingen an. Diese war bei einer kleinen Firma die Mitten in der Altstadt war. Man ging durch einen Bogen und war in einer Werkstatt die wohl schon über 200 Jahre alt war. Da war noch eine richtige Schmiede mit Amboss da. Acetylen machte er selbst zum Schweißen (hier ist das „w“ von großer Wichtigkeit!). Wir machten meistens Stahl-Geländer, die in den neuen Wohnsiedlungen in großen Massen benützt wurden. Stuttgart war ja zu 92% zerstört worden während des Zweiten Weltkrieges und so zogen viele Leute nach Esslingen. Esslingen hatte kaum Bomben abbekommen. Warum? Es wurde gemunkelt, dass Spione dort lebten und somit haben die Alliierten ihre Bombenteppiche nur über Stuttgart gelegt. In der Stuttgarter Umgebung waren aber viele Rüstungsfirmen angesiedelt wie Mercedes, Siemens, Bosch, usw. Der Meister von der Bauschlosserei war auch vom letzten Jahrhundert. Wir machten das Eisen Rotglühend in der Schmiede, er hielt es auf den Amboss. Jedes Mal, wenn er nickte, musste ich mit dem Vorschlaghammer zuschlagen. Manche der Geländer half ich installieren in den Wohnhäusern auf dem Hohenbühl. Die Wohnung, die unser Vater fand, war sehr schön gelegen. Von dem kleinen Balkon konnten wir unten im Tal die Esslinger Altstadt sehen mit den hohen Türmen der Frauenkirche. Wir wohnten nicht weit von der Esslinger Burg. Wir nahmen oft den Bus in die Stadt und zurück. Die Haltestelle war circa 400 Meter weit weg bei der Kaserne. Aber wir liefen auch sehr oft um die Bussgebühr zu sparen. Morgens war es nicht so schlimm weil wir die “Beutausteige” ‘runter, Bergab laufen konnten. Aber Abends mussten wir diesen steilen Hügel ‘rauf laufen. Das schlauchte aber! Wir gingen oft im Zickzack weil es einfach zu anstrengend war geradeaus zu gehen. Natürlich schoben die Fahrradfahrer ihre Fahrräder hoch weil es zu steil war zum Fahren. Aber, es war gute Gymnastik!
Die Lehre bei Delmag
Ich war heilfroh, als dann im Herbst 1952 meine Lehre bei Delmag anfangen konnte. Die hatten eine große Lehrlingswerkstatt, wo circa 30 Lehrlinge ihre Lehre absolvierten. Unser Meister Veith war streng aber großartig. Ich hatte ein wenig eine Sonderposition, weil ich aus dem Ausland kam und deutsch mit einem Arabischen Akzent sprach. Viele Schwaben meinten wir wären aus Litauen? Meine Vorarbeit beim Istituto Don Bosco in Alexandrien half mir hier auch sehr viel, da ich schon Feilen, Sägen, Meißeln, Bohren, Mathematik, usw. konnte. In der Berufsschule, die wir einmal in der Woche besuchten, fielen mir die Sachen auch leicht durch meine Vorschule. So konnte ich die Lehre in 3 Jahren abfertigen, statt der damals üblichen 3½ Jahren. Der Besitzer war ein sehr netter Mann der seine 2 Söhne, die heil aus dem Krieg zurückgekommen waren, bei sich angestellt hatte. Auch die waren sehr nett. Auch waren sie großzügig mit uns Lehrlingen, denn wir durften ein Mal im Jahr in die Bayrischen Berge zum Zelten für 2 Wochen gehen. Er zahlte die gesamten Unkosten! Der Meister Veith und ein Lehrgeselle kamen auch mit. Sie besorgten die Zelte, das Futter, usw. Einmal waren wir in Oberstdorf und es regnete wie aus Eimern. Unsere Zelte waren am wegschwimmen. Da mietete der Meister Zimmer für uns in Oberammergau Hotelzimmer und wir hatten da eine große Gaudi. Beim Zelten mussten wir sehr früh aufstehen, so um 6 herum. Wir gingen zum Bergbach und wuschen uns unter Aufsicht von Herrn Veith oder dem Lehrgesellen jeden Tag in diesem eiskalten Wasser. Wir waren auch in Berchtesgaden und beim Königssee, wohl eine der schönsten Plätze von Deutschland. Dort besichtigten wir auch ein Wasserkraftwerk, dass wohl eines der Ältesten in Europa war. Da lernten wir wie so ein Wasserkraftwerk funktioniert und wie die Turbinen Strom machten. Wir sind auch oft durch die Berge wandern gegangen und konnten die herrlichen Aussichten von da oben genießen.
Nach dem Abschluss der Lehre in 1955 blieb ich beim Delmag, weil ich einen sehr guten Job bekam in der Versuchs- und Entwicklungswerkstatt. Dort bauten wir immer wieder neue Dieselpumpen für die Rammen, die immer größer wurden. Ich war des Öfteren auf der Baustelle um neue Dieselpumpen auszuprobieren. Diese Baulöwen waren wohl eine andere Menschenart? Manche von denen waren die berühmten Hamburger Zimmerleute, mit ihren Trachten. Wenn es mehr als 24 Tropfen Regen/m² gab, dann hörte die Arbeit auf und man ging zur „Boiz“ (Taverne). Dort zeigten sie, was sie konnten: Wie z. B. Stühle mit den Zähnen hochheben, ohne die Hände zu benützen. Auch Glass aßen die Heinis, um eine Wette für einen Kasten Bier zu gewinnen. Sie aßen tatsächlich das Bierglas, nur den Boden ließen sie liegen. Sie bluteten ein wenig am Mund, aber „macht nix“ sagten die Haudegen. Hauptsache wir hatten ‚was zu saufen, sagten die. Delmag machte auch „Frösche“. Diese Geräte stampften und verdichteten den Boden zusammen, damit er mehr tragfähig wird. Da luden wir eines Tages ein großes Gerät mit einem riesigen Kran ab. Das Stahlseil riss und die Maschine fiel beinahe direkt auf mich. Ich aber tauchte weg in den Schlamm. Ich war leider nicht schnell genug. Die Ecke vom Gitter erwischte meinen Oberschenkel und riss ein Stück Fleisch ‘raus. Hier lag ich, im Schock, im dicken, nassen Schlamm, bis der Krankenwagen mich abholte. Die Wunde heilte ganz gut. Ich war ja noch jung und kräftig (ca. 18). Um zum Delmag nach Oberesslingen zu kommen, nahm ich meistens mein Fahrrad. Ja, ich hatte mir ein nagelneues Fahrrad gekauft für circa DM 230! Die Mutti war so lieb und hatte mir das Geld ausgeliehen und ich stotterte es in 2 Jahren zurück. Eigentlich war es Fritz's Geld. Denn er schickte regelmäßig Geld aus dem Kongo,  wo der Bosch ihn geschickt hatte, damit die Mutti es in sein Sparkonto legte. Somit hatte mein lieber Bruder Fritz, unbekannterweise mein Fahrrad finanziert. Ja, der Fritz war vom Bosch aus nach dem Belgischen Kongo als Auslandsmonteur geschickt worden. Über die Jahre hatte der Fritz seine eigene Bosch-Service-Station mit BMW Untervertretung. Es ging ihm im Kongo sehr gut. Er kam nach Deutschland und lachte sich die Guni an. Binnen weniger Jahren hatten die Zwei drei Kinder im Kongo gebastelt: Die Caren, der Thomas und den Andy. Anfang der 60-er Jahren fiel der Kongo in einen Bürgerkrieg. Katanga war abgesplittert, und es wurde lebensgefährlich dort zu leben. So wanderten der Fritz mit Familie wieder zurück nach Deutschland.
Radfahrt zum Bodensee.
Der Rudi Heuchert, (mein Cousin) ich und ein paar Freunde leiten uns alte Fahrräder. Neue gab es damals noch nicht, und wenn es sie gegeben hätte, dann konnten wir uns diese nicht leisten. Wir fuhren von Ober-Esslingen nach Überlingen, am Bodensee entlang nach Lindau und dann kehrten wir wieder zurück. Mann war das anstrengend. Wir hatten keine Gänge and den Fahrrädern, und wir schleppten Planen mit, um Zelten gehen zu können. Wir überquerten die schwäbische Alb und viele andere Berge und Hügel. Ich schob mein Fahrrad wohl die hälfte der Strecke? Zum Essen hatten wir Streichkäse (in Aluminium verpackte Dreiecke) mit und Brot für 4 Tage danach kauften wir mehr unterwegs. Wir hatten jeder circa DM 12.00 dabei. Es musste reichen. Hat es auch. Ich kam sogar mit zwei Mark wieder nach Hause. War eine sehr gute Fahrt denn die Landschaft war sehr schön.
Konfirmation
In 1953 wurde ich konfirmiert und zwar in der kleinen Kirche auf dem Hohenbühl, wo später meine Eltern ihr Grab hatten. Ich nahm Bibelunterricht beim Pfarrer, der ganz nett war. Ich war schon 15 und die meisten anderen Konfirmanden waren erst 12 oder 13. So war ich der „Senior“. Der Pfarrer wurde mir mal böse, weil ich beim Unterricht gesagt hatte: “Wenn Gott so allmächtig ist, dann warum streicht er nicht alles Böse und Ungute von der Erde“? Mein Cousin der Rudi Heuchert ist auch zur gleichen Zeit konfirmiert worden. Bei der Konfirmation stand ich bei der Kirchtür, denn die kleine Kirche war bis zum letzten Stehplatz voll. Auf einmal, ich weiß nicht warum, wurde mir schwindelig und ich viel rückwärts. Glücklicherweise standen noch ein paar Leute hinter mir und sie fingen mich auf. Bis heute weiß ich nicht, warum das passiert ist? Hatte das mit meiner dummen Frage zu tun? Bei der Konfirmation hatte ich einen sehr schönen, blauen Anzug an, mit ganz leichten, weißen Fadenstrichen. Das war der erste Anzug meines Lebens, den ich damals für die Konfirmation an hatte.
Helmut Anders
Im gleichen Wohnblock, auf dem Hohenbühl, nur eine Tür weiter innen wohnte mein damaliger bester Freund, der Helmut Anders. Er war ein Jahr älter als ich und war ein Flüchtling aus Ostpreußen. Er wohnte bei seinem Onkel, der Herr Burger, der auch sein Ziehvater geworden war, weil sein Vater im Krieg gefallen war. Er machte eine Werkzeugmacherlehre beim Daimler in Untertürkheim. Helmut und ich nahmen unser gespartes Geld, legten es zusammen und kauften uns ein Altes (1937) DKW Motorrad mit 98 ccm. Wir waren noch keine 16 und somit hatten wir noch nicht unseren Führerschein. Wir hatten aber schon verschiedene Fahrunterrichtstunden genommen. Das Ding reparierten, putzten und polierten wir. Wir teilten die Benützung redlich, da wir ja fifty/fifty gezahlt hatten (DM 100, d.h. je 50?). Ich fuhr mit dem Ding nach Augsburg und München und besuchte den Onkel Emil und die Tante Paula (beide mütterlicherseits). Die Zündkerze faulte ab des Öfteren. Da musste ich anhalten, die Zündkerze herausschrauben und sie säubern, um sie dann wieder hineinzuschrauben. War sehr umständlich und unangenehm. Um dieses Problem zu beheben, habe ich den Zylinderkopf abgenommen und zur Firma gebracht. Dort bohrte ich ein Gewindeloch hinein für ‚ne zweite Zündkerze. So konnte ich, ohne anzuhalten, heruntergreifen und das Zündkabel auf die zweite Kerze umstecken und dann lustig weiterfahren. Es funktionierte ganz gut, aber wenn der Motor nass wurde, bekam ich einen elektrischen Schlag. Autsch!
In 1955, als Gesellen, kauften wir uns jeder ein wirkliches Motorrad. Eine Zündapp mit 200 ccm Zweitaktmotor. (Nicht die Große Zündapp mit Boxermotor!). Sie waren nicht beide gleich, da dem Helmut seine um ein Jahr jünger war. Da fuhren wir jetzt stolz durch die Gegend bis nach Hamburg, Bremen, München, usw. Ich fuhr viele Male nach Marseille, Frankreich (14 Stunden non-stop) wo die Samaans wohnten. Die waren ja auch aus Ägypten ausgewandert, und zwar ein paar Jahre vor uns. Der alte Samaan war ein gebürtiger Syrier, so wie seine Frau, die Madame Therése, Beide Waisen. Deren Sohn war der Louis der mit dem Fritz gut befreundet war. Sie waren ungefähr im gleichen Alter. Seine ältere Schwester hieß auch Therése. Sie war Geistlich leicht zurückgeblieben. Seine jüngere Schwester war die Kathie, mit der ich für zwei Jahre verlobt war. Deswegen die vielen Reisen nach Marseille. Aber dort gefiel mir auch das Wetter und der Lebensstil. Am Strand wurde nicht nur gebadet und gesonnt, sondern auch gevespert und Pastice (wie Pernod) getrunken. Auf einen dieser Reisen, bin ich über Paris nach Marseille gefahren. Da schlief ich unterwegs in Scheunen und Heuhaufen, da ich kein Geld hatte für Hotels. Paris war furchtbar aufregend. Erstaunlich, das ich das überlebte mit dem Motorrad durch den dicken Pariser Verkehr durchzukommen. Um Geld zu sparen, aß ich in Restaurants nur eine Vorspeise, meisten eine kräftige Suppe, mit viel Brot. Dann bestellte ich die berühmte, französische  Käseplatte, die ich halb leer aß, wieder mit viel Brot. So wurde ich satt ... mit wenig Geld. Die Ober mochten das nicht, da die Rechnung dann immer sehr klein ausfiel.
Der Kommiss
Im Jahre 1957 flatterte ein Brief vom Verteitigungsamt ins Haus (ich wohnte immer noch bei unserer Mutter auf dem Hohenbühl, Esslingen). Die wollten mich bald zur neu erstellten Bundeswehr einziehen, da ich der Jahrgang 1938 bin. Ich erkundigte mich und fand heraus, dass wenn ich mich freiwillig für 18 Monate verpflichte, zum Militär zu gehen, statt der gesetzlichen 12 Monate, würde ich DM 210/Monat bekommen statt der DM 60, die ich als Eingezogener bekommen hätte. Außerdem konnte man dann auch die Truppe und die Gegend auswählen wo mann den Dienst ablegen konnte.
Eigentlich wollten der Helmut und ich zur Bundesmarine um später Schiffsingenieure zu werden. Das Klappte aber nicht weil der Adenauer zu der Zeit mit den Sowjets die Rückkehr von Tausenden von Kriegsgefangenen ausgehandelt hatte, und Diese den Vorrang auf den Universitäten und Schiffen hatten.
So ging ich zur Bundeswehr für 1½ und der Helmut zur Bundesmarine für 3 Jahre. Die fragten den Helmut, ob er denn schwimmen könnte? Warum fragte er zurück? Ja, weil wir noch keine Schiffe haben! Hahaha. Deutschland durfte damals keine Schiffe bauen, da es noch nicht 100% souverän war. Die Alliierten, die den Krieg gewonnen hatten, wollten es vermeiden, dass Deutschland sich wieder bewaffnet. So wurden die Schiffe von den Franzosen in Cherbourg gebaut, aber die Technik wie Motoren usw. kam aus Deutschland.
Ich suchte das Rheinland als Dienstgebiet aus. Ich hatte gehört, dass der Karneval dort am lebendigsten ist und die Rheinländer im Allgemeinen sehr freundlich und lustig seien (Alaaaf!). Ich absolvierte meine Grundausbildung in Wetzlar and der Lahn. Sehr schöne Gegend. Ich wählte die Feldzeugtruppe aus die die Fahrzeuge, Panzer, Waffen aller Art repariert. Somit bleibt diese Truppe weit hinter einer eventuellen Front. Das hatte mir unser Vater empfohlen: Bleib so weit wie nur möglich weg von der Front, dann wirst du nicht Kanonenfutter. (Guter Tipp!) Der Dienst fing im Frühjahr von 1957 an. Es war eine schöne Zeit. Da ich ziemlich gut Englisch sprechen konnte, wurde ich gleich als Dolmetscher für die amerikanischen Waffenspezialisten eingesetzt die uns schulten. Die meisten, wenn nicht alle, Waffen waren amerikanischer Herkunft. So kam ich in die Offiziersmessen der Amis, da die Spezialisten alle Offiziere waren, die meisten Ingenieure. So hatte ich Zugang an amerikanische Waren wie Zigaretten, Whiskey, Corned Beef, Schokolade, Kaugummi, usw. So wurde gehandelt wie blöd. Die Bundeswehr wollte damals einen schönen Eindruck machen und darum veranstalten wir ein paar Mal „Freundschaftsabende“ in der Stadt Wetzlar, wo wir lustige Aufführungen machten. Ich erzählte meinen lustigen, aber erfundenen Lebenslauf. Die Leute lachten sich Kaputt. Beim Marschieren war ich erst immer ganz hinten, da die „Großen“, langen Lulatsche vorne marschierten. Die machten so Große schritte, dass wir kurze Zwerge kaum nachkamen. Aber ich war nicht der Beste aber der lauteste Sänger. Somit marschierte ich bald ganz vorne und wir Kurzbeinige hatten es leichter. Da befiehl mir eines Tages der Hauptgefreite „3, 4, ein Lied“. Da wir unser ganzes Repertoire schon durchgesungen hatten, fing ich an auf Arabisch „Tahalili ja Batta“ zu singen (Ein Ägyptisches Kinderlied). Da lachst du dich Kaputt: Die ganze Kompanie, circa 180 Mann, sang aus vollen Brüsten mit. Denen hatte ich schon öfters in der Taverne das Lied beigebracht mit dem Refrain “uanna mani he! So marschierte die Bundeswehr nach einem arabischen Kindergartenlied!
Nach drei Monaten Grundausbildung in Wetzlar an der Lahn wurden wir nach Koblenz am Rhein versetzt. Dort verbrachte ich die übrigen 15 Monate. Natürlich hatte ich immer noch meine Zündapp. So machten wir Ausflüge durch den Hunsrück, hoch das Moseltal und machten die ganze Gegend unsicher. Ein Kumpel hatte von seinem Vater einen alten Opel Kapitän bekommen. Eine große Kiste die wie die Karren der Mafiosi aussah die mann in amerikanischen Filmen sah. Wir waren 4 Kerle, die mit dieser Edelkarosse herumschwirrten. Wir teilten uns die Kosten. Unser Kompanieführer, der Hauptmann Roll, versuchte mich zu überzeugen beim Kommiss zu bleiben und zur NATO nach Fontainebleau  bei Paris zu gehen, um Dolmetscher zu werden, da ich 4 Sprachen schon sprechen konnte. Er konnte aber nicht versprechen, wie weit ich dort kommen konnte. So habe ich es nicht gemacht. Er war ein toller Hauptmann. Einmal machte die ganze Kompanie einen Ausflug auf einem Rheinschiff von Koblenz nach Rüdesheim und zurück. Wir tranken den Wein aus Wassergläsern. Wir trafen uns einmal unter dem Tisch und lachten dabei sehr viel. Ich erinnere mich nicht mehr, wie wir zurückgekommen sind? Im Herbst 1957 war mein Dienst zu Ende und ich ging wieder nach Hause.
In 1958, nach dem Kommiss, Verlobte ich mich in Esslingen mit der Kathie Samaan von Marseille. Ihre Eltern waren deswegen nach Esslingen gekommen um mit uns zu feiern. Wir kannten uns schon seit dem wir Kleinkinder waren. So fuhr ich so oft wie ich konnte nach Marseille wo sie wohnte. Ihr Vater war sehr streng. Aber wir hatten trotzdem eine sehr gute Zeit zusammen. Nur als ich nach Australien auswanderte, da wollte sie nicht mitkommen weil ihr Vater es ihr verbot. So fiel unsere Verlobung in den Bach.
Unser Vater in Esslingen
Während der Kommisszeit fuhr ich gelegentlich nach Hause zur Mutti, die weiterhin mit unserem Vater auf dem Hohenbühl wohnte. Er war aus Ägypten zurückgekommen, nachdem er dort für zwei Jahre, für Pfaff-Nähmaschinen gearbeitet hatte. Sie waren beide arbeitslos und erhielten Sozialhilfe vom Staat (Danke Sozialstaat Deutschland!). Unser Vater ging gerne zur Wirtschaftshilfe in Esslingen. Dort konnte er sich im Warmen aufhalten und mit den dort Beauftragten reden und schachern. Er kaufte sich ein kleines Motorrad, eine 125 ccm Adler. Damit hatte er leider einen Unfall, wobei er sich den Kopf ganz schön angestoßen hatte. Er hatte keinen Helm an!? Ein paar Jahre später erlitt er einen Schlaganfall. Es wurde Spekuliert, dass ein Gerinnsel beim Unfall entstanden war und später eine Arterie blockierte. Die Ärzte berieten schon die Sterbensursache, sagte er uns, später. Aber er starb nicht. Er hielt zur Überraschung der Ärzte durch. Er war aber danach teilweise gelähmt. Seine linke Körperhälfte bewegte sich kaum. Aber mit der Zeit schaffte er es, den Arm und das Bein ein ganz klein wenig zu bewegen. So hat er einen Italiener kennengelernt, der hinter der Kaserne auf dem Hohenbühl eine kleine Motorradwerkstatt hatte. Dort ließ sich unser Vater ein Dreirad bauen, dass er nur mit einer Hand und einem Fuß fahren konnte. Manchmal nahm er sogar die Mutti auf das Gefährt mit. Sie mochte es aber nicht gerne. Sie fühlte sich nicht sicher dabei. Aber unser Vater war noch immer ein Draufgänger!
Robert Bosch in Stuttgart
Nach dem Kommiss (September 1958) fand ich einen Job in der Versuchsabteilung beim Robert Bosch in Stuttgart. Dort wollte ich zum Auslandsmonteur ausgebildet werden um, wie mein Bruder Fritz, für den Bosch ins Ausland arbeiten gehen zu können. Es klappte aber nicht. Die Erklärung war, dass ich mit 20 zu jung war. Aber ich nehme an, dass der Streit, den der Fritz mit dem Bosch im Kongo hatte, etwas damit zu tun hatte? So fing ich an mich herumzugucken, weil ich die Wanderlust hatte und die Welt sehen wollte, bevor der dritte Weltkrieg ausbrach. Bedenkt: 1959 fing der amerikanische Vietnamkrieg an. Der Eiserne Vorhang war stahlhart. Der Fritz sagte mir, dass es keine gute Idee wäre, zu ihm in den Kongo zu kommen, da die Unruhen dort immer schlimmer wurden. So schrieb ich Briefe an verschiedene Konsulate wie die der USA, Kanada, Australien, und Süd-Afrika, um zu sehen ob die mir nicht einen Job besorgen könnten. Ich fand auch das Internationale Arbeitsamt in Frankfurt am Main und diese Leute waren mir sehr behilflich. In der Zwischenzeit waren wir vier Kumpels von Bosch die auswandern wollten. Wir arbeiteten alle in der Versuchs- und Entwicklungsabteilung. Meine Spezialität wurde die Entwicklung einer Einspritzpumpe für einen 8-Zylindermotor, der mit beiden Kraftstoffen, Benzin oder Diesel laufen konnte. Daimler Benz entwickelte diesen Motor für den neuen Panzer „Leopard“ der Bundeswehr. Die Leitung dieser interessanten Aufgabe hatte ein sehr netter Ingenieur, der auch mein Mentor wurde. Er wollte unbedingt, dass ich zur Ingenieurschule gehe, aber das Geld fehlte mir und mein Fernweh war stärker. Wir bekamen dann Arbeits-Angebote um in USA, Kanada, Australien oder Belgien zu arbeiten. Die alle suchten deutsche Facharbeiter. Am Ende entschieden mein Freund Fritz Wehrmann und ich, das Angebot von Australien anzunehmen. Es war das beste Angebot, da die australische Regierung 80% der Reisekosten von DM 1.200 zahlte. Dafür brauchten wir uns nur zu verpflichten für zwei Jahre in Australien zu bleiben. Die Amerikaner und Kanadier hätten uns die Reisekosten vorgeschossen, die wir dann langsam hätten zurückzahlen müssen. Somit entschieden wir nach Australien auszuwandern. Ich wollte die Welt unbedingt noch sehen, bevor der Dritte Weltkrieg losgeht. Der Krieg in Korea war in 1953 mit der Teilung von Nord- und Südkorea ausgegangen. Die Sowjets und die Chinesen haben den Nordkoreanern kräftig geholfen. Der Vietnam Krieg war schon seit Jahren am Wühlen und wieder sah es so aus als ob ein Weltkrieg bald ausbrechen könnte. Für die Auswanderung mussten wir durch eine Gesundheitsprüfung gehen, da die Australier keine kranken Einwanderer brauchten. So verwirklichten der Fritz und ich unseren Auswanderungstraum. Die anderen Zwei Kumpels bekamen kalte Füße und gaben auf. Wir verkauften unsere Motorräder und nahmen den Zug in Richtung Cuxhaven wo das Italienische Kreuzschiff “Castel Felice” (Fröhliche Burg) uns nach Australien nahm. Auf dem Weg nach Norden machten wir ein paar Tage Pause in Westfalen wo Fritz’s Mutter und Schwester lebten.
Im September 1960 ging die Seefahrt nach Australien los!

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Ubi Bene Ubi Casa
(Wo es mir gut geht, da bin ich zu Hause)
Kapitel III
Die Auswanderung nach Australien

Im Herbst (2. September) von 1960 schifften der Fritz Wehrmann und ich mit einem italienischen Kreuzschiff namens Castel Felice (Fröhliche Burg) von Cuxhaven aus nach Australien. Eine Woche vorher sind wir zu Fritz’s Mutter in Vehlage bei Lübbecke, Westfalen gefahren. Wir haben uns da volllaufen lassen und die Wampe vollgeschlagen. Zum Nüchtern-werden gingen wir in den nahe gelegenen Mittellandkanal baden und kamen erst spät zurück. Die Schwester vom Fritz arbeitete bei der Magenbitterfabrik, wo sie das bittere Zeugs umsonst bekam. Sie schluckte die Dinger ‚runter wie Wasser. Sie war süchtig danach geworden!? Der Nachbar vom Fritz brachte uns netterweise nach Bremen-Lesum. Er holte uns am 31.09.1960, frühmorgens um 4:30 (mitten in der Nacht!) ab, dann ging es um 07:15 ins Überseeheim, wo wir übernachteten und die Formalitäten erledigten. Am nächsten Tag, den 1.09.60, brachten sie uns mit Omnibussen nach Cuxhaven, wo die Castel Felice auf uns wartete. Wir wurden in eine 6-Kojen Kabine wie Sardinen eingequetscht. Die meisten der anderen Auswanderer waren in unserem Alter und sehr nett. Die gesamte Crew von der Castel Felice war Italienisch, außer einem deutschen Koch. Bei gutem, aber bewölktem Wetter ging es am 2.9.60 um 15:30 Uhr los. In Dover nahmen wir einen Lotsen an Bord, der uns half, durch den Ärmelkanal zu schiffen. Glücklicherweise war die sonst so wütende Biskaya ruhig. Unser Ziel war Melbourne, Victoria, Australien, wo wir ein Arbeitsangebot angenommen hatten. Das Kreuzschiff war bis zum Anschlag vollgestopft mit Passagieren. Ich schätze circa 1.400 Passagiere waren an Bord. (Normale Kapazität war 980 Personen.) Außer Deutschen waren viele Ungarn und Tschechoslowaken an Bord. Die waren während der verschiedenen Aufstände, die ihre Länder gegen die Besatzung der Sowjets hatten, nach Westdeutschland geflüchtet und waren heilfroh auszuwandern, da sie nicht in Deutschland bleiben wollten. Wiederum waren mir meine Sprachkenntnisse zum Vorteil, weil ich Sprachunterricht in Englisch gab für ausgewählte Auswanderinnen auf dem Schiff. Außerdem machte ich schnell Freunde mit manchen der Crew, weil ich mit ihnen italienisch plappern konnte. Mein Vorhaben weniger zu essen ging in die Hose. Die Italiener tischten gut und geschmackvoll auf. Wir schifften durch den englischen Kanal, wo die Biskaya ungewöhnlicherweise ruhig war. In dieser berüchtigten Meerenge war mein Vater circa 1920 beinahe abgesoffen! Wir schifften an Portugal vorbei durch die Enge von Gibraltar (jetzt weiß ich, ob die Gibraltarstraße gepflastert oder betoniert ist!). Seekrank bin ich nicht geworden. Die mitgebrachten Tabletten (Ba-Lü) halfen also? Am 3.9.60 dampften wir an Malta vorbei. Die Sonne, wie hier üblich schien heiß und stark. Viele der Passagiere liefen schon mit schweren Sonnenbränden herum. Fritz und ich nicht, weil ich doch von Ägypten her die Gefahr der Sonne gut in Erinnerung hatte.
Weiter ging's bis zu unserem ersten Zwischenhafen: Port Said, Ägypten, wo wir am 12.09.1960 um 23:00 Uhr ankamen. Viele Stunden vorher saß ich oben auf dem Deck und glotzte mit den Ferngläsern vom Fritz in Richtung Küste, um möglicherweise Alexandrien sichten zu können!? Aber vergebens, wir waren zu weit weg. Da ich müde war, legte ich mich in meine Koje. Am nächsten Margen um 03:00 Uhr weckte mich der Kabinenkamerad Lothar mit Schlägen auf meinem werte Popo. Er war ganz aufgeregt, weil die Araber mit lauten Schreien ihre Ware anboten. Die verkauften Ledertaschen, Alben, Scheb-Scheb (Pantoffeln). Es war erstaunlich, wie gut deren Deutsch war?  In Port Said konnte ich mit den Ägyptern auf Arabisch schachern, zur Freude der Passagiere. 5 meiner Kumpels blieben in meiner Nähe, weil sie wussten, dass ich arabisch schwätzen konnte. Der Hafen stank wie die Pest. Ja, das ist Ägypten. Die anderen Kumpels ekelten sich davor. Ich hatte weniger Probleme damit, weil ich es von Kind auf in Alexandrien gewohnt war. Zu meiner Freude habe ich einen Brief von meiner Mutter in Port Said erhalten. Wir kamen ohne Schwierigkeiten durch die Passkontrolle. Ost-Europäer, die auch an Bord waren, schickte der ägyptische Beamte mit Geschimpfe wie „ Aulad el Kälb) (Hundesöhne) barsch zurück. (Wahrscheinlich, weil es bekannt war, dass die Armen kein Geld hatten?) Die Araber merkten gleich, dass ich ein „Polizisten“ bin (einer aus Alexandrien). Ich muss wohl den Akzent von Alexandrien gehabt haben damals? In Port Said schlief noch alles denn es war erst 04:00 Uhr morgens. Viele Polizisten und Soldaten standen halb verschlafen herum. Diese Nachtwächter ließen uns nicht in den Basar. Als ich den Polizisten auf Arabisch ansprach da umarmte er mich und fragte, ob ich irgendetwas haben will? Ich erbat einen Kahua (Kaffee) „bel socker siada“ (mit viel Zucker). Er ging gleich los und brachte den Kaffee und Cocacola für meine Kumpels. Ich fragte, ob es denn hier Foul gebe? Sofort sprang ein bärtiger Saidi auf und kehrte nach 5 Minuten mit Fuhl, (Sojabohnen Gericht), Bedengän Torschi (Auberginen), Tomaten und Rief Tari (Fladen Brot, weich). Leider mussten wir gleich wieder weiter, da unser Dampfer um 05:30 weiterging. Auf dem Weg zur Castel Felice sah ich einen älteren Mann am pennen, neben einer Karre auf der Harissa (Honigkuchen) war. Ich weckte ihn auf. Er war schlecht aufgelegt (kein Wunder!?). Ich will ein Stück Harissa sagte ich ihm, bitte. (Men fadlack) Er schimpfte: „Lass mich in Ruhe“! Er weigerte sich noch mehr als er sah. Dass ich mit DM zahlen wollte. Da kam ein anderer Araber dazu und bat mir Hilfe. Er nahm die 2 DM, zahlte den Harissamann 5 Piaster und dann begleitete er uns zu unserem Schiff. Für mich waren 2 DM nicht viel Geld. Aber für den Araber war es wahrscheinlich genug um einen ganzen Tag zu überleben!? Die Araber lachten sich Kaputt weil wir auf dem Weg zum Schiff „Ta-alili-ja-batta“ sangen. Ein Kinderlied, dass sehr rhythmisch ist und ich überall singe um Spass an der Freude zu haben. War eigentlich schön wieder nach 9 Jahren in meinem Geburtsland zu sein.
Die Italiener hatten alle Hände voll zu tun, um die arabischen Händler von Bord zu scheuchen. Die waren überall, wie Ameisen. Endlich um 08:00 dampften wir mit Verspätung los, in den Sueskanal. Die Temperatur war auszuhalten. Circa 30 ºC. Schnurgerade ging die Fahrt mit 10 Kmh für 60 Km. Die Statue von Lesseps hatten die Nationalisten in die Luft gesprengt. Nur der Sockel war noch zu sehen. Um 06:30 (wir haben die Uhren um 2 Stunden nachgestellt) kamen wir an Ismailia vorbei, eine der fruchtbarsten Landstriche Ägyptens. (Heute, 2009, ist diese schöne Gegend am versalzen und vertrocknen, dank dem Aussuandamm!). Aber damals mutete es einem wie eine Fata Morgana weil mann vorher so viele Stunden lang durch Wüste dampfte. In Ismailia konnten wir Badende sehen, Sprungbretter, ein kleiner See. Kurz danach kamen wir an einem Kriegsdenkmal für den Ersten Weltkrieg (1914-1918) vorbei. Dort ging auch die Sonne unter, die ich gleich aufgenommen hatte, wie so viele anderer Sonnenuntergänge. Wir schifften auch an ein paar Bitterseen vorbei. Danach war die Landschaft sehr Öde. Links war die Sinaihalbinsel. Rechts war nichts als Wüste. Kein Baum. Kein Strauch. Alles trocken und Öde. Da ich müde war, ging ich schon um Mitternacht ins Bett (Koje). Mann konnte eine Tour mitmachen, die nach Kairo ging, zu den Pyramiden, Basars und dem berühmten Museum. Diese Tour kostete jedoch ganze 75 DM. Das war zu viel für so’n armen Schlucker wie mich. Dafür erlebte ich den ganzen Sueskanal. Wir waren in einem Konvoi von 6 Schiffen. Davon waren 2 Passagierdampfer. Die anderen waren Frachter.
Wir segelten bei großer Hitze durch den Sueskanal bis nach Aden, damals ein britisches Protektorat, heute Yemen, wo es 46ºC heiß war. Es war der 16.09.60. Der Fritz und ich hatten unsere Badehosen an, unter unseren Shorts. So sprangen wir ins Wasser, um abzukühlen. Pfui-Teufel, das Wasser war so warm wie Abwaschwasser. Aden ist Zoll- und steuerfrei. So konnte ich nicht Wiederstehen und kaufte mir für 90 DM ein Tonbandgerät von Grundig. In Deutschland hätte es DM 140 gekostet. Die Araber dort waren immer noch unter den Fittichen der Engländer und waren höflicher und netter als die Ägypter. Von dort aus ging die Überquerung des großen, Indischen Ozean, wo wir auch die Äquatortaufe mitmachten. Aber das Wetter war so schlecht, dass die Feier ein paar Tage verschoben werden musste. Der Kahn rollte ganz schön. Aber wir sind nicht seekrank geworden. Dann endlich kam Neptuni Optimi Maximi Marium Dei Veneratisimi an Bord und es wurde eine großartige Party gefeiert. Auf dem Schiff konnte mann zollfreie Waren kaufen: Zigaretten wie Peer Export für DM 0,85 für 20, Whiskey für DM 0,70 für einen Schuss. (Ich rauchte aber kaum!) (Kostete ja zu viel!!!)  Mein Verweilen im Schwabenland machten einen Sparer aus mir!?
Nach 14 Tagen ohne Landsicht näherten wir uns den australischen Gewässern. Wir dampften mit circa 30 Kmh! Dann verbesserte sich das Wetter. Wir waren dauernd begleitet von fliegenden Fischen, Delfinen und in Landnähe von Albatrossen und verschiedenen, anderen Seevögeln. Auf der Fahrt hatten wir verschiedene Bälle wie: Empfangsball, Äquatorball, Abschiedsball, usw. Jeden Nachmittag spielte für 2 Stunden eine italienische 6-Mann-Kapelle zum Tanz. Das Auswanderungsschiff war alles eine Klasse. Wir hatten eine 6-Bett-Kabine mit netten, gleichaltrigen Gesellen. In Fremantle, West-Australien machten wir kurz einen Hafenbesuch, wo auch schon die ersten Auswanderer ausstiegen. Es fiel mir auf wie übertrieben geschminkt die jungen und die ganz alten Frauen herumliefen. Auch der Linksverkehr war ungewöhnlich. Die nächste Etappe war nach Melbourne. Auf der Strecke erhielten wir ein Telegramm von Bosch, dass uns einen Job bot bei der Boschfiliale in Sydney für 19 Pfund 10 Shilling die Woche. Das war besser als die 15 Pfund, die wir in Melbourne gekriegt hätten. So akzeptierten wir das Angebot per Telegramm. Das ermöglichte es uns auch, nach Sydney durchzusegeln. In Melbourne angekommen trafen wir die die uns das Arbeitsangebot gemacht hatten. Die waren sehr enttäuscht, als sie von uns erfuhren, dass wir nach Sydney weiter schifften. Wir hatten keine Skrupel und sagten ihnen offen, dass das Angebot von Bosch viel besser ist. Vier Pfund die Woche mehr kann mann nicht übersehen. Das Einzige, dass wir zu verkaufen hatten, war unsere Arbeitskraft. Außerdem war mir Sydney lieber, da es nördlicher liegt und daher wärmer ist. Auch zählt Sydney zu einer der schönsten Städte der Welt. In Melbourne machte der Bosch einen großen Hof und holte uns in einem Chrysler ab und zeigte uns die Stadt. Dann besichtigten wir das Boschwerk in Melbourne, wo wir den großen Chef, Herrn Baumeister kennengelernt haben. Danach gingen wir in die Boschkantine zum Essen. Nach Melbourne wurde das Futter auf der Castel Felice viel besser. Ja, Touristen sind in Melbourne an Bord gekommen, und die wollen gut, und nicht wie arme Auswanderer behandelt werden. Die meisten Auswanderer stiegen in Melbourne aus, weil sie von dort aus zum Einwandererzentrum in Bonegilla kamen. Von dort werden sie je nach Arbeitsziel weiter verschickt.
Der Bosch in Sydney. Unser erster Job.                           
In Sydney holte uns ein von Bosch bestellter Deutsch-Australier vom Schiff ab, half uns durch den Zoll und hatte ein Mittagessen mit uns. Danach fuhr er uns zu seinem Boarding House (Pension für mehrere Gäste) in Drummoyne, dass sechs Schlafzimmer hatte und zwei Küchen aber nur eine Dusche. Es waren 5 Doppel und ein Einzelzimmer. Dort wohnten auch 4 oder 5 andere, junge deutsche Auswanderer (Jens Pannenborg, Reinhard und Johnny) und ein älteres, (ca. 45) australisches Paar namens Howell. Die konnten immer stundenlang Duschen und wir mussten geduldig auf unseren Törn warten. Da ging ich mal frühmorgens vor ihnen in die Dusche, verschloss die Tür und stieg aus dem Fenster hinaus. Da konnten die zwei Langduscher nicht hinein, ätsch, und warteten stundenlang draußen. Somit waren wir Germanen eine Klicke? Es befand sich in Five Dock, somit günstig gelegen, da wir mit dem Bus zur Arbeit fahren konnten. Günstig gelegen ist gut gesagt, da eine Pub in unmittelbarer Nähe war. Dort verbrachten wir viele fröhliche und „blaue“ Stunden. Wie üblich sangen wir Lieder auf Deutsch nach dem 4-ten Bier. Dort waren auch irische Auswanderer und die sangen dann ihre Irische Lieder. Es war eine große Gaudi. Die Pubs machten um 18:00 Uhr dicht, damit die Männer nach Hause gehen. Manche harrten aber aus, am Straßenrand sitzend, bis die Pub wieder um 20:00 Uhr aufmachte. Ja, da versackte so mancher. Aber, Dank sei Sonja, die mich davon abhielt, in den Abgrund des zu vielen Trinkens abzurutschen. Ja, die Pubs waren nur Männersache, da Frauen nicht da ‚rein durften. Haben das wohl von den Engländern geerbt? Es war schon große Klasse 19,5 Pfund die Woche zu verdienen, wobei wir circa 17 Pfund auf die Hand bekamen. Das war sehr viel damals! Wir waren an einem Samstag angekommen und am Montag gingen wir schon zum Bosch zur Arbeit. Wir bekamen 19 Pfund 10 Schillings, damals DM 180 pro Woche. Die Miete für das Zimmer,dass ich mit dem Fritz teilte war £ 5 = DM 46. Lebensmittel waren ungefähr so teuer wie in Deutschland. Bei gleicher Lebensweise konnten wir rund £ 10 = DM 93,70 pro Woche sparen. Das waren rund 80% mehr als in Deutschland. Abzüge waren insgesamt £ 2,5. So war es, dass wir insgesamt runde 70% mehr verdienten als in good old Germany. Mann bekam auch 50% mehr Geld für Überstunden und 100% für Arbeitsstunden während Feiertagen. Das machte viel aus und deswegen konnte mann viel sparen. Allerdings musste mann sich privat Krankenversichern, wie es in den USA üblich ist. Das kostete 3,1 % des Bruttolohnes. Also nicht viel, auch weil wir sehr jung und gesund waren. Was Geld einbrachte, waren die Überstunden die mit 50 % mehr bezahlt wurden. Für Feiertage bekam mann sogar zweimal soviel. Aber teuer waren technische Artikel wie Fernseher, Radios, usw. Da sie alle importiert werden mussten und der Einfuhrzoll war nicht gerade niedrig um die hiesige Industrie zu fördern. Das Boarding-Haus wo wir wohnten, gehörte einem deutschen Arbeitskollegen der schon 8 Jahre im Lande war. Im gehörten bereits 3 Häuser, wobei unseres in ein Boarding-House umgebaut worden war. Zum Strand brauchte mann mit dem Bus circa 45 Minuten, da mann ein paar Mal umsteigen musste.
Der Essex. Luxuskutsche vom Baujahr 1927
Schon nach 2 Monaten haben der Fritz und ich ein uraltes Auto für 20 Pfund (ein Wochengehalt!) zu 50/50 gekauft, von einem älteren (~50)Tavernenbesucher, der das alte Ding, ein 1927-er Essex, in der Scheune seit Jahren stehen hatte. Wir bekamen dazu einen überholten 3,5 Liter, 1933-Essex-Motor und eine ganze Menge Ersatzräder (mit Holzspeichen), Ersatzkolben und Ringe, usw. Das Ding war verdreckt bis zum geht-nicht-mehr, da die Hühner seit Jahren darin und darauf spazieren (Pupsen) gingen. Aber, erstaunlicherweise fuhr es noch und war für weitere 5 Monate zugelassen. Ja, die waren großzügig in Australien, und da gab es keinen TÜF. Er fraß Benzin, aber was soll das? Der Liter kostete 38 Pfennig. Er brachte es uns in die Garage, die wir kostenfrei beim Boarding House hatten. Dort haben Fritz und ich monatelang das gesamte Gefährt und den Motor aufeinander genommen, gesäubert und neu angestrichen. Wir installierten den neueren Motor und bekamen den Schlitten zum Laufen. Ja, der Fritz war ein großer Autoschlosser und ich als Maschinenschlosser konnte auch kräftig zupacken. Wir fuhren stolz mit dem Essex herum, sogar in die Berge westlich von Sydney. Da ging es mal ganz lang bergab und die Bremsen wurden heiß und immer schwächer und wir fuhren immer schneller bergab. Ich war am Steuer. Da schmetterte ich den zweiten Gang und kurz danach den ersten Gang hinein das Es nur so krachte. Aber, ich bekam das Auto unter Kontrolle. Wir verkauften den Essex an den Reinhard Leimroth, einer der anderen Gäste im Boarding House. Fritz und ich kauften uns dann einen Ford Prefect von 1947. Jung im Vergleich mit dem Essex. Bald danach kauften wir uns einen 1955-ger Holden, ein in Australien hergestellter, General Motors Wagen.
Die Frauen in meinem Leben
Ich schrieb viele Briefe nach Frankreich, an meine Verlobte, die Kathie. Als ich ihr schrieb, dass ich Australien gerne hatte und dort bleiben wollte und sie dorthin kommen sollte, wurde sie mir böse. Ich soll doch wieder zurück nach Europa kommen, sagte sie mir. Ihr Vater sagte ihr, dass ich gut bezahlte Arbeit bei den französischen Uranminen im Süden von Algerien, im Atlasgebirge, haben konnte. Ich sagte ihr aber, dass wohl das Geld OK ist, aber die Umstände sind grausam. Unheimliche Hitze in der Sahara, unsichere Gegend, sehr gefährliche Umstände. Nein Danke, antwortete ich. Ich möchte lieber hier in Australien bleiben, sagte ich ihr. Da schrieb sie mir, dass ihr Vater es ihr nicht erlaube nach Australien auszuwandern. Ich fragte sie ob sie denn ihren Vater heiraten wollte oder mich? Sie bestand darauf in Frankreich bleiben zu wollen. So löste ich weinend und schweren Herzens die Verlobung auf und schickte ihr den Verlobungsring zurück. Damit war auch diese Episode abgeschlossen.
Dann kam die Zeit mit unseren Frauen. Wir wurden Mitglieder im YMCA’s International Friendship Club. Da lernten wir die Sonja, die Anne, die Heather und die Barbara kennen. Die Sonja wohnte unweit von uns bei einer älteren Dame zur Untermiete. Ich besuchte sie dort öfters. Die alte Dame mochte mich nicht. Weiß nicht warum? Juckte mich aber nicht. Hauptsache die Sonja mochte mich! Dann hat es „geschnakelt”. Der Liebesfunken war gesprungen zwischen Sonja und mir. Es war am Strand von Manly, an der nördlichen Seite vom Hafen von Sydney. Dort gingen wir in der Abenddämmerung, nach einem schönen Sonnenuntergang, am Strand spazieren und unsere zwei Hände berührten sich. Da ging ein Schauer durch meine Wirbelsäule. Ich bekam Gänsehaut und wahrscheinlich war mein Gesicht rot vor Erregung. Ich war verliebt! Es dauerte nicht lange und die Sonja zog zu mir in das Boarding House. War ja dann auch praktischer und viel billiger für uns zwei, eine Miete statt zwei zu haben. Wir sahen uns ja beinahe jeden Tag und Abend.
Der Fritz, der bisher mit mir ein Zimmer teilte, musste in ein anderes Zimmer ziehen. Das war auch das Ende von meinen „Falschen Hasen”, die ich oft für uns zwei machte. Ich war verantwortlich für das Muffeln und der Fritz für die Sauberkeit in unserem Zimmer. Wir gingen oft zu den verschiedenen Badestränden von Sydney, wie Bondi, Bronte, usw. freiwillige Lebensretter waren überall, da oft Haie und den Stränden auftauchten und Leute angriffen. Später haben die Australier Netze quer über die Bucht gespannt, um die Schwimmer zu schützen. Ein großer Sport dort war das Body-Surfen. Auf kleinen Brettern rasten die Kerle die Wellen herab und hatten einen riesigen Spaß dabei.
Die Heirat
Ja, ja nach circa 6 Monaten Bekanntschaft heirateten Sonja und ich am 30.12.1961 und bald danach heirateten der Fritz und die Anne sowie der Reinhard und die Barbara. Wir waren uns gegenseitig die Trauzeugen beim Standesamt. Da zahlte mich der Fritz vom Holden aus und ich kaufte mir einen 1948-er Vauxhaul (GM) mit 6-Zylinderreihenmotor. Eine schöne Karosse, wenn auch ‚ne alte Kutsche. Die Hochzeitsfeier machten wir im engsten Kreise zu Hause. Wir hatten ein halbes Haus gemietet und davon ein Zimmer an den Reinhard und die Barbara vermietet. Als Abschluss der Hochzeitsfeier machten wir ein „Viereckenspiel“. Da durfte der Gastgeber (wir) wünsche aussprechen. Der Wunsch war: Die erste Ecke räumt auf. Die zweite Ecke wusch das Geschirr. Die dritte Ecke saugte den Staub. Die vierte Ecke (wir) machte sich aus dem Staub. Wir trafen uns mit dem Fritz und der Anne und der Noni und dem Barry Green in einem Gasthaus, wo wir zu sechst ein schönes Abendessen hatten. Mit unserem Vauxhaul unternahmen wir unsere kurze Hochzeitsreise von einer Woche.
Das Auto (eigentlich der Motor) verbrauchte Öl wie verrückt. Unterwegs verloren wir auch noch den zweiten Gang (einer von Dreien). Wir übernachteten im Auto da mann die vordere Rückenlehne ganz nach hinten zu einem Bett herunter klappen konnte. Als wir mal an einem Motel vorbeikamen, wollte ich ein Gentleman sein und wollte, dass wir dort übernachteten. Das Motel kostete 22 Pfund die Nacht und ich hatte nur noch 25 in der Tasche. Gott sei Dank, Sonja sagte, dass das Motel viel zu teuer ist. So schlichen wir weiter und schliefen in unserem Autöchen. Ein paar Monate später entschied ich, dass der Motor ersetzt werden muss. Ich kaufte auf dem Autofriedhof einen Vauxhaulmotor der ein wenig weniger ausgeleiert war, und mit Hilfe vom Fritz haben wir ihn eingebaut. Danach lief der „Vauxy“ viel, viel besser.
Weihnachten feierten wir oft zusammen und zwar am Strand es war ja Sommer im Dezember in Australien auf der unteren Erdhälfte. Es war wohl weniger weihnachtlich aber trotzdem schön da mann dabei im Pazifischen Ozean baden gehen konnte.                                             
Da ich englisch konnte, las ich ab und zu die Zeitung und sah eine Annonce für einen Job bei Neptune Engineering für einen Feinmechaniker, der sich mit Dieseleinspritzpumpen auskannte. Ich bewarb mich und bekam den Job. Der zahlte 24 Pfund die Woche. Viel mehr (25%) als das was der Bosch zahlte. Der Fritz blieb beim Bosch. Ich hatte da guten Erfolg. Die Arbeit machte mir dort spaß. Die zwei Söhne des Besitzers arbeiteten mit mir und waren beeindruckt, dass ich sehr präzise die Kolben der Einspritzpumpen schleifen und honen konnte. Da ging es um Zehntausendsten von Millimetern. Die Werkstatt war beinahe direkt unter der berühmten Sydneybrücke, gleich am Wasser. Des Öfteren schossen wir mit Luftgewehren auf Wasserratten während unserer kurzen, 30 Minuten langen Mittagspause. Die Sonja arbeitete bei den Gebrüdern Schlosser, eine Papierfabrik in Sydney.
Wir fuhren oft in den „Busch“, wie die Australier das Hinterland nennen. Dort „eroberten“ wir ‚mal eine Wochenendhütte, die sich unter dem Warragamba-Damm und Wasserkraftwerk, befand. Der Fritz, die Sonja, der Reinhard und noch ein paar mehr Auswanderer verbrachten verschiedene Wochenende dort. Wir fanden am Ufer ein Aluboot, das wir kaperten. Eines Tages kam der Besitzer und regte sich auf, verständlicherweise, aber furchtbar auf, dass wir sein Boot geklaut hatten. So versteckte er es woanders. So bauten wir uns aus Fässern ein Floss und überquerten den Fluss. Nach einem großen Regen, mit riesigen Überschwemmungen, verschwand die Waragambahütte. Das Hochwasser hatte sie weggerissen.
Wir fuhren als Gruppe auch mal zum Goldwaschen. Es war in einer verlassenen Minengegend im Hinterland. Wir übernachteten in einer verlassenen Kirche. Aus den Vorhängen der Kirche machten wir uns Gamaschen zum Schutze gegen die giftigen Schlangen die mann überall in Australien findet. Wir trafen einen alten Mann, der uns zeigte, wie mann die Pfannen benützt um Gold zu waschen. Wir fanden auch Winzige mengen Gold. War ein gutes Souvenir. Aber die Schwarzen Fliegen machten uns verrückt. Die versuchten in unsere Ohren, Nasen und Augen hineinzukriechen. Die waren eine richtige Plage. So machten wir Fliegennetze an unsere Hüte dran. Es half ein wenig.
Wir gingen auch oft zu den herrlichen Stränden von Sydney und Umgebung. An einem Strand nördlich von Sydney kamen die Sonja und der Johnny (ein Freund aus Bayern) in eine Strömung, die sie hinaustrieb aufs offene Meer. Der Fritz half dem Johnny und ich der Sonja. Ich wollte nicht zu nahe kommen, weil dann sonst wir beide ertrinken würden. Ich blieb auf Abstand und rief laut „quer zur Strömung schwimmen“. Das kannte ich schon von Alexandrien, Ägypten. Wo mann lernt quer zur Strömung zu schwimmen, weil mann es nicht schafft, gegen die Strömung anzukommen. Nach vielen, ängstlichen Minuten kamen wir alle müde aber lebendig an den Strand.
Irgendwann erfuhr ich, dass Ruslit Motors, die Deutzvertretung, Fachkräfte suchte, die Erfahrung mit Dieseleinspritzpumpen hatten. Der Fritz und ich bewarben uns und bekamen einen gut bezahlten Job (£22/Woche). Dort lernten wir den Barry Green, einen Mechaniker wie wir, kennen und später seine Frau die Holländische Noni. Nach einem Jahr oder so verkaufte Deutz 40 Lastwagen an Altrans. Die suchten gleich 2 Techniker, die diese Fahrzeuge instand halten konnten.
So gingen Barry und ich zu Alltrans in Paramatta. Die Adresse war: 66 Marsden St. Paramatta, NSW (Alltrans) (das Rattenparadies)
Das Gehalt war phänomenal: 40 Pfund die Woche. Dafür gab es keine geregelte Arbeitszeit, keinen Urlaub und keine Überstunden! Der Barry und ich mussten die 60 Lastwagen (20 International Harvester waren dazu gekommen) in Schuss halten, und zwar non-stop, rund-um-die-Uhr. Ein Bonus kam für Sonja und mir dazu: wir bekamen kostenlos ein altes Haus zur Verfügung gestellt das auf dem Furparkgelände stand (das Rattenhaus!) Ein Nachteil war allerdings, dass die Lastwagen um Halbsechs Uhr morgens schon starteten und einen Riesenkrach machten. Wir waren aber jung und ließen uns wenig davon stören. Barry und ich teilten uns die Arbeit redlich. Ich nahm die Kisten in denen die Deutzmotoren verschifft worden waren, und die Ersatzteile die aus Deutschland kamen, und machte uns Möbel wie Tische, Sessel, Schränke, Regale, usw. daraus. Somit waren unsere Kosten minimal und wir sparten wie verrückt. Der vorherige Manager des Fuhrparks war Ron Thomas, der auch früher in dem alten Haus wohnte. Er zog nach Darwin in das nördliche Territorium von Australien, wo wir später auch hingegangen sind.
Der Barry und ich waren sehr unternehmerisch. Wir kauften (um Juli 1963) einen Dampfreiniger, mit dem wir die Motorenräume usw. säubern konnten. Wir verkauften diesen Service an unsere eigene Firma, die diese ganzen Lastwagen besaß. Wir säuberten auch Lastwagen von anderen Leuten. So machten wir nebenher noch ein wenig Geld. Einen Teil davon investierten wir dann mal in einen großen Reifenkauf. Es waren circa 120 Lastwagen-Reifen, die wir für Einzehntel des Marktpreises, kaufen konnten. Stück für Stück verkauften wir die Reifen unter der Hand, für einen großen Gewinn. Eines Abends, es war wohl schon 11 Uhr nachts, klopfte es an unserer Haustür. Zur Sicherheit nahm ich mein Kleinkalibergewehr und bereitete es vor, im Falle eines Falles. Ich öffnete die Tür. Da standen zwei große Männer in langen, dunklen Mänteln, mit Hut, und sagten sie seien von der Kripo. Ich machte mir beinahe in die Hose! Die kamen ‚rein ins Haus und erklärten mir, dass ich gestohlene Reifen am Verkaufen bin, und das ist verboten in Australien! Nach Langem hin und her erklärten sie mir durch die Blume, das wenn ich ihnen etwas unter dem Tisch gebe, (sie besteche) dann werden sie die Sache vertuschen. Sollte die Chose vor Gericht kommen dann würden sie wohlwollend für mich aussagen. Der Richter, sagten sie, wollte auch einen „Bakschisch!? Dabei wollten sie unbedingt wissen, wer mein Partner war? Ich sagte es ihnen nicht denn ich wollte nicht, dass der Barry auch noch blechen müsste! Nach ein paar Wochen zahlte ich ihnen was sie wollten, sagte ihnen, wo die restlichen Reifen waren und dann hörte ich nie wieder was von ihnen: Gott-sei-Dank. Das war die erste und einzige „kriminelle“ Aktion, die ich in meinem ganzen Leben gemacht habe.
Hier ein Brief an meine Mutter, circa 11. Juli 1963. Geschrieben von Sonja:
„Ihr Lieben, heute, am Samstag, finde ich endlich, nach langen Wochen, Zeit um Euch zu schreiben. Die letzten Wochen haben Hans und ich viel um die Ohren gehabt. Zunächst einmal sind wir umgezogen. Wie ihr vielleicht wisst, haben wir in dem anderen Haus mit einem Untermieter zusammengewohnt (Reinhard Leimroth und Barbara), weil wir sonst die Miete hätten nicht zahlen können. Als unser Vertrag ablief, haben wir beschlossen, den Vertrag nicht zu verlängern sondern uns eine neue Bleibe zu suchen. Und da hat Hans seine Firma, Alltrans, uns den Vorschlag gemacht das Haus zu nehmen, das in dem Grundstück in Paramatta eingeschlossen ist, auf welchem Hans arbeitet. Natürlich hat das seine Vor- und Nachteile. Zunächst einmal war Hans jetzt Freiwild. Die Fahrer und die Mechaniker kommen zu jeder Zeit um Hilfe, auf der anderen Seite haben wir das Haus aber für frei bekommen, mit anderen Worten, wir brauchen keine Miete zu bezahlen; und da nimmt man schon einiges in Kauf, nicht wahr? Außerdem ist elektrisch und Gas frei und das ist im Winter sehr günstig da wir einen elektrischen Heizer haben der ziemlich viel Strom verbraucht. Aber auch dieses Haus werden wir nur für etwa 8 Wochen noch bewohnen dann heißt es wieder - umziehen. Ja, schon wieder. Hans seine Firma hat ein großes Grundstück auf dem Lande gekauft und dort wollen sie dann die ganze Firma aufbauen. Was wir bis dahin machen, wer weiß, wir nicht. Zunächst einmal sitzen wir in diesem Haus. Aber, Haus ist zu viel gesagt. Es ist vielmehr eine Bruchbude und Konferenzsaal der Ratten. Wir haben hier jeden Abend einen Mickymausfilm kostenlos. Gestern sitze ich gemütlich im Wohnzimmer, Hans war draußen am arbeiten, und höre ich ein Geräusch in der Küche. Zuerst denke ich das einer der Arbeiter, da draußen Wasser heiß macht. Doch als das Geräusch nicht weggeht, machte ich mich auf dem Weg zur Küche auf Zehenspitzen. Und da saß doch diese große, fette Ratte auf dem Tisch und knabberte an unseren Essensresten herum, und anstatt wegzuflitzen, guckt sie mich nur blöde an. War ich wütend. Als ich aber einen Schritt auf sie zu machte, sprang sie vom Tisch, gleißte über den Linoleumboden fand vor lauter Aufregung ihren Ausgang nicht mehr und knallte mit voller Wucht gegen die Wand. Habe ich gelacht. Ein anderes Mal komme ich mit einem Haufen Geschirr aus dem Wohnzimmer, Hans Macht mir die Türe auf und hier kommt eine kleine Ratte, die sich nicht schnell hat verstecken können, und läuft beinahe über meine Füße. Was für ein Glück das ich mich inzwischen schon an diese niedliche Tierchen gewöhnt habe, sonst hätten wir unser ganzes Geschirr eingebüßt. Ihr denkt sicherlich: Warum stellen sie keine Fallen auf? Da kann ich euch sagen, diese Ratten sind viel zu gerissen für so was. Die Fallen darauf nicht herein. Die nehmen den Speck und lachen sich eins ins Fäustchen. Aber wir, bzw. Hans, hat einen anderen Trick gefunden. Er hat sich mit Nachbar’s Katze angefreundet und die spielt jetzt den Rattenfänger von Hameln, ohne Flöte. Schuld an dieser Rattenzusammenkunft hatten die Leute, die vor uns in diesem Haus wohnten. Als ich zum ersten Mal in die Küche kam, wurde mir beinahe schlecht, und das soll schon was heißen. So einen Saustall habe ich noch nie vorgefunden. Das Erste, was gemacht wurde, war sauber. Dann wurde alles angestrichen, von mir. Da dies das erste Mal, das ich einen Pinsel in der Hand hatte, könnt ihr Euch ungefähr das Ergebnis vorstellen. Aber es tat seine Wirkung. Zumindest riecht jetzt alles nach Farbe und der Gestank ist raus. Auch die Toilette wurde vorgenommen, nichts blieb verschont. Hans hat sich köstlich über mich amüsiert. Sogar der Toilettendeckel wurde angestrichen, mit Wandfarbe. Auf alle Fälle sieht es jetzt ein wenig besser aus. Aber, wie gesagt, noch 8 Wochen und dann geht’s wieder auf der Suche nach einer Bleibe. Irgendwelche Post oder sonstige Sachen schickt bitte an folgende Adresse: Fam. Barry Green, 188 Queen Street, Concord West, N.S.W., Australia. Dies sind Freunde von uns die sich ein Haus gekauft haben, mit anderen Worten einen ständigen, stabil bleibenden Wohnsitz haben. Evt. wird Hans auch von dieser Firma weggehen da der neue Sitz zu weit weg ist. Es liegt etwa 2 Stunden von der Stadt weg.
Wir haben schon ein paar Pläne gemacht, aber alle sind wage. Vielleicht, aber nur vielleicht, werden wir nach Neu Seeland gehen, ich hätte ja nichts dagegen. Na, mal abwarten.
Der Kompromiss
Die Sonja wollte sehr gerne wieder zurück nach Deutschland. Sie hatte eine Tante in Hamburg die sie sehr lieb hatte. Diese Tante „Lieschen“ wollte auch möglicherweise der Sonja ihr Haus in Hamburg vermachen. Ich war nicht so gerne bereit nach Deutschland zu gehen. So schloss ich einen Kompromiss mit der Sonja: OK, wir gehen zurück nach Deutschland aber nicht unbedingt für immer. Deshalb müssen wir:
A) Rückfahrkarten Kaufen (keine Einwegkarten!),
B) Vorher ein Stück Bauland in Sydney kaufen (Damit wir sofort unser Traumhaus darauf bauen können, sobald wir wieder zurück sind!?).
So sparten wir wie blöd um 2 Rückfahrtkarten zu kaufen. Dann dauerte es nicht allzu lange und wir kauften ein kleines aber schönes stück Bauland für ein Einfamilienhaus in einem der ruhigen Vororte von Sydney. So waren wir bereit nach Deutschland zu Reisen. Aber vorher gingen wir nach Darwin im „Northern Territory“.
Darwin, Northern Territory. 1964
Da kam ein Anruf vom Ron aus Darwin. Er bot mir eine Stelle an als Kraftfahrzeugmechaniker in Darwin. Da wir nicht sicher waren ob wir aus Deutschland wieder zurück nach Australien kommen würden oder jemals nach Darwin kämen, nahmen wir das Angebot an. Ich kaufte uns einen alten, grauen  Volkswagen Käfer (ca. 1958) mit Standardgetriebe und langsam rüstete ich es auf für den langen Trip nach Darwin (Circa 3000 Meilen, oder ca. 5000 Km). Ich baute uns einen Dachgepäckträger und eine Vergrößerte, vordere  Stoßstange, da mann damit rechnen musste auf ein Känguru aufzufahren. Die Rücksitze habe ich ‚raus genommen um mehr Platz zu haben. Die Rückenlehnen vom Volksy konnte mann leicht aus deren Halterung ‚raus nehmen und flach legen. Da hatten wir dann eine Liege innerhalb des Autos. Um ein wenig frische Luft ‚rein kommen zu lassen habe ich Moskitonetze gebastelt die in die Fensteröffnungen passten. So konnten wir bei offenen Fenstern schlafen und frische Luft schnaufen. Bei der Hitze da oben im tropischen Norden konnte man das gut gebrauchen.
Wir kauften uns die zwei Rückfahrtkarten von einer Italienischen Kreuzschifffahrtsfirma "Sitmar Lines" und fuhren los nach Darwin. Es ging nördlich an der Ostküste entlang nach Brisbane, Queensland. Auf dem halben Weg dorthin wurde die Straße immer enger. An vielen Stellen war sie nur einspurig, mann musste mit den halben Wagen auf dem Seitenstreifen fahren, die nicht geteert waren. Dabei flogen viele Steine in die Luft. Kurz vor Brisbane zerschmetterte ein Stein die Windschutzscheibe. Ich hatte vorher schon davon gelesen, dass dieses Unglück oft passiert auf diesen derben Straßen. Ich hatte eine dünne, Plastik-Scheibe dabei die ich mit viel Selbstklebefilm anklebte um zu einer Reparaturwerkstatt fahren zu können, ohne noch mehr Steine - jetzt aber in die Visage - zu bekommen. Hier ein kurzer Aufsatz den ich damals, nachdem wir in Darwin, um den 15. März 1964, angekommen sind, geschrieben hatte:    
Reise Sydney - Darwin 3000 Meilen Circa 5000 Km     
Der Volksy lief und lief und lief. Obwohl er schon viele Strapaziöse Meilen hinter sich gebracht hatte und ein wenig klapperte, Funktionierte alles ganz gut. Da wir wenig Platz hatten staute ich einen 4-Liter Ölkanister hinten im Motorenraum. Halbwegs nach Brisbane, die Hauptstadt von der Provinz Queensland sah ich im Rückfenster Rauch steigen. Ich hielt an und untersuchte die Lage. Siehe da, der Rauch kam aus dem Motorenraum. Das Öl hatte ein wenig getropft, bedingt durch das viele schütteln vom Auto auf der nicht gerade ebenen Straße. Der Putzlappen den ich oben auf den Ölkanister gelegt hatte, hatte sich mit Öl vollgesogen und ist von der Motorenhitze beinahe gezündet worden. Aber zum Glück, es schmorte nur. Die Sache wurde gefixt und weiter ging's nach Norden.
Bei einem anderen Fahrtabschnitt, wo ich so mit circa 80 Kmh am brausen war, sehe ich vor mir etwas von oben auf die Windschutzscheibe rutschen. Was soll das, fragte ich mich? Langsam wurde das unkenntliche Ding immer grösser und störte meine Sicht nach vorne. Ich hielt an und guckte mir dieses Phänomen an. Da war ein Falke zwischen meinem Dachgepäckträger und dem Autodach geflogen und ist dort umgekommen. Somit rutschte er langsam herunter auf die Windschutzscheibe. Das arme Ding. Wollte es doch gar nicht umbringen!?
Ein paar weitere Hundert Meilen fuhren wir mal wieder einem entgegenkommenden Wagen aus dem Weg. Das ist üblich auf dieser langen Strecke. Die Straße ist nicht breit genug für 2 Fahrzeuge. So, wenn mann sich begegnet, fährt jeder eine halbe Autobreite zur Seite. Dabei werden von den Reifen Steine in die Luft geschleudert. So ein Stein zerschmetterte auch unsere Windschutzscheibe. Deswegen hatte ich ja auch das Plastik und das Klebeband dabei. Clever, wah?
Es war ein Samstag wo wir die Windschutzscheibe verloren hatten. In einer kleinen Ortschaft (Rockhampton, QL (Queensland) fand ich einen Glaser der Windschutzscheiben für meinen Volksy hatte. Er, der Besitzer und Monteur, war aber nicht da. Er war fischen gegangen. Seine Frau sagte mir, dass sie vielmals zusah, wie ihr Mann die Scheiben in Autos einsetzte. So gingen wir, sie und ich, daran die Kaputte Scheibe zu ersetzen. Mit klopfendem Herzen und guten Mutes montierten wir die Scheibe. Sie kannte sich aber wirklich sehr gut aus. Sie wusste jeden Schritt den mann machen muss. Ich habe den Mut gehabt es zu probieren. Wir wollten ja hier nicht herum lungern und Tagelang warten bis der Angler wieder zurück ist, oder? Damals war es relativ leicht da die Scheiben von diesen alten Autos flach waren, ohne diese Kurven und Verkrümmungen die die heutigen Scheiben haben.
Wir geigten dann weiter. Ein Zyklon war im Norden, in der Nähe von Mackay und Townsville, und wir spürten die hohen Winde. Auch brachte er Tonnen von Regen. So mieteten wir einen Wohnanhänger auf einem Campingplatz. Bisher hatten wir in unserem kleinen Zelt oder im Volksy übernachtet. Wir blieben dort für 3 Tage und feierten nachträglich unsere Hochzeitsreise die wir vor 2 Jahren gemacht hatten. Damals waren wir sehr knapp an Geld und konnten nichts besonderes anstellen. Aber wer verliebt ist, braucht nicht viel!
Der Volkswagen war ein ideales Fahrzeug für diese Nordaustralischen Straßen. Er war sehr populär in Australien für viele Jahre, bis ihn der Mini Cooper entthronte. Von Townsville aus fuhren wir ins Landesinnere, das berühmte „Outback“, was die Australier auch „the bush“ nennen. Die Strecke nach Mount Isa Minenstadt für Uran) war so lang und ungeteert, dass mann einen extra Benzinkanister haben musste. Da waren keine Tankstellen für mehr als 700 KM! Da die Lage sehr prekär war haben wir vorsichtshalber unsere 3 großen Koffer per Zug nach Mt. Isa geschickt. Wir konnten sie nicht noch weiter schicken, da dort die Eisenbahn aufhörte!? Ja, der Norden Australiens war damals nicht sehr entwickelt. Der Herr Prof. Porsche hatte da ein gutes Auto entworfen. Denn ohne Schwierigkeiten ist unser Volksy, oft mit bis zu 100 KMH über Schotterstraßen, durch Bäche, über nicht vorhandene oder weggewaschene Straßen, so richtig über Stock und Stein gefahren. Wir übernachteten in unserem Auto. Aber es war kaum auszuhalten da die schwarzen Fliegen uns bissen wie wahnsinnig sobald wir ihnen nur die kleinste Chance gaben, wie z. B. beim pinkeln. . So fuhren wir so lange und so schnell wie wir konnten um ans Ziel zu kommen und um weg von den lästigen Fliegen zu sein. Nach 6 Tagen waren wir kurz vor Darwin und konnten nicht weiter weil alles überschwemmt war. Dort gab es keine Straßenschilder, kein gar nichts.
Endlich sind wir in Mt. Isa angekommen. Waren wir heilfroh! Rein sind wir in einen Klimatisierten Kegelklub, haben eine Dusche genommen, um den Kiloschweren Staub und den Sand von uns wegzuwaschen. Danach hatten wir ein einfaches aber sättigendes Abendessen und ein Bier. Es war stinkig heiß dort. Mt. Isa ist eine Minenstadt. Es wird sehr viel dort verdient, aber die Lebensbedingungen sind katastrophal. Auch Uran wird dort abgebaut. An einem kümmerlichen Fluss, der ausgetrocknet war, fanden wir einen staubigen Campingplatz. Wir versuchten im Zelt zu schlafen. Konnten aber nicht. Es war so heiß, auch des Nachts, dass mann schwitzte ohne ‚was zu tun. Die Moskitos schwirrten herum und sangen uns laut ihr Lied ins Ohr. Ohne kaum ein Auge zugemacht zu haben zischten wir Morgens um 4 Uhr wieder los. Was für ‚ne Überraschung: Die Straße war Betoniert, wie die Hälfte einer Autobahn. Mann erzählte uns später, dass die Amerikaner diese Straße während des Zweiten Weltkrieges gebaut hatten um Material und Waffen nach Norden zu bringen. Die Japaner hatten 1941 Darwin angegriffen (bombardiert) und wollten die Stadt erobern. Sie wurde damals zu 80% zerstört! Da kamen die Amis den Australiern zur Hilfe. Da oben im Norden bauen sie auch nicht viele Brücken, die kosten zu viel für den mageren Verkehr. Aber auf dieser Straße fuhren Riesen-Sattelschlepper mit 2 oder 3 Anhängern. Es waren LKW-Züge! Da kam uns aber Ron mit einem Toyota Jeep entgegen und schleppte uns durch die überschwemmten Bäche. Unser Freund hatte gehört von den Überschwemmungen und kam uns mit einem Jeep nach Katherine entgegen, ca. 280 Km südlich von Darwin. Er zog uns mit einem langen Seil durch einen überfluteten Bach und dann tuckerten wir brav hinter ihm her. Einmal mussten wir eine Eisenbahnbrücke benützen weil der Fluss zu hoch war, um durchgefahren werden zu können. Endlich kamen wir mit Ron’s Hilfe nach Darwin. Wir wohnten für 2 Wochen in einem Haus, dass der Ron uns besorgt hatte. Es gehörte einem Regierungsbeamten der in Urlaub war. (Schön was? Keine Miete!?) In Darwin mieteten wir ein kleines, altes Haus das auf Pfosten stand wegen der möglichen Überschwemmungen und der Termiten. Unsere Adresse in Darwin war: 9. Allen St. Fannie Bay.
Da ich deutscher war und einen Volkswagen fuhr hatte ich kein Problem bei einer Autoreparaturwerkstatt einen Job sofort zu finden. Ich mogelte mich durch mit vielen kleinen Reparaturen die mann nach Zeit, die von VW vorgegeben ist bis ich mal einen großen Murks gebaut habe. Ich musste einen VW-Motor voll überholen, innerhalb der von VW vorgeschriebenen Zeit. Ich schaffte es nicht auf Anhieb und brauchte viel mehr Zeit. Das blöde Motorgehäuse wollte nicht wieder zusammenklappen. Ich wurde auf der Stelle gefeuert. Das war das erste und einzige mal in meinem Leben, dass ich gefeuert worden bin. Sofort rief ich meinen Kumpel Ron bei Toyota an, der mir gleich einen Job Anbot. 25 Toyota Jeeps waren gerade aus Japan angekommen und alle hatten das falsche Differenzial drin. So hatte ich Monatelang Arbeit die neuen Zahnräder in die Differenziale einzubauen, einzuläppen und zu justieren. Hier kam mir meine Maschinenschlosserlehre sehr zu gute. Zwischendurch durfte ich auch an Mercedes Benz Autos arbeiten. Deren Doppelvergaser waren sehr schwierig richtig einzustellen. Aber mein Fingerspitzengefühl half mir immer wieder.
Im Safari Camp im Northern Territory
In Darwin lernten wir die Sue (Shaw) kennen. Sie hatte auch einen neueren VW-Käfer. Den hat sie uns mal verliehen um in den Busch zu Fahren zu einem Safari Camp beim Frank. Dort gingen wir Fischen und auf Krokodil- und Gänsejagd. Bei einer Gänsejagd fuhr uns der Frank zu einer großen Lichtung im Busch wo in circa 150 Meter Entfernung ein Riesenschwarm von Gänsen am Rande eines Teiches standen. Er fuhr mit der Sonja, mit zwei Schrotgewehren bewaffnet, auf die andere Seite des Teiches. Von dort gab er mir das Signal mit meinem Kleinkalibergewehr einen Schreckschuss in die Gänseschar zu feuern. Das tat ich. Die Hunderte von Gänse flogen hoch in Richtung Frank und Sonja. Die Zwei schossen dann wie verrückt auf die Gänse, trafen aber keines! Ich guckte zurück wo ich hin geschossen hatte um sie zu erschrecken. Dort lag ein weißes Tier auf dem Boden. Wir fuhren dorthin, und siehe da: Eine dumme Gans lag da...erschossen… durch den Hals!!! Eines Abends haben wir einen Waramundifisch gegessen den uns der Camp-Leiter Frank zubereitet hatte. Der Große Fisch (8 Kg) war ganz in Lehm verpackt und wurde in die Glut eines Lagerfeuers gebacken. War himmlisch gut. Auf dem Weg zurück fuhren wir durch ein Busch-Feuer ohne das wir das schöne Auto beschädigten. Ein erregter, wilder Wasser-Büffel stand uns bedrohlich mitten im Weg und das Feuer war nicht weit weg. So war das Riesentier sehr nervös. Glücklicherweise ritt es von alleine weiter, bevor ich mir in die Hose machte. Wir brachten das Auto unbeschädigt der Sue zurück. Wir sagten ihr aber nichts vom Buschfeuer und dem Büffel!
Wir sind auch mal mit der Sue und dem Ron auf Büffeljagd gegangen. Er musste einen Toyota Geländewagen an einen weit im Busch lebenden Farmer liefern. So fuhren wir mit 2 Jeeps, um einen für die Heimfahrt zu haben. Mit einem alten, britischen Armeegewehr, dass der Ron mir geliehen hatte, erlegte ich einen wilden Wasserbüffel. Der Ron hatte Eingeborene eingeladen die das Tier zerlegten und das Fleisch als Lohn bekamen. Die Sue, eine Krankenschwester, machte Anatomieunterricht und zeigte der Sonja wie lang die Zunge des Büffels war. Dann zeigte sie der Sonja das Herz, und andere Innereien. Erstaunlicherweise ist festzustellen, dass der Wasserbüffel nicht mit den Rindern verwandt ist sondern mit den Schweinen. Deswegen klappte es nie die Büffel mit Rindern zu kreuzen.
Zurück nach Sydney
Wir lernten in Darwin einen deutschen ( Horst Koehler) kennen der das feuchte, tropische Klima nicht vertragen konnte. Er hatte ein Taxi-Unternehmen und wollte zwei seiner Fahrzeuge (Holden von GM. Ähnlich einem Opel Kapitän) nach Sydney bringen. So fuhr er eines und ich das andere. Die 4.500 Km lange Fahrt fing an am 25.10.1964 an. Unterwegs fuhren wir hunderte und aber-hunderte von Kilometern durch Wüste und Steppe. Bei einer Pause machte der Horst den Kofferraum von seinem Mercedes auf. Wir waren überrascht was wir da sahen. Alles war voll mit Staub. Dieser Staub war so fein, dass er überall hineinging, sogar in den Kofferraum von einem Mercedes, wo bekannt war dass diese Luxusautos sehr dicht wären. Unterwegs sahne wir an einer staubigen Kreuzung einen halb-toten Baum an dem zwei "Dingos" hingen, tot, natürlich. Die Farmer hassten diese Wildhunde weil sie die Rinder vertrieben und manchmal rissen. Da war auch ein Kopfpreis auf diesen ekeligen Bestien. In drei Tagen waren wir in Brisbane. Von dort nahmen wir den Zug nach Sydney und wir bereiteten uns vor auf unsere geplante Reise „Heim ins Reich“.
Das Italienische Kreuzschiff „Fairsky“ war von der Sitmar Line. Es verließ Sydney am 11. November 1964. Das war ja der Faschingsanfang in Deutschland!
Der Luxus-Kreuzer Fairsky war gerade von Japan gekommen wo er das italienische, Olympische Team dorthin für die Olympiade 1964 in Tokyo gebracht hatte. Dadurch hatten wir eine besonders große Crew, inklusive vieler der besten Köche von Italien. Außerdem war das Schiff wenig belegt. Somit hatten wir einen Kaiserlichen Service. Von Sydney aus ging die Fahrt erstmal in die verkehrte Richtung (Osten), nach Oakland, Neuseeland. Dort nahmen wir eine Bustour um uns in der Gegend von Oakland anzusehen. Die Seefahrt ging dann westlich weiter über Melbourne, Victoria, durch die Tasmanische See am 13.Nov.1964. Dann weiter über Perth, schräg über den Indischen Ozean wo wir dann in Aden (heute Yemen) am 10. Dez. 1964 Pause machten. Wir haben schöne Feste auf dem Schiff gefeiert und wieder ‚mal eine Äquatortaufe durchgemacht. Dann ging’s übers Rote Meer und dann durch den Sueskanal. Es war eine herrliche Kreuzfahrt. Wir hatten gutes Wetter, nette Passagiere, wunderbares Essen, Wein, Bier und Whiskey. Paradiesisch! Es wurde geschwommen, gefeiert, getanzt einfach „high life“. Die vielen Köche die an Bord waren machten täglich wunderschöne Eißskulpturen damit die Gäste sich des Anblicks erfreuen.
Wir hatten mit der Rederei abgemacht in Port Said, Ägypten, am Nördlichen Ende vom Sueskanal, auszusteigen um dann 6 Wochen später das nächste Schiff der gleichen Rederei nach Italien zu nehmen. Ich wollte nämlich der Sonja Alexandrien, meine Geburtsstadt, die schöne Stadt am Mittelmeer zeigen. Das war der Plan.
Liest mal meinen Reisebericht im nächsten Kapitel IV.


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Ubi Bene Ubi Casa
(Wo es mir gut geht, da bin ich zu Hause)
Kapitel IV
Die Rückwanderung von Australien nach Deutschland

Port Said, Ägypten Dezember 1964
    
Folgend sind Abschriften von unserem Reisebericht von damals, den ich meiner Mutter geschickt hatte: Sie war so gut diese Post zu behalten. Nach ihrem Tod bekam ich meine alte Post wieder zurück! Großartig! Hier sind die Kopien unserer Reiseberichte: (Auch Sonja schrieb welche!)

Um ein Uhr morgens des 17.Dezember 1964   ist unser Schiff, von Australien kommend, in Port Said, Ägypten angelangt.Trotz der späten Stunde waren die Händler mit ihren winzigen Ruderbooten um den Dampfer herum gelagert und füllten die kühle Abendluft mit Arabischen, Englischen , Deutschen und allerlei anderen Sprachen und Geschrei, um den Passagieren das Geld aus der Nase bzw. der Tasche zu ziehen. Die Komplizen der Händler hatten sich schon an Bord geschmuggelt und schon flogen Seile von den Ruderbooten hoch zu den verschiedenen Promenadendecks. Am Ende dieser Seile waren dann die Körbe befestigt,  in denen die Händler ihre Waren an Bord hievten. Mitten in dieser Atmosphäre, die innerhalb des Schiffes ein bisschen gedämpfter war, nahmen wir von unseren Freunden abschied. Wir hatten sie auf der Überfahrt kennengelernt, sie fuhren weiter nach Southampton. Wir waren ja zusammen circa 3 Wochen!
Im Dunkel der düsteren Nacht erwartete uns eine Barkasse an der Seite des Dampfers und mit einer Libanesin, die von Port Said aus ein Schiff nach Beirut zu nehmen beabsichtigte, und zwei griechischen Seeleuten die da ihren Kahn erwarteten, tuckerten wir zum Zollgebäude. Als es auch noch zu rieseln anfing, war die Szene vollkommen. Denn ungefähr ein dutzend Ägypter waren noch mit uns in der winzigen Barkasse. Die alle versuchten uns unauffällig zu mustern indem sie zu den im Hafen liegenden Schiffen 'rüber schauten und uns aus den Augenwinkeln dann beobachteten. Natürlich  tat das unserem Gefühl der Sicherheit nicht all zu gut. Wo sind  unsere Koffer? Flog es mir durch den Kopf. Ich blickte herum um sie ausfindig zu machen. Da erblickte ich sie, dort vorne sind sie ja, dachte ich, ein bisschen beruhigt sinke ich wieder in mich zusammen. Ein oder zwei der besser angezogenen Ägypter, wahrscheinlich Zoll oder Hafenbeamte aber möglicherweise auch Beamte des an Zahl sehr starke Sicherheitsdienst, grinsten dreckig, als ob sie dächten „Wieder einer dieser Europäer die keinem trauen!“ Um ehrlich zu sein, das war es auch was ich fühlte.
Nach l5 Minuten, die uns wie eine Stunde vorkamen, stoppte der Kutter an einem großen Gebäude, das sehr spärlich beleuchtet war, an. Aus dem  halbdunkel  lösten sich ein paar Araber  und  kamen zur Pier, sie entluden die Koffer sofort und sogleich musste ich eingreifen, denn ohne jede  Erklärung  schoben  sie von  dannen  , langsam, langsam, sagte,wo wollt  ihr denn damit hin? Erstaunt  blieben  sie  stehen, ich hatte  sie auf arabisch  angequasselt, und  sogleich  löste  sich ein großer Araber  aus der Gruppe  und kam  auf uns zu. Wir, mit  unseren  1.70 cm , blickten hoch  auf  sein wohl  1.90 m Körpergröße, an  einem  wohlgeformten  Adlerzapfen  vorbei, in  sein unrasiertes und  ungewaschenes  Gesicht, dass  am  oberen Ende durch  einen dunkelweißen Turban geschmückt  war. Das Wort  „vertrauen"  entwich uns bei diesem  Anblick !
Vertraulich und im ruhigen Tone sagte er uns auf Englisch das wir uns um nichts zu sorgen brauchen, denn für ein geringes Taschengeld organisiert  er den ganzen Laden. Trotzdem ließ ich die Sonja mit dem Gepäck und ich
erledigte die Formalitäten. Die Impfscheine wurden kontrolliert, gestempelt und ab ging's wieder zurück zum Zollgebäude. Die Zollerklärungen mussten in Triplikate ausgefüllt werden, die in arabisch und in Französisch  gedruckt sind, dabei  stand mein großer Araber immer  mir zur Seite. Eigentlich war es mir gar nicht so klar welche Funktion er erfüllte, denn er hatte keine Uniform an, sondern nur eine "Gallabejah" (Koftan) und da es Winter war, einen ex- Navy Mantel. Er hatte auch keine Armbinde die vielleicht besagte, dass er im Dienst des Zolls ist. Ausserdem sagte er selbst gar nichts zu seiner Identität. Am meisten Gewicht legte er auf das Geld, den „Backschisch“! Er wollte immer gerne wissen wieviel Moneten ich den habe . Es ist wohl eine wichtige Formalität in Ägypten, dass man genau Rechnung tragen muss wieviel Geld mann einführt   und    wieviel  Geld   man   wieder  ausführt. Aber   dadurch  hatte  der  alte Bursche eine gute Tarnung und eine Möglichkeit herauszufinden was ihn am meisten interessierte. Ich dachte, dass er möglicherweise nicht so gut Englisch lesen könnte und schrieb den Betrag den ich bei mir hatte in Buchstaben voll aus, wobei ich auch 1/4 unterschlug. Damit wollte ich es dem Schurken nicht lohnend erscheinen lassen mir später eine auf dem Dötz zu donnern und mit dem Geld die Kurve zu kratzen.

So traten wir offiziell mit 150 US-Dollars in die V.A.R. (Vereinigte Arabische Republik) „Wie damasl Ägypten hiess“.

Später erfuhr ich, da es die Regierung verlangt, dass man all das Geld deklarieren muss das man bei sich hat. Dadurch kann man das Geld nur auf den Banken wechseln, zu dem offiziellen Kurs,und der schwarze Markt wird dabei unterdrückt. Nachdem der Papierkrieg erledigt war fehlte nur noch der Stempel des Herrn Inspektors der die Chose Kontrolliert.
Der griechische Seemann war gerade dran als ich zur Zollabfertigung kam. Die Atmosphäre war schon geladen da der Seemann nur griechisch sprach und er den Inspektor nicht verstand der ein klägliches englisch stotterte.
Da der Ägypter dann ärgerlich wurde, als er 12 Palmolive-Seifen beim Griechen fand und er ihm sagte, dass er nur 10 haben durfte, darauf uns der Seemann 2 gab, (statt dem Inspektor!?), ging er durch alle Sachen die der Grieche hatte. Der Anzug wurde untersucht, die Taschen nach außen gedreht, die Hosenbeine umgestülpt, alle Hemden entfaltet und ausgeklopft usw., Also, er schikanierte den Griechen!
Der Seemann biss sich auf die Zähne und ihm kamen die tränen vor wut...aber er war machtlos.
So kam es dann, dass als wir an der Reihe waren, wir einen nervösen, schlecht gelaunten Zollbeamten vor uns hatten. Wir öffneten all unsere Koffer sofort, bevor er uns fragte, und lächelten ihn unschuldig an. Er wurde von mir auch gleich auf Arabisch angesprochen, wobei er erstmal wissen wollte wo ich denn die Sprache erlernt hatte. Quasselnd fing er an unsere Koffer zu durchwühlen und sogleich fand er unsere zwei Packungen Nougat die gleich obenauf lagen. What is this? Fragte er sofort misstrauisch, obwohl er es ganz groß darauf stand. Ohne zu zögern luden wir ihn ein das Päckchen doch aufzumachen und mal zu probieren! Wir hatten kaum ausgesprochen da war die Packung schon auf und vorsichtig schob er sich ein stück in den Rachen. Hm, das schmeckt aber gut lallte er mit vollem Mund, und begann so allmählich sich zu entspannen und ein leichtes lächeln zeigte sich auf seiner Visage. Sie haben doch bestimmt Kinder, sagten wir, so nehmen sie doch beide Päckchen mit!    Er hatte den Koffer, der vor ihm lag, noch gar nicht so richtig beguckt, da schloss er ihn schon wieder, warf einen Blick in den anderen und sagte O.K. Der Stempel sauste auf das Papier und wir waren fertig!
In der Zwischenzeit war es 3 Uhr geworden in der Früh!! Und wir waren Hundemüde und kalt gefroren. Der nächste Zug nach Alexandrien, unserer geplanter Aufenthaltsort, ging erst um 8 Uhr, sagte der Eine, um 6.30 Uhr sagte der Andere, wir ließen sie streiten und schlichen mit dem Alten Araber zum Ausgang. Da wenig Passagiere ausgestiegen waren, waren ungefähr 8 Araber um uns versammelt die sich wiederum stritten wer die Koffer tragen sollte. Ein Alter sagte er kenne ein gutes Hotel, gar nicht so teuer, nicht weit weg von hier.Uns war so kalt das wir beinahe mit allem einverstanden waren und sagten O.K.! ! Das Gepäck kam auf einen wahrscheinlich hundert Jahre alten, 2-rädrigen Karren drauf, der von einem Araber gezogen wurde. Ich verhandelte mit den Gaunern wieviel das wohl kosten sollte? Wie üblich schrie man mehr als man sprach, in der Aufregung dachte die Sonja die wollen mit der Karre und unseren Habseligkeiten abhauen,und fing an die Koffer wieder abzuladen! Mit viel Geschrei wurde ich darauf aufmerksam gemacht und so kamen die Koffer wieder auf den Karren. Ist denn hier kein Taxi fragte ich, nee, doch nicht zu dieser Uhrzeit! So stolperte unser seltsamer Zug durch die nächtlichen Straßen von Port Said! Als ich ein paar Polizisten auf Streife sah beruhigte ich mich ein bisschen. Ausserdem kamen auch die 2 griechischen Seeleute mit ins gleiche Hotel, so waren wir also nicht ganz machtlos! Doch plötzlich fuhr ein Taxi an und das Geschrei und Gezanke ging gleich wieder los. Ihr habt gelogen ihr Hundesöhne! Ihr so und so! usw. schrie ich,und wollte die Taxe nehmen, doch die Seeleute die Port Said schon ein bisschen schon kannten beruhigten mich und versicherten das die Taxis noch größere Verbrecher waren! So stampften wir, gefolgt von ungefähr 5 oder 6 Arabern, die noch mehr Taschengeld haben wollten, zum Hotel, bzw. was man in Ägypten damals „Hotel“ nannte! Wir läuteten Sturm um den Verwalter zu wecken, und da endlich, nach langen 10 Minuten kam er schlaftrunken 'raus. Was ist denn los fragte er noch!Vorsichtshalber erst mal erkundigt was es denn kosten sollte und ob wir es uns angucken könnten? Ja, O.K.! Es war ein Loch jedoch einigermaßen sauber, und für 2 Stunden Schlaf und zu dieser Uhrzeit war es das bestmögliche!
Die Seeleute nahmen das Zimmer gleich neben unserem, aber sie konnten wenigstens ausschlafen! Sicherheitshalber, und da es nur ein paar Stündchen waren, stiegen wir voll angezogen, ausser Schuhe, in die Falle! (Bitte zu entschuldigen!)
Noch muss ich erzählen, dass bevor wir ins Hotel gingen und bevor der Alte Araber sich verabschiedete, wollte er noch Geld haben , natürlich. Er saget mir „Die Griechen haben kein Geld, s o müsste ich alles zahlen!
Wieviel, fragte ich ihn vorsichtig?!! Frech sagte er: Drei Pfund!
Ich konnte mich erinnern, dass das, das Wochengehalt eines Arbeiters war! Also ging das verhandeln und streiten wieder los! Sein Hauptargument war die Bezahlung der Barkasse, wie ich später erfuhr, ist sie Staatlich und daher umsonst, da es ein Dienst am willkommenen Tourist ist! Als ich dem Alten dann ein Pfund und ein paar australische Münzen in die Hand drückte sah er ein, dass er zufrieden sein kann!
Um 6 Uhr wachten wir auf und mit einem großen Sprung hüpften wir aus dem Bett. Ich ging gleich los und weckte den Hausmeister, beglich die Rechnung und ab ging's zum Bahnhof per Taxi. Da machte ich den Fehler nicht schon vorher nach dem Preis zu fragen. Also musste ich mich vor dem Bahnhof noch herum streiten und doch einen hohen Preis zahlen. Normalerweise haben die Taxis in Ägypten einen Taximeter, aber niemand konnte oder wollte mir sagen warum ausgerechnet Port Said keine hat!
Am Bahnhof erfuhren wir, dass der Zug erst um 7.45 Uhr fährt und die Fahrkarten nicht vor 7 Uhr verkauft werden. So saßen wir auf der eiskalten Imitationsmarmorbank (im Sommer schön kühl, jedoch im Winter!?) bis der Zug ankam. Der auch pünktlich eintraf. Wir fuhren dritte Klasse nicht nur um Geld zu sparen sondern auch um zu erleben wie die Ägypter leben. Im Zug ein Fenster nicht zu, die Tür klemmte, von dem Anstrich war nicht mehr viel zu sehen. Die Farbe splitterte überall ab und Rost und Korrosion herrschte wie ein König (oder vielmehr Diktator?!) Das muss man den Ägyptern lassen, ihre Züge waren immer sehr pünktlich. Denn auf die Minute genau verließ der Zug den Bahnhof um die 220 Km nach Alexandrien in 5,5 Stunden zurückzulegen. Entlang dem Suez-Kanal ging's bis nach Ismailia und über Zagazig und Tanta. Beide Orte sind in der sehr fruchtbaren Ebene des Nildeltas gelegen.
Im Zug bestaunten uns die Saiidi und die Fellachen und die Beduinen und grinsten immer wenn sie sahen das ein paar Europäer dritte Klasse fuhren, wo sie sonst immer nur in der ersten zu sehen sind. Aber in der ersten Klasse kann man ja nichts sehen und erleben. Denn man säße dort ganz allein oder vielleicht mit anderen Touristen. Aber im gesamten Zug waren wir die einzigen Ausländer, ausser dass in Ismailia zwei junge, schwedische Wanderer mit Tornister einstigen. Nicht zu verschweigen ist auch der Preisunterschied von einer Klasse zur anderen. Er verdoppelte sich beinahe und so kommt es, dass die dritte klasse beinahe nur ein Viertel von der ersten war!!!
Kurz vor zwei (14:00 Uhr) kamen wir in Alexandrien an. Endlich schien die Sonne wieder ein bisschen und unser müder Körper erwärmte sich wieder ein wenig.

Endlich war ich wieder da wo ich seit meiner Kindheit wieder mal hin wollte! Genau 13 Jahren war ich weg. Meine Kindheitserinnerungen wurden wieder wach. Ich schaute um mich herum, ja, sagte ich, das ist die "Station Masr" (Masr=Ägypten) von wo aus wir früher als Kinder nach unserem beliebten Abukir gefahren sind. Auch damals im letzten Sommer in Alexandrien, im Jahre 1951 ! Ohne lange nach Preisen zu fragen fuhren wir mit einer Taxe nach Moharram-Bey. Mein Traum ging in Erfüllung. Mit 13 Jahren hatte ich das geliebte Alexandrien verlassen und seitdem hatte ich das verlangen wieder da herum zu bummeln, wo ich als Lausbube herum getollt habe. Die Gegend hatte sich nicht viel verändert, viele Villen sind verschwunden und sind durch Wohnblocks ersetzt worden, das Straßenbahnnetz wurde erweitert, (aber immer noch die gleichen Bahnen von darmals!) Die Lebensmittelläden sind immer noch da, ein paar mehr sind dazugekommen, die Händler sind auch noch immer die gleichen, die Älteren von ihren Söhnen ersetzt. Die ganzen Gesichter waren noch da die ich in meinen Jugendträumen gesehen hatte! Nur die Namen waren mir entfallen.
Meine Erwartung war, dass die Läden größer geworden wären nachdem die Sau-Wirtschaft vorn König Faruk und Konsorten für 12 Jahre ausgemerzt war! Nur ein einziger von 20 Läden hatte frisch gestrichene Wände und Schaufenster und war sogar modernisiert. Die anderen waren genau so wie vor 13 Jahren und da waren sie schon wie vor 40 Jahren!!! Ihre Waagen waren neu! Aber nicht durch fortschritt sondern weil die Regierung die Gewichtseinheiten vom arabischen Okka auf das internationale Kg. festgelegt hatte. Zu bemerken ist da die Herstellungsländer dieser Waagen durchweg Ostblockländer waren!Die größte Veränderung war im Schulwesen zu sehen. Wo man hinschaute standen Schulen. Große, mehrstöckige Villen von ex-Beys und Paschas und der einstigen Reichen sind zu Schulen umgewandelt worden, der Kampf gegen das Analphabetentum  ist im vollen Gange. Die Politik der mangelnden Bildung der vorigen Machthabern kommt hier voll zum Vorschein. Die Zunahme der Schüler in den letzten 10 Jahren beträgt ungefähr 350 %!!!
Aber auch die Verstaatlichung ist im vollen Gange. Alle Industrieanlagen über einen Kapitalwert von 10.000 Pfund ist Verstaatlicht worden. In diesem Jahr werden alle Gebäude nationalisiert und auch der Verstaatlichungsbetrag von 10.000 auf 5.000 Pfund herabgesetzt. Ein vollkommenes Einfuhr-Verbot ist aufgestellt, und Ägypten versucht krampfhaft alles selbst herzustellen.Wenn etwas importiert werden muss dann wird ein Antrag an die Regierung gestellt und das zuständige Amt bestimmt ob und in welcher Höhe importiert wird. Z.B. Staatseigene Textilfabriken leiden an einem katastrophalen Mangel an Nadeln. Ganze Maschinen werden stillgelegt um Nadeln und Ersatzteileile für die anderen Maschinen zu haben. Das wird nicht nur mit einer Maschine gemacht, sondern gleich mit ganzen Sälen. Dazu kommt dann noch der instinkt der Araber Sachen, ob wertvoll oder wertlos, abzustauben.
Eine mir bekannte Firma bestellte mal Nadeln im Werte von 5.000 Pfund um ihren 2-Jahres-Bedarf zu decken. Das Amt hat es für vollkommen genug befunden, Nadeln für 5oo Pfund zu liefern.
Solche und ähnliche Vorkommnisse bewogen einen deutschen Ingenieur, nach 3 Jahren und einem Verdienst von 1.300 Pfund (3.000 DM), wegen Zwecklosigkeit und einem Paradoxon nach dem anderen, das Land zu verlassen!
Ein anderes Beispiel, dass uns ein deutscher Journalist erzählte:
In Kairo wurde festgestellt, dass die staatlichen Busse einen zu hohen Verschleiß zeigten. Es wurde bestimmt , dass der Fahrer einen gewissen Prozentteil der Reparaturkosten tragen soll. In der Nacht, vor dem Tag, an dem die neue Regelung in Kraft treten sollte, haben die Fahrer ihre Busse "präpariert". Resultat: Keiner der Busse verließ am nächsten Morgen das Depot, da irgend ein Schaden entstanden war. Natürlich war der Fahrer unschuldig (!), denn er kam gerade zur Arbeit und schon war etwas falsch am Wagen. Also konnte er auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Für einen Tag war Kairo ohne Busse! Da erließen sie eine neue Regelung:
Wer am wenigsten Reparaturen am ende jeden Monats aufweist, bekommt eine Prämie. Ab sofort setzte sich der Verschleiß herab, denn die Fahrer achteten viel mehr auf ihre Wagen.
Die meiste Zeit des Tages sind die Busse hoffnungslos überladen, die Leute hängen auch ausserhalb der Eingänge, auf den Trittbrettern stehend, wie Trauben am Weinstock. Wiederholt habe ich nachgezählt wie viele denn da dran hingen und kam immer wieder auf ungefähr 14 bis 15 Personen!! Wenn man dann zu dieser zeit auch innen drin im Wagen sich befindet, dann bin ich überzeugt das man auf den Gedanken kommt, dass Sardinen es bequemer haben.
Nach dem wir uns bei Nitsa (ex-Tenedios), unseren griechischen Freunden und Nachbarn, angesiedelt hatten, die weiterhin in der Daira Sef-el-Din wohnten, fingen wir an die Sehenswürdigkeiten von Alexandrien zu besichtigen. Als große Hilfe erwies sich das Material, das wir vom dortigen Touristen-Büro erhalten hatten. Das staatliche Büro war erstklassig organisiert und man kann in ungefähr 5 oder 6 Sprachen Auskunft und auch Informationsmaterial bekommen. Hierbei muss man erwähnen das die Touristen sehr nett und zuvorkommend behandelt werden. Sogar die Lausbuben die einen immer wieder belästigen, wurden von den Älteren immer wieder ermahnt und gegebenenfalls mit einemTritt in den Hintern zurecht gewiesen. Auch ist eine Polizeistaffel im Einsatz, die im besonderen, nur mit dem Schutz der Touristen beauftragt ist. Die große Freude war auch dass sie kein Trinkgeld annahmen, und das soll was heißen bei den Arabern!
Wir besuchten die griechisch-römischen Katakomben von Korn el Schukafa, das sich in einem der ältesten Stadtteile von Alexandrien befindet. Es ist eine Römische Grabstätte die ganz in den Sandstein eingemeißelt worden ist und ein Alter von rund 2ooo Jahren aufweist. Ursprünglich ist es bis zu einer Tiefe von 43 m gegangen, jedoch durch die Hebung des Wasserspiegels durch den ersten Aussuandamm, wurde eines der 3 Stockwerke im laufe der Jahrhunderte mit Schlamm gefüllt. So ist es heute nur 27 m tief und besteht nunmehr aus den restlichen 2 Stockwerken.
In dem noch heil gebliebenen Teil ist platz für 6oo Särge. Diese werden mittels eines Seiles durch einen Schacht von ungefähr 4 m Durchmesser, auf die jeweilige Etage herab gelassen, worauf sie dann in ihre jeweilige, in den Stein eingelassene  Nische eingeschoben  werden. Diese  Grabstätte der alten Römer wurde durch reinen Zufall im Jahre 1922 entdeckt. Nämlich durch den Einbruch eines Kutschers mit samt Wagen und Esel.
Wir besuchten auch das Grab von Caligula. (Röm.Kaiser 12 n.Chr.) Es befindet sich beinahe auf der gleichen Stelle. Es wurde uns gesagt, dass der Kaiser leicht geistesgestört war und dachte er habe keine Freunde, sondern seine einzigen Freunde waren seine Pferde. So ließ er 2 seiner besten und schönsten Pferde mumifizieren und in seinem Grab, zusammen mit seiner Leiche, eingraben!Dafür musste natürlich genügend Raum in dieser Tiefe geschaffen werden.
Diese Katakomben sind erstklassig konstruiert, denn sie haben Wasserleitungen angelegt, zur Versorgung der da unten arbeitenden, und später bei der Bestattung den Trauernden, die auch hinunterstiegen. Am Seil wohlgemerkt, denn die Treppen die wir benutzten waren extra für die Touristen viel später angelegt worden. Luftkanäle waren auch eingemeißelt, zur Versorgung der Menschen mit Sauerstoff.
Es wurden Tonnen von Scherben entdeckt, oben auf dem Platz, unter dem sich die Katakomben befanden, und man fand keine Erklärung für das woher! Als man aber dann die Grabstätte entdeckte fand man die Antwort. Nach einem Begräbnis wurde der sogenannte Leichenschmaus durchgeführt, wobei man mitgebrachtes Essen und Getränke verzehrte. Die Gefäße in denen der Schmaus  mitgebracht worden war wurde dann auf dem Boden zertrümmert. Von Zeit zu Zeit mussten dann die Gräber von den Trümmern befreit werden, und so wurden sie dann aus 43 oder 27 m herauf gehievt und auf einem Haufen geworfen. Im laufe der Jahrhunderte Bildete sich der Berg der dem Stadtteil den Namen gab, nämlich: Kom el Schekafa, auf Deutsch: Berg der Trümmer. ( In Stuttgart : „ Monte Scherbelino)
Auf dem Rückweg in die Stadt besuchten wir Pompeu 's Säule. (Gnaeus Pompeius Magnus, röm. Staatsmann und Feldherr, 106 v.Chr., bekämpfte erfolgreich den Sklavenhandel des Spartakus, Mithridates, Seeräuber, 6o v.Chr. Triumvirat mit Cäsar und Crassus, von Cäsar bei Pharsalus (48) besiegt, auf der Flucht in Ägypten ermordet.)
Es ist eine riesige Grabstätte in dessen Mitte eine imposante Granitsäule aufgestellt ist. Die Säule besteht aus dem bekannten Assuan-Granit und hat einen Durchmesser von 2m und ist 21 m lang, und aus einem einzigen Felsen gemeißelt. Verschiedene kleinere Sphinxe waren auch aufgestellt bei denen sich bewies mal wieder die Theorie, dass Napoleon allen Sphinxen in Ägypten die Nase abschlagen ließ.
Es gab noch mehr Katakomben in Alexandrien, jedoch die wichtigsten hatten wir gesehen und sind hier auch beschrieben.
Unvermeidlich ist der Besuch des Bazars am Mohamed Ali Platz, der am Midan Orabi, wie es heute heißt. In der Mitte des Platzes sitz stolz der Befreier Ägyptens, der türkische Sultan Mohamed Ali, da er jedoch damals England-freundlich war wird er jetzt abgesetzt und durch den damaligen England-feind Orabi ersetzt, ideologisch nur. Denn als man das schöne Denkmal abreißen wollte widersetzte sich das Volk und so blieb der Ali doch noch stehen und die Regierung sparte an Geld und die Stadt ist nicht um eine schöne Touristenattraktion bestohlen worden.
An dem einen Ende dieses Platzes beginnt dieser schon seit Urzeiten bestehende Bazar. Durch eine ganz schmale Gasse, die dadurch noch schmäler gemacht wird, dass die Händler ihre Schaukästen auf die Straße herausstellen, spaziert man in den wirklichen Orient hinein. Die Luft ist erfüllt mit dem Duft, nicht der großen weiten Welt, sondern der anti-Fliegen Räucherer. Es ist keineswegs ein schlechter Duft sondern eben ungewohnt. Das Licht hat zu kämpfen um in diese Gasse herein zu kommen. Decken,Tücher, Taschen, Teller,Teppiche, Schmuck, Gardinen und noch ein paar tausend Sachen mehr hängen überall, aber wirklich überall.
Das schöne an diesem Bazar ist, dass er noch nicht so ganz auf Touristen eingestellt ist. Man sieht nämlich viele Alexandriner die dort ihre Einkäufe machen, die dort kräftig mit den eigenen Landsleuten feilschen um einen fairen Preis herauszuschlagen. Die Leute sind auch nicht all zu aufdringlich, die meisten sind ja auch damit beschäftigt , die Ware die sie verkaufen, herzustellen. Der Sattler sitzt da und näht die Taschen, die er im Schaufenster hat, zusammen.
Man kann zuschauen wie die Ägypter kunstvolle Stickereien per Hand sticken, wie die Goldschmiede, hinter einem Glasfenster sitzend, herrlichen Schmuck anfertigen, wie Gewürze hergestellt, getrocknet und gemischt werden, praktisch kann man alles da bestaunen.
Alles mögliche und unmögliche wird zum Verkauf angeboten, vom billigen Blechmedaillon bis zum Wert- und Kunstvollen Silber und Goldschmuck.
Wir gingen an einem Sattler vorbei und ich schaute ihn an, den Sattler, er schaute zurück und als ich beinahe an seinem Laden vorbei war, sagte er „Bis du denn der Hansi??“ Wie dumm guckte ich zurück als ich meinen Kindernamen aus arabischen Munde hörte! Ja,ja,antwortete ich instinktiv, und er begann zu grinsen. Es stellte sich heraus, dass er meinen Vater, der 32 Jahre in Ägypten verbracht hatte, kannte und so mich auch. Automatisch wurde der traditionelle Mocca getrunken und ein bisschen geplaudert. Endlich fand so die Sonja jemanden dem sie freizügig alle ihr auf der Zunge liegenden Fragen zuzuwerfen. Bereitwillig und sehr objektiv gab er uns die Auskunft.
Er freute sich, dass die Schulfrage bedeutend besser geworden ist,  jedoch stimmte er uns zu, dass es nicht fair ist, dass ein Offizier zwischen 50 und 80 Pfund im Monat verdient, wo ein Ingenieur mit der gleichen Ausbildung nur auf 30 bis 50 Pfund kommt. Er war auch nicht sehr erfreut, dass man nur 5 Pfund Reisegeld mitnehmen kann, wenn man eine Fahrt ins Ausland machen will. Außerdem auch nur 4 Tage in der Woche Fleisch zu kaufen ist. Ja, das waren die Auswirkungen des Kommunistisch angehauchten Nasser! Er spielte den Westen gegen die Sowjets aus!
Es ist nicht so, dass die Ägypter große Fleischesser sind oder waren, (wer konnte se sich schon leisten?) aber es ist ja nur die Einengung die man erfährt.
An einem schönen sonnigen Morgen besuchten wir die schönen Badestrände von Alexandrien. Vom "Alten Hafen", den die Römer schon gebaut hatten, zieht sich eine Corniche (Strandstraße) entlang der herrlichen Mittelmeerküste, für 22 Km nach Mandara, an den Badestränden vorbei wie Kleopatra, Schatbi, wo ein nettes Restaurant auf Pfählen bis ins Wasser gebaut ist, Sidi Bischr, Ismailia, Sporting, wo sich auch ein Pferderennplatz befindet, usw., usw. Nicht zu vergessen ist natürlich die berühmte Stanley-beach. Wie eine Riesengroße Arena ziehen sich da die Badekabinen in 4 und 5 Stufen übereinander getürmt entlang der ganzen bildhübschen Bucht. Es stehen dort rund 2000 Kabinen die Jährlich gepachtet werden können. Am Ende dieser "Küstenstraße" kommt  Iman in "Montasa" an. Es war König Faruk's bevorzugtes Sommerpalais. Aber ein Palais im wahrsten Sinne des Wortes! Das Gelände ist groß genug um darin noch auf die
Jagd zu gehen! Heute ist es als Park und Museum der Öffentlichkeit geöffnet.Für die
Finanzkräftigen Touristen ist auch ein Spielkasino eingerichtet. Das andere Schloss des einstigen wohlbeleibten Monarchen befindet sich in der nähe des neuen Hafens, wurde jedoch von der Marine als Kaserne verwendet und deshalb dem Fremdenverkehr verschlossen. Der König hatte damals 6 Paläste zu seiner Verfügung.
Ein Wochenende wollten wir der Nitsa ein wenig Ruhe und Zeit geben und übernachteten wir  in einem Hotel an der Corniche. Es war heruntergekommen, aber hatte einen sehr schönen Ausblick auf den alten (Römischen) Hafen. So ziemlich nichts funktionierte in dem Hotel. Die Fenster hingen nur einer Scharniere. Die Farbe blätterte überall ab. Das Wasser in der Dusche tröpfelte nur. Ich fragte dem beinahe schwarzen (Sudaner?) Aufseher wieso dass alles am Zerfallen ist? Er sagte mir ganz gelassen „Der Nasser, unser President, sagt uns, dass jetzt alles unser ist, es gehört nicht mehr einem Adeligen oder sonst Reichen. Somit, wenn ich keine Lust habe dann mache ich gar nichts!“
Wir gingen dann ein einem schönen Tag am Strand spazieren. Da bekam die Sonja plötzlich furchtbare Zahnschmerzen. Wir fragten uns durch zu einem Zahnarzt. Der war noch relativ jung, circa Mitte Dreissig. Er hatte in Moscow studiert und war so richtig stolz ein Kommunist zu sein. Er zog der Sonja den kranken Zahn und machte einen guten Job. Stolz sagte er , dass nicht nur der Westen gute Ärzte hätte! Er verschrieb der Sonja Spritzen die sie einmal die Woche für 3 Wochen nehmen müsste. Damit sie keine Entzündung bekommt. Da mussten wir zu den Apothekern gehen und sie bekam die Spritze in die Po-Backe verabreicht. Das Gute war, dass diese Prozedur sehr preiswert war, da Ägypten die Kommunistische Ader hatte wo der Staat alles zahlt! Deswegen sind sie ja auch später pleite gegangen, die Kommies!!
Was man als "Wiederbesucher" sofort merkt, ist das fehlen der Europäer im Straßenbild und auch in der Geschäftswelt. Seit dem Umsturz im Jahre 1952 sind 98% der Europäer ausgewandert. Entweder wie meine Familie zurück ins Ursprungsland, oder in eins der Auswanderungsländer wie Kanada, Süd-Afrika oder Australien. Eine sehr große Überraschung war als ich feststellte, dass auch viele Kopten Ausgewandert sind. Man muss nämlich wissen, dass die Kopten die eigentlichen Ägypter sind! Die die heute da leben sind Araber! Der Name Ägypten beweist das schon, denn das Wort Ägypten kommt vom alt-griechischen und heißt: Christen! Die Kopten werden zu den einzigen echten Nachfolgern der alten Ägypter gezählt und sie sind eine der ersten die Christen geworden sind.
Diese Tatsachen sollen die Beweggründe des Ägyptischen "Führers" (Nasser) gewesen sein, als er mit Nachdruck die Vereinigung der arabischen Staaten befürwortete, um so den an die Kopten erinnernden Namen zu löschen. Als die Syrier darauf bestanden die Provinz Syrien genannt zu werden musste Ägypten auch die Provinz Ägypten werden und dadurch ist der Name nicht ganz ausgelöscht worden, und blieb erhalten, wohl nur im Hintergrund. Dadurch, dass es eigentlich keine Vereinigte Arabische Republik gibt, da ja bekanntlich immer zwei zu einer Vereinigung notwendig sind, (Syrien ist ja mal wieder abgesprungen) gibt es auch keine V.A.R. Zu bemerken ist, dass die heutigen Ägypter Ägypten „Masr“ nennen, vom Planeten Mars abgeleitet.

Den Kopten bzw. Christen wird jeden Tag gezeigt, dass sie Ausländer sind, indem sie nicht mit dem üblichen arabischen "Effendi" angesprochen werden, sondern das für Europäer und andere Ausländer gebrauchte "Chawaga" (Fremder) angesprochen werden, und das obwohl sie mit einer Zahl von 6 Millionen, 25% der Bevölkerung ausmachen. Ausserdem werden den Kopten, die sehr gebildet sind und auch bisher wichtige Schlüsselstellungen in der Wirtschaft Inne hatten, kunstvoll alle höheren Stellungen in Verwaltung und Wirtschaft aberkannt. (Sie wurden früher von den Engländern als Kolonialmacht bevorzugt weil sie eine bessere Bildung hatten und verlässlicher waren.) Oft sind die Kopten zur Versöhnung mit Israel bereit und ich glaube, dass das ihnen große Feinde verschafft . Sie sind auch schon deswegen machtlos weil sie ja auch keinen Zutritt zur Armee haben. So werden sie von Tag zu Tag immer mehr verdrängt. Und manchmal frage ich mich wer wird den christlichen "Brüdern" mal helfen wenn es mal brenzlig wird?
Wahrscheinlich werden es die gleichen sein, oder zumindest ähnliche, die dem Nasser die Gasflaschen liefern werden die 25 Jahre her dem Adolf die Flaschen lieferten, und 20 Jahre später wird wieder keiner etwas davon wissen.!!
Dem Nasser werden Waffen geliefert, beinahe die gleichen bekommen die Israelis, beide Seiten haben schon Raketen, vielleicht  keine guten, jedoch wozu brauchen die gut zu sein ? Die könnten sich ja mit Steinen Bewerfen, soweit sind sie von einander entfernt.

Aber wem geht das was an? Solange man ein Geschäft machen kann! Es sind ja nur Araber und Juden!! Es sind ja nur 30 Millionen Menschen! Die, wenn es so weiter geht, sich gegenseitig auffressen werden!!
Statt Panzer und Kanonen könnten die Ägypter und die Israelis vielmehr Traktoren, Werkzeugmaschinen und  Lebensmittel gebrauchen!
In Ägypten wird das Fleisch knapp, es wird amerikanisches Fleisch importiert, das Papier ist knapp geworden, Einkaufshäuser verpacken die Waren nur auf ausdrücklichen Wunsch und dann nicht mal! Sogar die großen Hotels müssen sich ihr Toilettenpapier auf dem schwarzen Markt holen! Und wie der blüht! !Wucherpreise herrschen je nach Saison, im Winter ist echte Wolle Gold wert. Nylonstrümpfe die in Deutschland 2,- Mark kosten, werden dort für 10 bis 15.- Mark verkauft!!
Das amerikanische Volk verschenkte "Friendship"-Waren wie Büchsenfleisch  und Pulvermilch, Dosenfrüchte, etc. für die Armen und Hungrigen in der Welt. Anscheinend verstehen die Ägypter unter "hungrige" die Geldhungrigen unserer Welt, denn sie verkauften auf offener Straße und am helllichten Tage diese eben genannten Waren!!! Für Preise!!! Unter den Augen der Polizei!!!
Die Beys und Paschas sind vorbei, der Kolonialismus ist vorbei, diejenigen die jetzt die Besitzer von Villen und Cadillacs und Rolls Roys sind haben sie abgelöst.
Es sind hohe Offiziere und Verwaltungsbeamte die am geschmeidigsten und lautesten "Heil Nasser " schreien die sie abgelöst haben. Das Chaos steht bevor, die Journalisten machen schon Wetten unter sich ab, wieviel Anschläge "er" wohl noch heil überlebt??? Viele meinen, was wird denn nach ihm? Viele sehen eine angst im Volk und in seiner Umgebung, denn was passiert wenn ihm was passiert? Sein vermutlicher Nachfolger soll noch schlimmer sein!!!
Einen Abstecher nach Kairo musste natürlich auch gemacht werden. Für 5 Tagen hielten wir uns in dieser großen Stadt auf. Mit einem Wüsten-Buss ging die brausende Fahrt von Alexandrien nach Kairo. Eigentlich wollte ich über die neue Autobahn fahren aber es war nicht die Route des Busses und so fuhren wir die alte Straße 'runter. Zu erzählen gibt es da nicht mehr sehr viel, denn ich ging überall dorthin wo es etwas zu sehen war. Für einen Tag waren wir im Museum von Kairo, es ist an Kunst-bzw. historischen Schätzen das reichste Museum der Welt. Schon die Masken
und der Sarkophag und die Mumien sind Millionen Wert. Wenn man sich die Mumien so ansieht, dann kann man gar nicht glauben, dass das alles echtes, massives Gold ist. Auch noch Gold aus einem anderen Jahrtausend, ja, schon 5000 Jahre alt! Obelisken und ganze Gruppen von Statuen sind in den Hallen aufgestellt. Man kann es gar nicht erfassen, dass schon vor so vielen Jahren so schön gearbeitet worden ist. Man fasst Holz und Gestein an, dass schon vor 5 und 6000 Jahren nicht nur angefasst, sondern auch bearbeitet worden war! An einem anderen Tag gingen wir dann zu den, wie kann's auch anders sein, Weltberühmten Pyramiden von Gizeh.
Eine kleine Enttäuschung war es als wir sahen, dass dort eine  Autobahn
praktisch an den Füßen der Pyramiden Vorbei führt. So mancher AutoTourist freut sich wahrscheinlich darüber, aber es nimmt ein bisschen das romantische von diesen Gigantischen Bauwerken.
Nicht desto trotz ließen wir uns  überreden mit ein paar Gäulen 'rauf zu reiten, statt wie die nicht-Touristen zu Fuß 'rauf zu gehen. Die  alten Gäule waren auf ein bestimmtes Tempo abgerichtet und dabei blieben sie auch. Wir ritten also langsam den Berg hoch worauf auch die Pyramiden zum Himmel ragten. Dabei entdeckten wir, dass der Nasser es dem Auto-Touristen sehr leicht und bequem gemacht hat. Denn von der Autobahn ging eine zweispurige Straße hoch zu und um und  zwischen den Pyramiden 'rauf. An der Cheops Pyramide vorbei ritten wir dann wieder runter zur Sphinx. Es wurde kräftig geknipst und zurück ging's zu der Chefren  und der Micherinos-Pyramide. Wir waren wirklich leicht enttäuscht denn wir hatten es uns ganz anders vorgestellt. Wie man es oft auf Bildern zu sehen bekommt stehen diese Monumente in mitten der Sahara und glühen in der Sonne. Wenn man die Augen zu macht sieht man die Kamel-Karavanen daran vorüber ziehen, usw. usw.
Statt dessen sieht man gleich von der Cheops Pyramide aus die neue Sahara City. Gleich gegenüber der Sphinx stand ein modernes flaches Gebäude, von dem aus die allnächtlich "son et lumiere" (Ton und Lichtspiele) veranstaltet werden. Es stehen da 300 Stühle, wie in einem Freilichtkino, und von da aus kann man die Beleuchtung der Monumente, in verschiedenen Farben sehen, und eine Erzählung der Geschichte der Pyramiden, hören. Kein zweifel, es ist schön zu sehen wie der technische Fortschritt nicht aufzuhalten ist. Für mich persönlich ziehe ich ein bisschen Echtheit der Technik vor, speziell wenn mir mehr als 5 Jahrtausende gegenüber stehen.
Wir wollten ursprünglich nur 3 Wochen in Ägypten bleiben. Aber als wir bereit waren für die Rückfahrt sagte uns der Reeder, dass das nächste Schif Motorenschaden hatte und wir dadurch auf das übernächste Schiff warten mussten, das 3 Wochen später vorbei kommt. So musste die Arme Nitsa uns nochmals für 3 Wochen in Kauf nehmen. Ausserdem konnten wir dann nicht mehr weiter nach Süden Reisen um die anderen Ägyptischen Schätze anzuschauen.
Somit Mitte Januar 1965 fuhren wir wieder in der dritten Klasse mit dem Zug nach Port Said. Als wir Port Said wieder erreichten, um unser Schiff nach Italien zu erwischen, erfuhren wir auch wie glorreich die Bürger im Jahre 1956 gegen die Alliierten Kräfte der Engländer, Franzosen und Israelis die Stadt verteidigt haben. Somit steht es in der Ägyptischen Geschichte, dass der "Krieg" von 1956 gegen die Imperialisten des Westens glorreich beendet worden ist.
Kurz vor dem Zoll setzten wir uns in Kaffee und hatten einen Espresso. Als wir zahlen wollten verlangte der junge Ober den doppelten Preis. Die Sonja fragte ihn wieso der Kaffee so teuer ist? Der Schlaumeier antwortete „die Schlagsahne war aus Frankreich, Madame!“ Wir lächelten und zahlten.
Durch den Zoll in Port Said kamen wir anstandslos, die Papiere wurden wie üblich geprüft und die Finanzen Kontrolle war besser abgelaufen als erwartet.

Am 28.1.1965 gingen wir an Bord  unseres Schiffes und ab ging's nach Neapel.



*    *    *    *    *    *    *    *    *    *    *    *    *

Ubi Bene Ubi Casa
(Wo es mir gut geht, da bin ich zu Hause)
Kapitel V
Die Rückwanderung nach Deutschland 1964 und Auswanderung nach Amerika 1969

Wir nahmen das Italienische Kreuzschiff in Port Said und dampften nach Genua, Italien.
Deutschland    (Heim ins Reich)
Mit dem Zug fuhren wir von Genua weiter nach Deutschland. Wir machten kurz Halt in Esslingen am Neckar, wo wir die Mutti besuchten. Dann ging es weiter nach Hamburg mit dem Zug. Dort angekommen erfuhren wir, dass Sonjas beliebte Tante leider schon verstorben war. Sonja’s Eltern, die Gerta und der Hans Kalinowski hatten mich noch nie gesehen. außer auf Bildern. Ich hatte auf der langen Fahrt mal wieder einen Bart wachsen lassen. Damals war er dick und beinahe schwarz! Wir wunderten uns wie Sonja’s Vater mich akzeptiert? Er guckte skeptisch, mit einem leichten lächeln. Schließlich konnte er wenig tun. Sonja und ich waren in der Zwischenzeit schon 4 Jahre glücklich verheiratet! Sonjas Schwester, die Rita, hatte auch geheiratet und war aus dem Haus der Schwiegereltern ausgezogen. Sie ging nach Westerland, Sylt wo ihr Mann, der Gunther Jensen Wohnte und herkam.
Somit war ihr Zimmer bei Sonja’s Eltern frei. Wir hausten uns da ein in Winterhude in der Gertig Straße 10 im ersten Stock. Wir erfuhren, dass die Gewerkschaft einen Techniker-Schnellkurs Anbot, von nur einem Jahr, da ein großer Mangel an Techniker und Meister in Deutschland zu der Zeit bestand. Ich meldete mich gleich an. Sie nahmen mich an und los ging das Pauken für einen Maschinenbautechnikerbrief. (Gleichwertig mit einem Meisterbrief). Es brachte mir Spass und ich kam auch sehr gut mit. Bin wohl ein Spätanfänger, da ich als junger Mensch nicht all zu gut in der Schule war. ich schaffte es jedes Jahr gerade noch in die nächste Klasse zu kommen.
Die Sonja fand einen Job beim Jahreszeitenverlag, der leicht zu Fuß erreicht werden konnte von Sonja’s Eltern Wohnung. So hatten wir ein Einkommen und ich konnte pauken. Wir zahlten eine kleine Miete an meine Schwiegereltern damit wir nicht "Freischärler wurden". Ich ging auch meistens zu Fuß zur Technikerschule, die auf der anderen Seite lag von der Außenalster. Bei schönem Wetter war es eigentlich ein sehr schöner Spaziergang von circa einer Stunde. Sonst konnte ich die Straßenbahn dorthin nehmen.
An vielen Wochenenden gingen wir mit Sonjas Eltern, dem Hans und der Gerta, nach Sütel an der Ostsee. Dort hatten die Zwei Kalinowski einen Wohnanhänger mit Vorzelt auf der Düne aufgestellt. Deren Nachbar war der Onkel Heinz und die Tante Betti. Wir hatten dort sehr schöne Tage, versoffene Tage und so manche verregnete Tage. Manchmal war der Verkehr am Wochenende katastrophal. So suchten wir immer wieder andere Schleichwege um zur Ostsee zu kommen. Wir hatten kein Auto. Stellt Euch das vor!?! Schwiegervater hatte Eines und wir brauchten Keines. Entweder gingen wir zu Fuß oder wir nahmen die Straßen-, S- oder U-Bahn. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren wirklich großartig in Hamburg.
Mein Schwiegervater Hans wollte sich ein halbsolides Zelt mit festen Wänden bauen für sein geliebtes Sütel an der Ostsee. Das sollte seinen veralteten VW-Bus ersetzen. So zeichnete ich die Pläne, er kaufte das Material und ließ das Zeltdach nähen. Bei den vielen Stunden die wir zwei verbracht haben das Zelt zu bauen kam es heraus, dass mein Schwiegervater doch fluchen konnte. Er tat das nie vor den Frauen. Aber wenn er sich gelegentlich mit dem Hammer auf den Finger haute, kamen doch ein paar seiner seemännischen Aussprachen heraus. Er war ja schließlich Seemann! Er war auch bei den U-Booten im Zweiten Weltkrieg. Darüber wollte er aber nie reden. Schade!
Im Frühjahr 1966 stellten wir das Zelt in Sütel auf. Es war sehr schön. Es wurde von vielen Nachbarn bewundert. Es dauerte aber nicht lange, bis der Ortsvorsteher kam und dem Hans erklärte, dass das Zelt als festes Gebäude anzusehen ist und darum dürfte es nicht auf der Düne stehen. Schweren Herzens mussten wir es abbauen und ein Camper, der im Hinterland seinen Zeltplatz hatte, kaufte es, weil er es dort hinten aufbauen durfte. Der Hans kaufte sich dann einen schönen Wohnwagen, in dem wir für viele Jahre schöne Wochenende und Ferien verbrachten.
Nachten wir entschieden hatten in Deutschland zu bleiben baten wir unsere Freunde in Australien, der Fritz Wehrmann (der mit mir 1960 nach Australien ausgewandert war) und seine Frau die Anne, unser Grundstück in Sydney zu verkaufen. Das Ging relativ schnell da die Konjunktur in Australien sehr gut lief. Mit dem Geld zahlten wir eine Eigentumswohnung an in Hamburg-Halstenbek, Kastanienallee 4, in der Nähe vom Krupundersee. Die Sonja hörte auf die Antibabypillen zu nehmen, und sieh da, binnen Kurzen war sie schwanger. Der Mark kam in Hamburg zur Welt am 13.12. 1968.

Im nächsten Kapitel VI erzähle ich von meiner Welt der Arbeit.
 
Ich hatte mich in einem Verkaufs- und Lizenzvertrag mit der Firma FMC Corporation aus Amerika eingefädelt. So wurde ich als Anwendungstechniker nach Green Bay, Wisconsin geschickt um FMC zu helfen den Verkauf und die Lizenzierung auf die Beine zu stellen.
Als Vortrupp ging ich ging im August 1969 nach Green Bay um die Sachen vorzubereiten. Natürlich hatten wir bis dahin die Green Card, die mir erlaubte in Amerika zu arbeiten. Die Sonja und der Mark kamen im Oktober nach. Bis zur Ankunft unserer Sachen aus Deutschland, in einem 20-Fuss Container wohnten wir in einem Hotel in Green Bay, Wisconsin unweit vom FMC Werk.  Der Dan White empfahl, in Allouez zu wohnen, wo er auch ein Haus hatte. Allouez war eine sehr schöne Wohngegend, mit einer Schule nur 5 Häuser-Blocks weit weg. Wir zogen in eine Hälfte (ca. 80 qm) von einem Duplex (Doppelhaus) mit Einzelgarage in 25 Longview Ave., Allouez ein. Bald kamen unsere Möbel an. FMC hatte, wie vertraglich abgemacht, den Transport gezahlt.
Wir hatten unsere Eigentumswohnung in Relingen vermietet und gaben das Management von der Wohnung einer Maklerin aus Altona, Hamburg die 15% von der Miete für die Verwaltung unserer Wohnung. Wir hatten viele Schwierigkeiten mit der Wohnung. Die Miete deckte nie die Unkosten. So mussten wir immer wieder Geld aus Amerika nach Hamburg schicken. Wir wollten die Miete erhöhen um die Kosten zu decken. Das durften wir nicht. Der deutsche Mieterschutz war sehr auf der Seite der Mieter und kümmerte sich nicht um die Vermieter. Ja, das waren ja die Kapitalisten die das Geld, und die Wohnung, hatten, oder? Irgendwann kam die Aufforderung von den Mietern, dass das Fenster im Kinderzimmer nicht Schalldicht genug war. (?) So wurde das Fenster ersetzt, und wir mussten blechen. Dann waren Mieter drin die sehr unpünktlich die Miete zahlten. Mann konnte nichts machen, nur zugucken!? Am Ende zahlte ein Mieter für 3 Monate keine Miete. Er antwortete nicht auf die  Aufforderung zu zahlen. Da waren wir mal in Hamburg und gingen mit unserer Maklerin zur Wohnung. Sie hatte die Polizei vorher herbeigerufen weil mann nicht in die eigene Wohnung als Besitzer 'rein darf! Die Polizei brach die Tür zur Wohnung auf. (Wir mussten später die Reparatur zahlen!) Ein fürchterlicher Gestank kam uns entgegen. Es war keiner da. Alles war drunter und drüber. Wir gingen in die Küche weil der schlimmste Geruch von dort kam. Wir machten den Kühlschrank auf und vielen beinahe um. Alles was da drin war war am verfaulen. Der Mieter hatte anscheinend schon seit Monaten das Weilte gesucht. Weil er den Strom nicht zahlte, wurde dieser abgestellt. Wir heuerten eine Firma die den Sauladen sauber machte. Wir konnten das nicht weil uns das Kotzen kam. Dann, nach vielen weiteren Monaten haben wir die Wohnung für weniger als wir gezahlt hatten verkauft. Das war wohl 1974. Wir waren aber heilfroh, das hinter uns gebracht zu haben.
Der Tornado in Green Bay 1970
Kaum da, da Zog ein Tornado durch Green Bay. Das ist eine Riesenseltenheit, dass ein Tornado so weit im Norden auftaucht. Erst in 2007 ist wieder so Einer in Green Bay herumgerauscht, 37 Jahre später.
Wir besuchten mal diese Firma Superior Packaging in Toronto, Kanada im Sommer wo ich die Sonja und den Mark mitnahm. Ich borgte mir einen Firmenwagen der eine Anhängerkupplung hatte und wir fuhren mit dem Auto und unserem Camper dahin. Es war eine sehr lange Fahrt. Ich hatte sie mit meinem Urlaub, der ja nur 2 Wochen/Jahr war, kombiniert. Wir fuhren von Green Bay nach Norden und umfuhren den Lake (See) Superior. Das ist der grösste und tiefste der "Grossen Seen"  von Nordamerika. Die Landschaft war urig. Wenig Städte, aber die Strassen waren gut. In Duluth, MN (MN= Minnesota) überquerten wir die Grenze nach Kanada wo wir bei vielen Parks, die sehr gepflegt sind, übernachteten. Bei einem kleineren See trafen wir einen Deutschen der am Fischen war aus seinem kleinen Boot. Er nahm uns auch mal mit und wir fingen ein paar Forellen die wir gleich am selben Abend gegrillt verspeisten. Ach das schmeckte. Es gibt halt nichts besseres als frischgefangener Fisch, oder? Er erzählte uns, dass er arbeitslos ist und vom Arbeitslosengeld lebte. Er brauchte nur einmalig Monat nach Toronto zu fahren um sein Geld abzuholen. Den Rest der Zeit verbrachte er in dieser wunderschönen Wildnis. Wir fuhren ganz nach Toronto, besuchten Superiror Packaging und dann wieder zurück über dem Staat Michigan und über Chicago. Das war eine kürzere Strecke und machte die ganze Reise eine Rundfahrt.
Ein paar Jahre später habe ich den Iren, Brian Obren von Superior Packaging getroffen. Er sagte mir, dass er die Hälfte von seinem Gewinn, circa 6 Millionen Dollar, in eine Produktion für Würstchen, ähnlich den Landjägern, investiert hatte. Als er anfing die Würstchen zu verkaufen, da kam die Gesundheitsbehörde zu ihm und machte ihm den Laden zu weil seine Würstchen auf dem Regal anfingen zu verschimmeln! So verlor er das Ganze und ging Frühzeitig in den Ruhestand um den Rest seines Vermögens zu geniessen.
Das Fazit ist "Schuster bleib bei deinen Leisten"!
Ich verkaufte eine weitere Pagendarm Beschichtungsmaschine an eine Firma in Montreal. Der Besitzer war ein Kanadier jüdischen Glaubens. Sein Manager war ein Palästinenser der sehr gut Französisch und Englisch sprach. Auch kannte er sich mit schachern aus (wie alle Araber). Aber es machte Spass da wir ab und zu Arabisch redeten. Diese Maschine wurde von Johnny Wick, ein erfahrener Pagendarm-Monteur montiert. Der Johnny war ein netter Kerl und wir befreundeten uns ein wenig. Der Chef der Firma mochte den Johnny auch und heuerte ihn, um als Produktionsmanager zu fungieren. Das war ideal denn der Johnny konnte auch die Maschine fixen wenn der Bedarf da war. Auch diese Firma haben wir, d.h. Sonja, Mark und ich, mal besucht. Wir nahmen wieder den Camper und fuhren dorthin. Dieses mal aber nahmen wir die Fähre aus Manitowoc, eine kleine Hafenstadt am See Michigan, unweit von Green Bay. Das kürzte die Fahrt beträchtlich. Nachdem wir diese Firma in Montreal besucht hatten fuhren wir weiter nach Quebec City. Eine sehr nette Stadt die einen starken Europäischen Eindruck machte. Wir besorgten uns einen Babysitter und gingen Abends in die Altstadt zum Essen. Hier haben wir den ersten und immer noch den besten Caesar Salat gegessen. Heute, viele Jahrzehnte später, träumen wir immer noch von dem Salat der neben unserem Tisch mit viel Liebe und Können zubereitet wurde.
Sonja und Mark
Die Sonja passte sehr schön auf unseren kleinen Spurtzel Mark auf. Er war erst 10 Monate alt als er mit uns nach USA kam. Wir mussten uns an die kalten Winter in Wisconsin gewöhnen. Es war üblich, dass mann im Januar und Februar Temperaturen von minus 20 und 30 Grad Celsius hatte. Wir lernten schnell, dass die Kälte kein großes Problem ist, sondern die falsche Kleidung ist das Problem. Mann muss gut und warm bekleidet sein wenn mann keinen Frostschaden davon tragen will. Das schöne bei dem kalten Wetter ist das dabei meistens die Sonne scheint. Es ist zu kalt für eine Wolkenbildung. Wir schaufelten Schnee wie blöd. Wir heizten wie verrückt, aber unsere Erdgasheizung war nicht all zu teuer. Trotz der Kälte waren wir oft draußen an der frischen (eiskalten) Luft. Die Sonja machte schnell viele Freunde, manche von denen wir heute noch haben, obwohl wir schon seit 1994 weggezogen sind von Green Bay. Nun mein erstes Auto in USA: Der Ambassador von American Motors.
Wir brauchten ein Auto und fanden einen gebrauchten 1965-er Ambassador von American Motors. Diese Firma ging später Pleite. Der 4-Türige Schlitten war gross, wie die meisten amerikanischen Autos damals. Es war weiss mit roten Ledersitzen und so manchen Chromleisten. Sah grossartig aus! Ich nahm die Hinterstize 'raus und ersetzte sie mit einer Holzplatte. Darauf klebte ich eine Schaumstoffmatraze die mit einem Plüschstoff überzogen war. Da konnte der kleine Mark sich herumtummeln und dann Schlafen wie und wann er wollte. Zum Glück war er auch ein sehr guter Reisender. Sehr selten meckerte er. Er spielte mit seinen Spielsachen, wie Stofftiere u. ä., da hinten auf dem "Hintersitz" und wenn er keine Lust mehr hatte, dann legte er sich hin und pennte.
Circa um 1971 hatten wir schon genug Geld gespart, dass wir entschieden, unser eigenes Haus zu kaufen. Bei unseren Spaziergängen in Allouez, wo wir wohnten, fiel uns ein kleines, nettes Haus ins Auge, dass nur ein Block entfernt war von unserem gemieteten Duplex (Doppelhaus). Wir kratzten alle unsere Piselotten zusammen und machten eine Anzahlung von 20% des Kaufwertes von ca. $25.000. Diese Haus hatte die Adresse: 3809 South Clay. Es hatte eine Einzelgarage und einen Ausgebauten Keller. Den haben dann viel benützt für die vielen Parties die wir da hatten. Daus haus war im Bungalowstil aber nicht sehr gross, für amerikanische Verhältnisse. Ich Schätze, das es ungefähr 1.200 ft² (ca. 110 m²). Es hatte 2 Schlafzimmer, eine Toilette, ein Wohnzimmer, einen kleinen Essplatz und eine Küche. Es hatte einen ca. 2.500 ft² (ca. 230 m²) grossen Vorgarten zur Strasse hinaus und einen Hinterhof von ca. 5.000 Quadratfuss (ca. 450 m²). Dieser Grenzte an die Gärten unserer Nachbarn. Dadurch sah es aus als ob wir einen Riesenpark da hinten hatten. Zäune waren nur da wo einer einen Hund hielt. Sonst war die Gegend Zaunlos (Typisch Ufer Amerika). Verschiedene Bäume spendierten Schatten im Sommer. Der Kaufpreis war ungefähr $24.500, ungefähr mein Brutto-Jahresverdienst!
Es dauerte nicht lange und wir kauften uns einen Klappwohnanhänger (Pop-up Camper) für ungefähr $1.200 und fingen an, damit im Sommer herumzukutschieren. Dieser Wohnwagen hatte eine separate obere Hälfte die mann 'rauf und 'runter Kurbeln konnte, so dass mann während der Fahrt das Dach 'runter holte damit man weniger Luftwiderstand hatte, und somit weniger Spritverbrauch genoss.
Die Sommer in Wisconsin sind sehr schön weil sie mild sind. Wisconsin ist so weit im Norden im nordamerikanischen Kontinent, dass selten die Temperaturen im Hochsommer über 30 Grad C gehen. Dafür aber findet mann Unmengen von Mücken. Eine der Gegenden die sehr attraktiv ist ist das sogenannte "Door County". Eine bekannte Urlaubsgegend die nur circa eine Autostunde Nördlich von Green Bay ist.
Unsere Freunde in Green Bay
In der Zwischenzeit hat die Sonja viele Bekanntschaften gemacht. Sie besuchte die Universität in Green Bay und traf da viele Leute. So z. B. die Kathy Heitl die auch eine Nachbarin war mit ihrem Mann Joe der Deutsche Vorfahren hatte. Mit ihm bin ich später zur Hirschjagd gegangen. Die Heitl hatten eine Jagdhütte im Norden von Wisconsin, ein "A-Frame", mitten in riesigen Wäldern. Dort jagten wir ein paar mal. Als der Mark alt genug war, mit ca. 12, kam er mal mit zum Hirsche und Rehe Jagen. Das ist ein sehr populärer Sport in Wisconsin und anderen US-Staaten. Mann musste das auch machen da sonst zu vieles Wild herumschlich. Dann verhungerten sie zu oft bei den kalten, langen Wintern oder sie verursachten zu viele, kostspielige Autounfälle. Es wurde geschätzt, dass circa 800.000 Rehe und Hirsche in Wisconsin lebten. Dagegen standen circa 400.000 Jäger wahrend der Jagdsaison, jeder mit 'ner Flinte ausgestattet. Das waren mehr Männer unter Waffen als beim D-Day in der Normandie im zweiten Weltkrieg! Die Jagd war sehr streng geregelt. Mann durfte erst mal nur Jungtiere erschiessen, damit sich die älteren vermehren konnten. Normalerweise durfte mann keine Rehe erlegen, nur Hirsche mit mindestens 8 cm langen Hörnern. Mann bekam eine Sondererlaubnis wenn mann eine Gruppe von 4 oder mehr Jägern war. Dann durfte mann auch ein Reh erlegen. Bei der Jagd lernte ich dann wie so'n Tier ausschlachtet wird. Ich nahm das Fleisch nach Green Bay und gab es einem Metzger der daraus Würste machte und sie bei sich im Tiefkühlschrank aufbewahrte, für eine kleine Gebühr. Je nach Bedarf holten wir dann ab und zu ein paar Kilos Wurst ab um sie zu Hause zu verzehren. Jeder konnte auf die Jagd gehen. Mann konnte sehr leicht ein Gewehr kaufen. ich habe mir bei einen Waffenhändler eine gebrauchte Kanone "Craig" vom 0,44" Kaliber, mit Teleskop besorgt. Es war ein alter, belgischer Karabiner vom Ersten Weltkrieg den jemand auf "Sport" gemacht hatte.

Die Sonja lernte dann eines Tages die Josée in einem Möbelladen in Green Bay kennen. Sie und ihr Mann, der Herman Jansen, waren Holländer. Sie sind ca. 10 Jahre jünger als wir. Sie waren erst vor kurzem in Green Bay angekommen. Sie wurden zu uns eingeladen. Dann luden sie uns ein und so begann eine grosse Freundschaft, die bis heute noch lebt. Der Herman war ein Pelzmakler der in Wisconsin und im benachbarten Staat Minnesota Trapper und Nerzfarmen besuchte und deren Felle dann versteigerte. Seine ganze Familie war im Pelzgeschäft, aber meistens, wenn nicht alles, in Zuchttiere wie Nerz. Da die Zwei damals keine Kinder hatten reisten sie des öfteren mit uns in unserem Klapp-Anhänger. Der hatte ja Platz für 6 Personen und hatte eine kleine Küche und einen Heizer. (In Wisconsin braucht mann keine Klimaanlage!)
Einmal fuhren wir mit ihnen nach dem schönen Door County in einem der Staatsparks, an der grünen Bucht (daher der Name: Green Bay") vom Michigansee gelegen. Es war nur ca. eine Stunde Fahrt von Green Bay. Es war Ostern und wir versteckten einige Ostereier in den Büschen, damit der Mark sie sucht. Er fand sie auch und sie wurden gegessen. Der Mark war wohl 5 oder 6 und er ging los um mit anderen Kindern zu spielen. Wir sonnten uns im herrlichen Frühjarswetter und hatten ein paar Bier. Da kam der Mark weinend, und platschnass angelaufen. Er sagte, dass er auf einem alten Bootssteg gelaufen ist und eine der Planken brach und er fiel ins Wasser. Glücklicherweise konnte er schwimmen und rettete sich selbst. Die anderen Kinder waren voller Schrecken einfach weggelaufen. Es war der Verdienst von der Sonja, dass der Mark schwimmen konnte. Schon als Baby nahm sie ihn zum Schwimmbad und brachte ihm das Schwimmen bei.

In der Universität von Green Bay, wo Sonja Buchführung studierte, lernte sie auch die Marianne Maki kennen. Ihr Mann ist der Kenny Maki dessen Vorfahren  Finnen waren. Sie wohnten auch in Allouez, nicht all zu weit weg von uns. Die Marianne hat Italienische Vorfahren und somit hat sie schwarze Augen und Haare. Das ist im krassen Kontrast mit ihrem Finnischen Mann der blaue Augen und blondes Haar hat. Irgendwann wurden wir von den Makis zum Abendessen eingeladen. Da trafen wir die Nachbarn von den Makis, und zwar die Familie Bill & Kay Nelson. Diese hörten, dass wir einen Klappcamper hatten und gerne damit ins Grüne fuhren. Da luden sie uns ein sie auf ihrem Grundstuck in Baileys Harbor, Wisconsin (in Door County, nur eine Stunde von Green Bay) mit unserem Camper zu besuchen. Das taten wir auch und hatten viel Spass dabei. Sie schlugen vor den Camper im Wald permanent, über dem Sommer bei ihnen zu parken. Das war getan. Da kamen auch die José und der Herman Jansen immer wieder mit. Wir waren alle so ziemlich im gleichen Alter und mochten alle ein paar Biere und manchmal auch Cocktails zu laben. Wir mochten alle gerne zur Frontierbar gehen, das mitten in Baileys Harbor war. Mann konnte auch in ca. 20 Minuten zu Fuss von unserem Campingplatz dahin kommen.
1973 war unser grosses Jahr in Baileys Harbor. Da besuchten uns auch die Mary, meine Schwester und der Herrmann mein Schwager, der Mann meiner anderen Schwester, die Traudl. Wir mieteten ein Blockhaus in Baileys Harbor, das dem Rolley Peil gehörte. Der Rolley (Roland?) hatte deutsche Vorfahren und konnte sogar noch ein paar Worte Deutsch sprechen. Da hausten wir alle da zusammen, mit Kind und Kegel. Die Makis mit ihrer Tochter Marya, die Mary, der Hermann, Sonja, Mark und ich waren alle dort untergebracht. Wir gingen zum Strand, wir Grillten und genossen unseren Wein aus 4-Liter (eine Gallone) Flaschen. Es war sehr schön. Eines Abends kamen wir Kerle sehr spät von der Frontierbar zurück, wo wir den ganzen Abend wie verrückt getanzt hatten. Es war wohl schon 2 Uhr Morgens. Wir hatten Hunger. So begann ich meine Spezialität zu machen: Französische Omeletten. Jedes besteht aus nur einem einzigen Ei! Wir toasteten Brot als Beigabe. Wir fanden noch 'ne Buddel Wein und zapften sie auch noch an. Wir fanden erst am nächsten Tag heraus, nachdem wir unseren rausch ausgeschlafen hatten, das wir 4 Kerle ca. 36 Eier verspeist hatten! Die clevere Sonja hatte glücklicherweise noch ein Dutzend Eier woanders gelagert gehabt, und so haben wir diese nicht auch noch verspeist.
In der Frontierbar haben wir den Karl Oberdorf kennengelernt. Auch er hatte deutsche Vorfahren. Er sagte uns, dass er eine 40 Acre (160.000 m²) grosse Waldparzelle auf dem "Bluff" (felsige Anhöhe), ganz in der Nahe von Baileys Harbor, von seiner Mutter geerbt hatte. Er hatte es sauber abmessen und in kleinere, 2-acres (~5.000 m²) Parzellen einteilen lassen, damit er sie verkaufen kann, denn seine Geschwister wollten ihr Geld aus dem Erbe haben. Nach zwei Jahren hatte er nichts verkauft. Er hatte nur die Unkosten mit der Immobiliensteuer die er Jährlich zahlen musste. Wir handelten mit dem sehr netten alten Mann einen Preis von  $500/ Acre, (1 Pfennig/m²), also insgesamt $20.000). Wir taten uns zusammen und zwar der Bill Nelson, Herman Jansen, Bud Nelson (Bruder vom Bill), Kenny Muller und ich und holten uns Kredite von der Bank um dieses unheimlich günstige Angebot anzunehmen. Die bestehenden Gesetze erlaubten uns nicht alle Parzellen gleich aufzuteilen. So übernahmen der Bill und ich, de Facto auf dem Papier, das ganze Land, da es in zwei geteilt werden durfte, aber nur jede 18 Monate. Nach ca. 5 Jahren hatten wir es redlich aufgeteilt. Der Bill, Bud, Kenny und der Dick, ein Schulfreund von Kenny hatten sich Mobilheime auf ihr neuerworbenes Grundstück aufgestellt. Das war die billigste und schnellste Art einen Wohnraum für das Wochenende aufzubauen. Der Herman und ich waren da anderer Meinung. Wir bauten uns ein kleines Häuschen auf. Der Hermann fand einen guten Zimmermann Jim Haverkorn der um ein paar Ecken mit einem unserer Freunde verwandt war. Der Baute ihm eine nette, kleine Wochenend- Hütte auf für relativ wenig Geld. Es hatte wohl ca. 800 ft² (73 m²) Wohnfläche, in dem sie 2 Schlafzimmer, eine Küche und ein Wohn- Esszimmer hatten, plus eine grosse Veranda.
Das "A-Frame" (A-Rahmenhaus)
Wir hatten mal wieder Glück. Es war auch mein Jugendtraum ein A-Haus zu besitzen. Ich hatte viele Bilder in den Comics gesehen, die ich als Junge in Deutschland gelesen habe um meine Englishkenntnisse nicht verkümmern zu lassen. Schon seit längerer Zeit beäugelte ich ein "A-Frame" Haus an, das als Model bei einem grossen Holzhändler im Osten von Green Bay stand. Ich höckerte herum und bekam es für $1.500, inklusive dem Transport nach Baileys Harbor. Das schöne an dem Ding war, dass es im Baukastensystem gebaut war. So war es leicht ab- und aufzubauen. Wir heuerten den Rolley Peil um den Wald für das haus zu roden. Er hatte ein paar riesige Caterpillar-Raupen die diese Arbeit mit Leichtigkeit machten. Dann heuerten wir einen Maurer aus Baileys Harbor den wir in der Frontierbar kennengelernt hatten. Er Mauerte als Fundament ca. 24 Säulen aus Zementblöcken 4 ft hoch (1,2 m) und drei Fuss im Quadrat.
Sobald das Material für das A-Haus angeliefert worden war kam ein befreundeter Zimmermann aus Baileys Harbor, der Gene Bauldry, der der Schwiegersohn vom Rolley Peil war. Meine Crew kam dann auch herbeigeeilt um zu helfen. Es waren so ziemlich alle der "Bluffers". Wir bekamen diesen Spitznamen weil wir da oben auf dem "Bluff" (felsige Anhöhe) hausten. Wir brauchten wohl nur 2 Wochenenden um die Hütte aufzubauen. Das dritte Wochenende brauchten wir dann um die Pappdachziegeln auf das Dach zu nageln. Ich brachte die Dachziegeln aus Green Bay weil sie dort billiger waren. Ich habe mich aber verrechnet weil wir die Dachziegel zu Nahe beieinander gelegt hatten. So musste ich zwei mal wegfahren um mehr Dachziegel zu holen. Ich hatte damals einen kleinen Wagen, einen 1970'ger Chevy Vega, der es kaum schaffte so'n grosses Gewicht zu transportieren. Es war ein lustiges Bild: da waren  4 oder 5 Kerle auf dem schrägen Dach am Hämmern wie blöd. Es hallte durch den Wald wie ein Schwarm Riesiger Spechte.
Wir hatten unseren Klappwohnwagen verkauft und das Geld in das A-Haus investiert. Da kamen dann ein paar einfache Möbel 'rein. Auch einen Kamin hatten wir, und zwar einen den die Amis "Franklin Stove": nannten. Der war aus Gusseisen, beinahe Luftdicht, mit grossen Türen in den mann grosse Holzstücke verbrennen konnte. Der Schornstein war aus Rostfreiem Stahl und dick isoliert. Dort hatte ich auch einen Wärmetauscher eingebaut, sodass wir noch Restwärme zum Heizen nehmen konnten. Das A-Haus hatte wohl um die 900 ft² (80 m²) Grundriss. Aber dadurch, dass es ein kleines, zweites Stockwerk hatte, wo die Schlafzimmer waren, gewannen wir nochmals 160 ft² (14 m²) Wohnfläche. Mann verlor jedoch ca. 30% der Wohnfläche weil die Steilen Wände brauchbaren Platz an den Seiten wegnahmen..und mann klopfte mit dem Kopf oft an die Wand. Aber, für einen harten Holzkopf und Quadratschädel macht das wenig aus. Eine Wendeltreppe, aus Holzbrettern gemacht, brachte uns ins obere Gemach wo wir auf der einen Seite ein Doppelbett für Sonja und mich hatten und auf der anderen Seite ein Einzelbett für den Mark. Da oben hatten wir zwei Fenster, eins am jeweiligen Ende des  "Schlafgemaches". Am hinteren Ende vom Haus hatten wir die Küche und daneben das Badezimmer mit Waschbecken und eine Dusche. Für die Toilette habe ich nochmals ein kleines A-Haus aussen aufgebaut. Für die ersten paar Jahre wuschen wir uns mit mitgebrachtem Wasser und benutzten als Toilette das "Haus mit Herz". Das A-Haus hatte auch eine grosse 20 m² Veranda wo wir oft mit 20 Personen feierten. Aussen herum war eine Reling die zugleich als Bank zum Sitzen diente. Von der Veranda kam mann durch eine gläserne Schiebetür ins Innere. Hinten am A-Haus war auch eine reguläre Tür die zum Haus mit Herz 'rausführte und zu einem kleinen Geräteschuppen.
Es dauerte nicht lange und wir Bluffers entschieden, das wir Leitungswasser brauchten. So entwarfen der Bill und ich unsere eigene Wasserzufuhr. Der Rolly mietete sich eine Brunnenbohrmaschine und bohrte hinter Bill"s Mobilheim ein Loch von ca. 275 ft (84m) Tiefe. Dort hatte er die Wassermenge gefunden die waren haben wollten: 25 Gallonen (~100 Liter) pro Minute. Der Bill hatte ein Gerüst gemietet mit Flaschenzug. Damit ließen wir die Pumpe in das Bohrloch hinunter. Daran schraubten wir dann Stück für Stück die ca. 5 m langen Wasserrohre an, und langsam, gingen sie 'runter ins Loch. Dann Kam ein Elektriker und schloss den 220 Voltstrom an. Siehe da, wir hatten unser eigenes Wasser. Wir verbanden dann mit Palstikrohren die 5 Verbraucher und jeder schloss sich selbst an in seinem Haus. Wir hatten aber immer noch keine Wassertoilette. So installierte ich eine "Schwedische" Toilette in unser Badezimmer. Die ist Wasserlos und arbeitet nach dem Kompostierungsprinzip. Sie hatte nur einen schwachen Stromanschluss für ein Abluftgebläse und für die Heizung die das Material da drinnen immer auf einer idealen Temperatur hält. Sie funktionierte verdammt gut. Es roch nicht und am ende des Jahres konnte ich unten Kompost für den Garten 'rausholen.
Nachdem Die Hütte aufgebaut war luden wir sie alle ein und feierten gross mit einem Spanferkel. Der Dale Williams, ein Hiesiger, den wir in der Zwischenzeit in der Frontierbar kennengelernt hatten, organisierte einen grossen, rotierenden Grill. Wir stopften das Viech voll mit Äpfeln und Sauerkraut und stellten den Grill hinten hinterm A-Haus 'raus. Wir fingen an mit ein paar Bieren. Zum Unglück fing es an zu regnen. Da schoben wir das Ferkel mitsamt grill in meinen kleinen Werkzeugschuppen. Es ging nur ganz knapp da hinein. Durch den Regen hatte sich die Kohle gekühlt und es dauerte und dauerte bis das Ferkel gar wurde. Wir assen das gute deutsche Brot, das wir von Chicago besorgt hatten. Wir tranken das Bier und dann noch ein paar Schnäpse. Endlich, so um ein Uhr Morgens war das Ferkel endlich gar. Wir waren auch gar bis dahin, und blau. Wir assen das Ferkel, das wunderbar schmeckte, auch wenn ein wenig nass.
Wir hatten wunderbare Zeiten bei unserem A-Haus. Auch im Winter gingen wir manchmal da 'rauf (es war im Norden, deswegen "'rauf"). Ich hatte uns ein gebrauchtes Ariel Snowmobil ( Motorisierter Schneeschlitten) billig erstanden. So Konnten wir herum fahren in unserem schönen Wald und die Umgebung. Auch brauchten wir im Winter nicht mit dem Auto ganz hinein in den Wald zu fahren, was wir auch manchmal gar nicht konnten weil der Schnee nicht geräumt war (Es war ja unsere, private Strasse). So Parkten wir das Auto draussen auf der Strasse, ca. 1 Km weit weg, liefen zu Fuss zur Hütte und nahmen das Snowmobil um unser Proviant und Wasser vom Auto abzuholen. Wir zogen "Snowmobil" Anzüge an um uns warm zu halten. Schutzhelme gehörten auch zur Ausrüstung.
Die Acy hatte einen Riesenspass da oben. Sie konnte den Mark auf seinen Langlaufskis ziehen wie ein Husky Schlittenhund. Erstaunlicherweise hatte sie keine Schwierigkeiten mit dem Schnee und dem Eis. Ab und zu setzte sich hin und nagte das Eis weg das zwischen ihren Zehen gefroren war. So richtig wie ein Husky das macht. Wahrscheinlich war auch ein Husky bei ihren Ahnen?
Wir hatten unseren eigenen Weg zu unseren Wochenendhütten. Er wurde "Lisa Lane" genannt nach der Schwägerin von Kenny Muller die leider früh gestorben war. Sie hatte ein Gehirntumor und starb schon mit ca. 25 Jahren. Diesen Weg mussten wir gelegentlich reparieren. So kam der Dale Williams, der bei einem Bauunternehmen in Baileys Harbor arbeitete, mit einem Lastwagen voll mit Schotter und kippte dort Zeugs hin wo notwendig. An einer Stelle hatte er den Schotter-Kasten schon halb hoch und der Schotter wollte nicht runter rutschen. Da halfen wir nach indem wir uns mit einer Hand an der Seite vom Kipper festhielten und mit der anderen Hand, bewaffnet mit  einer Schaufel halfen wir nach. An der Stelle wollte der Schotter immer noch nicht 'raus rutschen. So Sprang ich kurzer Hand in den Kipper hinein, hielt mich an der Seite fest und stoss mit den Füssen den Schotter. Ich hatte nicht gemerkt. dass während ich da 'rein sprang der Dale den Kipper noch höher gestellt hatte mit seiner Hydraulik, und er schüttelte den ganzen Wagen auch noch. Da ging der Schotter auf einmal los, wie eine Lawine, und riss mich mit in die Tiefe. Ich bückte meinen Kopf damit ich von der schweren, eisernen Klappe nicht erschlagen wurde. Ich rutschte zusammen mit dem Schotter 'raus und war bis zum Hals im Schotter vergraben. Meine Kumpels guckten ganz perplex auf mich und wunderten sich woher ich denn kam? Ach, hatte ich da ein Glück, denn die Klappe hätte voll auf meinem Schädel fallen können und ihn zertrümmert. Ja, mann muss hat Glück haben im Leben. Wieder mal nur mit den Schrecken davon gekommen. Ich gab später in der Bar eine Runde aus weil ich es überlebt hatte.
Eine Tolle Sache die wir in Baileys Harbor damals machten war in der alljährlichen Parade zum Nationalfeiertag, dem Vierten Juli. (4th of July). Die Lisa war die grosse Organisatorin. In 1977 war es eine 200-Jahrfeier der Unabhängigkeit der USA. So entschieden wir das Thema vom Kampf der Briten gegen die amerikanischen Rebellen zu nehmen. Ich kaufte einen uralten Anhänger und baute ein grosses Papprohr darauf auf damit es wie eine Kanone aussah. Dieses Papprohr von ungefähr 40cm Durchmesser war und circa 4 m lang war hatte ich von einer Papierfirma in Green Bay ergattert. Wir bemalten den Anhänger und das Rohr damit sie schon aussahen. Wir versahen  das Rohr mit einem Drahtkreuz am oberen Ende. Am unteren Ende Schraubten wir einen Fahrradschlauch an. Damit hatten wir einen Katapult mit dem wir mit Mäht gefüllte, kleine Papiersäcke in die Luft schossen. Diese wurden durch das Drahtkreuz zerrissen und das Mehl flog in grossem Bogen durch die Luft. Damit sind wir in der Parade gewesen und hatten einen Riesen spass. Unsere Freunde und wir hatten Uniformen an die die Amerikanischen Rebellen und die Britischen Soldaten darstellten.
Ähnliche Paraden haben wir ein paar mal mitgemacht. Eine Andere hatte das Thema "Präsidentschaftswahl". Da haben wir uns auch so angezogen wie manche der bekannten Politiker aussahen. Wir waren so gut, dass wir eigentlich einen Preis hätten gewinnen müssen.
Der Mark hatte da auch im Sommer einen Riesenspass denn der Herman und ich hatten zusammen ein Mini-Motorrad gekauft mit einem 50 ccm Motor. Dieses Minibike durfte der Mark auch fahren. Der Pat, der jüngere Sohn von Bill & Kay Nelson hatte auch ein Mini-Bike. So hatten die zwei einen Riesenspass in unseren grossen Wäldern und der Näheren Umgebung herum zu kutschieren. Die zwei mussten aber immer einen Schutzhelm tragen. Das taten sie auch ganz brav. Das war ein Glück! Denn einmal kam der Mark nach Hause und war ganz schön verkratzt. Er war in einen alten, maroden Stacheldrahtzaun gerutscht den er zu spät gesehen hatte als er "Motocross" machte und quer durch den Wald auf Abwegen fuhr. Glücklicherweise ist nichts arges passiert und der Mark lernte, wie wichtig es ist vorsichtig zu sein und den Helm zu tragen. Mit dem Herman habe ich noch mehrere Geschäfte gemacht. Wir teilten uns den Kauf einer Baumsäge weil wir ja das Ding nicht dauernd brauchten. Nur wenn wir Bäume aus dem Weg sägen mussten, oder wenn wir Brennholz für den Winter brauchten. Herman & José kamen selten, wenn je, im Winter nach Baileys Harbor.
Der Bill und die Kay kamen schon mal ab und zu 'rauf. So war es herrlich einsam wenn wir im Winter dorthin gingen.
Im Winter von 1972 waren wir auf unserer Rückfahrt von einem Tagesausflug in den Norden von Wisconsin. Es war bitterlich kalt, d.h. ca. minus 30 ⁰C. Die Strassen waren sehr glatt so fuhr ich sehr vorsichtig. Der Mark, ca. 4 Jahre jung,  Schlief ruhig hinten auf seinem "Bett". Da fing unser Ambassador an zu Husten, Gurgeln, Spucken, und Stotternd kam er zum Stillstand. Wir waren immer noch ca. 80 Km von zu Hause entfernt. Ich versuchte ein paar meiner Tricks, aber nicht half. Es war ihm zu kalt. Er hat den Geist aufgegeben. In Minutenschnelle wurde es kalt innen im Auto. Aber was für ein Glück, da wo wir zum stehen gekommen sind war ' ne Bar. Sonja wickelte den Mark in einer dicken Decke ein und kam mit mir zum Wirtshaus. Wir riefen den AAA (Automobil Club) an bei dem wir geradeMitglieder geworden waren. Binnen zwei Stunden war einer da und holte uns ab und brachte uns sicher nach Hause.
Am nächsten Tag schleppten sie die Kiste nach Green Bay. Ich hatte dann einen Autohändler angerufen gehabt und ihn gefragt wieviel er mir für den wunderhübschen Ambassador von American Motors gibt wenn ich ihn für einen neuen Wagen in Zahlung gebe? Er wollte ihn erst sehen. So brachten wir die Kiste dorthin nachdem AAA den Zündverteiler billigst gefixt hatte. Es war ein wenig wärmer geworden (nur minus 10 ⁰C). Wir schacherten herum bis er mir einen nagelneuen Chevrolet Impala V8, 2- Türig, Grün, für $3.500 gab. Er finanzierte sogar die neue Kiste zum niedrigen Zins da er froh war einen Wagen losgekriegt zu haben.
Ein Jahr später haben der Herman und ich die Kiste zur Sau gefahren weil wir unter starken Einfluss des Alkohols Kapriolen mitten in der Nacht, oder Früh am Morgen gemacht hatten. Wir waren wieder mal in der Frottier Bar wo wir einige Drinks hinter uns gebracht haben. Ich weiss nicht wie, aber der Herman sass am Steuer an unserem nagelneuen Auto. Er wollte mir Angst einjagen und fuhr wie ein Irrer durch die Gegend. Es rührte mich wenig. Da fuhr er im Zickzack zwischen den Bäumen vom Golfplatz. Es rührte mich wenig. Er ärgerte sich, dass ich keine Angst zeigte. Da fuhr er mit hoher Geschwindigkeit durch Baileys Harbor, bog in eine Seitenstrasse, dass die reifen nur so quietschten. Dabei kam das Auto ins Schleudern und er Bremste wie blöd. Das Auto machte eine 180 Grad Wende und rutschte in den Graben. Wir Rutschten in Richtung eines Kanalisationsrohrs von einem Meter Durchmesser. Ich streckte meinen Linken Fuss aufs Gas Pedal und drehte das Steuerrad nach links. Der V-8 Motor heulte auf und und wir flogen im hohen Bogen aus dem Graben. Aber nicht ganz. Die Rechte Vorderachse erwischte noch einen Teil des Abflussrohres und verbog das ganze vordere Chassis. Wir schaukelten im wahrsten Sinne des Wortes, von links nach rechts, zum "Bluff" hoch, wo wir unseren Camper stehen hatten. Die Fahrertür ging nicht mehr auf. So blieben wir im Auto und schliefen unseren Rausch aus. Es war schon mehr als Glück, dass wir diese Episode gesund überlebt haben. Nie wieder haben wir solchen Blödsinn gemacht.
Haus II: 411 Roselawn Blvd.
Es war wohl in 1975: In der Zwischenzeit sind wir zum zweiten mal innerhalb von Green Bay umgezogen. Von unserem allerersten Haus bei 3809 South Clay St.. sind wir nach 411 Roselawn Boulevard gezogen. Es waren nur ca. 4 Blocks weiter. Es war ein "Cape Cod" Haus, das zwei Stockwerke hatte und beinahe zwei mal so gross war wie unser erstes Haus. Es war wohl auch 10 Jahre neuer, und lag an einer ruhigen, breiten Allee, oder Boulevard, mit Verkehrsinseln mit Bäumen und Büschen. Es hatte wohl ca. 2.200 ft² (ca. 200 m²) in denen wir 5 Schlafzimmer hatten, ein grosses Wohnzimmer, ein Esszimmer eine grosse Küche und eine Doppelgarage. Manche der Schlafzimmer waren recht klein, besonders die im oberen Stockwerk "unterm Dach", das auch schräge Wände hatte. Unser Hintergarten war gross und grenzte an die Abtei von Sankt Norbert. Kaum eingezogen, da besorgten wir uns einen Hund. Wir dachten, dass es schön und gut wäre für den Mark einen Hund zu haben. Der Hund war eine gute Mischung, ca. 30 cm hoch. Er war Schwarz mit weissen Pfoten und Schwanzspitze. Wir nannten ihn Tipi. Er war noch jung, ca. 1 Jahr alt.
Wir nahmen ihn mit auf einem Besuch im Norden von Wisconsin. Es war Herbst und die Jagdzeit für Rehe und Hirsche, die mit den weissen Schwänzen (White tail Deer). Auf dem Rückweg musste ich anhalten um eine Stange Wasser abzustellen. Wie ich die Tür aufmachte sprang auch die Tipi 'raus und lief gleich über die Strasse. Just in dem Moment kam ein Jeep von der anderen Seite und überfuhr den armen Hund. Ich sah die ganze Chose. Furchtbar! Ich Panikte weil ich befürchtete, dass der Mark auch 'raus gesprungen war. Die Sonja war im Schock und hielt den Mark in ihren Armen damit er den überfahrenen Hund nicht sieht. Der Mark war ja gerade 5 Jahre alt. Der Jeepfahrer stoppte ein wenig weiter weg und entschuldigte sich. Aber er konnte ja nichts dafür, dass der Hund mitten auf die Strasse sprang. Der Fahrer war ein Jäger und hatte sein Gewehr dabei. Die Tipi lag da mit ihren Eingeweiden die heraushingen, und wimmerte, die Arme. Der Fahrer, empfahl mir weiter zu fahren. Er werde den Hund erledigen damit er nicht noch weiter leidet. Wir fuhren viele Stunden noch ohne ein Wort zu reden. Es war sehr traurig den schönen Hund zu verlieren. Aber, so ist das Leben!?
Unser Hund die Acy
Ein Paar Monate später kommt unsere Nachbarin, die Grace Feld, zu uns und sagte, dass es ihr sehr leid tut, dass Tipi gestorben ist. Sie war selbst eine Tierliebhaberin und hatte einen sehr hübschen Collie (wie Lassy). Sie erklärte, dass ihre Tochter gerade aus Minneapolis zurückgekommen ist und hat einen jungen Hund den sie auf der Strasse gefunden hatte mitgebracht. Ob wir denn nicht versuchen wollten diesem armen Hund eine Bleibe zu geben? Zögernd akzeptierten wir das Angebot. Der Hund war erst ca. 6 Monate alt, war aber schon 30 cm hoch. Er war Schwarz mit weissen Pfoten, Brust und hatte einen weissen Tüpfel am ende seines Schwanzes. Er war auch eine Supermischung von wahrscheinlich Schäferhund und einem Husky. Sie war am Anfang sehr Scheu und fürchtete sich vor mir. Mit der Sonja kam sie sehr gut aus. Aber die ersten 6 Monate oder so pinkelte sie und zog den Schwanz ängstlich zwischen die Beine und neigte den Kopf in Demut, jedes mal wenn ich nach Hause kam. Später überwand sie die Angst. Der Mark mochte den Hund sehr und wir behielten ihn…für 13 Jahre! Im Winter in Baileys Harbor zog die Acy den Mark durch den Schnee, wie ein Schlittenhund. Es machte ihr und dem Mark viel Spass. Unser Nachbar kam eines Tages 'rüber und bot uns ein isoliertes Hundehaus an. Er behielt seinen Collie im Haus und somit brauchte er die Luxushundehütte nicht. Die Acy fühlte sich sehr zu Hause darin. Entlang dem Zaun zum Nachbarn hin baute ich einen Laufstall für die Acy. Da hatte sie Platz zum herumrennen, ca. 4 m breit und 15 m lang. Aber das schlaue Biest lernte schnell über den Zaun zu klettern. Da musste ich den Zaun schräg erhöhen damit sie da drin blieb.
Am liebsten hatte die Acy Baileys Harbor. Da hatte sie viele Hektar Wald wo sie herum schnuppern und laufen konnte. Sie schützte unser A-Frame mit Leidenschaft. Einmal jagte sie Stinktiere vom Haus weg. Die hatten sich anscheinend unterm A-Haus eingenistet. Die Luder spritzen die Acy mit ihrem stinkenden Serum an, aber liefen weg. Da mussten wir Tomatensaft Kiloweise holen um damit die Acy zu waschen. Sonst ging der furchtbare Gestank nicht weg. Mann sagte uns, das Hunde schnell lernen Stinktiere zu vermeiden. Aber nicht die Acy! Sie wurde 3 mal erwischt. Dann waren aber die Mistviecher weg. Sie wurde so gross wie ein Husky und hatte wunderschönes Fell. Die Sonja gab ihr nicht einfach Hundefutter. Nein, es war Hundefutter mit Hühnersuppensaft darüber. Das brachte ihr Fell so zum glänzen, dass wir angst hatten, dass der Herman, der ja Felle vermarktet, sie eines Tages wegnimmt wegen ihrem schönen Pelz!?
Unser Mark ging erstmal in eine Montessori Schule. Die Sonja ging zur Uni von Green Bay und studierte Kindererziehung. Später ging der Mark zu der öffentlichen Schule die “East High School” hiess.
Das RooHaus am Känguru-See (Nähe Baileys Harbor, Wisconsin)
Während einer sehr intensiven und wichtigen Verhandlung in Italien um 1980, kommt die Sekretärin zu mir und flüstert mir zu, dass die Sonja aus USA am Telefon ist und etwas sehr wichtiges zu besprechen hat. Ich entschuldige mich und gehe ins nächste Zimmer zum Telefon. Sonja sagt mir “ich habe ein unheimlich schönes Grundstück am Kängurusee gefunden, mit einem netten Holzhaus darauf. Ich will es kaufen. Ist es OK mit dir, Hans?? Ich fragte was kostet es? Um die $125.000 erwiderte die Sonja da es 330 Fuss (ca. 100 m) Seeküste hat”. Sie sagte weiter “die Bank ist bereit es zu finanzieren! Ich viel vom beinahe vom Schemel. Sagte aber gleich, OK ziehe es durch. Es war schon immer ein Traum von mir zu diesem See zu ziehen da der Mark und ich dort das Windsurfen gelernt hatten. Wir mussten sparen wie die Blöden um die Hypothek an unserem Haus in Green Bay und diese Hütte in Door County zu begleichen. Aber wir haben es geschafft!
Das RooHaus war ungefähr 100 m² gross und war einsam an Elm Road gelegen, in einer Gegend die sehr stark bewaldet war. Das Haus hatte eine Verschalung aus Holzplanken die den Eindruck einer Blockhauses machte. Sie hatte zwei Schlafzimmer und eine grosse, offene Fläche für Küche und Esszimmer. Eine Flaschengasheizung an der Wand sorgte im Winter für Wärme. Eine schmale Holztreppe führte zum Boden wo man noch Platz hatte für Notunterkünfte. Es waren nur ca. 12 Meter zum Seerand wo ein schmaler Steg für ca. 6 m in den See führte der nicht tief war. Weil er so flach war, wurde er auch schnell warm und war köstlich zum Schwimmen und Surfen. Eine kleine Garage war auch da, die im gleichen Blockhaustyp gebaut war.
Wir beauftragten eine Immobilienmaklern mit dem Verkauf unserer A-Rahmenhütte und binnen kurzer Zeit fanden wir einen Käufer der einen guten Preis für unser Wochenendhaus zahlte. Mit dem Geld konnten wir einen teil der neuen Hypothek begleichen und uns somit finanziell zu erleichtern. Die Hypotheken waren eigentlich nicht so schlimm. Da wir Beide arbeiteten, die Sonja als Manager von Optima USA und ich bei Perini, verdienten wir gutes Geld und zahlten die höchsten Steuerraten. Aber wir durften die Zinsen unserer Hypotheken von unseren Einkommen abziehen und dadurch zahlten wir weniger Steuern. Und das war grosse Klasse!
Es dauerte nicht all zu lange da entschieden wir an das RooHaus anzubauen. Wir heuerten den Dale Williams, ein guter Bekannter von uns aus Baileys Harbor, ein Wohnzimmer von ca. 30 m², und einen Balkon von ca. 24 m² anzubauen. Dabei wurde die Küche modernisiert und ein luftdichter, Schwedischer Holzofen mit Chromstahl Schornstein und einem Wärmetauscher installiert. So konnten wir im Winter mit dem vielen Holz, dass wir hatten die ganze Hütte schön warm kriegen. Den Gasofen benützen wir dann nur als Nachtheizung. Das Wohnzimmer hatte ein riesengrosses Glasfenster zum See hinaus. So hatten wir eine schöne Aussicht und konnten zugleich die Vögel und die Waschbären beobachten.
Der Dale Williams , der Frank und der Gene Bauldry waren unsere Fachkräfte die uns beim Anbau halfen. Der Mark und ich installierten die Stromversorgung und einen Teil der Klempnerei. Inne war alles sehr schön Holzverkleidet. Da kam dann auch noch ein verschlossener Holzofen da hinein der uns im Winter schön warm hielt. Das RooHaus hatte von Anfangs an einen Heizofen der mit Flaschengas (LP) heizte. Den Benutzten wir Hauptsächlich im Winter wenn wir nicht da waren. Da konnten wir ihn auf “Antifrost” stellen. Er hielt dabei die Innentemperatur über der Frostgrenze. Er war sehr praktisch. Wenn wir wussten, dass wir ‘ne lange Zeit nicht dorthin kamen, da entleerte ich alle Wasserleitungen und machte die Heizung aus. Da war ja nichts mehr zum frieren da!?
Im Winter waren wir eine der Wenigen die dort zum Norden fuhren. Denn Wisconsin ist gewaltig kalt im Winter. Minus 20⁰ C war keine Seltenheit. Aber, Beileides aKelte schien immer die Sonne, wenn es nicht gerade stürmisch war. Einen Winter bastelten Mark und ich einen Schlitten aus holz den wir mit Stahlkufen versahen. Darauf montierten wir dann das Windsurfsegel. Damit konnten wir über den gefrorenen See “Eisssurfen”. Das war eine grosse Gaudi! Der brachte ein paar mal Schulkumpanen übers Wochenende mit. Da haben sie mal einen Iglu aus Eis und Schnee auf dem gefrorenen See gebaut.
Über die vielen Jahre wo wir da zum Wochenende im RooHaus wohnten genossen wir den direkten Zugang zum Känguru-See wo wir Windsurften, schwammen und uns herum tummelten. Mit dem Haus kam auch ein Bootssteg den man im Winter wegpacken konnte. Das musste man schon machen da der See im Winter zufror. Ich hatte ein paar Jahre zuvor von der Sonja ein Windsurfbrett zum Geburtstag geschenkt bekommen. Da das Wasser im relativ flachen Kangurusee viel wärmer war als das des Michigansees gingen wir oft dorthin um uns herumzutollen. Hier surfte der Mark auch mit mir zusammen auf dem gleichen “Hy-Fly-Brett, das wir für beinahe 20 Jahre benutzten. So lernte er auch das Windsurfen. Eigentlich hatten wir diesen Sport in der Karibik erlernt wo wir mal beim Club Med in Guadeloupe eine Woche im Urlaub verbracht hatten. Damals besuchten wir auch die nahe gelegene Insel Martinique. Es war ein sehr schöner Urlaub. Mann rannte ohne Geld herum. Mann bekam ein Halsband das Kugeln dran hatte mit der mann zahlte. Mann  konnte mit dem Halsband auch schwimmen, segeln tauchen, usw. gehen. War eine sehr praktische Idee. Das Essen war auch sehr locker in Form eines Buffet. Mann ass dann auf Holztische und -Bänke, wo mann jeden tag jemanden anders kennenlernte.
Im Winter bauten Mark und ich einen Holzschlitten mit dem wir auf dem gefrorenen See Windsurfen konnten. Auch machten wir viel Langlaufski da das Wetter wenn es so kalt ist, schön sonnig ist. Mann muss sich nur richtig anziehen. Der Mark hat manchmal Schulfreunde mitgebracht mit denen er wie Eskimos Eishütten bauten.
Mitte der 80-er Jahre wurde die Rita, Sonja’s einzige Schwester sehr krank. Sie hatte Leukämie im Knochenmark. Anscheinend entstand der durch die langjährige Einnahme von Medizin gegen Rheuma? So haben wir sie und ihren Mann, den Günther Jensen im Sommer zu uns eingeladen. Wir brachten sie zum RooHaus um sich dort gut erholen zu können. Wir hatten uns ein kleines Motorboot gekauft mit dem wir auf dem See herumkutschieren konnten. Einmal sind wir alle Vier zum Angeln ‘rausgefahren. Die Rita hatte noch nie in ihrem Leben geangelt. Sie fing aber ein Fisch nach dem anderen. Wir waren verblüfft! Der Gunther war kein Angler, genau so wenig wie ich. Die Sonja mochte es ein wenig. Unterwegs in unserem “Runabout”, der einen Innenmotor mit Aussenantrieb hatte wunderten wir uns mal wieso das Boot immer tiefer im Wasser lag? Da entdeckte ich, dass ich den Stöpsel am Boomende vergessen hatte wieder ‘rein zu tun!? Wir brachten das Boot gerade noch zu unserem Anlegeplatz aber konnten es nicht in die Hebebühne ‘rein hieven. So mussten wir das meiste Wasser per Hand ausschöpfen bis wir es schafften es in die Hebebühnen ‘rein zu Boxereien. Wir brachten dann die Hebebühne hoch und das Wasser lief von Alleine ‘raus. Wie dumm von mir den Stöpsel zu vergessen!?
Die Rita war sehr stark. Sie hat diese schwere, tödliche Krankheit für vier Jahre überlebt. Sie hatte viele, ja sehr viele Chemotherapie wo sie jedesmal ihre Kopfhaare verlor. Dann wuchsen wieder nach, dann noch mehr Chemotherapie, und wieder verlor sie Haare. Die Arme hat es nur bis zum 51-sten Lebensjahr geschafft.
Wir benützten das Boot auch zum Wasserskifahren und die Kinder im Wasser herumzuschleppen. Der Mark und seine Kumpels wurden mit der Zeit auch sehr gute Wasserskifahrer, sogar mit einem einzigen Ski sind sie herum gerast!
Bevor Die Rita und der Günther wieder nach Hause auf Sylt zurückflogen, hat der Günther an der Seite vom Roohaus angefangen den Wald zu roden, per Hand. Da er es schon angefangen hat, habe ich weitergemacht. Da waren ein paar Riesenkarvenzmänner von Bäumen die ich nicht ‘runter bringen konnte. So half mir der Dale Williams mit seinen grossen, starken Mitarbeiter, Sägen and Seile, diese Bäume zu Fellen. Er buddelte auch mit einem Kran ein grosses Loch und begrab die Überreste die er zum teil verbrannt hatte. So brauchten wir nicht so viel Zeugs wegschleppen lassen. Der freigewordene Platz wurde mit der Zeit sehr schön. Aber unsere Nachbarn fragten zynisch wieso wir einen Hubschrauberlandeplatz gemacht haben?
HansiFest I   (Siehe YouTube bei HanHeu unter “HansiFest I)
Wir benutzten den Platz für unsere verschiedenen Feiern, inklusive dem HansiFest I wo ich in 1988 ganze 50 Jahre alt geworden war. Wir hatten eine grosse Fete organisiert beim RooHaus. Ein Spanferkel wurde am Spiess auf Holzkohle langsam gebraten. Wir hatten ca. 110 Gäste, eingeschlossen meine 3 Geschwister, der Fritz mit Frau Guni, die Traudl mit Ehemann Hermann und die Mary mit Freund Arno. Gekommen waren auch mein Cousin der Rudi mit Frau Inge, seine Geschwister die Gudrun und die Isolde mit Mann Erich. Freunde von Mary, die Roswitha und Dieter waren auch aus Europa angereist. So ziemlich alle “Bluffers” sind gekommen und haben auch ihre Kinder mitgebracht. Das schloss ein den Kenny Maki mit Frau Marian die aus Hayward, im Nordwesten von Wisconsin, kamen. Der engere Kreis der Bluffers waren: Josee und Herman, mit oSehnen Edwin und Michael, Bill und Kay Nelson mit deren oSehne Bill und Pat, Bud und Mary Kay Nelson mit deren Sohn und Tochter, Kenny und Sandy Muller und deren Sohn der Mark, Dick und Becky Hawker, die Eltern von der Sandy Muller und ihr Onkel, und der Bob und die Diane Link. Dabei war auch der Dale Williams mit Frau. Der Ben Smit und Frau Cory und deren zwei Kinder feierten lustig mit.Die Sandy hatte auch einen Bruder der ca. 6 Kinder mit seiner Frau hatte. Wir hatten ein Volleyball Netz aufgespannt, und viele andere Spiele vorbereitet damit es keinem langweilig wurde. Es wurde viel gelacht, gespielt und Bier getrunken. Die Roswitha und der Dieter mochten den “Ice tea” gerne. Eigentlich war es ein Manhattan! Meine Mutter Klara freute sich ungemein über die übersprudelnde Atmosphäre. Die Bluffers hatten ein Sketsch vorbereitet wo ich Königlich verarscht wurde, alles aus Spass. Der Kenny Muller war damals auf die Idee gekommen das Fest “HansiFest” zu nennen. Seitdem feiern wir in froher Runde alle 5 Jahre ein Hansifest!
Während der Sommerferien von 1984 hat der Mark, dann 16, einen Job beim Yachtclub von Baileys Harbor angenommen. Er fing dort an als “Bus Boy”, ein Gehilfe für die Ober, die ja älter waren als er. Er hatte schon seinen Führerschein gemacht und durfte Sonja’s Auto fahren wenn wir es beim RooHaus liessen. Er konnte im RooHaus übernachten, was sehr praktisch war da er zum Yachtclub nur noch 8 Km fahren brauchte. Es machte ihm Spass und das Geld, dass er dort verdiente konnte er gut gebrauchen.
Er hatte das Auto von Sonja geerbt und somit konnte er gut durch die Gegend herum fahren. Sonja und ich waren mal bei einem Abendessen im Yacht Club von Baileys Harbor und der Mark bediente auch unseren Tisch. Ich bestellte unter Anderem Austern die frisch aus Kalifornien eingeflogen waren. Er öffnete die Austern an unserem Tisch, wie er es vom Koch erlernt hatte. Siehe da eine Auster hatte eine Perle drin! Wir freuten uns riesig und gaben dem Mark ein besonders grosszügiges Trinkgeld, dass er sich mit den anderen Obern teilte. Die Sonja hatte dem Mark sehr gut beigebracht nie Auto zu fahren wenn er ‘was alkoholisches getrunken hatte. Das war auch die Bedingung, dass er das Auto geschenkt bekommen hatte und wir die Versicherung zahlten. Die Versicherung war sehr hoch weil statistisch gesehen die meisten Unfälle von Personen im Alter von 18 bis 25 hervorgerufen werden. Aber mit guten Noten bekamen diese jungen Leute einen Rabatt. Eines Abends rief der Mark die Sonja an und sagte ihr, dass sie einen besonders guten Tag im Restaurant des Yacht Clubs von Baileys Harbor hatten. Darum haben sie dann auch gefeiert und er hatte “‘was” getrunken. Es war ca. 2 Uhr Morgens. Die Sonja fragte ihn wieviel er getrunken hatte? Zwei Glas Champagner erwiderte er. Hattest du vorher auch ‘was gegessen? Ja, sagte er, einen grossen Haufen. “Dann kannst du auch noch fahren”, sagte die Sonja, damit sie nicht mitten in der Nacht (Morgen?) in abholen müsste!? Da hatten sie die strenge Regel ein wenig “gebogen”. Ja, Regeln sind da um gelegentlich der Realität angepasst zu werden!
Die Bismark
Einen Sommer (circa 1982) sagte uns der Mark, dass er einen Freund mitbringen wird und der mit uns für ‘ne längere Zeit bleiben würde. Es war der Volker Hase aus Hamburg, den er in Sütel an der Ostsee kennengelernt hatte. Der Volker war ungefähr im gleichen Alter wie der Mark. Ich wollte diese zwei Teenager beschäftigen damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen, und kaufte 6 Holzplatten 4’ x 8’ (~ 1,2 x 2,4 m), Kleber, Nägel usw. um eine Verlängerung von unserem Bootssteg beim RooHaus zu bauen. Wir hatten schon lange vorher angefangen 1-Gallone grosse (4 Liter) Plastikmilchflaschen zu sammeln. Diese benützte ich als Schwimmkörper für unseren Bootssteg. Da sägten wir und hämmerten, klebten und schraubten bis wir einen Trimaran mit 3 Kufen gebaut hatten. Er war circa 12’ x 12’  (3,6 x 3,6 m) gross. Oben drauf legten wir einen künstlichen Grassteppich der die Nässe abkonnte. Als wir fertig waren tauften wir unseren Schiff “Bismarck”! Ich montierte hinten dran den einen kleinen Aussenbordmotor von 3 PS. So hatten wir eine Plattform und zugleich eine schwimmende, fahrbare Insel. An einem schönen sonnigen Tag besuchten uns mal unsere Indischen Freunde aus Green Bay, die Merdulla und der Proven Patel. Wir machten uns ein paar Cocktails, nahmen unsere Gartenstühle an Bord und tuckerten ab über dem Kängurusee. Es dauerte nicht lange da näherte sich ein kleines Aluminiumboot mit 2 Rangers darin. Sie fragten “was ist das für ein Ding”? Sie zeigten auf unsere schwimmende Insel. Ihre Blicke gingen argwöhnisch im Kreis herum, besonders weil die Patels eine relativ dunkle Haut hatten. Auch hatten wir die Acy dabei. Also waren wir 4 Erwachsene und ein Schäferhund auf diesem Floss. Es ragte kaum aus dem Wasser durch die grosse Last. Von der Ferne muss es wohl so ausgesehen haben, als ob wir auf dem Wasser sassen!?! Ich erwiderte ziemlich stolz “das ist unsere Bismarck”. Sie guckten mich erstaunt an und konnten augenscheinlich nicht begreifen was da vor sich ging? Schnell fingen sie sich und sagten “ das ist ein Wassergefährt mit Motor und du hast es nicht zugelassen!? Da war ich erstaunt. Es war mir gar nicht in den Sinn gekommen zu denken, dass unsere Bismarck zugelassen werden müsste. Ich zeigte aber Respekt, entschuldigte mich, versprach sie baldigst zuzulassen (was ehr leicht ist in den USA) und tuckerte ganz brav zu unserem Bootssteg bei unserem Grundstück. Ich holte bei nächster Gelegenheit einen Zulassungsschein für unsere Bismarck damit ich nicht wieder Probleme mit den Rangers bekomme. Ich montierte noch ein paar Anschläge an unser Schiff, damit ich es auch permanent am Ende unseres Bootssteg festmachen konnte und es als Sonneninsel benützt werden konnte.
Wir hatten mal den Besuch von Sonja’s Mutter und Tante Edith mit Mann Heinz. Sie blieben im Roohaus während wir mit unserem anderen Auto nach Green Bay fahren zur Arbeit. Die Sonja leite der Edith ihr Auto obwohl die Edith schon seit Jahrzehnten kein Auto gefahren ist, obwohl sie den Führerschein schon lange hatte. Als wir am nächsten Wochenende wieder da oben in Baileys Harbor ankommen sagt uns die Edith das das Auto sehr laut wäre! Wir guckten nach und fanden nichts ungewöhnliches. Als ich mit der Edith eine Runde drehte um zu sehen warum es laut ist sah die Edith, dass ich die Automatik auf “D” setzte. Da sagte sie sie setzte den Gang immer auf 1 und nicht auf “D”. Das heisst die Edith fuhr im ersten Gang bis auf 100 Kmh. Kein wunder, dass die Kiste laut war. Sie hatte noch nie ein Auto gefahren mit Automatik!? Das hatten wir ganz vergessen ihr richtig zu erklären. Aber, die gute alte Kiste lief immer noch ganz gut.
Ein paar Jahre später zogen die Kay und der Bill auch zum Kängurusee. Sie kauften unweit von uns ein Wochendhäuschen, dass sie später abrissen und  ein nettes, richtiges Haus dort bauten. Als der Bill in Rente ging verkauften sie dann ihr grosses Haus in Green Bay und zogen permanent zu unserem See. Sie kauften sich dann einen Wohnanhänger und fuhren nach Arizona zum Überwintern. Wieder später, tauschten sie den Caravan für einen Wohnsattelschlepper der viel grosser war. Der nächste Gang war dann ein Wohnmobil der wie ein Bus mit allem drum und dran ausgestattet war, inklusive einem separaten Generator der ihnen mit Strom versorgte.
Der Mark war sehr fleissig in der Schule. Er hatte auch keine Probleme zusätzliche Aufgaben zu machen. Die Lehrer mochten diesen Fleiss. Er kam auch mit relativ guten Noten Nach Hause. Natürlich passte die Sonja auch gut auf ihn auf, weil ich ja so viel auf Achse war. Er hat die High School auch gut bestanden.
Ziemlich oft schickten wir den Mark zur Oma und zum Opa Kalinowski nach Hamburg. Sie gingen mit ihm oft nach Sütel and der Ostsee. Sie hatten im Sommer einen Wohnwagen direkt auf der Düne mit einem sehr schönen Blick auf die Ostsee. Dort lernte er den Volker Hase kennen mit dem er heute noch in Kontakt ist. Durch den Volker haben wir seine Eltern kennengelernt die in Hamburg einen Maschinenbaubetrieb hatten. Das schönste war, dass sie auch ein schönes 12 m Segelboot hatten, die Bijou. Sie luden den Mark und mich ‘mal ein einen Segeltörn über die Ostsee für 4 Wochen zu machen. Die Crew war der Peter Hase als Kapitän, der Volker Hase als Navigator, Der Klaus Dominik als Kartograph, Mark als Smutje und ich als Barman! Wir segelten von Neustadt (Nähe Lübeck) nach Rostock, Stralsund, Bornholm, Copenhagen und zurück nach Neustadt. War eine Grossartige Tour! (Siehe YouTube bei HanHeu unter “Bijou”).
Wir sind auch im Winter zum RooHaus gefahren um ein ruhiges Wochenende zu verbringen. Unsere Strasse, die Elm Road wurde auch im Winter vom Schnee befreit da es eine offizielle und Asphaltierte Strasse war. Wir konnten dort auch mein Snow Mobil benützten, haben es aber nicht viel da der alte Schlitten dauernd auseinander fiel und ich keine Lust hatte das olle Ding dauernd zu reparieren. Ich war sowieso nicht viel zu Hause weil ich sehr viel reiste um die schönen Perinimaschinen an den Mann zu bringen. Wir hatten aber alle Langlaufskis und benutzten sie auch gerne und oft. Ausser uns war kaum jemand da oben im Winter. So hatten wir den gesamte, gefrorenen See und Umgebung für uns alleine. Unserem Hund, der Acy gefiel es da oben auch sehr gut. Sie schien ein Husky zu sein weil sie keine Probleme hatte mit Schnee oder Eis zwischen ihren Zehen. Ihr dickes, schwarzes Fell schützte sie sehr gut gegen die Kälte. In Wisconsin ist es keine Seltenheit im Winter -20⁰C zu erleben.
Alle zwei Jahre gaben wir dem Aus Holz gebauten Roohaus einen Anstrich mit Schutzlack. Da kletterten die drei Heucherts auf Leitern mit Pinseln und waren so richtig Landstreicher. Auch das “Deck” (Balkon) wurde regelmäßig angestrichen damit es nicht verfault. Wir pflanzten viele neue Bäume, meistens Tannen, auf unserem Grundstück, die heute voll ausgewachsen sind.
Über die Jahre hinaus gingen nach und nach alle unsere “Bluff-Freunde” in Pension. Viele bauten sich schöne, auch im Winter bewohnbare, isolierte Häuser auf dem Bluff wo sie früher die viel einfacheren “Mobilheime” hatten. Dann ein wenig später verkauften die meisten ihr Bluffanwesen und etablierten sich in Florida, wo die meisten Amerikaner in Pension gehen. Die Einzigen die heute (2011) noch permanent auf dem Bluff sind sind die Becky und Dick Hawker. So sind die meisten “Zugvögel” geworden, die im Winter in Florida leben und im Sommer in Wisconsin, wo es viel kühler und trockener ist. Der Herman und die Josée Jansen waren ca. 1990, mit samt ihren Söhnen Edwin und Michael, die beide in Green Bay geboren waren, nach Toronto, Kanada Gezogen und haben damals ihr Wochenendhaus auf dem Bluff Verkauft.
Beim RooHaus haben wir in 1993 auch das HansiFest 2 gefeiert und hatten auch viele Gäste. Nur die Germanen kamen nicht mehr ‘rüber dieses mal. Es ist ja nicht billig über dem Ozean ‘rüber zu kommen.
Ben und Cory Smit, Holländer, hatten auch ein Mobilheim für ein paar Jahre auf dem Bluff. Sie zogen aber dann ca. 1989 nach Utah wo sie sich ein besseres Leben erhofften. Der Ben hatte anfänglich mit dem Herman im Pelzmaklergeschäft gearbeitet. Wechselte aber ein paar mal in andere Jobs. Seine Kinder hatten anscheinend Probleme in der Schule wo sie die falschen Freunde gemacht hatten, und dadurch wiederholt in Probleme geraten waren. Die Cory war sehr reserviert und machte unsere Wilden Parties selten mit. Sie mochte ihr Haus in Weiss und Schwarz dekorieren. Bis heute denken wir immer an Cory wenn wir Weisse und Schwarze Möbel sehen. Ich schreibe ihnen zu Weihnachten Karten. Sie antworten nie. Die Zwei sind komische Käuze!? Wir haben sie in 1998 besucht in Utah. Sie waren sehr freundlich. Der Ben ist Mormone geworden. Er sagt es musste sein sonst kannst du in Utah nicht arbeiten. Ihre Tochter die Saskia hat einen Mormonen von Utah geheiratet. Die Cory durfte nicht in den Mormonentempel hinein wo die Heirat stattfand weil sie keine Mormonin ist! Ach war sie den Mormonen böse!
Im Jahre 1993 wurde der Mark 25 Jahre Jung. Er war damals bei einem College in Tampa, Florida wo er ein Semester lang paukte bevor er nach Phoenix, Arizona ging um bei der “Thunderbird” Uni zu studieren. Sonja und ich fuhren ca. 1.400 Meilen (ca. 2,300 Km) von Green Bay nach Tampa und überraschten ihn bei seiner Feier wo auch die Laura zu Besuch war. Wir fuhren dann in 2 separaten Autos quer über dem Süden der USA nach Phoenix, AZ, ca. 2.200 Meilen (3,600 Km). Bei der Heimfahrt fuhren Sonja und ich über Flagstaff, AZ (AZ=Arizona) da dies eine hochgelegene, nette, kühle, kleine Stadt ist mit vielen Wäldern, die im krassen Kontrast steht mit Phoenix das tief im Tal liegt und im Sommer Temperaturen bis zu 120⁰ F ~ 50⁰C haben kann. Wir fuhren weiter zum Meteor Crater  der sehr interessant ist. Dann ging es weiter nach Osten durch Arizona, New Mexico, Texas. Es ging durch die Wüste, dann über die Steppe. Keine Bäume, kaum Sträucher und Büsche. Dann, langsam im Osten von Texas, in der Nähe der Grenze von Arkansas fingen die Bäume an. Es war wie eine Fata Morgana. Im Radio hörten wir, dass Winterstürme über Illinois rasten, genau dort wo wir durchmussten um zurück nach Green Bay, Wisconsin zu kommen. Da unten in Arkansas hatten wir 60⁰F ~ 16⁰C, und das mitten im Winter. Es war wohl Anfang Januar, den der Mark hatte seinen 25-sten am 13.Dezember in Tampa! Da erinnerte ich mich an ein Buch das ich mal gelesen hatte worin stand, dass Hot Springs in Arkansas eine schöne, antike Stadt ist wo heisse Quellen sind und viele Thermen. So entschieden wir, die sehr schöne Highway 7 von der Autobahn I 40 nach Süden zu fahren ( Das Grosse “I” syeht für “Internate”, das ist der Name der Amerikanischen Bundesautobahnen die Mautfrei sind). Die 7 ist eine gute Strasse die sich durch ein Hügeliges Gelände schlängelt. Die Gegend ist ein Teil der “Ozark Mountains”. Die Fahrt war herrlich. Wir hatten vollen Sonnenschein und wenig Verkehr. 

Die Temperatur war um die 15⁰ C. Wir kamen an eine kleine Ortschaft wo “Hot Springs Village” dran stand. Da war ein bewachter Eingang. Wir durften nicht hinein fahren. Dieses Dorf ist ein Privatgelände und man muss jemanden kennen der drin wohnt um hereingelassen zu werden, sagte man uns. Wir fuhren verwundert weiter da die Stadt “Hot Springs” weitere 17 Meilen südlich lag. Dort übernachteten wir im hübschen Hotel Arlington das ca. 1875 gebaut worden war. Im Hotel sagte man uns , dass wir wohl die Hot Springs Village besuchen könnten. Dafür braucht man nur den Namen eines Immobilienmaklers, und der lässt uns ‘rein. Wir machten das auch gleich weil wir doch sehr neugierig waren. Wir riefen die Jane Hollingsworth an, trafen sie im Büro bei der Village und sie fuhr uns herum in ihrem riesigen Cadillac. Später fanden wir heraus, dass die Jane die erfolgreichste Immobilienmaklerin der Village war. Sie zeigte uns verschiedene Häuser um auf dem Geschmack zu kommen. Wir verbrachten den ganzen Tag dort. Sie erklärte, dass es 4 verschiedene Typen von Häuser gibt in der Village. Die billigsten Häuser sind im Wald ohne Panorama. Die nächste Type sind die Häuser die am Rand von Einem der 8 Golfplätze Liegt. Die dritte und teuerste Type sind die Häuser direkt an einem der 9 Seen. Uns gefiel ein gerade fertiggestelltes Haus am See Balboa, der grösste von 9 Seen in der Village, damals in 1994, dass zu verkaufen war. Sie gab uns einen Richtpreis von $225.000 für ca. 220 m² Wohnfläche. Die Haussteuern waren erstaunlich (Eindrittel) niedriger als in Wisconsin. Wir waren sehr beeindruckt. Die Village war sehr sauber. An der Hauptstraße, die 22 Km lang ist, (die Village ist die grösste ihrer Art in den USA) sah man keine Häuser die direkt am Straßenrand lagen. Eine 18 m tiefe Waldzone muss zwischen der Hauptstrasse und den Häusern eingehalten werden. Die Village ist ganz schön Hügelig und die Strassen sind in sehr gutem Schuss.
Nachdem wir uns für ein paar Tage erholt haben, fuhren wir über Little Rock, die Hauptstadt von Arkansas (eine Stunde per Auto) auf der Autobahn ‘gen Norden. Unterwegs hörten wir im Radio, dass Schneestürme in Illinois Tonnen Schnee am abladen waren. Was kann mann machen? Wir müssen nach Hause. Bei Champion, Illinois angekommen waren wir schon durch zwei Schneestürme gefahren. Sonja und ich guckten uns an und fragten uns “wieso gehen wir wieder nach Wisconsin mit der ganzen Kälte, mit dem vielen Eis und Schnee, wo wir gerade erlebt haben wie paradiesisch Hot Springs, Arkansas sein kann”? Kurzerhand entschieden wir nach Arkansas zur Hot Springs Village zu ziehen. Wir hatten gerade vor kurzem unsere neue Firma AapexX Corporation gegründet und hatten noch keine Angestellten. Somit war die Firma “tragbar”, wir konnten umziehen ohne Personalprobleme zu habe.
Sobald wir zu Hause angekommen sind haben wir die Maklerin Jane angerufen. Wir erbaten, dass sie uns eine Liste erstellt von allen Häusern die zum Verkauf stehen und die direkt an einem der 9 Seen lag. Es war Januar und wir verabredeten uns mit ihr im März um die Häuser anzugucken. Sie schickte uns die Liste und wir fingen an sie zu studieren. Wir suchten ca. 12 Häuser aus die wir gerne sehen möchten, sagten wir ihr. Im März fuhren wir die 950 Meilen (1.550 Km) zur Village,  trafen die Jane und fingen an die Häuser zu inspizieren. Ich hatte meine Videokamera dabei und machte Videos die wir am Abend in aller Ruhe uns anguckten. Am dritten Tag hatten wir nur noch 3 Häuser die in die engere Wahl kamen. Wir inspizierten Diese nochmals. Beim letzten Haus sah ich durch ein Fenster ein kleines “Zu Verkaufen” Schild am Baum vom nächsten Grundstück, dass circa 100 Meter weiter weg war.
Dieses Haus befand sich ganz alleine auf einer Halbinsel mit einer 100 m langen, Betonierten Auffahrt. Zu meinem erstaunen war dieses Haus nicht auf Jane’s Liste? Warum fragte ich sie? Jane erklärte verlegen, dass wir wohl das Haus nicht mögen werden weil es ein Untergeschoss hat wo man Treppen steigen muss (unpopulär bei Senioren) und andere weniger wünschenswerte Nachteile, wie dass es zur Zeit vermietet ist. Wir sagten ihr “lass uns entscheiden”! Wir wollen dieses Haus sehen. Am nächsten Tag, bei herrlichem Sonnenschein und ca. 18⁰C konnten wir das Haus besichtigen. Schon beim herauffahren der Auffahrt sagte ich der Sonja auf Deutsch “dieses Haus kaufen wir weil alleine das ca. 5.000 m² grosse Grundstück unersetzbar ist. Da es eine Halbinsel ist ist das Grundstück Rechts, links und Vorne mit Wasser umgeben. Wenn wir eine Zugbrücke hätten wäre es eine Insel! Nach der Besichtigung machten wir ein Angebot. Jane empfahl, das Angebot noch ein wenig niedriger zu machen, da der Besitzer, der in St. Louis, Missouri lebt, will das Haus unbedingt verkaufen. Wir waren ihr sehr dankbar für diesen Tipp! Am nächsten Tag antwortete der Besitzer mit einem Gegenangebot das ziemlich fair war. Wir machten nochmals eine klein Berichtigung und er akzeptierte unser Endangebot. Wir konnten das Haus am 1 Juni 1994 in Besitz nehmen.
Sonja und ich fuhren dann wieder zum Nordpol, sprich Wisconsin. Dort übergaben wir den Verkauf unseres Hauses in Green Bay an einem Makler, und das Haus in Baileys Harbor einem anderen Makler. Binnen vier Wochen wurde unser Haus in Green Bay verkauft. Es stellte sich heraus, das ein Pastor unsere Gegend schon seit Monaten abgeklappert hatte auf der Suche nach einem Haus. Er mochte die Gegend gerne und die Tatsache, das eine Abtei hinter dem Haus war. Unser Wochenendhaus, Das RooHaus brauchte länger, ca. 6 Monate bis es für einen guten Preis verkauft wurde. So hatten wir das Geld um unser Traumhaus am See Coronado zu kaufen.
Wir heuerten eine Umzugsfirma die alles in Green Bay verpackte und in einem Riesengrossen Sattelschlepper zur Village brachte. Wir mussten die Zeiten gut abmachen da wir an unserem haus gleich verschiedene Modifikationen haben machen lassen. Wir packten dann unsere zwei Autos voll und los ging's in den sonnigen Süden. Ich schleppte hinter meinem Ford Taurus SHO unseren Katamaran, der auch haushoch vollbepackt wurde mit Schubkarre, und anderem Kruscht.
Ein paar Jahre später haben wir wieder angebaut an unserem SeeHaus. Das Hauptschlafzimmer und Badezimmer wurden nach aussen verschoben. Das Holzdeck (Balkon) wurde erneuert und ein Stahlgeländer installiert, mit einer Wendeltreppe zum Bootssteg ‘runter. Dann haben wir die verschiedenen Holzrahmen, die am verrotten waren, im Garten durch Natursteine ersetzt.
Wir hatten uns ein kleines, gebrauchtes Boot mit Außenbordmotor angeschafft, wie es hier in der Village üblich ist. Als wir hier das HansiFest IV in 1998 gefeiert hatten besuchte uns mein Cousin der Rudi mit Frau Inge und Schwester Gudrun. Die benutzten das Boot mal auf dem Coronado See. Da ist das Ding beinahe abgesoffen weil es die Bootspitze gerne ins Wasser schob. Der Arme Rudi kam mit dem Schrecken davon. Als dann im Jahr 2000 der Mark in die Village zog, (mehr darüber im Kapitel VI) um mit mir im Verkauf zu arbeiten, gaben wir das olle Boot in Zahlung und beschafften uns ein grösseres (6 m), Trimaranboot aus Glasfasern, ausgestattet mit einem 95 PS Mercury Viertakter Aussenbordmotor. Wir haben das Boot heute (2013) immer noch! Damit können wir Wasserskifahren oder bis zu 9 Personen herumkutschieren.
Hier in der Village haben Sonja und ich das Golfspielen erlernt. Deswegen haben wir gleich beim Einziehen bei dem privaten Golf Club namens “Diamante” eine Lebenslange Mitgliedschaft gekauft. Dabei mussten wir auch ein Stück Bauland kaufen. Haben wir immer noch in unserem Besitz.
Wir hatten auch gleich am Anfang ein stück Bauland in der Village für den Mark gekauft. Dies schenkten wir ihm als er hierherzog und sich ein Haus darauf bauen liess. Er arbeitete mit mir bei AapexX, wie im nächsten Kapitel erklärt.
Sonja und Ich geniessen den Ruhestand sehr. Wir Reisen immer noch viel. Meistens einmal im Jahr nach Europa um unsere Verwandten und Freunde zu besuchen. Viel dieser Reisen habe ich Videos aufgenommen. Manche davon kann man auf meiner YouTube Seite “aHnHeu” finden.
Eine schöne Reise war diese von 2006 wo der Christian mit uns nach Deutschland kam für ca. 4 Wochen. Er sollte ein wenig Deutsch lernen und wir wollten ihn besser kennenlernen. Es war das Jahr der Europäischen Fußballmeisterschaft. Der Christian war gerade 9 Jahre alt und er durfte Reiten lernen im Erzgebirge. Er verliebte sich nicht in das Pferd aber in die junge Frau die der Coach war. Er hatte viel Spass beim Reiten. Wir besuchten in der Gegend Bekannte aus Leipzig. Mary, Claudia und Dolly besuchten uns damals auch und verblieben ein langes Wochenende.
Eine andere schöne Reise war mit der Klara in 2008 nach Puerto Vallarta in Mexiko um Spanish zu lernen. Ich hatte eine Schule im Internet gefunden die Intensivkurse gab. So belegten auch Sonja und ich Kurse. Die Klara wollte gerne Spanisch lernen weil ihre Oma und ihr Opa Mutterseits nicht sehr gut English sprechen. Wir lebten während dieser 3 Wochen in einem Privathaus, das direkt am Strand stand. Wir konnten zu Fuss zur Schule. Wir hatten ein paar Schwierigkeiten mit der Schule, ja es ist ja schliesslich Mexiko!? Die Klara hatte am Anfang wenig Lust aber am Ende wollte sie gar nicht mehr aufhören. Ich belegte ein paar Fortgeschrittene Kurse und schlug mich einigermassen durch. Die Sonja machte auch mit aber nach zwei Wochen hatte sie genug von dem Kauderwelsch. Für ein paar Tage zogen wir in ein Resort mit Schwimmbad und allem Komfort. Einen Tag brachten wir die Klara zu einem Schwimmbad wo sie mit Delfinen schwimmen konnte. Dort hatten sie auch Riesen-Iguanas die wie kleine Dinosaurier aussahen.
Anfang 2011 besuchten Sonja und ich Santiago de Chile wo der Mark samt Familie    Ende 2010 hingezogen ist weil Hilti, sein Arbeitgeber seit 2004, ihn dorthin versetzt hatte. Mark und Laura hatten sich gerade einen nagelneuen Juke (Chevrolet) gekauft. Sie waren so lieb und liehen uns den Juke. Wir packten die Kinder ein und unsere Habseligkeiten und fahren nach Norden zu einem Urlaubsplatz in der Nähe des Ozeans. Der Platz  war relativ teuer und heruntergekommen. Wir hatten für eine Woche gezahlt obwohl wir 2 Wochen da bleiben wollten. Das Meer war genau 12 Minuten zu Fuss weit weg. Das ist was die Lateinamerikaner eben “Am Wasser” nennen!? Das Duschwasser kam ganz rot verrostet heraus. Ameisen machten uns den Platz strittig. Wir sind aber hart im nehmen und hatten trotz allem eine gute Zeit. Der Mark und die Laura kamen für ein Wochenende hoch. Wir surften obwohl das Wasser nicht viel wärmer war als 10 Grad! Wir hatten Neoprentauchanzüge dabei, sonst hätten wir wohl kaum ins Wasser gehen können!? Das Essen in den Restaurants war ganz gut, aber relativ teuer da es ja deren Hauptsaison war. Der Mark rief uns dann an und empfahl uns einen anderen Platz an einem See “Esmeralda” auszuprobieren. Der See war ziemlich klein, aber die Hütte war ganz cool. Der Christian und die Klara erkundeten die Gegend, fanden Truthahn-Federn und hatten im Grossen und Ganzen Spass an der Freude. Wir blieben aber hier auch nur ein paar Tage weil der Mark einen anderen Platz Südlich von Santiago im Internet gefunden hatte. Wir trafen uns dort und fanden einen sehr schönen Platz für Chilenische Begriffe, aber “Am See” war die gleiche Chose: mann musste 10 Minuten Laufen um dorthin zu kommen.
Wo ich das jetzt schreibe ist es März 2013 und der Mark ist mit Familie aus Chile zurückgekommen weil sein Vertag mit Hilti war abgelaufen.
Sonja und ich sind viel herumgereist. Es wäre aber zu viel dass alles zu Beschreiben. Wer Interesse hat mehr zu wissen kann meine DVDs einsehen wovon ich mehr als 50 habe. Diese Beschreiben unsere verschiedenen Reisen wo wir waren: China, Indien, Alaska, Australien (2x), Hawaii, Dominikanische Republik, Grand Cayman, Tschechische Republik, Polen, Kanada (8x), Kenya, Ägypten (2x), Spanien, Griechenland, Portugal, Slowakei, Österreich (6x), Slowenien, Italien (80x), und vieles mehr. WnEn mann manche dieser Reisen sehen will kann mann bei YouTube unter “HanHeu” oder “Johann Heuchert” welche sehen!
Ich habe seit vielen Jahren an meinen Familienstammbaum gearbeitet. Bin noch nicht fertig. Habe den Familienbaum in meinem iMac Computer unter “Family Tree Maker” und unter “001 My Ancestors”. Ich muss noch mehr daran arbeiten.
Wir haben auch ein paar Hansifeste gefeiert. Diese fallen alle 5 Jahre an, angefangen mit meinem 50-sten Lebensjahr in 1988. Die letzten 2 Hansifeste 2003 und 2008 haben wir in Deutschland in der Lochmühle bei Eigeltingen gefeiert. Da haben wir viele unserer Familienmitglieder und ein paar Freunde zusammen getrommelt. Die Lochmühle ist ein guter Platz zum Feiern weil mann nicht nur muffelt sondern mann hat viele Aktivitäten wie Armbrustschiessen, Traktorenrennen, Seilrutschbahnen, Motocrossvierräderrennen, Kuhmelken, usw.. Dieses Jahr, 2013 feiern wir nochmals ein Hansifest, das VI-ste in der Lochmühle!
Diese Jahr , 2013, werde ich 75, und ich glaube es noch nicht so ganz, dass ich es geschafft habe. Ohne besondere Medikamente oder Schmerzen oder andere Gesundheitsprobleme. Ich hoffe, dass es so bleibt bis mein nicht so baldes Lebensende!

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Ubi Bene Ubi Casa
(Wo es mir gut geht, da bin ich zu Hause)
Kapitel VI
Meine Welt der Arbeit

Die Pagendarm KG in Eidelstedt (Hamburg) in Deutschland & Amerika.
Ich schloss die Technikerschule am 25.03.1966 mit einer „gut bestanden“ Note  ab und hatte gleich einen Job. Mein Mathematiklehrer bei der Technikerschule sagte mir, mich bei der Firma Pagendarm in Eidelstedt zu bewerben, da sie jemanden suchten, der technisch begabt ist und viele Sprachen konnte. Ich war eigentlich gar nicht so interessiert, da ich sehr gerne zurück nach Australien wollte. So verhandelte ich mit dem Herrn Pagendarm, der Besitzer der Firma und verlangte DM 1.200/Monat, das bedeutend höher war als was üblich war damals. Wir schacherten hin und her bis er einen Kompromiss Anbot: Erst mal mit DM 900 anfangen, dann nach 6 Monaten Probezeit auf DM 1.000, und wenn alles zu seiner Zufriedenheit ablief, würde ich dann nach 12 Monaten die erwünschten DM 1.200 bekommen. Ich konnte da nicht Wiederstehen, da es eine Menge Geld war und mir die Firma gefiel. Pagendarm baute Beschichtungs- und Kaschiermaschinen und exportierte sie Weltweit. Sie hatten so gut wie niemanden, der Fremdsprachen konnte, außer der sexy Chefsekretärin Frl. Kind. Die konnte Steno in 3 Sprachen aufnehmen, trotz ihrer grossen Brüste. So fing ich am 1. April 1966 bei Pagendarm in Eidelstedt bei Hamburg an zu arbeiten. Es war kein Aprilscherz! Ich kam in die Angebotsbearbeitung geführt von Herrn Wilfried Kortüm. Mein erster Job war es eine Antriebswelle an einer Maschine zu konstruieren, um ein Zusatz gerät anzutreiben. Da stand ich am Reissbrett und zeichnete und konstruierte. Ich vermurkste die Sache, weil das Gerät verkehrt ‚rum lief. Es passte aber alles, was für ein Wunder!? Wir mussten nur ein anderes Getriebe einsetzen, das auch verkehrt ‚rum lief und das glich meinen Fehler aus. Der Kortüm half mir kräftig dabei. Wir wurden auch später ziemlich gute Freunde. Es dauerte nicht lange da wurde ich vom Zeichenbrett weggerufen da ein Kunde da war aus Frankreich und ein Dolmetscher war gebraucht. Ich musste erst mal all diese Fachausdrücke lernen, erst auf Deutsch und dann auf Französisch, Englisch, Italienisch, usw. Mir gefiel der Job und wir entschieden in good old Germany zu bleiben.
Schon nach 6 Monaten bin ich mit dem Pagendarm Vertreter (Hubes Klamber) nach Frankreich mit seinem schnellen Citroën gefahren, da ein Kunde dort Probleme mit seiner neuen Kaschiermaschine hatte. Das war toll. Ich brauchte nicht viel zu arbeiten, nur immer schön aufpassen was der Kunde, der Techniker und der Verkäufer sagte und brav dolmetschen. Es kam mir zugute, dass ich nicht schüchtern bin. Wenn ich etwas nicht genau wusste, dann erfand ich entsprechende Worte und Redewendungen. Manchmal wurde es sehr lustig, da ich das verkehrte erfunden hatte. Aber ich war ja noch so jung (28). Die meisten der Kunden hatten einen Vaterkomplex und schützen mich oder halfen mir.
Die lustigsten Einsätze hatte ich in Italien. Da hatte Pagendarm einen Dr. Gambini, ein graduierter Diplomingenieur, als Vertreter der schon um die 55 War. Damals dachte ich, dass er uralt war da ich erst 28 war. Heute mit 72 (es ist 2010) denke ich ganz anders! Der Herr Dottore Gambini holte mich immer mit seinem FIAT 600 vom Flughafen Milano ab und meistens musste mann gleich essen gehen. Ja, Speisen war seine große Leidenschaft. Wir aßen immer sehr fein und sehr lange. Er besuchte nicht mehr als 2 Kunden pro Tag. (Mann lebt nicht um zu Arbeiten, sondern mann arbeitet um zu leben!) Der erste Besuch war nie vor 10 oder 11 Uhr Morgens. Dann redete mann ein wenig mit dem Interessenten und um 13 Uhr ging mann zum Restaurant. Der nächste Besuch war dann erst um 16 oder 17 Uhr. Dann war es wieder eine nette Unterhaltung mit dem Kunden, und bevor mann es wusste, waren es schon wieder 20 Uhr. Zeit zum Abendmahl. Er war vom Piemonte an der Französischen Grenze. Die Gegend ist bekannt als eine der Besten Feinschmeker-Cuisines von Italien, oder sogar von ganz Europa. Später lernte ich auch die Küche von der Toscana kennen, die wohl sogar noch besser ist???
Dann machte ich verschiedene Reisen nach USA und Kanada. Der Vertreter in New York war ein Playboy namens Axel Sichel. Er hatte die Firma von seinem Vater geerbt. Das Geschäft ging sehr gut. Sie waren deutschstämmige Juden die viele Deutsche Firmen vertraten. Eine davon war Pagendarm für die ich ja arbeitete. Der Junge mann wollte auch nicht viel arbeiten. Der wollte alles nur mit dem Telefon machen. Was? Kunden besuchen? Da muss ich ja durch diesen verrückten New Yorker Verkehr durch, sagte er empört. Nein, das ist ein Wahnsinn. Wir rufen die Kerle an und sehen ob sie interessiert sind? Wir besuchten trotzdem ein paar Firmen aber nichts kam dabei heraus weil er nie nachfasste. Auf der anderen Seite waren die Besuche in New York nicht anstrengend, außer dem Jetlag. Er hauste mich immer in ein feines Hotel, Eaton Palme dass direkt am Central Park lag, mitten in Manhattan. Er hatte ein sehr schönes und großes Apartment auf der gleichen Straße, nur ein Block weiter, im 32-sten Stockwerk. Auch er mochte gerne Essen, und ich bin ja auch nicht ein Kostverächter? Oder?
Ich überzeugte den Herrn Pagendarm, dass ich nach Amerika muss um diesen Riesenmarkt für ihn aufzuschließen. Er war einverstanden und der damalige Vertreter war auch einverstanden. Ich bewarb mich für eine Green Card und bekam sie ziemlich flott. Ja, damals war es relativ einfach. Mann musste nur erklären, dass mann ein Facharbeiter sei, was ich ja auch war (Maschinenschlosser), und diese bekamen schnell das OK weil ein riesiger Bedarf an Fachkräfte bestand. Ich erwähnte nicht, dass ich auch Techniker bin da es ein Handicap hätte sein können. Aber meine Berichte über diesen lahmen Vertreter an den Herrn Knigge, der Geschäftsführer von Pagendarm, waren nicht positiv. So entschieden wir einen anderen Vertreter zu suchen.
FMC Corporation, Green Bay, Wisconsin
Auf einer Maschinenbau-Messe in Düsseldorf, wohl die DRUPA in 1967, hatte ich ungemeinen Spass. Ich durfte da schon hin wegen meiner Sprachkenntnisse. Ich war voll im Einsatz weil ich die Franzosen, die Engländer, Amerikaner, Australier, Italiener und sogar ein paar Araber bedienen konnte. Der Herr Erich Pagendarm war von den Socken. Ich war auch nicht faul. ich arbeitete Stunden- und tagelang ohne einmal zu sagen, dass ich müde wäre. Die Pagendarm-Leute waren beeindruckt.
Da sprach uns ein Amerikaner an, ein Dan White, Verkaufsmanager von FMC Corporation in Green Bay, Wisconsin, USA. Er suchte eine Firma die gute Kaschiermaschinen baute, und bereit wäre sie in Lizenz bauen zu lassen. FMC baute Druckmaschinen die ähnlich waren wie unsere Kaschiermaschinen. So wurde dem bestehenden Vertreter, den Sichel, gekündigt und ein Vertrag mit FMC erarbeitet in dem ich als Anwendungstechniker für 2 Jahre nach Green Bay, WI (Wisconsin) kam, mitsamt Familie.
Ich flog im August 1969 über Chicago nach Green Bay als Vortrupp. Die Sonja und der Mark der erst 10 Monate alt war kamen ein paar Monate später nach. Ich reiste sehr viel herum um den Verkauf der Pagendarm Beschichtungs- und Kaschiermaschinen zu fördern. Ich hatte ein kleines Büro und eine ältere Sekretärin (Dorothy war schon über 50!?) schrieb im Sekretärinnen-Pool für mich. Mein Titel war „Product Sales Manager“ Coating and Laminating Machines. Mein erstes Gehalt war $19.000 p.a. Das war ganz gutes Geld damals, denn mann konnte einen neuen Chevy Impala für circa $3.000 kaufen.
FMC war eine riesengroße Firma mit circa 3 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Aber unsere Unterabteilung in Green Bay, genannt „Packaging Machinery Division“, mit circa 400 Leuten, war winzig mit 0.5% des Gesamtumsatzes.. So hatten wir circa 14 Verkaufsingenieure die über das ganze, riesengroße Land verteilt waren. Das schloss Mexico und Kanada ein. Diese Verkäufer arbeiteten von zu Hause. Sie verscherbelten die verschiedenen Maschinen die das Werk In Green Bay konstruierte und herstellte. Das waren Flexodruckmaschinen für Papier und Plastik-Filme, Verpackungsautomaten, Beutelmaschinen, Serviettenfalzmaschinen, Toilettenrollenwickelmaschinen, und dergleichen. Diese Verkäufer waren unsere Spürhunde und wir Produktmanager waren die Jäger mit der Flinte, d.h. wir brachten das technische Know-how. Ich reiste sehr viel herum um die Kunden zu überzeugen, dass wir die richtige Maschine hatten für ihren Zweck. Unsere Konkurrenz war PCMC ( Paper Converting Machinery Company), auch in Green Bay ansässig. Die hatten die Lizenz von einer Schweizer Firma, Polytype, die auch Beschichtungs- und Kaschiermaschninen bauten, wie Pagendarm. Die hatten auch einen jungen, schwäbischen Verkaufs-Ingenieur, Juergen Schäuble, der ihnen half die Maschinen zu verkaufen.
Als mein Vertag mit FMC zwei Jahre später in 1971 auslief, wollte ich (wir) nicht wegziehen. Ich hatte gearbeitet Tag und Nacht und hatte nur einen Auftrag an Land gezogen. Es war eine Kaschiermaschine type Lamicoater von 1.200 mm Arbeitsbreite und 300 m/min Geschwindigkeit. Der Kunde, Superior Packaging von Toronto, Kanada war begeistert wie gut sie lief. Bis dahin schaffte mann gerade noch 200 m/min Kaschiergeschwindigkeit. Einer der drei Besitzer war ein eingewanderter Deutsche. Er war genial. Er konnte viele Sachen selbst fixen, was uns viel geholfen hatte. Der andere Partner war James O'Brian, ein sehr netter Ire der den Verkauf unter sich hatte. Der Dritte im Bunde war ein Kanadier der die Buchhaltung machte. Die fingen an mit jeder circa Can. $50.000 als Kapital. 12 Jahre später, verkauften sie den gut gehenden Laden für Can. $40.000.000! Ein guter verdienst, würde ich sagen, ja? Der Deutsche verwirklichte seinen Traum von einem runden Haus. Manche Jahre später traf ich ihn im Ruhestand. Er sagte mir nie ein rundes Haus zu bauen! Mann findet keine Möbel für Runde Häuser und mann verschwendet ein Drittel von der Bodenfläche mit den Eckigen Möbeln in einem runden Haus!!! Wieder 'was gelernt!?
In 1971 verlängerte ich unseren Aufenthalt in USA, bei FMC, ohne Vertrag, aber für ein paar gute Dollars mehr Gehalt. Die Amerikaner arbeiten sowieso selten mit Verträgen, so dass jeder sich frei bewegen konnte. Bald rollten die großen Aufträge rein. Ich verdiente sehr gutes Geld. Der Knigge machte sicher, dass ich des öfteren einen Bonus bekam, damit ich die "Linie" halte. Natürlich musste ich sehr viel Reisen. Pagendarm war so nett damals und hat meine Sozialversicherung weitergezahlt bis 1976. Auch habe ich zwischendurch meine Rente errechnen lassen von einem Versicherungsfachmann, der ein Freund von meinem Bekannten, der Herr Wilfried Kortüm, war. Da wurde mir empfohlen freiwillig in die Rentenkasse nachzuzahlen um meine Rente später zu erhöhen. Da der Dollar damals schön stark war, circa 3,3 DM/Dollar, zahlte ich circa DM 12.000 ein. Das hatte einen starken Zuwachseffekt auf meine Rente gehabt. Mann  muss halt doch ans Alter denken!?

Circa in 1974 habe ich drei riesengroße Pagendarm Beschichtungsmaschinen verkauft. Eine für die Herstellung von Silikonpapier und zwei für die Herstellung von Selbstklebebänder wie Tesafilm. Aber alle diese Maschinen waren die größten und schnellsten die Pagendarm je gebaut hatte. Leider liefen diese Maschinen nicht gut. Die Kunden wurden immer frustrierter. Statt neue Maschinen zu verkaufen, musste ich Tage-, Wochen- und Monatelang mit den Monteuren und Ingenieuren bei den Kunden Reparaturen und Neuerungen an die schlecht funktionierenden Maschinen anbauen helfen. Eine Maschine war in der Nähe von Green Bay installiert, bei einer Firma die Edgewater in Menasha hiess. Es war die breiteste Silicon-Beschichtungsmaschine die je gebaut worden ist. Da hat der Pagendarm, der selbst ein Ingenieur war, sich zu viel vorgenommen. Die Anlage wollte und wollte nicht richtig laufen. Die anderen Anlagen waren in Aurora, Ohio bei Chemtrol. Eine nagelneue Firma die auf modernste Weise Selbsklebebänder herstellen wollte. Alles sollte Vollautomatisch gehen. Auch hier übernahm sich der Erich Pagendarm. Es waren dort 3 Maschinen: Die breiteste Hotmelt-Beschichtungsmaschine die es damals gab mit Düsenkopf, eine sehr neue, noch nicht ausgereifte  Technologie. Dann eine 80 m lange und 1,8 m breite Klebebandmaschine mit 3 Auftragsköpfen und Vollautomatischen Auf- und Abroller. Die funktionierten, aber nicht so schnell wie es vertraglich festgemacht worden war. Ein sehr cleverer, älterer und scheuer Ingenieur namens Hugo Klein kam des öfteren ‚rüber. Er machte viele Umbauten die jedes mal eine Besserung brachten aber immer noch nicht genug. Letztendlich gab FMC auf, weil Pagendarm die Maschinen nicht zum vertragsgemäßen Stand zum laufen brachte. FMC kündigte um 1975 den Vertretungsvertrag und verklagte Pagendarm wegen Vertragsbruch. So wurde meine Position als „Product Sales Manager“ sehr prekär. Aber FMC brauchte mich, da ich die Fach- und Sachkenntnisse hatte. FMC verlor die Klage ein paar Jahre später da anscheinend das Deutsche Gericht in Hamburg zu  „Nationalistisch“ war, sagte der Dan White der in der Zwischenzeit der General Manager von der Packaging Machinery Division von FMC in Green Bay war. Wie konnte auch FMC gewinnen? FMC war damals eine 3-Milliarden-Dollar-Firma und Pagendarm war ein kleines Werk mit circa 50 Millionen Mark (Damals ca. US$15.000.000) Umsatz.
Fast immer wenn wir eine Beschichtungsmaschine von Pagendarm verkauften da ging ein bestimmter Anteil für Herrn Pagendarm auf seinem Geheimkonto in der Schweiz. Da das ein grosses Risiko war für den Knigge, zweigte er heimlich immer wieder einen Anteil für sich und deponierte es in seinem eigenen Schweizer Geheimkonto. So versteckten sie alle das Geld vom Finanzamt. Eines Tages fand der Herr Pagendarm heraus, dass der Knigge etwas von dem Schwarzgeld für sich abzweigte. Während dieser brenzlichen Zeit hatte sich der Herr Pagendarm mit seinem Geschäftsführer, dem Herrn Rolf Knigge furchtbar zerstritten. Beide wollten sich gegenseitig verklagen. Aber weil Beide dreckige Finger hatten einigten sie sich, wenn auch nicht sehr freundlich. Der Herr Pagendarm hatte Gluck denn in diesen Jahren hatte das Finanzamt eine Amnestie für Schwarzgeldinhaber angeboten, die er angenommen hatte um nicht ins Kittchen zu landen. Er zahlte eine relativ geringe Strafe und so hat sich das erledigt.
Es waren auch Wirtschaftlich sehr schwierige Zeiten, mit der OPEC-Krise von 1973 und alles was daran hing und danach kam. Der Pagendarm sprach von „Gesund-Schrumpfen“. FMC musste die schlechten Maschinen selbst in Gang bringen und hat dabei riesige Verluste erlitten die in die Millionen US$gingen.
Auf der anderen Seite, hat der Herr Pagendarm uns in guten Jahren zu Weihnachten großzügig goldene Medaillen geschenkt als Dank für die gute Zusammenarbeit und den guten Umsatz. Er hatte aber auch persönliche Probleme. Er mochte oft gerne sehr schnelle BMW’s fahren. So bekam er oft Strafzettel. Er war ja auch schon in sehr jungen Jahren ein Jagdflugzeugflieger im Dritten Reich. Weil er mal unter einer Brücke bei Köln Flog wurde er schwer bestraft, sagte er uns. Er hatte auch ein Verhältnis mit Fräulein Kind, seine geile Sekretärin. Sie war nicht sehr hübsch aber wohl gebaut. Auch hatte sie Verhältnisse mit vielen anderen in der Firma, auch mit unserem Freund Hubes Klamber aus dem Elsass, der der Pagendarm Vertreter war für Süddeutschland und Elsass-Lothringen.
Den Hubes haben wir ein paar mal zu uns in unsere Eigentumswohnung in Rellingen-Krupunder eingeladen. Meistens brachte er guten, französischen Wein und schmackhafte Weinbergschnecken mit. Er fuhr einen Citroen den Sonja und ich für toll fanden. Der hatte damals schon eine sehr aerodynamische Form und Luftfederung. Der konnte bis zu 220 KMH fahren. Das war schon Schallgeschwindigkeit für uns! Wir hatten damals eine Renault Dauphin 4 die gerade noch 140 KMH schaffte. Sonja und ich besuchten den Hubes mal im Elsass. Er wohnte in der Nähe von Mulhouse. Da nahm er mal die Sonja mit in einem Segelflugzeug. Sie war begeistert. Da dann ungenügend Wind da war nahm er mich mit in das Zugflugzeug, dass die Segelflieger hochzog. Sie hatten keine Winde, wie es normalerweise gemacht wurde, um die Segelflieger hochzuwinden. Sie hatten einen alten Militärflugplatz als Basis. Die Landebahn war voll mit Bombenkrater vom zweiten Weltkrieg. So stieg der Hubes in den uralten Doppeldecker vom Ersten Weltkrieg. Ich aber musste mich am Flügel von der alten Kiste halten und Entweder schieben oder zurückziehen damit der Vogel die Bombenkrater vermisste. Dabei musste ich im Galopp laufen. Am anderen Ende von der Start- und Landebahn angekommen durfte ich, in Schweiss gebadet, ins Flugzeug und der Hubes gab Vollgas. Das Öl tropfte aus dem 6-Zylinder Reihenmotor, der auf dem Kopf stand. Hubes sagte  "das ist gut und muss so sein! Dann wissen wir, dass da Öl drin ist"!? Wir flogen ein paar Runden und genossen es, trotz dem höllischen Lärm den der alte Motor machte. Wir hatten Glück! 4 Monate später sagte uns der Hubes, dass der Doppeldecker abgestürzt ist und der Pilot ist dabei umgekommen. Ja, mann muss zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein!!!
Später ließ sich die sehr nette Frau vom Pagendarm von ihm scheiden, wegen seiner Affären. Er stritt sich manchmal mit den Kunden. Denn er war der Diplom-Ingenieur und was er sagt ist richtig. Dabei hat er so manchen Auftrag verloren. Glücklicherweise ließ er mich und meine Kunden meistens in Ruhe. Warum? Weil er die Sprachen nicht konnte, wie Spanisch, Italienisch, Französisch oder Englisch! So hatte ich eine gute Zeit. Einer meiner besten Kunden war der Jaime Zaragoza von Grafo Regia, Monterrey, Mexiko. Er kaufte Großmaschinen für seinen Konzern der einer der größten Brauereien Mexikos war. Die waren senkrecht integriert, d.h. sie besaßen Stahlwerke um den Stahl zu machen den sie für die Kronen-Bierflaschenverschlüsse brauchten. Sie besassen Glaswerke um die Flaschen zu machen. Sie besassen Papierfabriken die Etiketten für die Bierflaschen machten. Somit besassen sie auch die Druckereien die die Etiketten bedruckten. Diese Etiketten mussten wasserdicht beschichtet werden…da kamen wir 'rein mit unseren Beschichtungsmaschinen von Pagendarm. Wir waren oft in Hamburg zusammen und hatten eine sehr gute Zeit weil er auch vile Humor hatte. Wir flogen mal nach Kopenhagen und er zahlte den Flug damit ich ihm zur Seite stehe. Als wir gemütlich im Flieger sitzen, Business Class natürlich, klopft mir jemand auf die Schulter. Es war der Herman von Green Bay, mein Freund der Pelzhändler. Er war auf dem Weg nach Kopenhagen um dort Pelze zu versteigern. Wie klein die Welt ist?? Ich war auch sehr oft in Monterrey im Werk von Jaime. Dort hatte er die modernsten Druckmaschinen stehen. Viele Europäer hatte er als Fachleute dort um diese teuren Maschinen gut laufen zu lassen. Er kaufte auch mal eine grosse Beschichtungsmaschine um die Etiketten der Bierflaschen zu lackieren und auf der Hinterseite den Kleber aufzutragen. Da mussten wir extra 30% auf den Preis aufschlagen weil sein Chef, einer der Besitzer, dieses Geld in der Schweiz brauchte. So beschwindelte der Besitzer seine eigene Firma.
Convex Corporation 1976
Eines Tages rief mich der Herr Knigge an und sagte mir, dass er Pagendarm verlässt und mit einem Partner eine eigene Firma anfängt. Ob ich sie denn in Nordamerika vertreten möchte? Da es schlecht mit meiner Position bei FMC aussah, Kündigte ich und nahm das Angebot an und zusammen mit Sonja startete ich 1976 unsere eigene Firma, die Convex Corporation. Es war sehr leicht und billig (circa $50) die Firma zu starten, was die Sonja in einem Tag in Madison, der Hauptstadt von Wisconsin machte. Die Sonja und eine Freundin, die Kathy Heitl, nahmen einschlägige Referenzbücher, wie den „Waldens ABC“ zur Hand und erstellten eine Kundenkartei. Wir faxten wie blöd die potenziellen Käufer an. Wir arbeiteten von unserem Haus aus. Wir riefen auch viele potenzielle Kunden per Telefon an, da das Telefonieren in Amerika billig ist.
Da kontaktierte mich der spanische Vertreter von Pagendarm, ein Mario Berendt-Voss, und bat mir an Extruder, die in Spanien gebaut werden, in den USA zu verkaufen. Er hatte gehört, dass ich mich selbstständig gemacht hatte. Ich nahm auch sein Angebot an. Das war der Rettungsring der uns über Wasser hielt weil ziemlich schnell verkaufte ich mehrere solcher Extruder die Plastik-Maschenmaterial machten wie mann sie bei Baustellen als Schutzwall sieht, meistens in Orange. Der Mario mochte nicht gerne mir die Provision von 10% zahlen. So'n Extruder kostete damals circa $150.000. So musste ich oft nach Barcelona fliegen um ihn dazu zu zwingen, mir meine Gelder auszuhändigen. Es machte aber auch spaß mit ihm zusammenzuarbeiten, weil er sehr lustig war und gerne fein essen ging. (Ich auch!) Es passte auch zu ihm da er mindestens 40 Kg Übergewicht hatte. So war ich oft in Barcelona um unser Geld abzuholen. Es machte mich sehr nervös mit so viel Geld im Koffer durch die Gegend zu reisen. Zum Glück bin ich nie erwischt worden. Wir sparten viel von diesem Geld. Das mussten wir ja auch weil ich wie verrückt durch die Gegend reiste und das hat Geld gekostet. Zum Glück waren Sonja und ich fleissige Sparer. Wo wir nur konnten, legten wir etwas auf die hohe Kante. Es war auch relativ leicht in Amerika weil die Abzüge, d.h. die Steuerlasten waren nicht so hoch. Von dem was mann verdiente wurde nur ungefähr 30% abgezogen für die Einkommensteuer, Sozial Versicherung, usw.
Der Knigge lud mich circa in 1977 nach Berlin ein, um seine Firma, die Interunion hieß, kennenzulernen. Da ich auch den Mario auf einer Messe in Düsseldorf traf nahm ich Knigge’s Angebot an. Sein Partner, wie es sich später herausstellte war ein Hochstapler. Ich wurde mit einem mit dicken Mercedes vom Flughafen abgeholt. Es wurde groß getagt und gegessen in einem 4-Sterne Hotel. Er erzählte wo er alles noch Tochtergesellschaften hatte. In Zürich, Berlin, Düsseldorf, Luxemburg, München, usw. Alle machten Gewinn, sagte er. Schon nach einem Jahr fiel die ganze Chose auseinander. Der Partner hatte kein Geld. Alles war ausgeliehen. Eine Tochterfirma zahlte die Andere damit in den Büchern Geld da war. So platzte die ganze Scheinfirma.
Der Knigge machte sich dann ‚ran an den Wilfried Kortüm der sich in der Zwischenzeit auch von Pagendarm abgeseilt hatte. Er hatte eine neue Firma gegründet die HMV hieß. (Hamburger Maschinen Vertrieb). Er konstruierte, wie Pagendarm. Beschichtungs- und Kaschiermaschinen. Da aber seine Firma klein war konnte er viel billiger sein. So vertritt ich HMV statt der Interunion. War ja eigentlich alles das Gleiche, mehr oder weniger. Ich hatte ja schon die Adressen von potenziellen Kunden und brauchte nur die Broschuren auszutauschen. Es kostete diesen Firmen auch nichts von mir vertreten zu werden da ich nur auf reine Provision arbeitete. Meistens für eine Provision von 10%. Eines Tages gelang es mir eine Extruderkaschiermaschine von HMV an Transilwrap in Chicago zu verkaufen. Der Besitzer, Mort Linkus, war ein sehr netter Geschäftsmann jüdischen Glaubens. Der Auftrag war am laufen. Da rief mich der Kortüm an und sagte, dass er pleite ist. Er hatte sich auch mit seinem Partner, dem Knigge verstritten. Ich war Kaputt als ich diese Hiobsbotschaft hörte. Hier arbeite ich wie ein Blöder, gebe mein weniges, hart verdientes  und gespartes Geld aus um die Maschinen zu verkaufen, und diese Firmen streiten sich und gehen Bankrott!?! Sofort verständige ich Transilwrap telefonisch. Dann springe in meinem Honda Civic, mein Spar-Geschäftswagen,  und rausche im Eiltempo nach Chicago um dem Mort Minkus die prekäre Lage zu erklären. Bis ich in 4 Stunden Fahrt dort ankomme hat er schon einen Plan ausgearbeitet zusammen mit seinem sehr fähigen Geschäftsführer und Cousin Herbert. Es wird entschieden nach Hamburg zur HMV zu fliegen um zu retten was noch gerettet werden kann. Die Convex Corporation, meine Firma wird irgendwie bezahlt , versprachen sie weil Transilwrap den Übersetzer und Techniker namens Hans Heuchert braucht, um die Lage wieder ins Lot zu bringen. Wir fliegen nach Hamburg. Mort und Herbert in der Business Class, ich auf dem Flügel, nein „Coach“ (Touristenklasse). Sie zahlten ja den Flug. In Hamburg verhandeln wir mit Kortüm und dem Sequestrier und sichern die verschiedenen Teile und Baugruppen der Maschine die beinahe fertig waren. Brauchte nur noch montiert zu werden. Ich sichere die Zusammenarbeit des Meisters von HMV (der jetzt arbeitslos war) und die Teile werden nach Chicago verschifft. Der Meister kommt nach Chicago später, montiert sie schön und kriegt die Maschine zum laufen. Transilwrap ist sehr dankbar und gibt mir nicht die 10% die ich hätte von HMV bekommen (?), wenn alles richtig gelaufen wäre, sondern circa 6%, was unglaublich großzügig gewesen ist. Ich hätte ja auch mit leeren Händen weggehen können, wegen der Pleite von HMV!? Somit habe ich eine sehr erfreuliche Erfahrung gemacht mit den Jüdischen Mort Minkus und Co.; Diese positive Erfahrung bringe ich immer wieder auf wenn ich Leute begegne die anti-semitische Einstellungen zeigen.

Fabio Perini S.p.A. Lucca, Italien
(In der Zwischenzeit (ca. 1980 von Körber gekauft)
Da die Geschäfte bei Convex nicht sehr gut gingen, war ich sehr interessiert, andere Vertretungen an Land zu ziehen. Wie mir der nette John Rudolf, ein guter Bekannter aus Green Bay, empfohlen hatte schrieb ich circa 1977 an Perini-Italien einen Brief und erzählte ihnen, dass ich in Green Bay wohne, wo deren großkotzige Konkurrenz PCMC sitzt, das ich Italienisch kann, viel Erfahrung habe mit Wicklern, weil ähnliche auch bei Pagendarm benützt wurden, und das ich sehr gerne der PCMC Konkurrenz machen möchte. Es waren keine 6 Tage verstrichen da bekam ich eine Anruf von Carlo Silvestri, den Verkaufsleiter von Fabio Perini SpA aus Lucca, Italien. Er sprach sehr gutes englisch weil er in Tansania geboren war und in London, UK studiert hat. Er war gerade von einer Reise durch  Nordamerika zurückgekommen wo er sich umsehen wollte wie mann diesen Riesenmarkt erobern könnte? Bei seinem Anruf, sagten sie mir später, saß die gesamte Geschäftsführung von Perini in einer Konferenz, um zu entscheiden wie mit dem Nordamerikanischen Markt voranzugehen. Der Besitzer, Fabio Perini und sein Geschäftsführer, der Ettore Bartoloni St. Omer und deren Finanzmann der Alfredo Puccinelli waren dabei.  Es war wie ein Zeichen des Himmels, sagte mir später der Ettore, und erzählte: Hier sassen wir und überlegten welche Strategie einzunehmen, und hier kommt dein Brief und sagt uns wie leicht mann es machen kann. Sie wollten mich sofort sprechen. Ich sagte, dass ich sehr viel zu tun habe (Lüge!), aber wahrscheinlich könnte ich am nächsten Montag, d.h. in 4 Tagen dort sein. Gelle, die wussten ja nicht, dass ich sowieso plante mal wieder nach Barcelona zu gehen um Geld vom Mario abzuholen. Wir hatten schon wieder ein paar mehr Extruder verkauft.
Ich flog nach Pisa, der nächste Flughafen für Lucca, wo Perini war.
Dort wurde ich vom Verkaufsmanager, dem Carlo Silvestri, abgeholt. Ich hatte meinen besten Anzug (vielleicht nicht mein bester Anzug…aber mein einziger!?) an um eine gute Figur zu machen. Die nette Empfangsdame, die Rosemary, eine Engländerin, begrüßte mich und sagte dass die Herren oben im Bureau vom Geschäftsführer Ettore auf uns warteten. Wir gingen die schöne, imposante, 2,5 m breite, Spiraltreppe hoch und gingen in das moderne Bureau hinein, durch circa 3 m hohe Glastüren. Der gesamte Raum war Holzgetäfelt mit schwarzen Kontraststreifen dazwischen. Sehr imposant! Da waren Sie schon alle versammelt, der Chef und Besitzer Fabio Perini der ungefähr ein oder zwei Jahre Jünger war als ich, (damals war ich 39 Jahre alt) der Carlo Silvestri der wohl der Jüngste in der Runde war mit circa 6 Jahren weniger als ich auf dem Buckel. Der Werks-Manager Giuseppe Mazzotti und der Finanzmensch Alfredo Pucinelli waren auch da.
Wir fingen ein freundliches Gespräch an. Der Carlo, der sehr gut English konnte weil er in Tanzania geboren war und in London Maschinenbau studiert hatte, übersetzte für uns. Da fragte ich ganz höflich ob wir den nicht versuchen könnten Italienisch zu reden, auch wenn ich in dieser Sprache ein wenig rostig war. Angenehm überrascht sagten sie alle gleich zu, denn der Fabio konnte so gut wie kein einziges Wort Englisch. Der Ettore, der Alfredo und der Giuseppe konnten gerade noch ein paar einfache englische Redewendungen an den Mann bringen. So freuten Sie sich, dass so'n Amerikaner/Deutscher Italienisch konnte. Erst ging es ein wenig beschwerlich, aber langsam und sicher kam mein Italienisch durch. Einmal gelernt vergisst mann so was nicht so leicht? Wir hatten ein üppiges Mahl bei einem feinen Restaurant in der Nähe, und zwar war es auf der berühmten Stadtmauer "Le Mure" von Lucca. Ich war imponiert. Die Herren schienen in Geld zu schwimmen? Dieses Restaurant "Sulle Mure" (auf den Mauern) war sehr bekannt in der Gegend. Dort hatte in den 40-Jahren der "Duce" Mussolini gespeist. Nach dem üppigen Mahl, mit Wein und Grappa und einem starken Espresso, gingen wir zum Werk zurück. Es war sehr modern. Wohl erst vor ein paar Jahren gebaut? Der Giuseppe führte mich durch das Werk wo ein paar Werkzeugmaschinen standen und dann in die Montagehalle. Er erklärte, dass Perini insgesamt eine Belegschaft hatte von circa 35 Personen. Ungefähr 70% der Maschinenteile werden ausserhalb hergestellt, sagte er. Dies war typisch in Italien, wie ich später erfuhr. Es war interessant, dass sie schon 6 Monteure hatten. Ihre neueste Maschine war die "450" ein Toilettenrollenwickler der im Baukastensystem konstruiert war. Mann konnte gleich, oder Später, Zuzatzbauteile Kaufen. So konnten sie verschiedene Baugruppen schon auf Lager halten und damit, auf Wunsch des Kunden, eine einfache Maschine zusammenbauen oder eine sehr komplexe die auch Küchenrollen herstellen konnte. Die Einfachheit der Perini Maschinen war sehr beindruckend. Und wie die Italiener so sind, die Maschinen waren auch hübsch!
Zurück im Bureau trafen wir wieder auf die Top-Manager. Wir unterhielten uns noch ein wenig weiter. Mir wurde erzählt, dass Perini bis dahin 3 Automatische Wickler des Models "450" geliefert hatte. Eine nach Süd Afrika, eine nach Venedig und eine nach Frankreich. Die Maschinen konnten bis zu 500 m/min (1640 fpm) arbeiten, ähnlich dem konkurrierenden Model 150 von PCMC, das bis zu 460 m/min (1500 fpm) laufen konnte. Diese PCMC hatte aber vor ein paar Jahren das Model "200" auf den Markt gebracht, dass wohl schneller wahr, bis zu 610 m/min (2000 fpm), aber viel teurer und sehr viel komplizierter war. Ich war höchst beeindruckt von Perini. Die Gesprächspartner waren relativ jung, schienen aufgeschlossen und aggressiv zu sein. Mir gefiel das. Ich hatte ein Wohles Gefühl im Bauch (nicht nur wegen der guten Mahlzeit, dem Wein und dem Grappa!?).
Am Späten Nachmittag (die Italiener arbeiten meistens bis spät in den Abend), hatten wir ein Übereinkommen und siegelten es mit einem freundlichen Händedruck ab. Ich sollte für ein Probejahr deren Vertreter sein für Nordamerika, d.h. Kanada, Mexiko und die USA. Zum Abendessen lud mich der Carlo ein wo ich ihm sagte, dass ich etwas einfaches zum Essen haben möchte, da ich noch das Mittagessen gar nicht verdaut hatte. So gingen wir circa um 20:00 Uhr zu einem kleinen Restaurant in der Nähe von meinem Hotel, dass Perini für mich gebucht hatte. Der Carlo wohnte auch nicht weit weg von diesem Laden. Wir hatten ein leichtes Abendessen, für Italienische Verhältnisse, und dann brachte er mich zum Hotel. Ich war sichtlich von den Socken!!!
Das Hotel nannte sich "La Principessa" (die Prinzessin). Es war versteckt in einem Parkähnlichen Gelände entlang der alten Strasse nach Pisa. Es war eine Villa die früher von Caroline Bonaparte, der Schwester vom Napoleon Bonaparte bewohnt wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Caroline_Bonaparte  Es bewahrte von aussen den ursprünglichen alten Stil aber von innen war alles renoviert. Es hatte sogar einen Aufzug bis zum x-ten Stock hinauf. Der Aufzug war winzig. Es passten gerade noch 2 Personen hinein, aber die mussten schlank sein! Die Zimmer waren schön auf Antik gemacht. Ja, es war ja Antik, oder? Alle Zimmer hatten eine Badewanne mit Dusche. Aber kein Duschvorhang. Mich störte das nicht weil ein Abfluss mitten im Badezimmer sich befand. Trotzdem wurde der Teppich vor der Badezimmertür immer recht nass. Aber später haben sich meine amerikanischen Gäste immer wieder beschwert, dass alles nass wurde. Es ist interessant festzustellen, dass viele, wenn nicht alle Hotels in Italien keinen Duschvorhang liefern!? Komisch? Am nächsten tag wurde ich nach dem typischen, italienischen Frühstück, ein Cappuccino und eine Brioche, von der Rosemarie zum Flughafen gefahren, durch den Tunnel der zwischen Lucca und Pisa sich befindet. Sie erzählte mir, dass sie vor ein paar Jahren aus Schottland kommend in Lucca italienisch studierte. Sie mochte die Sprache, das Land und die Leute und entschied da zu bleiben. Später hat sie einen netten Italiener, ein echter Lucchese, geheiratet und hatte 2 oder mehr Kinder. Sie war sehr hilfreich weil sie intelligent und sehr fleissig war.
Zu Hause in Green Bay angekommen wurde kräftig gefeiert, weil wir sehr hoffnungsvoll auf die Zukunft blickten. Wiederum konnten wir die vielen Adressen die die Kathy und die Sonja zusammengestellt hatten benutzen um Perini-Kunden anzuschreiben. Es war eigentlich viel leichter als die anderen Industrien, weil die so genante "Tissue-Industrie" nicht gross war. Da waren sehr bekannte Namen drin wie Procter & Gamble, die in Green Bay selbst 2 Werke hatten, James River (heute, 2010 gehört zu Koch Industries), die auch 2 Werke in Green Bay hatten, Kimberly Clark die unweit in Menasha (ca. 60 Km) ihr Zentrales Ingenieurbureau hatten. Auch hatte Fort Howard (heute Koch Industries) ein grosses Werk in Green Bay und da fand mann die meisten ihrer Ingenieure.
Wir hingen dann am Telex, später am Fax und schickten auch Rundschreiben hinaus in die Grosse Welt von Nord Amerika um den Verkauf von Perini Maschinen zu fördern.
Das grösste Interesse zeigte die Fort Howard Paper Co., die zum Glück auch in Green Bay waren. Sie mochten nicht das Monopol vom PCMC das mit den Jahren immer arroganter und teurer wurde. So empfingen sie mich als Perini-Verteter mit offenen Armen. Sie waren damals auch eine der best-gemanagten Firmen in dieser Industrie. Sie schickten bald einen Ihrer Ingenieure nach Lucca um herauszufinden was da mit Perini los war. Ich reiste natürlich mit um meine Kunden an der Hand zu führen in einem fremden Land. Ich reiste mit denen zu der Firma in der Nähe von Venedig die eine "450" Maschine hatten. Der Fort Howard Ingenieur war erstaunt wie gut der Wickler lief. Er wollte gleich Angebote haben um zu Hause mit der Geschäftsführung zu verhandeln. Dort wurde mir gesagt, dass sie schon seit 2 Jahren an einen Wickler ihrer eigenen Konstruktion arbeiteten. Es war ein so genanter "Umfangswickler" wie sie früher auch von FMC gebaut wurden. Der Perini-Wickler war auch ein Umfangswickler. So mochten sie ihn weil die Technology auf der gleichen ebene lief wie ihre. Mann muss auch wissen, das der PCMC-Wickler unserer Konkurrenz, ein "Mittenwickler" ist. Dieser ist von Geburt her viel, ja viel Komplizierter. Deswegen waren auch PCMC's Preise ungefähr doppelt so hoch wie unsere. Fort Howard machte dann ein Angebot wo sie eine Maschine von uns kaufen würden, auf Probe. Sollte sie nicht bringen was sie erwarten, dann würden sie ihr Geld wieder zurückbekommen und wir würden die Maschine zurücknehmen, ohne grosse Streitereien. Die mutigen und cleveren Manager bei Perini nahmen die Herausforderung an und akzeptierten das Angebot. Schon fing die Karre an zu rollen. Die Lieferzeit war nur 6 Monate. (PCMC brauchte immer mindestens ein Jahr um eine ihrer komplizierten Maschine zu liefern! So krempelte ich die Manschetten hoch und wühlte weiter.
Da kam ich auf 'ne Firma die hiess "Marcal Paper Company", in Elmwood Park, NJ (New Jersey, an der Ostküste, unweit von New York City). Da diese Leute starkes Interesse zeigten besuchte ich sie. Ich musste von Green Bay über Chicago nach New York La Guardia fliegen. Dort mietete ich einen Leihwagen und fuhr die circa 60 Km. Da erzählte mir der President der Firma, ein Mr. Robert Marcalus, dass er schon vor 2 Jahren in Lucca war wo er sich die Perini-Wickler angeguckt hatte. (Perini hatte vergessen mir das zu sagen). So war er der Meinung, dass ich keine Provision erhalten sollte weil sie direkt mit Perini verhandeln werden und auch direkt kaufen werden. Ich sprach mich mit der Geschäftsführung in Lucca ab und versicherte den geizigen Mr. Marcalus, dass ich ohne Provision für ihn und Perini arbeiten werde. Er mochte das denn so bekam er meine Unterstützung (er konnte kein Italienisch) und ich bekam trotzdem meine Provision im geheimen (HaHa!). Die Maschine wurde damals eine der Grössten die Perini jemals gebaut hatte. Die konnte Toilettenrollen und Küchenrollen mit Prägung machen. Sie hatte zwei Riesenabroller von 2,5 m Durchmesser, die grössten weit und breit. Die Maschine war auch 2,75 m breit, breiter als die meisten PCMC Maschinen seiner Zeit.
Leider bekamen wir später Probleme mit dieser Firma weil sie nie mit der Qualität der Ware (Toiletten- und Küchenrollen) zufrieden waren. Deren Papier war 100% Recyclingpapier, dass von niedrigem Niveau war, dünn und voller Löcher. So musste ich oft dorthin um dem italienischen Monteur zu helfen Modifikationen zu installieren, um den Kunden zufrieden zu stellen. Am Ende war er nur zu 80% zufriedengestellt und Perini musste ihm einen großzügigen Skonto geben damit er endlich Ruhe gibt.
Die Story hörte aber nicht auf. Nach ein paar Jahren wird Perini von einem Arbeiter von Marcal verklagt. Er hatte sich an der Maschine verletzt, wobei er einen Teil seiner Hand verloren hatte. Wir mussten einen Anwalt von New Jersey und einen von Wisconsin zur Verteidigung nehmen. Zu der Zeit hatte ich unsere Convex an Perini verkauft und hatte Perini America in Green Bay gegründet. Bei der Klage fanden wir heraus, dass der Arbeiter "hoch" war an Drogen, die Sicherung an der Maschine überbrückt hatte, und dann ist in die laufende Maschine hinein gegangen, ein striktes Vergehen! Dabei ist er ausgerutscht und hat seine Hand zwischen den Prägewalzen gekriegt. Nach vielen Reisen zum Tatort, mit und ohne Anwalt hatten wir in 2 Jahren circa $65.000 an Anwaltskosten ausgegeben. Da empfahl uns der Richter einen Vergleich einzugehen weil wir vor den Geschworenen, alles hiesige Arbeiter, verlieren würden, egal wer Recht hat!? Wir nahmen das deal an indem wir $45.000 an den Kläger zahlten. Dabei wurde keiner für Schuldig erklärt!
Wir hatten uns damals schon gegen solche Juristische Probleme versichert. Sie hiess: "Product Liability Insurance". Diese Versicherung ist im Gewerbe in den USA ein MUSS geworden. Jeder Heini kann dich verklagen, und jeder Heini hat ein Recht auf ein Geschworenen-Gericht. Obwohl wir, d.h. Perini America,  damals noch eine sehr kleine Organisation waren hatten wir einen Umsatz um die 8 Millionenmarke pro Jahr. Dieser Umsatz war dann Ausschlaggebend fur die Versicherungssumme, obwohl wir die Maschinen nicht selbst hergestellt haben. So mussten wir circa $45.000 Versicherung pro Jahr zahlen. Da Perini in Italien keine so' ne Versicherung bekam, versicherten wir uns. Wir berechneten dann die Italiener für diese Unkosten. Es ist wirklich ein Wahnsinn hier in America mit dieser Produktversicherung. Sie ist grenzenlos und die Anwälte bereichern sich wie blöd! Jeder Arzt, Maschinenhersteller, usw., musste sich fur viel Geld versichern. Das ist einz der Grunde warum z.B. Krankenversicherung hier in den USA so teuer geworden ist. Die Politiker, die meistens Anwälte sind, machen nichts, weil es ihnen nicht in den Kram passt (Eigeninteresse!). Das ist hier eine sehr schlechte Situation.
Auf der anderen Seite haben sie hier eine gute Lösung gefunden für die Verbesserung der Unfallverhütung. In den USA gibt es eine "Workers Compensation Insurance". Eine  staatliche Unfall-Versicherung. Jeder Arbeitgeber zahlt eine Prämie die von der Zahl des Personals und der Anzahl der Unfälle abhängt. Er kann die Prämie herabsetzen, indem er weniger Unfälle hat. Dadurch wurde eine starke Inzentive gegeben den Arbeitsplatz sicherer zu machen. Dafür darf der Arbeiter der einen Unfall hatte den Arbeitgeber nicht um Schadenersatz verklagen. Er bekommt Gelder von der Unfallversicherung. Aber, er darf den, z.B. Maschinenhersteller, verklagen weil angeblich die Maschine nicht genügend sicher gebaut worden war. So mussten wir als Maschinenherteller unsere Maschinen "Idiotensicher" machen, damit ja nicht jemand verletzt wird. So machten wir auch immer Photos von den Sicherungen an der Maschine um eventuell beweisen zu können, dass sie tatsachlich sicher gebaut worden war. Das war nämlich immer eine starke Anklage, dass die Maschine nicht genügend gesichert war. Diese Problem war am schlimmsten bei älteren Firmen wie unsere Konkurrenz, die PCMC. Die hatten 80-Jährige Maschinen im Umlauf, die 3,4,und 5 mal den Besitzer gewechselt hatten. Dabei verschwanden so manche der Schutzeinrichtungen. Ausserdem, waren die Sicherheitskenntnisse vor 80 Jahren andere als die von heute. Da kamen diese blöden Anwälte und sagten "Ihr musst zahlen weil die Maschine nicht sicher war!". Es war ein konstanter Kampf mit den Anwälten die gierig und oft unlogisch argumentierten, nur um ans Geld zu kommen. Natürlich behaupteten diese Aasgeier, dass sie es nur im Interesse vom Mandanten machten. Es gibt auch Anwälte die es tatsächlich gut meinen. Aber diese sind sehr in der Minderheit.
Im ersten Jahr hatten wir schon 2 Perini Wickler verkauft und viele andere Aufträge lauerten auf uns. Da traf ich mich mal wieder mit dem John Rudolf in Green Bay. Er freute sich ungemein, dass seine Einschätzung von Perini als gefährlicher Konkurrent von PCMC, richtig war. So fragte ich ihn bei einem Glas Wein (Chateau Miramar) ob er bereit wäre mit mir zusammenzuarbeiten? Er überlegte es sich für 2 Wochen und sagte "ja" wenn Perini ein paar kleine Bedingungen annimmt, z.B.: Gleiches Gehalt wie bei PCMC, Pensionszahlung und Krankenversicherung wie bei PCMC.
Als die Italiener das hörten, waren sie begeistert. Einen der besseren Verkäufer von PCMC zu klauen wäre ein Coup sondergleichen. D. h. einen guten Mann zu kriegen mit vielen, vielen Jahren Erfahrung und zur gleichen Zeit der Konkurrenz weh tun, das ist ideal, sagten sie!
Da setzten wir, John und ich, in Lucca zusammen und besprachen wie das bewerkstelligt werden soll?? Die schlauen Italiener sahen das Potenzial und wollten sich den Markt sichern. Sie machten den Vorschlag unsere Convex Corporation zu kaufen. Dann würde ich der Geschäftsführer werden von der Tochter die ich in Green Bay gründen sollte. Sie würden ihre Tochter Finanzieren damit sie den John heuern konnte. Ich unterbreitete einen Geschäftsplan von unserer Convex wo ich im Einzelnen zeigte wie gut es der Convex Corporation ging, (ich übertrieb ein wenig, wie Handelsüblich) und deswegen einen hohen Wert trägt. Wir verhandelten vor und zurück und kamen letztlich zu einer Übereinstimmung: Perini zahlt $150.000 für Convex und ich erhalte ein grosszügiges Gehalt mit einem Arbeitsvertrag worin ich Executive Vice President wurde. Der President war der Fabio Perini.
John und ich flogen nach Lucca und verhandelten den Vertrag. Es klappte da die Italiener sehr vernünftig waren. Auf der anderen Seite waren wir auch nicht zu gierig um das Projekt nicht zu untermauern. Ich wurde zum Geschäftsführer und Vice President mit einer grosszügigen Gewinnbeteiligung von 20%. Der John wurde auch zum VP ernannt, aber ohne "Executive" und verantwortlich für Lateinamerika. Ich rief sofort die Sonja an in Green Bay und bat sie nach Madison, die Hauptstadt von Wisconsin, zu fahren um die "Perini America Inc." zu etablieren. es war wohl 1978. Das hat sie auch prompt gemacht. Sie machte auch gleich ein Bankkonto auf damit Perini Italia Geld dahin schicken konnte, was auch gleich geschah. Der John hatte schon bei PCMC gekündigt und machte sich 'ran seine Kontakte zu informieren. Bei diesem Übereinkommen bekam Perini America auch das westliche Südamerika als Vertretungsgebiet, da Perini Brazil wenig damit anfangen konnte und John hatte dort viele bekannte, potenzielle Kunden. Er sprach auch perfekt Spanish weil er ja ein paar Jahre (4?) in Kuba war, vor der Castro-Zeit).
In Green Bay angekommen suchten wir gleich nach einem Büro weil wir ja nicht mehr aus unserem bescheidenen Haus an Roselawn Blvd. arbeiten konnten. Wir heuerten auch gleich eine Sekretärin. Einer unserer Nachbarn war ein Immobilienmakler der ein schönes, grosses Bürogebäude unweit von unserem Haus, direkt am Fox River baute. Wir bekamen dort eine Ecke mit circa 300 m² für 2 Büros, einen Konferenzsaal und einen Sekretärinenraum. Es war noch gar nicht fertig, so benutzten wir unser Haus noch für ein paar Wochen. Dann zogen wir um nach 3501 Riverside Drive. Neben dem Verkauf musste ich die Farben für das Büro, usw wählen. Der John war schon unterwegs nach Venezuela und Kolumbien, wo er Aufträge an Land ziehen wollte.
Bevor ich einmal wegging sagte ich dem Elektriker, dass ich einen Anschluss für eine Espresso-Maschine haben wollte. Weil ich aber die Maschine schon von Italien hatte musste der Anschluss 220 Volt sein, statt der in Amerika normalen 110 Volt. OK sagte er. Als ich später die Rechnung zu sehen bekam kostete uns der Anschluss ca. $250!!! Die Espressomaschine hatte ich als Geschenk von Perini Italia bekommen. Es wurde ein teures Geschenk!? Eigentlich war es kein Geschenk. Ein Kunde von uns, Orchids Paper aus Kalifornien, hatte Wickler von Perini gekauft. Der Projektingenieur, Manuel Alvarez, erbat eine Espressomaschine mit dem Wickler zu liefern. So sagte ich "gib uns zwei solcher Maschinen, eine für den Kunden und eine für uns!
Als der John aus Südamerika zurück kam war das Büro fertig. Argwöhnisch guckte er sich um. Dann fragte er "wer hat diese Kakka-Farbe ausgesucht? Ich sagte ihm "ich" . Weiter erklärte ich das ist "Maroon" (Braun-Rot) meine Lieblingsfarbe und nicht Kakkafarbe!?. Er flüsterte "schöne Scheisse!" Schon begannen leichte Reibungen zwischen ihm und mir. Weil er über 30 Jahre älter war als ich wollte er immer wieder der Überlegene sein. Das passte mir aber nicht! Wir hatten immer wieder Reibereien und manchmal sogar Streit. Er war nicht leicht zu Handhaben.
Die Kunden die uns besuchten waren sichtlich imponiert von unserem Büro. Endlich eine Konkurrenz für PCMC sagten die meisten. In der Zwischenzeit hatte Fort Howard die erste Maschine akzeptiert und bestellte 4 mehr, je $500.000! Der John kam heim und hatte zwei Wickler nach Venezuela verkauft. Das Geschäft ging rasend weiter. Die Italiener waren begeistert. Die machten Überstunden wie blöd. Ich flog so oft nach Lucca, meistens mit Kunden, dass ich nicht mehr weiss wie oft das war. Des öfteren blieb ich 3 Wochen dort um einen Kunden nach dem Anderen zu betreuen.
Nach 2 Jahren, d.h. circa in 1979 erwischte ich den John wie er in Südamerika Falzmaschinen anbot die wir, d.h. Perini gar nicht bauten. Wir kriegten einen Krach miteinander. Die Italiener Schlichteten weil sie den alten Mann (John) nicht weh tun wollten. Ich wollte ihn 'rausschmeissen. Die Italiener schienen gewohnt zu sein Betrüger in der Runde zu haben? Aber loskriegen wollten sie ihn schon. So wurde ihm, gegen meinen Willen, $35.000 gezahlt und ihm gebeten im Guten abzuhauen. Das Tat er auch. Er hatte eine kleine Ingenieurfirma in Green Bay beauftragt die kleine Falzmaschine zu bauen, die er neben unseren Perini-Wicklern verscherbelte. Die Firma hiess Green Bay Engineering (GBE) und gehörte damals dem Dave Fischer der auch früher von PCMC herkam. Mit ihm haben wir später zusammengearbeitet weil er sehr gute Arbeit gemacht hat. Das war der gleiche Kerl der dem John Rudolf die Falzmaschinen gebaut hatte. Mit ihm haben wir bei Perini America noch andere Projekte durchgezogen. Er baute für uns Stangenspeicher die wir an James River, heute Koch Industries, geliefert hatten. Diese Anlagen wurden in deren Werk in Boise Cascade, Idaho aufgestellt um Rollen von verschiedenen Farben zu sortieren und zur Verpackungsanlage zu liefern. Das wollten sie haben weil in einer 4-pack Einheit mit 4 Toilettenrollen drin, auch vier verschieden Farben drin waren. Ja, die Amerikanische Hausfrau hatte in jedem ihrer vielen Toiletten eine andere Farbe. Dazu brauchte sie Toilettenrollen die der Farbe des Sch…ss-Hauses entsprachen. Wir hatten aber viele elektronische Probleme mit dieser Anlage, das wir nie wieder solche Stangenspeicher anboten.
Mit dem John aus dem Haus heuerte ich 2 junge Kerle um ihn zu ersetzen und um Nachwuchs zu haben. Es waren der Michael Koval und der Tom Jaques. Beide waren gerade, mit 22 Jahren, aus der Universität gekommen. Der Michael sprach ein wenig Spanish. Der Tom sprach gutes Spanish und dazu noch Französisch (seine Vorfahren waren aus Quebec). Ich fing sofort an die Zwei zu trainieren…"am Arbeitsplatz". Wir reisten zusammen zu unseren Kunden. Beide wurden mit der Zeit gute Verkäufer. PCMC verstand nicht wieso wir so viel Erfolg hatten? Deren Verkäufer waren alles Ingenieure die in den Verkauf gingen. Ich glaubte nicht an diese Einstellung. Der Durchschnittsingenieur ist inflexibel und verliert sich in Details. Ich fand immer, dass ein Nicht-Ingenieur das wenige an Technology schnell erlernen kann und dann leichter seine Verkaufspsychology an den Mann bekommen kann. Der Michael Koval hat sich sehr gut durchgeschlagen. Er wurde, Jahre später, ein Vice President von PCMC. Der Tom Jaques, mit Ahnen aus Quebec, wurde Abteilungsleiter bei PCMC.
Nach 2 Jahren verliess uns der Michael Koval und ging zu PCMC. So heuerte ich den Gary Urban den ich 2 Jahre vorher schon interviewed hatte. Er war von Green Bay und sprach perfekt Spanish. Den setze ich in Südamerika ein wo er einen phantastischen Job gemacht hat. Er arbeitete so viel, dass plötzlich seine Frau ihm weglief. Sie hatte in seiner Abwesenheit ein Verhältnis mit einem anderen Mann begonnen. Er war verzweifelt, aber überwand die Kalamität da das Leben immer weiter geht. Er wurde auch später der Manager von Perini America Latina die wir aus Perini America abgezweigt hatten. Er heiratete eine sehr nette, junge Frau, die Marina, die er durch uns kennengelernt hatte. Die Marina hat bei uns gewohnt als sie als Praktikantin von einer Deutschen Firma, die Optima, nach USA für 6 Monate Geschickt worden war.
Wir verkauften immer mehr Toilettenrollenwickler. So brauchten wir dann auch Ersatzteile und Techniker. Wir brauchten auch mehr Platz. Als ich einen Herrn Toni Frigo  in Green Bay kennenlernte sagte mir dieser, dass er der Bürgermeister von Ashwaubenon, ein Vorort von Green Bay, ist, und das das alte Amtsgebäude zu klein geworden war und sie umziehen müssten. Dann wäre das Gebäude zu kaufen. Er empfahl mir ein niedriges Kaufangebot zu machen, dass er dann akzeptieren würde. Er war ein Mitbesitzer einer grossen Käsefabrik in Wisconsin die er vor kurzem an Engländer verkauft hatte. Seine Italienische, Mafioso-Art kam dabei schon durch? Aber er verlangte keine Gegengefallen, komischerweise? Vielleicht weil ich Italienisch mit ihm sprach fühlte er eine innige Verbundenheit? Es kam dann dazu, dass ich als Kaufanbieter zu einer Sitzung kommen musste um zu erklären wer ich bin und was ich vorhabe. Die Nachbarn hatten Befürchtungen, dass ich eine Schwerindustrie in ihrer Nähe aufbauen wollte, und somit sträubten sie sich gegen den Kauf. Er sagte mir vorher nicht viel zu reden. Lasse das Volk ruhig blöd schwätzen, sagte er. Hör nur brav zu. Wir kriegen das schon durch. Der Tag verging. Das blöde Gerede war vorbei und wir hatten den Kauf bekommen! Die Finanzierung hatten wir vorher schon geregelt. So ging das schnell über die Bühne für einen Preis von $160.000. Der Preis schloss ein 4 weitere Parzellen worauf mann Wohnhäuser bauen konnte. Das Gebäude war mal eine Feuerwehrhalle mit circa 1.000 m² Fläche. Da hatten wir einen Haufen Büros, eine Montagehalle, ein Ersatzteillager und einen grossen Parkplatz. Ein paar Jahre später verkauften wir die Immobilie für $225.000. Das war wohl das beste Geschäft, dass wir jemals gemacht haben!?
Zu der Zeit sprach mich unser Patentanwalt, der Francis Bouda an und fragte ob wir den nicht einer Deutschen Firma mit Ersatzteillagerung helfen könnten? Diese Firma hiess Optima die Verpackungsmaschinen für Windeln machten. Wir schlossen ein Abkommen ab und die Sonja wurde die Managerin von Optima USA, im gleichen Bürogebäude wie Perini America. Dafür haben wir eine Miete und eine Gewinnbeteiligung bekommen. Die Leute von Optima waren sehr grosszügig mit ihrem Vertrag. Wir wurden als "Vertreter" bezeichnet und halfen auch ab und zu deren Verkäufern und Techniker. Ich besuchte sie ein paar mal in Schwäbisch Hall. Dort lernte ich den Besitzer kennen, einen Herrn Bühler. Sein Sohn namens Hans war in deren Entwicklungsabteilung.
Meine Freunde (Vorgesetzte) bei Perini in Italien waren argwöhnisch über diesen Wechsel und Umzug nach Ashwaubenon. Sie dachten, dass ich mir bestimmt Gelder unter die Weste geschoben habe? Sie waren sehr verärgert, dass ich diesen Wechsel so schnell gemacht hatte, ohne ihre Befürwortung. Sie wollten nicht verstehen, das es für mich ein grosser Steuervorteil war, da ich die Hypothekenzinsen von meinem Einkommen abziehen konnte. Es war auch ein Vorteil für Perini America da plötzlich viel mehr Platz da war für noch mehr Büros ,Techniker und Ersatzteile für uns und für Optima. Ausserdem war die Miete für Perini Amerika relativ niedrig da ich kein Profit damit machen wollte. Es genügte mir Kostendeckend zu sein.
Es dauerte nicht lange da hatten wir schon 2 Techniker. Ab und zu hatten sie nicht viel zu tun. So kaufte ich ein Auto-Bausatz. Es war ein Mercedes SSK Sportster-Replica dass mann auf dem Chassis von einem Ford Pinto aufbauen konnte. So hatten die Techniker, die gut bezahlt waren, etwas zu tun wenn sie zu Hause waren. Das Auto wurde aber nicht und gar nicht fertig. Denn wir hatten wieder viele Montagearbeiten und die Techniker waren ausser Haus. So annoncierte ich für eine Automechaniker um die Kiste fertigzustellen.  Da kam ein Biker an, mit langen Haaren, Bart und die Hose an der Kniekehle, Lederweste, und bewarb sich für den Job. Ich guckte blöd aus der Wäsche, als ich ihn sah. Er kam in mein Büro und ich war von den Socken. Er sprach leise, gutes, klares Englisch. Er war gut gesittet. Trotz seines brutalen Äusserlichen habe ich ihn geheuert und zahlte ihn pro Stunde Arbeit. Er war nicht schnell, aber sehr gründlich. Das überraschte mich. Nach ungefähr 3 Monaten hatte er den Mercedes fertiggestellt. So nahm er Abschied von uns. Die Sonja und ich fuhren den offenen Wagen ein paar mal nach Baileys Harbor, mochten ihn aber nicht. Er war laut, der wind pfiff einem um die Ohren. Ausserdem war er ja Geschäftseigentum. So verkauften wir ihn.
Das Ersatzteilgeschäft von Optima lief sehr gut. Die Sonja hatte alle Hände voll zu tun.  Sie hatte verschiedene Leute angestellt und ein Computersystem aufgebaut. Sie verhandelte mit den Kunden, hauptsachlich Kimberly Clark und Procter & Gamble. Sie schmiss den Laden auf vorzügliche weise. Sie Reiste nach Schwäbisch Hall, Deutschland um Probleme aus der Welt zu schaffen. Der Umsatz an Ersatzteile wurde immer grösser. So kam eines Tages der Manager von Optima zu mir und sagte mir, dass sie ihre eigene Vertretung jetzt haben wollten und werden mir den Vertrag kündigen. Ich sagte ihnen dass könnt ihr doch nicht machen!? Sie bestanden darauf. Da fingen wir uns an zu streiten. Perini Amerika heuerte einen Rechtsanwalt. Optima heuerte auch einen. Durch puren Zufall kam mir eines Tages ein Brief in die Hände von Optima's Anwalt. Darin empfahl er Optima sich nicht mit Perini Amerika zu streiten denn in Wisconsin besteht ein Gesetz, dass den Vertreter unkündbar macht wenn dieser gute Arbeit geleistet hat und sich nichts zu Schulden hat kommen lassen. Das war ein uraltes Gesetz von 1910, dass gegen Ford, den Automacher, aufgesetzt worden war. Damals wollte nämlich der Ford seine Vertreter alle entlassen, weil er seine eigenen aufstellen wollte. Das hätte viele Tausende Arbeitslose gegeben. Diese alten Gesetz passten uns genau in den Kram und wir zwangen Optima mit uns zu verhandeln. Wir kamen dann überein, den Vertrag zu kündigen für eine Pauschalsumme von $350.000. (Erst wollte ich eine Million haben!?) Es wurde auch vereinbart, dass Optima die Sonja mit übernimmt, als Manager.
Wieder wurden die Italiener in Lucca argwöhnisch. (Das sind sie immer: Ein Dieb befürchtet immer bestohlen zu werden, fragte ich mich?) Das war aber nicht notwendig, denn ich investierte diese Gelder in den Kauf eines schönen, grossen Grundstücks im Industriepark von Green Bay. Ich überzeugte die Perini-Italia Mannschaft dort ein Bürogebäude mit grosser Montagehalle aufzubauen. Sie halfen mir mit der Finanzierung (Schwarzgelder???). Ich heuerte eine Architekten und begann mit ihm Entwürfe von einem Bürogebäude zu machen. Wir zeigten unsere Ideen den Italienern und dann einigten wir uns. So begann dann am 28. März 1987 der erste Spatenstich für das hübsche Gebäude von Perini America, Inc.

Die Sonja blieb im vorigen Gebäude, dass Optima von uns gekauft hatte. Deren Geschäft ging prächtig und die Sonja hatte alle Hände voll zu tun.

Einer unserer besseren und ersten Kunden war Orchids Paper mit Hauptsitz in Los Angeles, Kalifornien. Der grosse Boss dort war der Orville Simms. Sein Technischer Direktor war Manuel Alvarez, ein Spanier der nach Amerika ausgewandert war. Orchids hatte ein Verarbeitungswerk in Los Angeles und ein Papierwerk in Oklahoma sowie eins in Flagstaff, Arizona. Sie waren damals eine Untergruppe von ALP, einer Holding ansässig in Miami, Florida. Dort traf ich den noch grösseren Boss, dessen Name war Lenny Leifert. Er war jüdischen Glaubens und ein sehr netter Mensch und guter Verhandler. Er kam immer mit nach Italien wenn die Orchids Paper Firma Wickler kaufen wollte. Sie waren eine der ersten Kunden, gleich nach Fort Howard und Marcal Paper. Wir trafen uns in Lucca um den Kauf von 5 Wicklern zu besprechen. Perini war ausser sich. Sie hatten wohl gehört, dass es in Amerika manchmal Grossaufträge gab aber auch für sie? Ich flog vor denen nach Pisa und holte sie am nächsten Tag vom Flughafen ab und brachte sie zum Perini-Werk in Lucca. Sie waren sehr beeindruckt. Tatsachlich sprachen die von 5 Maschinen!? Eine von den 5 sollte 3,2 m breit sein. Bisher hatte keiner, auch nicht die 100 Jahre alte Konkurrenz : PCMC, so eine breite Toilettenrollenwickelmaschine gebaut. Die mutigen Perini-Leute sagten aber "sie konnten das. Es wurde für 3 tage verhandelt. Der Manual, ein Ingenieur, der fragte uns dumm und dämlich. Ich musste dauernd übersetzten. Einmal sagte der Lenny "ich heisse nicht Lui!! Wir lachten, denn wenn ich übersetzte sagte ich immer wieder "Lui dice", d.h. "er sagt" auf italienisch. So hörte er das "Lui" so oft, dass es klang als ob es sein Name wäre. Zwischendurch gingen wir natürlich zum Essen. Die wurden verwohnt bis zum geht nicht mehr. Die assen auch wie Löwen, den so gutes Essen wie in der Toscana findet mann woanders nicht so schnell. Ich musste aufpassen wenn der Manuel sprach. Er hatte eine feuchte Aussprache mit einem starken, Spanischen Akzent. Auch verstand er genügend vom Italienisch, dass er mich immer wieder korrigierte wenn ich nicht so genau, seiner Meinung nach, übersetzte. Er wollte immer gerne mit dem Fabio Perini reden, unser Chef und Besitzer, und grosser Erfinder, aber ungern mit mir. Für 'ne weile hatten wir ein schwieriges Verhältnis da er mich nur als einen Verkäufer ansah der blöd schwätzte nur um 'ne Maschine zu verscherbeln. Oft war der Lenny, der die Verhandlungen wieder auf dem Boden brachte. Sein Interesse war so viele Maschinen wie nur möglich fur den geringsten Preis wie möglich zu kaufen.
Der Lenny erstellte auch den Kaufvertrag, der beinhaltete, dass wenn Orchids die gelieferten Maschinen nicht mag, können sie sie wieder zurückschicken, ohne grosses Gerede. Meine mutigen Italiener akzeptierten den Vertrag für eine 3,2 m und zwei 2,4 m breite Küchentuchmaschinen plus zwei 2,6 m breite Toilettenrollenwickler mit Stahl-auf-Stahl-Prägewerken. Das war der grösste Auftrag den Perini jemals an Land gezogen hatte. Es war praktisch eine ganze Jahresproduktion von Perini, die damals circa 6 Millionen US$betrug. Ich war bei den Italienern ein Held. Sie arbeiteten wie die Verrückten, mit langen Überstunden die unter dem Tisch gezahlt wurden. Wir brauchten niemanden zu bestechen. Den einzigen Gefallen den wir gemacht haben war eine Espresso-Kaffeemaschine für den Manuel. Natürlich bewirteten wir die Orchidsleute wie Könige. Perini zahlte das Hotel, natürlich "La Principessa", mit allen Spesen, inklusive Frühstück, Mittag- und Abendessen. Die Italiener liessen sich nicht Lumpen. Im Sommer hatten wir Champagner am Swimming Pool. Wir lebten wie Gott in Frankreich.
Eine Bedingung war, dass der Orville und der Manuel Versuche fahren wollten mit ihrem eigenen Tissue-Papier, auf einer der neueren "450" Wickler die in Frankreich bei SEPT war. Orchids verschiffte 12 Mutterrollen von ca. 2 m Durchmesser und 2,4 m Breite nach SEPT. Wir trafen uns alle da und es wurden Toilettenrollen bis zu einer Geschwindigkeit von 560 m/min gefahren. Sie waren beeindruckt. Der Perini Vertreter für Frankreich Jean Nietzsche war auch da und gab uns 'ne Hand. Abends wollte der Orville, nach dem Abendessen, in ein Nachtlokal. Ich ging mit um mit meinem kargen Französisch zu helfen. Wir horten sanfte Musik im Hintergrund. Es kam eine Dame zu uns und fragte ob wir den Unterhaltung brauchten? Der Grosskotzige Orville sagte sofort ja. Da tanzten ein paar hübsche, junge Damen an und setzten sich zu uns. Es waren Animierdamen! Der Orville und der Manuel verstanden kein Wort. Sie bestellten Sekt und Snacks und liessen sich von den Damen umwerben. Ich flüsterte dem Orville, dass ich nur ca. $200 dabei hatte und die Zeche nicht zahlen kann. Kein Problem, sagt er. Ich habe Kreditkarten! Ich flüsterte ihm zu: Sehr wahrscheinlich nehmen die hier keine Kreditkarten an? Es juckte ihn wenig. Er war in den 2 Damen verliebt, die bei ihm schon auf dem Schoss sassen. Der Manuel und ich waren mehr schüchtern und guckten zu. Ich übersetzte so gut wie ich konnte. Da kam dann die Zeit weg zu gehen. Der Orville bekam die Rechnung und er fiel beinahe vom Sessel. Er war in der Zwischenzeit angeheitert und wurde laut weil die Summe viel zu hoch war. Ich versuchte ihm zu dolmetschen was die Besitzerin ihm sagte wie der Endpreis zustande kam. Er fand 'raus, dass sie keine Kreditkarten akzeptierten. Das irritierte ihn sehr, den in Amerika kannst sogar auf der Toilette mit Kreditkarten zahlen. Kurzum hatte die Frau an der Kasse die Polizei herbeigerufen. Die schlichteten so gut wie sie konnten. Ich gab dem Orville meine $200, der Manuel hatte noch ca. $400 und der Orville musste den Rest blechen, wohl insgesamt $1.200!. Sehr verärgert ging er mit uns ins Hotel.
Am nächsten tag treffe ich ihn beim Aus-Checken. Wieder wird er laut da die Telefonrechnung um die $800 war. Ich übersetzte ihm, dass er das Telefon am Tag zuvor für 2 Stunden geraucht hatte um mit seinen Werken in USA zu reden. Er schimpfte, dass das eine Piraterie sei weil es so teuer war. Am ende musste er doch zahlen was da stand den er hat den teuren Service benutzt ohne eine Ahnung zu haben, dass es sehr teuer in Europa vom Hotel aus anzurufen.
Auf jeden Fall, die Versuche waren Erfolgreich und die Bestellung der 5 Maschinen ging durch. Ungefähr ein Jahr später waren die ersten Wickler montiert und liefen. Aber sie liefen nicht zur Zufriedenheit vom Manuel der heir das Sagen hatte. Wir schickten einen unserer besten Monteure, den Paulo Mecchi, von Italien nach Pryor, Oklahoma wo 2 der Maschinen aufgestellt waren. Auch einer unserer Perini America Monteure war dabei. Die bastelten herum wie verrückt und bekamen die Wickler einigermaßen zum laufen. Dann musste ich mit dem Orville herumstreiten um das Restgeld aus ihm zu locken. Ja, wir hatten manchmal Kunden die andauernd sagten, dass die Maschine nicht gut lauft damit sie die Rest- oder Endzahlung nicht machen mussten. Auch nach Los Angeles musste ich mit ein paar Monteuren hin um die Maschinenrichtig zum laufen zu bekommen. Die Perini Leute waren dabei sehr gut. Sie schwatzten nicht lange und taten was sie konnten um ihre Maschinen zur Zufriedenheit des Kunden zum laufen zu bringen.
Bei diesen Wicklern bestand der Manuel, das die Prägewerke Stahl-auf-Stahl sein müssen. Das war peinlich für Perini weil sie noch nie solche Prägewerke gebaut hatten. Mit der kurzen Lieferzeit die vereinbart worden war hatten sie auch keine Zeit eine neue Konstruktion zu erfinden (obwohl es eine bekannte Technik war, speziell in USA. Die Europäer bevorzugten Gummi-auf Stahl Prägewerke weil sei billiger und einfacher waren). So sprang ich aufs Parkett und überzeugte die Italiener die Prägewerke von Perini America bauen zu lassen. Es war ja auch schon immer mein Traum selbst Maschinen zu bauen. Ich ging zu GBE (Green Bay Engineering) und sprach mit dem Besitzer Gerry Fischer, der früher ein Ingenieur war bei PCMC. Er baute uns 4 solcher Werke. Wir verschifften diese Prägewerke nach Lucca und dort wurden sie in die Wickler eingebaut. Beim ersten merkten wir einen blöden Fehler. Das Prägewerk aus USA war 100 mm zu breit!?@%$Die tollen Italiener machten Ruckzuck Änderungen an ihrer Maschine um den Fehler aufzufangen. Perini America lieferte im laufe der Jahre circa 12 solcher Prägewerke bis Perini dann selbst ihre eigene Konstruktion bauten.
Als ich bei Perini Anfing benutzten sie ein primitives, aber sehr einfaches Nummernsystem für ihre Maschinen. Sie hatten mal mit der Nummer 100 angefangen und gaben sie jeder nächsten Konstruktion die nächste Nummer. Da kam es vor, das ein grosser Wickler, im Wert von $1.000.000 die Nummer 437 hatte und die nächste Nummer 438 war dann ein Schraubstock!? Ich überzeugte die Italiener ein vernünftiges Nummernsystem zu benutzen, dass den Maschinenpark nach Baugruppen einteilte. So waren z.B. die Nummern 100 für einfache Zuzatzbauteile. Die 200 war für Hülsenwickler, die 300 war für Halbautomatische Wickler, die 400 war für die Vollautomatischen Wickler wie die berühmte 450, und so weiter.
Zu der Zeit verbrachte der Fabio seine meiste Zeit mit dem Bau seiner Segelboote, eine Leidenschaft von ihm. Da er nicht da war und die andere Herren (Ettore, Carlo, Alfredo, Giuseppe) den Laden schmissen,  wurde mein Nummernsystem angenommen. Nur als er 8 Jahre später, circa 1989 wieder voll mitarbeitete bei den Wickler änderte er das Nummernsystem weil es eben nicht seins war!?
Der Fabio war ein sehr interessanter Kerl. Er war nett, zuvorkommend und gelassen und leise aber bestimmt. Er stammte von der Garfagnana, eine Hügelkette in der Nähe von Lucca. Es wurde erzählt, dass er nur 4 Jahre Grundschule hatte. Danach arbeitete er in der Werkstat seines Vaters der Reparaturen an Papiermaschinen machte. Ja, die Gegend um Lucca hat eine sehr alte Papierindustrie. Als er ungefähr 18 war kam ein Kunde bei ihm an und sagte ihm, dass er dauernd an der gleichen Stelle das gleiche oder sehr ahnliches Problem hatte. Sein Vater hatte es schon x-mal repariert aber es bricht immer wieder. Der Fabio guckte sich die Chose an und bastelte eine Einrichtung aus gebrauchten Vespa- und anderen Maschinen teilen. Erstaunlich für alle, die Maschine hatte nie wieder diesen Fehler, und es hatte wenig gekostet. So sagte ihm der Unternehmer "ich brauche eine Hülsenwickelmaschine die einfach ist und gut läuft". Der Fabio baute ihm eine und die lief erstaunlich gut. Der Unternehmer zahlte ihn mehr als er versprochen hatte. Dann sagte er dem jungen Fabia "Baue mir eine Wickler fur Toilettenrollen". Ich gebe dir eine Anzahlung und du baust mir so'n Ding.
Der Fabio ging gleich daran und baute eine halb-automatische Wickelanlage. Er hatte schon vile solcher Maschinen in Fabriken gesehen. Manche von denen waren schon seit langem in  Frankreich, oder England, oder Deutschland oder USA gebaut. Seine Idee war ich mache es noch einfacher. Das gelang ihm. So erhielt er den Rest des Geldes. In den Papierfabriken der Umgebung sprach es sich herum, dass der Fabio Wickler baut die billig und einfach waren. So kamen mehr und mehr Auftrage 'rein. Er hatte anscheinend einen Streit mit seinem Vater und machte sich selbstständig, zusammen mit einem Partner der die Maschinen Verkaufen und das Geld verwalten sollte. Nachdem sie ca. 10 Maschinen gebaut hatten verschwand sein Partner mit dem Geld. Seitdem ist der Fabio nie in eine Partnerschaft eingegangen. Auch nicht als ich sein Partner sein wollte bei Perini America. Dafür bekam ich eine grosszügige (20%) Gewinnbeteiligung.
Die halbautomatischen Wickler genügten dem Fabio nicht. Er dachte die Kiste muss voll-Automatisch laufen. Er bastelte an seiner Idee herum und das Ding wollte und wollte nicht. Da bekam er die Hilfe von einem erfahrenen Mechaniker der bei seinem Vater schon seit vielen Jahren arbeitete. Sein Name war Mauro Binetti. Die Zwei arbeiteten Tag und nacht an der Kiste. Sie wollte und wollte nicht. Jedesmal wenn der Mario eine Idee hatte, die war dem Fabio zu kompliziert. Eines Abends, müde und verdrossen, sagte mir der Mao mal, versuchten sie etwas ungewöhnliches und siehe da die Maschine ging voll-Automatisch. Das wurde das Geheimnis von Fabio's Erfolg. Er erhielt ein Patent dafür. Das Geheimnis war, dass eine der zwei Wickeltrommeln oder Walzen für einen kurzen Moment verlangsamt wird. Dadurch wird die Hülse durch den Spalt zwischen den Wickelwalzen gefördert und die Wickelei geht automatisch weiter.
Er hatte noch viel mehr Gluck. Er heuerte einen Manager namens Ettore Bartoloni. Dieser kam von der Versicherungsindustrie und hatte unheimlich gute Menschenkenntnisse, und er war dem Fabio treu. Er wurde auch ein enger Freund von Fabio, bis sie viele Jahre später (ca. 19910) auseinandergingen. Der Ettore dann organisierte den Laden, Verhandelte die Vertrage und verkaufte nebenbei auch noch Maschinen. Er war von einer sehr angesehenen Familie in Lucca. Seine Vorfahren waren Blaublüter aus Frankreich. Sein voller Nachname war Ettore Bartolini de St. Omer. Er heuerte all die anderen, sehr fähigen Mitarbeiter wie Carlo Silvestri.
Besonders bei den Küchentuchmaschinen hatten wir viele Probleme. Der Perini Umfangswickler war qualitätsmassig, vom Endprodukt her gesehen, nicht so gut wie die Mittenwickler von PCMC, unsere Konkurrenz. Aber wir waren so viel billiger, dass wir trotzdem unsere Maschinen den Kunden andrehen konnten. Die mussten halt eine ein wenig niedrigere Qualität akzeptieren. Die meisten taten es auch weil der Wirkungsgrad unserer einfacheren Maschine viel höher lag. So hatte mann mit Perini Maschinen 3 grosse Vorteile: Einer war der viel niedrigere Preis, zum Zweiten der höhere Wirkungsgrad, und Drittens die schnellere Lieferung.
Mit der damals breitesten 3,2 m Maschine der Welt bei Orchids in Flagstaff, Arizona hatten wir die wenigsten Probleme. Sie produzierte Einlagige Küchentücher und war so breit wie die alte Papiermaschine die sie dort hatten. Bei dieser Anlage lieferte Perini America das Prägewerk nicht. Statt dessen haben die Italiener eines von einem Deutschen Lieferanten (Heinzmann?) benützt. Es lief ganz gut aber die Hydraulik die sie geliefert hatten leckte dauernd, leider.
Ein anderes, grosses Projekt war ein Wickler den wir an Procter & Gamble in Green Bay verkauft haben. Es war wohl in den späten 1980-ger. Wir haben seit Jahren versucht bei P & G 'reinzukommen. Endlich haben wir einen offenherzigen Projektingenieur dort gefunden der den Mut hatte es mit Perini zu versuchen. Mann muss verstehen, dass P & G wie ein Kaiserpalast war. Dort 'reinzukommen war extrem schwer. Die hatten tausende von Techniker und Ingenieure in ihrem Hauptsitz in Cincinnati, Ohio. Die bauten selbst Maschinen wenn sie nicht die richtigen auf dem offenen Markt fanden. Ein Lieferant von P & G zu sein ist wie ein Hoflieferant beim Kaiser zu sein. Sie sind Perfektionisten und somit war es sehr schwer sie zu überzeugen. Aber sie mochten unsere Garantie: wenn du es nicht magst, dann schicke es zurück.
So fingen wir an indem der Projektingenieur Dave Schultz mit mir nach Lucca flog und Perini inspizierte. Das ging ganz glimpflich denn der Dave mochte Europäische Kultur, Essen, Architektur, Musik und Geschichte. Er war ja erst die Dritte USA-Generation von Deutschen Vorfahren. Dieses Projekt war so wichtig, dass ich es mir persönlich auflastete. Unser Bezirksverkäufer, der Scott Brady war dann mein Adjutant. P & G sandte 20 Mutterrollen Tissuepapier von 2,2 m Durchmesser und 2,6 m Breite nach Lucca. Da er es eilig hatte, und
P & G unendlich viel Geld hat, wurden sie per Luftfracht verschickt!!! Jede dieser Rollen wog wohl gute 1,6 Tonnen! Sobald wir die Nachricht erhalten hatten, dass das Papier in Lucca war buchten wir unsere Flüge und ab ging der Zug. Der Dave tanzte an mit circa 8 Leuten. Papierexperten, Chemiker, Statistiker, Elektro- und Maschinenbau-Ingenieure. Sie brachten mit ihre eigenen Messgeräte. Wir mussten ihnen den Konferenzsaal zur Verfügung stellen da sie zum genauen Messen einen Klimatisierten Raum benötigten. Die Italiener waren verblüfft, ich auch.
Ich hatte ja mit P & G in den 70-ger Jahren ein Projekt mit unserer Convex Corporation. Da vertat ich eine Französische Firma die Sirex hiess. Der Besitzer war auch so'n Genie. Er hat Maschine gebaut die Rechteckige Pappdosen machte. Die hatten wir P & G angeboten um ihre Orangegetränke zu verpacken. Da kamen auch eine Truppe Ingenieure nach Mulhouse, Elsass um die Maschinen zu besprechen. Der George Sirex flog uns mit seiner 2-Motorigen Cesna zu einem Kunden in Nordfrankreich der ähnliche Maschinen hatte und bereit war diese der P & G Mannschaft zu zeigen. Sie waren positiv beeindruckt und wir starteten Versuche. Die gingen aber dann in die Hose weil wir nicht den Druck von 10 bar einhalten konnten, die P & G verlangte. Warum: Weil diese Fruchtsaftgetränke im Auto gelassen werden und in Arizona, wo es oft 120 ⁰C im Schatten wird, platzen dann diese Dosen. Das war schade denn das hätte einen Riesenauftrag nach sich ziehen können.
Zurück zu P & G in Lucca: Perini hatte einen ganzen Wickler zur Verfügung gestellt. Es war die neuste die Perini bislang auf dem Markt hatte. Sie war die Alfa. Ein Wickler der seit Jahren von mir fur den Nordamerikanischen Markt verlangt wurde. Er musste in der Lage sein, so schnell, wenn nicht schneller, als PCMC sein und musste perfekte Produkt-Qualität liefern. Diesen Wickler hatte der Fabio, unser Genie einfach so erfunden. Er half bei der Erfindung denn in der Zwischenzeit hat Perini dutzende von intelligenten und kreativen Ingenieure. Der Fabio und der Ettore waren mal unterwegs nach Perini-Brasil wo der Fabio im Suden des Landes ein Maschinenbau-Werk hatte. Auf dem weg zurück kamen sie über Trinidad & Tobago wo wir uns trafen. Dort am Strand unseres schonen Ressort sassen oder lagen wir herum und studierten und diskutierten die Eigenschaften die die Alfa haben sollte. Was der Fabia mir zeigte war sehr schon, aber die Perforation war schräg. Ich akzeptierte das nicht, denn unser Nordamerikanischer Markt wollte so 'was nicht haben. Er war nicht so überzeugt aber nach ein paar Tagen rief er mich an und sagte mir, dass er einen Weg gefunden hat die Perforation gerade zu machen. Das war eine wunderbare Nachricht denn mit so 'ner Alfa hatten wir eine Maschine die viel besser wäre als was PCMC hatte.
Zurück zu P & G Versuche. Tag auf Tag fuhren wir Versuche. Die Muster wurden nach strikten Statistischen Methoden ausgesucht und für 24 Stunden im Klimatisierten Konferenzzimmer aufbewahrt damit sie sich "normalisieren". Dann wurde gemessen: Länge der Rolle. Breite der Rolle. Lange der Perforation (auf Zehntel mm genau!). Alles abhängig von der Position der rolle in einer Stange. (Eine Stange war das was der Wickler machte: er nahm das Papier von der Mutterrolle, die 2,5 m im Durchmesser war und 2,65 m breit war, perforierte jede 125 mm das Papier bei 600 m/min (36 kmh) und wickelte es auf in "Stangen" von ca. 125 mm Durchmesser und 2,65 m Breite. Diese "Stange" geht dann durch eine Säge die die Stange in 125 mm breite Rollen schneidet. (Zum Beispiel).
Da grübelten die P & G Leute ob denn die Masse auch stimmten, ob die Perforation schwach oder stark genug war und das Wichtigste war die Perforationslänge. Das weil ihre hunderte von PCMC Wicklern schaffen es die Perforationslänge absolut genau zu machen. Aber der Perini Wickler, vor der Alfa, war nicht so genau. Wieder wurde Abends gross in feinen Restaurants gegessen. Ein zufriedener Bauch macht für einen zufriedenen Menschen. (Konfuzius oder Johann Heuchert?). Das Resultat war, dass die Maschine nicht gut genug war für die P & G Leute. Wir waren erstaunt und kaputt. Es wurde entschieden verschiedene Modifikationen an der Maschine zu machen und danach wird sie wieder geprüft.
Nach ca. 9 Monaten und einer Ausgabe von ca. einer Million Dollar war die verbesserte Maschine bereit geprüft zu werden. P & G gaben wieder ein Vermögen aus und Verschifften per Luftfracht 15 Mutterrollen nach Lucca. Sobald die da waren tanzten wir alle wieder an. Wieder wurde getestet wie blöd. Nach 9 Tagen Arbeit sammelten die Leute ihre tausende von Mustern ein und flogen Heim. Nach ungefähr 4 Monaten riefen sie mich an und luden mich ein nach Cincinnati, zu ihrem Hauptquartier. Es wurde Stundenlang verhandelt. Dann bekam ich mündlich die Zusage zum Auftrag. Sie wollten erstmal eine Maschine haben, Kostenpunkt ca. 1,5 Millionen US$. Wenn diese sich im Werk gut verhält und ihren Erwartungen entspricht, dann kommen möglicherweise 14 mehr Maschinen!
Die Italiener waren hell begeistert weil sie "Hoflieferanten" wurden. Sie dachten ich hatte Wunder vollbracht. Nach ca. 3 Monaten war die Maschine in Green Bay aufgebaut und fing an zu laufen. Vorher aber hatten wir (Perini Amerika) schon Monatelang die Maschinenführer trainiert, damit sie im vorab schon wussten was auf sie zukommt. In diesem Punkt war P & G einfachgrossartig und einmalig. Sie glaubten intensiv an die Wichtigkeit von gutem Training. Die meisten anderen Firmen machten in diesem Punkt so gut wie gar nichts. Für diese intensive Training ahben meine Leute in Green Bay selbst die Gebrauchsanweisungen geschrieben. Ich fuhr dafür 'mal nach Milwaukee (nur 2 Stunden Südlich von Green Bay). Dort traf ich die Professorin der gut bekannten "Milwaukee School of Engineering". Eines ihrer Lehrfächer war die Aufstellung von Gebrauchsanweisungen. Sie sah was wir von Italien bekamen und lächelte höflich. Sie sagte "völlig inakzeptable". Das Englisch welches die Italiener gebrauchten war Kauderwelsch. Es war nicht präzise an manchen Stellen, an anderen wurde viel zu viel, umständlich erklärt. Das obwohl Perini Italien eine teure Firma in Rom gefunden hatte die darauf spezialisiert war Bedienungsanweisungen zu schreiben.
Sie erklärte mir, dass mann heutzutage, es war ca. 1990, Anweisungen fur Maschinen so schreiben muss, dass ein 8-Jähriger sie verstehen kann. Am besten, sagte sie, mit vielen Bildern und Skizzen, ähnlich einem Comics Buch. Ich war platt. Ich dachte die Amis gehen beinahe alle zur Schule und lernen doch das Lesen? Sie erwiderte" Lesen, ja…aber verstehen muss mann es!!! Mit ihrer Hilfe stellten wir wirklich erstklassige Bedienungs- und Trainingsanweisungen her.
So begann die Produktion mit der neuen Alfa. Leider kam ziemlich schnell heraus, dass die Qualität des Endproduktes nicht den Anforderungen von P & G reichten. Die besten Italienischen Techniker kamen 'rüber um zu helfen den Schlitten zur Zufriedenheit von P & G zum Laufen zu kriegen. Es wurden noch vile Hunderttausende von Dollars für Verbesserungen ausgegeben. Aber vergebens. Der Kunden wollte und wollte nicht happy sein. Wir gaben denen noch Mals einen grosszugigen Skonto um endlich Ruhe zu haben. Später habe ich gehört, dass der Projektmanager für diese Alfa seine Postion verloren hat und sie nie wieder eine Perini Maschine gekauft haben.
Ein anderes grosses Projekt war ein 3,3 m breiter, Hochgeschwindigkeits-Wickler Type Alfa für Scott Paper in Marinet, Wisconsin. Wir hatten schon seit Jahren versucht bei Scott Paper, damals der Welt grösster Tissuepapier Hersteller. Es wird erzählt, dass diese Firma 1879 die Erste war die Toilettenpapier auf Rollen auf dem markt gebracht hat. Sie war gegründet von den Brüdern E. Irvin und Clarence Scott. Seit 1995 gehört sie der Kimberly Clark Gruppe an. Scott Paper's Hauptsitz war in Philadelphia, Pennsylvania, an der Ostküste der USA. Sehr oft habe ich sie dort besucht. So oft das so manche der Ingenieure meine Freunde wurden.
Wie üblich lud ich auch diese Leute ein nach Lucca zu kommen um diese wunderbaren Perini Wickler zu sehen. Also jedes mal wenn wir eine Maschine verkauft hatten und sie war bald bereit zur Abnahme, da Tanzte ich immer an mit anderen, potenziellen Kunden um denen unsere Wunderwerk zu zeigen. Des öfteren schickten sie ihre Musterrollen zur Probe nach Lucca. So konnten wir ihnen zeigen wie der Perini Wickler mit ihrem eigenen Papier funktioniert.
Einmal holte ich die Sott-Leute vom Flughafen Pisa ab und fragte sie wie der Flug war? Gut, sagten sie aber sehr lange. Ich fragte wie sie denn geflogen sind, über Frankfurt? Nein sagten sie. Wir sind uber Oslo geflogen. Über Oslo? Wieso das denn? Ja, weisst du sagten sie, so kriegen wir mehr Flugmeilen gut geschrieben!? Ja, Eigeninteresse war wichtiger als Firmeninteresse.
Die Versuche liefen zu ihrer Zufriedenheit denn sie waren nicht so auf Qualität erpicht wie ihre Konkurrenz die P & G. Nach den erfolgreichen Tests, gingen wir wieder, wie üblich gross Essen. Aber bei Scott waren es immer mindestens 15 Leute die sie für die Versuche zu uns schickten. So kostete es immer ein Vermögen wenn die in Lucca waren. Bei einem der vielen Abendessen, den sie blieben oft für 'ne ganze Woche, gingen wir zu einem Fischrestaurant in Viareggio, circa 30 Km Westlich von Lucca, am Mittelmeer (Ligurische See). Da wir so viele waren bestellte ich meistens für die ganze Gruppe. Ich fragte nur was sie ungefähr essen wollen, wie Fleisch, Fisch, Hühnchen, usw. Danach bestellte ich auf Italienisch was ich für richtig fand. Es klappte eigentlich ganz gut. Nachdem wir schon 'mal einen Abend Rotwein hatten und einen anderen Abend Weisswein, sagte ich dem Ober scherzhaft "heute wollen wir Grünen Wein haben. Lachst dich Tod, der Ober hatte welchen! Es war Herbst und der erste Wein war schon auf dem Mark; Den nannten sie "Grünen Wein", weil er noch so jung war. Wir bestellten den Grünen Wein. Der schmeckte! Wir tranken ihn wie Wasser. Am nächsten Tag merkten wir es: Wir hatten alle grossartige Kopfschmerzen. Dieser Grüne Wein war noch nicht ausgegoren, so garte er in unserem Magen die ganze Nacht! Wir schluckten alle Aspirin um arbeiten zu können.
Die Super-Alfa wurde für Scott Paper gebaut. Sie wurde in Marionette aufgebaut, aber ohne unsere Hilfe. Der Kunde machte das selbst. Wir durften die Maschine nicht sehen. Sie wurde ein "Top Secret" Projekt für Scott Paper. Aber nach circa 2 Jahren jammerten sie uns die Ohren voll, das die Maschine nicht gut ginge. Wir mussten Geheimhaltungsverträge unterschreiben bevor sie unsere designierten Techniker und Ingenieure an die Maschine liessen. Da entdeckten wir, dass Scott's Ingenieure den Antrieb und noch anderes mehr völlig verändert hatten. Wir kamen oft beinahe zum Streit weil sie immer wieder zeigen wollten, dass sie die Maschine besser kannten als wir, die Hersteller und Konstrukteure. Es kam dabei heraus, das sie die Maschine wohl für 1,5 Millionen Dollar gekauft hatten, aber sie hatten weitere 10 Millionen ausgegeben um sie zu modifizieren. Wir hatten die 3,3 m breite Maschine für 600 mpm verkauft. Sie wollten sie auf 1000 mpm, ohne uns, bringen. Wenn sie das Geschäft hätten, dann hätten sie einen Riesenvorteil gehabt gegenüber ihrer Konkurrenz. Aber sie Schafften es nicht ganz. In der Zwischenzeit hatte Perini die Alfa auch weiter entwickelt und schaffte unter bestimmten Umstanden bis zu 800 mpm. Dabei hatte Perini den ursprünglichen, Mechanischen Antrieb über einer Anzahl von Kurvenscheiben auf Serovomotorenantrieb umgebaut. Und siehe da, das war genau das gleiche was Scott Paper versucht hat zu machen. Wir hatten unseren besten Techniker und Ingenieure zur Hand. Es wurde analysiert, verhandelt und beinahe gestritten. Am Ende kamen wir aber überein, das es besser wäre zusammenzuarbeiten als miteinander zu streiten. Da waren natürlich viele Emotionen im Spiel. Die Ingenieure von Scott glaubten, das sie das Ei vom Kolumbus erfunden haben, auch wenn es nicht richtig arbeiten wollte. Die Ingenieure von Perini wussten genau wie deren Maschine funktionieren musste. Letztendlich haben sie es zusammen geschafft und dieser Wickler wurde der beste (hoher Wirkungsgrad) und schnellste im riesengrossen Arsenal von Wicklern die Scott in deren vielen Werken hatten. Erstaunlich war, dass bis dahin der Kunde mehr als 10 Millionen Dollar an Entwicklungsarbeit ausgegeben hatte. Da hätte er von uns 5 Wickler haben können. Die Augabe diese Wickler war glücklicherweise relativ einfach, trotz der sehr hohen, hiervor noch nie erreichten Produktionsgeschwindigkeit von 1000 mpm. Einfan weil das hier sehr bekannte Produkt hergestellt worden ist das heisst "Scottissue 1000". Das ist eine Art von Industrierolle mit 1000 Blatt. So konnte der Wickler rauschen wie wahnsinnig bevor er wieder mal, vollautomatisch, einen Stangenwechsel machte. Unsere Konkurrenz, die PCMC die staunte nur wie dieser kleine Italiener mit Namens Perini solche wunderbare Maschinen bauen konnte?
Diese Firma, die Scott Paper Co. war nicht sehr gut geleitet. Sie hatten ca. 14 Werke über den ganzen Amerikanischen Staaten verteilt. Manche dieser Werke waren uralt und Scott gab kein Geld aus sie zu modernisieren. Sie erzählten, mir nach der vierten Flasche Wein, dass sie 3 oder 4 Werke hatten die Jahr um Jahr rote Zahlen fuhren. Es wurde aber nichts gemacht weil die verschiedenen Manager untereinander befreundet waren und jeder hat dem anderen Rückendeckung gegeben, ohne sich richtig Sorgen zu machen, dass die Firma dabei Geld verliert. Eine Firma die kontinuierlich im Mango steht geht unter. Das ist auch passiert. In den neunziger Jahren waren sie kurz vor dem Bankrott und Kimberly Clark hat sie aufgekauft.
Atlantic Packaging von Toronto, Kanada war auch ein guter Kunde von uns. Die Kauften viele Wickler von uns und waren auch recht zufrieden mit den Maschinen. Der Besitzer war ein aus Polen stammneder Jude der mich immer sehr nett behandelte. Er war ein erstklassiger Verhandler, abe auch ein treuer Kunde. Sein VP (Vice President war ein John Cherry der Irische Vorfahren hatte. Auch er war sehr nett und wir haben gut jahrelang zusammen gearbeitet. Sie hatten mal bei einem Besuch in Deutschland einen deutschen Techniker kennengelernt der Kurt Eberle hiess. Den haben sie geheuert weil er sehr gut mit Maschinen und Leuten umgehen konnte. Er war für uns von großen Nutzen weil er nicht viel meckerte. Stattdessen reparierte er die Maschinen selbst wenn mal etwas nicht richtig ging. Er war aber ein gewitzter Kerle. Er gab mir zu verstehen, dass er etwas unter dem Tisch haben wollte. Ich erklaerte ihm, dass es nicht akzeptabel ist für uns. Aber, sagte ich wir können ja mal zusammen in Uralub gehen!? Das gefiel ihm sehr. So machten wir mal zusammen Urlaub in Mexiko, auf der Insel Cozumel. Er brachte seine Frau Helen und Tochter Gabie mit, ich hatte Sonja und Mark dabei. Für 2 Wochen hatten wir eine Gute Zeit dort, und ich brauchte ihm kein Bakschisch zu geben. Er erfand mal einen Dispenser mit Kompakter für Papierhandtücher, hatte aber kein Geld es zu patentieren. So finazierte ich ihm die Petentierung. Er war der Erfinder und ich der Patentinhaber. Später versuchte ich das Patent zu verkaufen, aber keiner wollte es haben. Da es Geld kostet ein Patent am Leben zu erhalten, gab ich es nach ein Paar Jahren auf. Dabei hat mich diese kleine Abenteur ein paar Tausend Dollar gekostet!
Im Kanadischen New Brunswick hatten wir einen anderen interessanten Kunden, Irving Paper. Hier habe ich verschiedene Wickler verkauft. Sie fingen gleich ganz groß an, mit 2 Toilettenrollenwickler und 2 Küchentuchwicklern, fuer eine Investierung von circa 10 Millionen Dollar! Der Besitzer war der Sohn eines Multimillionärs. Die hatten ihr Geld erst mit Holz, dann mit Papier, dann mit Lastwagentransport und letztendlich mit Schiffen gemacht. Der "Alte" Irving lebte in den Bermudas wo er wenig Steuern zahlte. Die waren "Senkrecht" integriert: Sie hatten ihr eigenes Land auf dem die Bäume standen, aus denen sie Papier machten. Das Papier musste zum Markt gebracht werden von der Entlegenen Gegend im Nordosten von Kanada. So kauften sie Lastwagen. Die brauchten Diesel. So kauften sie Tankstellen. Das Papier musste auch exportiert werden, so kauften sie Schiffe. Dann hatten sie soviel Papier da kauften sie Verarbeitungsmaschinen wie unsere um Fertigprodukte zu machen. Trotz dem vielen Geld waren die Irvings sehr nette und zuvorkommende Leute.
Der eben genannte Kurt Eberle arbeitete mal in Vancouber, BC (Britisch Columbia), Kanada, bei einer Firma die Merfin hieß. Diese wurde von einem Deutschen Auswanderer aufgebaut der viel Geld mit Goldminen in Kanada gemacht hatte. Die Merfin machte ein damals neuartiges Papier, dass zur Herstellung wenig Wasser brauchte, im Gegensatz von herkömmlichen Papier, dass Unmengen von Wasser benötigt. Denen habe ich eine kleine Halbautomatische Wickelmaschine verkauft die ihnen erstmals reichte. Die Idee des Wasserlosen Papiers gefiel mir und ich kaufte einen großen Haufen Aktien von dieser Firma. Die Aktie kostete anfangs auch nur 8 Cents das Stück. Circa 12 Jahre später habe ich die Aktien für circa 5 Dollars das Stück verkauft. Ein sehr gutes Geschäft!
In circa 1988 kam der Fabio wieder zurueck in die Firma. Er war fuer ungefaehr 8 Jahren nur ab und zu da weil er sich dem Segelschiffbau widmete. Erst lies er ein 8 m Boot bauen. Die Sache fefiel ihm so gut, dass er die kleine Werft an der Ostkueste von Italien kaufte. Da fing er an 10 und 12 m Segelboote zu bauen. Diese Geschafr machte viele Verluste da es in Italien viel Konkurrenz gibt in diesem Gebiet. So holte er sich immer Tonnen von Geld von der Wicklerfirma wo wir schufteten. Langsam aber sicher fingen seine Managers an unzufrieden zu sein weil er zuviel vom Profit bei den Segelschiffen in den Sand setzte. Die Manager waren an den Gewinn der Firma beteiligt. Aber das Melken der Firma verringerte den Gewinn. Der Krach brach dann ganz aus und die 4 Top-Managers, der Ettote Bartoloni, der Giuseppe Mazzotti, der  Carl Silvestri und der Alberto Puccinelli wurden vom Vabio entlassen. Damit sie  dem Fabio keine Konkurrenz machten übergab der Fabio die Tochterfirma "Fosber" den 4 Musketieren. Die Firma die Well papenmaschinen machte, hatten sie nur ein paar Jahre vorher gekauft. Sie machte aber noch Verluste. Meine Perini Amerika hatte schon seit ein paar Jahren in den Vertrieb von Fosber in Amerika viel Geld investiert. So kam es, dass ich die Verluste hinnehmen musste denn sie übernahmen auch  die von mir gegründete Fosber Amerika, und den Jeff Palini, einer meiner besten Verkäufer.
Dann kamen die neuen Manager die von Fabio geheuert wurden. Der Eine mit dem ich zu tun hatte war der Erik Espelund, ein Norweger der mal Fabrikchef war von Ford-Norwegen. Er war ganz nett aber hatte keine Ahnung vom Tissuepapier-Geschäft. So ergab es sich, dass in 1992, ich eine Sekretärin entließ weil sie einfach zu viele Fehler machte. Da rief mich der Erik an und sagte mir Vorwurfsvoll, dass ich ihn erst fragen muss bevor ich jemanden bei Perini Amerika entlasse! Ich sagte ihm unverbluehmt, dass das nicht in Frage kommt. Ich bin der Manager heir schon seit 17 Jahren und ich entscheide unabhaengig was zu tun ist. Er sprach mit Fabio und besuchte uns in Green Bay. Ich gab nicht nach. Das war für mich einfach unakzeptabel, komme was wolle! Dann fuhr ich nach Lucca um mit dem Fabio direkt zu reden. Er lud mich zum Abendessen ein zu seiner Riesenwohnung in Viareggio. Nach einem sher gutem Abendessen, das von seiner Butlerin serviert wurde, hatten wir ein paar Grappas zur besseren Verdauung. Danach fing der Fabio an mir zu erklären, dass er der Chef ist und ich muss machen was er sagt. Nach vielem Hin und her sagte ich ihm, dass ich nicht bereit bin unter diesen Umstaenden fuer ihn zu arbeiten. Ich hatte Tränen in den Augen weil ich eigentlich den Fabio gerne hatte, und noch viel wichtiger, die Arbeit die ich schon so lange für ihn mache.
Wir trafen uns nochmals am nächsten Tag, aber wir hatten unsere Meinung nicht geändert. So gab ich ihm meine Kündigung. Da schickte er mir den Erik Espelund nach Green Bay um eine Konkurrenzklausel auszuhandeln. Wir schacherten hin und her bis wir eine Lösung fanden, die ich mit meinem Rechtsanwalt und Steuerberater durchdachte. Ich bekam $80.000 p.a. für 4 Jahre. Dafür durfte ich während dieser Zeit dem Fabio keine Konkurrenz machen.
So erlangte ich meine Unabhängigkeit und gleich gründeten Anfang 1994 die Sonja und ich unsere zweite Firma, die AapexX Corporation. Hier übernahm ich die Vertretung von verschiedenen Firmen die wohl Verarbeitungsmaschinen machten, aber nicht solche die dem Fabio Konkurrenz machen wuerden. Ich ging nach Italien und es gelang mir die Vertretung von Omet zu sichern, eine Maschinenbaufirma die Etikettendruckmaschinen machte. Sie machten auch Serviettenfalzmaschinen aber diese haben wir erstmals, klar aus dem Vertrag ausgeschlossen. Den Vertrag bei Omet habe ich mit dem Bestzer, dem Angelo Bartesaghi und seinem Schwiegersohn, dem Marco Calcagni ausgehandelt. Beide waren Schlawiner und ich musste sehr aufpassen. Es stellte sich spaeter heraus, dass die Zwei sich sagten, lass ihn doch uns vertreten. Es kostet uns nichts, und er wird nichts verkaufen! Tatsächlich kostete es ihnen nichts, weil ich nur auf Provision arbeitete, die 10% betrug.

Tatsächlich kostete es ihnen nichts, weil ich nur auf Provision arbeitete, die 10% vom Verkaufspreis betrug. Alle Reise- und Werbungs-Kosten trug unsere Firma, die AapexX. Erst nach 4 Jahren ist es mir endlich gelungen 5 Falzmaschinen zu verkaufen, je 1,5 Millionen $im Wert! Ein junger Verkaufsingenieur von Omet war mir dabei sehr behilflich. Es Dauerte circa ein ganzes Jahr bis wir den Auftrag an Land zogen. Während dieser Zeit besuchten wir P & G in Cincinnati,   Ohio, wohl 5 oder 6 mal. Deren Tissuepapier wurde nach Lecco versandt um Versuche zu Fahren. Die haben schon vor dem Verkauf Millionen ausgegeben um sicher zu stellen, dass sie die richtigen Maschinen kaufen. Auch hier war P & G sehr penibel. Es musste alles auf’s genauste herauskommen. Sie sind halt der Rolls Royce in der Branche und wollen sicher stellen, dass nichts schief geht.
Da regte sich der Geizkragen Angelo Bartesaghi auf, dass ich so viel Provision bekommen werde!? Er sagte “du machst ja mehr Geld als ich”! Natürlich war dann vergessen, dass ich jahrelang meine ganzen Kosten selbst getragen hatte. Es ging so weit, dass wir uns mit Rechtsklagen drohten. Ein Rechtsanwalt aus Milano sagte mir, dass ich nicht weit kommen werde, denn die Justiz in Italien ist extrem langsam und die Richter sind Italienisch-parteiisch. Da habe ich als Amerikaner keine grossen Chancen. So verhandelten wir, und der Angelo liess sich überzeugen, dass es besser ist ein Einvernehmen zu finden als unsere gute Zeit und gutes Geld mit Rechtsanwälten zu verplempern. Wie einigten uns, dass AapexX nur 7% Provision bekam und zwar zahlbar über 2 Jahre. Ausserdem kündigte der Angelo unseren Vertetungsvertrag, damit er in Zukunft nicht so viel Provision zu zahlen brauchte.
Ich vertrat weiterhin andere Firmen wie MTC ( Macchine Transformatione Carta) d.h. Papierverarbeitungsmaschinen, Recard die Tissuepapiermaschinen herstellten, beide aus der Gegend von Lucca, wo Perini war. Aber hier muss ich sagen, dass ausser Spesen war nichts gewesen.
Da rollte das Jahr 2000 heran und der Mark sagte mir, dass er mit seinem Arbeitsgeber ,Tennant nicht zufrieden war. Er lebte zu der Zeit in der Nähe von Fort Lauderdale,    Florida. So bot ich ihm an mit mir bei der AapexX Corporation zu arbeiten. Wir hatten einen guten Geldeingang durch den Riesenauftrag an P & G und die Provisionseingänge von Omet. So fing der Mark an mit mir zu arbeiten. Wir reisten viel zusammen um ihn unseren potenziellen Kunden vorzustellen. Wir schickten ihn für ein paar Wochen nach Italien um unsere Maschinenhersteller kennenzulernen.
Einmal sind wir Beide nach Mexiko gereist. Wir hatten einen Termin mit dem Leiter einer kleinen Papierverarbeitungsfirma. Wir sassen da im Restaurant unseres Hotels und da kam auch unser Deutschstämmiger Kunden, verspätet an. Er hatte ein blaues Auge und erklärte, dass er am Abend vorher beim verlassen der Firma überfallen worden war. Die Banditen haben ihn verprügelt und sein Geld und seine Uhr geklaut. Er war aber froh, dass sie ihn nicht umgebracht haben! Lange Rede kurzer Sinn: Auch er hat von uns nichts gekauft!
Mein alter bekannter von FMC’s Zeiten her, der Juan Antonio Rodriguez half uns in Mexiko-Stadt Kunden zu besuchen. Bei einem unserer Reisen hatten wir es eilig und assen auf die Schnelle ein paar Tamales bei einem Fast Food Restaurant. Meine Tamales schmeckte eigenartig. Ich ass sie trotzdem weil ich Hunger hatte. Das war falsch! Die ganze Nacht war ich krank wie ein Hund! Durchfall und übergeben, zur gleichen Zeit. Am nächsten Tag musste ich aber einen Kunden besuchen, der eine Flugstunde südlich von Mexiko-Stadt war. Mir war übel. Meine Knie zitterten. Ich war schwach. So verbrachte ich die meiste Zeit nicht im Sitz des Flugzeuges, sondern in dessen Toilette. Beim Kunden angekommen grinste er mich an und sagte “ Aha, Montezuma’s Rache hat dich erwischt!?” Normaler Weise shet das fest für Amerikaner, nicht Deutschen, sagte er! Ich tat ihm leid und er war sehr zuvorkommend. Hier, sagte er, schlucke diese Pille und innerhalb einer Stunde wirst du dich viel besser fühlen. Nimm die Tablette, sie ist eine Kopie einer Deutschen Tropenmedizin. Tatsächlich, schnell fühlte ich mich ein wenig wohler und wir konnten verhandeln. Er gab mir eine zweite Pille und empfahl mir sie nicht zu nehmen, sonder sie in Reserve zu halten im Falle ich mich später am Tag wieder schlecht fühlte. Sie ist zu stark erklärte er, um sie öfters einzunehmen. Leider kaufte er auch nichts!
Da ich den Mark als Unterstützung hatte, da holte ich uns eine weitere, Italienische Firma die wir vertraten. Dies war die Italflex aus einem kleinen Ort Nördlich von Milano. Diese kleine Firma baute eine sehr clevere Flexodruckmaschine die wir ziemlich schnell an den Mann brachten. Binnen einem Jahr, mehr oder weniger, verkauften wir 4 dieser Maschinen für einen Gesamtwert von circa 4 Millionen Dollar! Eine davon war eine ganz grosse Druckmaschine mit vielen Extras. Eine der Maschinen wurde auch nach New Mexico geliefert. Mark und ich fuhren die tausende von Kilometern dorthin um zu helfen die Maschine zu montieren und vom Kunden abzunehmen. Der Kunde war ein Amerikanisierter Japaner der furchtbar laut und hart war. Es dauerte nicht lange und er und ich hatten uns in den Haaren. Seinen Unmut gab er mit Geschrei und Fluchwörtern Luft und er wollte auf nichts eingehen. Seine Belegschaft fürchteten ihn weil sogar so manches mal handgreiflich wurde. Am Ende lief die Maschine nicht sehr gut und er wollte nicht die letzten Raten zahlen. Dann wollte er nicht mehr mit mir verhandeln weil ich zu trotzig war. So redete er nur noch mit den Italienern und einem Zwischenagenten den sie in Florida hatten. Das war kein gutes Omen. So kam es dann, dass wir unsere Provisionen von der Italflex nicht ausgezahlt bekamen. Das war eine grosse Panne da die Ausgaben schon gemacht worden waren und kein Einkommen zu Buchen war. Also hier standen wir, einen grossen Haufen Spesen gehabt und keine Provision!
Das war dann die Zeit von “nine/eleven”, der Neunte November 2001, wo die Muslimischen Extremisten in die Twin Towers des World Trade Centers in Manhattan, New York und in das Pentagon hineingeflogen sind und circa 3000 Menschen umbrachten!

Im Dezember rief mich der Michael Koval an der der Vice President bei PCMC (unsere alte Konkurrenz) geworden war. (Ich hatte ihn 12 Jahre zuvor als Verkäufer bei Perini Amerika eingestellt!). Er fragte mich ob ich ihm nicht einen grossen Gefallen machen könnte? Sein Betriebsleiter von PCMC-Deutschland war plötzlich gestorben und er hatte Probleme einen Ersatz zu finden!? Er sagte, dass die Kerle die sich für die Position in Ettlingen bei Karlsruhe bewarben wollten immer zu allererst wissen was für ein Auto sie bekämen? Ausserdem waren deren Gehaltsansprüche unverschämt. Ob ich denn nicht für ein paar Jahre dort den Laden werfen könnte? Ich fragte die Sonja und wir entschieden ganz schnell das Angebot anzunehmen. Ich bekam das Gleiche Gehalt wie der verstorbene Manager hatte, einen Audi A4 und 4 Wochen Urlaub, plus einen Heimaturlaubsflug pro Jahr! Sie zahlten auch eine Pauschale für das Umziehen hin und her.
Zur gleichen Zeit bot er dem Mark einen Job an bei deren Tochter in Green Bay die Prägewalzen machte. So hatten wir glücklicherweise eine Lösung zu unserem Dilemma, d.h.knapp bei Kasse !
Ich plante Anfang Januar 2012 nach Deutschland zu fliegen um den Direktorposten bei PCMC-Deutschland zu übernehmen. So entschieden die Sonja und ich erstmal einen kleinen Urlaub fürs Jahresende zu machen und flogen nach Las Vegas. Dort bekam ich einen Anruf, dass ein Deutscher Kunde sehr interessiert ist einen Wickler von PCMC zu kaufen. Ich änderte schnell meine Reisepläne und flog direkt von Las Vegas nach Frankfurt am Main. Die Sonja flog dann allein zurūck nach Hot Springs. In Frankfurt holte mich der Erik Hugh vom Flughafen ab und wir fuhren zum Kunden. Dort hatten wir ein gutes Treffen, wobei der erfahrene Erik die PCMC Wickler gut erklärte. Schliesslich war er einer der jungen Verkäufer aus PCMC-England, eine Niederlassung der PCMC-USA seit vielen Jahren. Dort stellten sie sogar Maschinen her! Der Erik war ein sehr netter Engländer der sich gut mit den Maschinen auskannte. Ich lernte viel von ihm, da ich ja wenig von den PCMC-Wicklern kannte, da ich ein Perini-Mann war! Leider stellte sich später heraus, dass der Kunde doch eine Perini gekauft hat!

Für die ersten paar Monate war ich alleine in Deutschland da die Sonja erst ein wenig später ‘rüber kam. Ich wohnte in einem Hotel am Rande der Altstadt von Ettlingen. Zur Arbeit waren es nur 10 Minuten da Ettlingen nicht gross ist. Die Sonja kam dann bald ‘ruber und wir fingen sofort an eine Wohnung zu suchen. Wir guckten uns Eine in der Altstadt an. Da standen schon andere Schlange die auch die Wohnung besichtigen wollten. Der Makler hatte mehre Interessierte zur gleichen Zeit zur Besichtigung bestellt. Anscheinend ganz üblich in Deutschland weil ein akuter Wohnmangel besteht und die Makler glauben Könige zu sein. Wir alle standen da vor der Haustür und der Makler war nicht da!? Er kam ca. 40 Minuten verspätet an und entschuldigte sich nicht einmal! Die Wohnung war gaz neu saniert in einem Fachwerkhaus, das wohl 500 Jahre alte war. Die Mieterin liess uns alle ‘rein und zeigte uns die Wohnung. Ob wir denn die Küche von ihr kaufen könnten fragten wir. Die Mieterin geriet beinahe in Hysterie, was? Sie wollen MEINE Küche haben? Nie im Leben! Die nehme ich mit! Ja, es ist sehr üblich in Deutschland, dass mann eine Wohnung mietet ohne Küche, und mann baut eine selbst ‘rein, oder mann hat schon eine und baut diese ein!?! Also das klappte nicht. Wir besichtigten noch ein paar Wohnungen und fanden Eine in einem Vorort von Bad Herrenalb, circa 20 Minuten von Ettlingen am Rand des Schwarzwaldes. Sie war ca. 90 qm gross, war im ersten Obergeschoss, hatte 2 Schlafzimmer und hatte eine Veranda. Ja, sie hatte auch eine Küche! Sie war auch Teilmöbliert. Ein anderer Vorteil den die Wohnung hatte war eine 2-Auto Garage.
Diese Ausnahme zur Regel kam zustande weil die Mieterin für 2 Jahre an der Ostsee arbeiten ging und wieder zurückkommen wollte. Also, das passte uns sehr da wir ja auch nur für 2 Jahre da sein wollten.
Es stellte sich aber heraus, dass die Mieterin nicht die Besitzerin der Wohnung war und als Mieter kannst du nicht weitervermieten ohne das OK vom Besitzer. Da sie aber verstritten war mit dem Besitzer und ihm auch noch viele Monate Miete schuldete, wollte sie die Weitervermietung unter der Hand machen. So war der Mietvertrag ungültig den wir mit ihr gemacht haben und sie musste die 2-Monate-Mietskaution uns zurückgeben. Das wollte sie aber nicht. Wahrscheinlich hatte sie das Geld schon längst verprasst? Wir gingen zu einer Rechtsberatung und die sagten, dass wir nichts falsch gemacht haben. Wir haben dann eine Formel entwickelt wo wir dem Mieter die Kaution von der Mieten abrechneten. Er musste dann zusehen wie er das geld von der Schwindlerin zurückbekommt. Ich wollte gleich eine Verbindung zum Internet haben. Ja...das Geht nicht so schnell in Deutschland. Da musst du erstmal einen Antrag stellen. Dann wird untersucht ob du kein Verbrecher bist und ob du Geld hast. Die einzige Firma die es viel schneller und einfacher machte und meine Kreditkarte akzeptierte war AOL. Das ging Ruck-Zuck und wir hatten einen Anschluss ans Internet.
Bevor Die Sonja ‘rüber kam kaufte ich ihr einen kleinen Wagen, ein Orangefarbenes Ford Cabriolet vom Baujahr 1995. Es war eine ganz nette Kiste mit vielen Kilometern. Aber sie lief ganz gut und gab uns keine Schwierigkeiten während der 2 Jahren die wir es fuhren.
Jetzt zur Arbeit:
Das erste was ich machte war mein Versprechen einzulösen: Ich verkaufte den Mercedes den der frühere, verstorbene Geschäftsführer vor einem Jahr gekauft hatte, obwohl die Firma in tiefen, roten Zahlen schwelgte.
Die Firma hatte circa 12 Mitarbeiter. Davon waren 2 Techniker für den Service. Das Hauptgeschäft war Ersatzteile für PCMC Wickler, Falzmaschinen, Drucker, usw. Meine Sekretärin hiess Marina Emmert und war außerordentlich gut. Sie war schon seit Jahren bei PCMC-Deutschland und somit konnte sie mir viel Hintergründe über die Firma und der Belegschaft geben.
Der vorige Chef war ein wenig faul. Er versuchte die Arbeit aus dem Buro zu regeln. Anscheinend hat er selten Kunden Besucht. Er war Korpulent und mochte somit nicht gerne Reisen. Es gab verschieden Problem die schon seit Jahren nicht gelöst worden waren. So ging ich ‘ran und versuchte durch Kundenbesuche in Person die Probleme zu lösen. Das war langwierig aber langsam verringerten sich die unzufriedenen Kunden. Ich besuchte auch viele Kunden um mehr Maschinen zu verkaufen. Es gelang uns im ersten Jahr  meiner Arbeit dort eine PCMC Wischtuchmaschine zu verkaufen.
Ein Mitarbeiter, ca. 58 Jahre alt erwies sich als ein Quertreiber. Er fungierte als IT-Mann. Er kam oft zu spät zur Arbeit. Angeblich weil die Bahn verspätet war. Er hatte auch eine freche Schnauze und provozierte mich. Er wollte entlassen zu zu werden damit er in Frühpension gehen konnte. Ich ging nach Wiesbaden zum PCMC-Anwalt und liess mich beraten. Wie mann weiss ist das Arbeitsrecht in Deutschland sehr auf der Seite des Arbeitnehmer. Ich notierte jede Frechheit und verspätetes ankommen um Beweise zu haben, dass er mogelt um entlassen zu werden. Nach vielen hin und her gelang es uns nach 9 Monaten eine Abmachung zu treffen wo er wegging, bestimmte Zahlungen bekam und ich hatte ihn aus meinen Haaren, ohne dass wir zu Gericht gehen mussten.

Es viel mir auf, dass die Belegschaft unpünktlich war. So hatten wir ‘mal ein Meeting und ich fragte wieso denn so viele Leute so unpünktlich waren? Ich fragte auch ist Deutschland heute so verändert, dass die Pünktlichkeit nicht mehr wichtig ist? Die Mannschaft sass da mit roten Gesichtern und wussten nicht recht was zu sagen. Ich erzählte ihnen die wahre Geschichte von Vincent Lombardi, der Weltberühmte Coach des Football-Teams der Green Bay Packers: Er sagte, dass wenn du nicht pünktlich sein kannst, dann sei früh da! Auch sagte er dass du immer 15 Minuten vor der abgemachten Zeit zum Treffen da sein sollst. Wenn du dann erst 10 Minuten vor der Zeit ankommst...dann bist du schon 5 Minuten verspätet! Sie glotzten mich mit Unverständnis an. Ich bot ihnen deren Gehälter auch unpünktlich auszuzahlen um zu sehen wie sie darauf reagieren? Keiner wollte das haben. Nach dieser Versammlung sind sie alle viel pünktlicher geworden.
Ein anderer Schlaumeier war der jüngere (ca. 32) Techniker. Er war sehr gut da er beides konnte: Elektronik und Mechanik. Aber er war ein wenig eingebildet und hatte immer wieder Probleme mit seinen Kollegen. Eine seiner Taktiken war seine Kündigung einzureichen bevor die Gehaltsverhandlungen begannen. Diese Taktik hat er vielmals mit dem früheren Chef benützt um ihn unter Druck zu setzen und somit bessere Aufbesserungen zu kriegen. Als er mir die Kündigung einreichte, schrieb ich ihm das ich unglücklicherweise und ungern seine Kündigung annehme. Er war von den Socken. Er glaubte nicht, dass ich es tun würde. Er kam verwundert zu mir ins Büro und stotterte herum, dass er es nicht ganz so meinte wie das Kündigungsschreiben es ausdrückte. Ich sagte ihm, dass er mit mir jederzeit verhandeln kann, aber auf faire und aufrichtige Weise. Er nahm seine Kündigung zurück und wir arbeiteten geduldig weiter. Ein Jahr später reichte er wieder seine Kündigung ein. Aber diesmal ging es der Firma noch nicht so gut und wir brauchten eigentlich seine Dienste nicht mehr. So akzeptierte ich die Kündigung und er ging. So brauchte ich ihn nicht zu kündigen, was in Deutschland keine leichte Sache ist. In der Zwischenzeit hatte ich eine Abmachung mit PCMC England gemacht, dass Die uns helfen wenn wir einen Techniker brauchten.
Der altere Techniker (ca. 55) war ein sehr netter, fähiger und erfahrener Mann der mir keine Probleme gab. Er arbeitete tüchtig. Er Reiste viel und beschwerte sich nie. Einer Tages ruft uns ein Kunde an und sagt uns, dass der Techniker nicht bei ihm aufgetaucht war, wie abgemacht. Seine Frau wusste auch nicht wo er war. Wir hatten einen Schlüssel für seine Wohnung. So ging die Frau Emmert hin und fand die Wohnung aufgeräumt und keiner war da. Sei Geschäftswagen war schön sauber geparkt. Er war verschwunden!? Wir meldeten sein Verschwinden der Polizei. Für viele Monate fanden sie ihn nicht. Gerüchte schwirrten herum, dass er angeblich ein Spieler war der viele Schulden hatte. Er soll Ängtse über die Zukunft gehabt haben da er befürchtete, dass PCMC Deutschland Pleite geht und keinen Job mehr hätte. Er soll 8 Kreditkarten gehabt haben die alle voll mit Schulden waren. Erst nach circa 8 Monaten berichtete die Polizei, dass ein Mann der ihm ähnlich war Tod in einem Motel in Miami, Florida gefunden worden war, der anscheinend Selbstmord begangen hatte. Traurigerweise, es war unser Techniker! Danach hatte seine Frau grosse Probleme mit den Schulden die ihr Mann gemacht hatte. Weil sie mit die Kreditkarten unterschrieben hatte wurde sie auch verantwortlich für die Rückzahlung. Die Arme musste arbeiten gehen um in der Lage zu sein die Schulden zu Tilgen!
Mitte 2003 fehlten nur noch 6 Monate an meinem 2-Jahresvertrag. So fing ich an, wie abgemacht, einen Nachfolger für mich zu suchen. Unter den Vielen Bewerbern fand ich endlich den Wolfgang Dörr der sich mit Grossanlagen auskannte. Er war ca. 48 Jahre alt und hatte seine eigene Firma gehabt mit der er Verschieden Maschinenhersteller vertrat. Ich heuerte ihn nach 3 Interviews die alle gut ausliefen. Im Spätsommer 2003 suchten wir dann zusammen einen Verkäufer der dem Wolfgang helfen sollte wenn ich weg war. Wir fanden auch einen netten Mann der einen guten Eindruck machte. Der wurde dann auch im Herbst geheuert. So war die kleine Firma bereit auf eigenen Füßen  zu stehen.
Der Wolfgang und ich reisten verschieden Male nach Slowenien wo wir einen Kunden Ausfindig gemacht hatten der einen grossen Toilettenrollenwickler kaufen wollte. Die Kerle in Slowenien waren sehr nett. Die meisten sprachen auch Deutsch da Slowenien für viele Jahrhunderte Österreichisch gewesen ist. Die Anlage war ein Traumauftrag von ca. 4,5 Million Euro. Es ging aber nicht über die Bühne, ohne dass geschmiert werden musste. Ich war nicht bereit meine Hände hierzu ins Feuer zu legen, aber unsere guten Italiener fanden einen erfinderischen Weg den Auftrag an Land zu ziehen.
Im Dezember 2003 nahm ich dann meinen Resturlaub, verabschiedete mich von PCMC-Italia und PCMC-Deutschland und kehrte zurück in die USA. Wir flogen Über Green Bay, Wisconsin weil der Mark dort wohnte. Wir verbrachten Weihnachten in froher Runde mit Mark und Familie.
Zu erwähnen ist, dass als ich den Arbeitsvertrag bei PCMC-USA unterschrieb, war der US-Dollar ca. 1,30 Euro wert. Als wir dann 2 Jahre später abhauten war der Umtauschwert gerade umgekehrt. Der Euro war dann 1,30 Dollar wert. Und ich wurde für die 2 Jahre in Euro gezahlt. So hatte ich einen gewaltigen Vorteil durch den grossen Wechsel der Valuta.
Unser Haus in Green Bay hatten wir nicht vermietet während dieser 2 Jahren die wir in Deutschland waren Wir trauten nicht der Sache, dass wir einen Mieter finden würden der das Haus wie sein eigenes behandeln würde. Ausserdem hätten wir das Mieteinkommen versteuern müssen, wobei nicht viel übrig geblieben wäre. Freude von uns guckten immer wieder nach dem Richtigen und im Grossen und Ganzen hat Alles sehr gut geklappt.
Im Juli 2003 feierten wir grossartig meinen 65-sten Geburtstag in der Lochmühle bei Eigeltingen. Wir hatten meine Verwandtschaft und paar Freunde eingeladen. Es war ein schoenes Fest, wovon ich ein Video auf DVD gemacht habe. Wir waren ca. 80 Leute. Wir hatten sehr viel Spass beim Traktorenrennen, Kuhmelken, Armbrustschiessen, Motorkartrennen und auch 3 Zipplines. Danach hatten wir am Abend ein schönes Abendessen in froher Runde. Von dieser Feier habe ich ein Video auf DVD gemacht.
Am 01.01.2004 , mit 65,5 Jahren auf dem Buckel, bin auch in den Ruhestand gestiegen. Ich hatte schon in Deutschland meine Rente beantragt und so habe ich sie auch in Amerika beantragt. Ich fing dann an mehr Golf zu spielen und ich nahm mir vor meine Memoiren zu Papier zu bringen. Natürlich bringt mann die Chose heutzutage erstmal zur Elektronik. So fing ich an Schritt für Schritt meine Geschichte zu Schreiben.
Ein anderes Vorhaben ist meinen Familienbaum zu Schreiben. Dafür habe ich eine Software gekauft die “Family Tree Maker” heisst. Habe dann auch viele Recherchen gemacht um meine Ahnen Elektronisch aufzuzeichnen.
Im November 2003 fuhr ich mal mit dem neuen Verkäufer in die Nähe von Leipzig zu einem Kunden. Auf der langen Fahrt erzählte ich ihm wie unser Geschäft funktioniert. Durch meine Unaufmerksamkeit wurde ich unterwegs zweimal Geblitzt. Ich hatte es gar nicht gemerkt. Er auch nicht. Im Büro fand ich die Post mit 2 Strafzettel. Einer war für zu schnelles Fahren (+16 Kmh) durch eine Baustelle, Richtung Leipzig. Der andere Zettel war auch für zu schnelles Fahren (+22 Kmh) Richtung Karlsruhe. Der Erste kostete mich ca. Euro 90,00. Der Zweite kostet mich ca. Euro 128,00, plus Führerscheinentzug für 30 Tage, binnen 4 Monaten. So arbeiteten wir zusammen mit meiner cleveren Sekretärin, der Frau Emmert einen Plan aus: Ich nehme im Dezember 2003, während meines Heimflugs, einen frankierten Umschlag, adressiert an das Verkehrsamt, mit nach Frankfurt. Da stecke ich meinen Führerschein hinein mit Rücksenderadresse PCMC-Deutschland in Ettlingen. Dann wenn wir, wie geplant, im März 2004 wieder nach Europa Reisen, holen wir den Führerschein in Ettlingen wieder ab. In Amerika hatte ich ja meinen Amerikanischen Führerschein!
Wir hatten schon im Herbst von 2003 geplant im Frühjahr von 2004, nach Deutschland zurückzukommen um Urlaub auf den Kanarischen Inseln zu machen. Wir parkten bis dahin Sonja’s Autöchen unter einer grossen Plane auf dem Gelände von PCMC Deutschland und holten es und meinen Führerschein im Frühjahr 2004 wieder ab, nachdem wir einen 3-Wöchigen Urlaub auf den Kanaren gemacht hatten. Also flogen wir dann von Little Rock, AR nach Frankfurt und gleich weiter nach Las Palmas. Die Malinee, eine Freundin von meiner Schwester Mary, hatte die Reisen in die Kanaren für uns gebucht. Ich habe ein Video von der Reise auf DVD gemacht.
Als wir dann im April zurückkamen von den Kanaren holte uns der Wolfgang Doerr vom Flughafen Frankfurt ab und brachte uns nach Ettlingen. Dort hatten sie Sonja’s Escort Cabriolet schon für uns sauber vorbereitet, Dank der guten Organisation von der Frau Emmert. Wir fuhren dann mit dem Ford Escort nach Rotterdam wo wir die Fähre nach Edinburgh, Schottland nahmen. Dort fahren wir mehr oder weniger entlang der Küste, gegen den Uhrzeigersinn durch Schottland, dann durch Wales und letztendlich durch England, wo wir circa 4 Wochen später wieder von Dovercourt aus die Fähre nach Rotterdam nahmen. Ich habe von dieser Reise eine Video auf DVD gemacht.
Die Reise ging weiter Richtung Nordosten und wir besuchten Sonja’s Nichte, die Sabine und ihren Mann den Peter Drögemüller in Niebüll, SH. Dort verkauften wir den schönen Schlitten . Nach ein paar Tagen in Niebuell und Westerland, Sylt, brachten sie uns nach Hamburg von wo wir wieder nach Hause Flogen.
In den folgenden Jahren reisten wir viel in Amerika und auch in Übersee. Von den meisten Reisen habe ich Videos auf DVD gemacht.

Heute ist der 2. Juli 2013 und wir genießen unser Leben. Gelegentlich spielen wir Golf. Die Hot Springs Village wo wir seit 1994 wohnen hat 9 erstklassige Golfplätze mit je 18 Löchern, plus einen privaten Golfplatz namens Diamante, wo die Sonja und ich eine Lebenslange Mitgliedschaft haben. Ausserdem hat die Village 11 Seen, 38 Km Wanderwege, 16 Tennisplätze, ein 5-Sterne Fittnesscenter, einen Innen- Olympischen und 2 Aussen-Schwimmbäder, Sauna, und hat auch ein modernes Theater für 600 Personen.
Little Rock, unser Hauptflughafen, ist ca. 55 Minuten weit weg. Hot Springs hat auch einen Flughafen aber der wird nicht viel benützt. Dallas, Texas ist ca. 5 Autostunden nach Westen und Memphis, Tennessee ist ca. 3 Autostunden nach Osten.
Wir werden oft gefragt wie wir denn auf Hot Springs, AR gekommen sind? Es fing damit an, dass der Mark im Frühjahr von 1993 von einer Universität in Tampa, Florida akzeptiert worden ist. Er wollte aber viel lieber nach Thunderbird College in  Phoenix, Arizona gehen um seinen Master zu machen. Die hatten ihn auch akzeptiert, aber erst zum Frühjahr 1994. So ging er erstmal Nach Tampa. Im Dezember 1993 wurde der Mark 25 und Sonja und ich entschieden den Mark in Tampa zu seinem Geburtstag zu überraschen. So fuhren wir von Green Bay nach Tampa (ca. 2.300 Km). Es hatte sehr gut geklappt. Auch die Laura, damals seine Freundin, heute seine Frau, war auch bei der Feier dabei. Der Mark sagte uns, dass er nach Thunderbird fahren wird um dort zu studieren. Wir sagte “ach wie schön, wir begleiten dich nach Phoenix!” Er hatte einen kleinen Ford Escort Wagon, den wir ihm in Green Bay mit seinem in Deutschland ersparten Geld gekauft hatten. So geigten wir die ca. 3.600 Km lange Strecke nach Westen. Wir verbrachten Weihnachten dort in der Wüste und fuhren erst im Januar wieder zurueck in Richtung Heimat, damals Green Bay, WI. Wir fuhren über Flagstaff, Arizona weil dieses Städchen hoch liegt (2.130 m) und von schönen Wäldern umgeben ist. Ich kannte die Stadt weil ich dort einen Kunden hatte den ich schon ein paar mal besucht hatte. Von dort fuhren wir auf der I 40 (Interstate 40) nach Osten. Ein paar Kilometer ausserhalb von Flagstaff begann schon die Wüste, oder Furztrockene Steppe, die Km nach Km nicht aufhören wollte. Wir durchquerten Arizona, dann New Mexico, wo wir in
Albuquerque , die Hauptstadt, übernachteten. Dann fuhren wir durch West-Texas und endlich fingen kleine Büsche zu erscheinen. Je weiter wir nach Osten fahren, desto höher wurden die Büsche. Dann sahen wir niedrige Bäume. Im Osten von Texas fingen die Bäume an “normal” zu sein, d.h. bekannte Größen and Höhen. Endlich, nach ca. 2.000 Km erreichten wir Fort Smith, Arkansas, an der Grenze zu Texas. Es war alles schön Grün, überall sah mann gesunde, grüne Büsche, Tannen, Eichen, usw. es sah beinah so aus wie im Schwarzwald! Unterwegs hatten wir natürlich das Radio an. Dort erzählten sie von gewaltigen Winterstürmen im Norden, dort wo wir hin- und durchfahren mussten um nach Green Bay, unser zu Hause, zu kommen. Da erinnerte ich mich, dass in einem Buch, dass ich gelesen hatte, das über “SPA-Städte” in Amerika berichtete, dass Hot Springs, Arkansas dort sehr positiv erwähnt worden war. So entschieden wir dort eine kurze Pause einzulegen, bevor wir die Stürme im Norden erleben. So bogen wir auf der sehr hübschen Strasse Nummer 7 von Russellville, AR nach Süden um nach Hot Springs, AR (Heisse Quellen) zu kommen. Das Wetter war ausserordentlich schön, mit ca. 15 Grad Celsius! Nach ca. Einer Stunde Autofahrt bogen wir in einen schönen Stadteingang ein da wir dachten wir waren in Hot Springs!? Da war eine Tor wo mann uns anhielt. Wo wollt ihr hin wurde höflich gefragt? Hot Springs, erwiderten wir. Ja, da seid ihr hier falsch, Diese hier ist Hot Springs Village, und da dürft ihr nur hinein wenn ihr jemand herinnen kennt. Ihr müsst noch ca. 20 Km weiter fahren um nach Hot Springs, die Stadt mit den heissen Quellen, zu kommen. Wir fuhren weiter und
übernachteten in dem Traditionsreichen Hotel Arlington. Dort sagte uns Einer, dass wir wohl die Hot Springs Village besuchen können, wir müssen nur einen Immobilienmakler anrufen, und der bringt uns dort hinein. Das taten wir auch und fahren wieder zur “Village. Wir waren neugierig was es denn da zu sehen gibt?
Wir wurden von der Jane Hollingswoth, Maklerin von der Village Real Estate empfagen. Sie fuhr uns in ihrem Riesenschlitten zu verschieden Plätzen innerhalb der Village und erzählte uns deren Geschichte. Die Village wurde von Cooper Communities entwickelt in dem sie einen grossen Wald von circa 40 Quadratkilometern, mit vielen Tälern von Weyerhaueser Kaufte, eine der Grössten Holzproduzenten der USA. Sie bauten Strassen, Kanalisation, Golfplätze, Feuerwehr und Polizeistationen, um eine unabhängige Kleinstadt aufzubauen. Sie bauten Dämme um Seen zu haben an denen Bauplätze verkauft wurden. Die teuersten Bauplätze sind Die an Seen, gefolgt von Denen hoch oben auf den Bergen (eigentlich Hügel die ca. bis zu 300 m Hoch sind, und ein schönes Panorama haben), dann Die die direkt an den Golfplätzen sind und letztlich Die die im Wald sind. An der Hauptstraße, die De Soto Boulevard heisst,und ca. 25 Km lang ist, darf nicht direkt gebaut werden. Es muss ein bewaldeter Streifen von ca. 16 Metern unbebaut bleiben.  Am ende dieser langen Strasse ist je ein Wachthaus angelegt. Am Westende ist es 24 Stunden pro Tag bewacht. Am Ostende ist es 12 Stunden am Tag bewacht, wobei mann in den unbewachten Stunden das Tor schliesst und nur die Einwohner haben einen Magnetpass um zu passieren.  Die Jane zeigte uns ein paar Häuser die direkt am See Balboa waren. Eines fanden wir sehr attraktiv und der Preis war erschwinglich. Wir waren von dieser Village sehr positiv beeindruckt.
Die Tatsache, dass die Village bewachte,verschliessbare Tore hatte mochten wir sehr gerne. Wir waren zu der Zeit besonders bekümmert über unsere Sicherheit. Der Grund lag daran, dass der Mark uns kurz vorher erzählte, dass er beim ersten Besuch der Uni in Tampa von einem netten, jungen, schwarzen Mann angesprochen worden war ob er denn die Uni anschauen möchte? Ja, danke, sagte der Mark. So watschelten sie für
über 2 Stunden durch die verschiedenen Gebäude der Uni. Der Kerl kannte sich gut aus. Am Ende bat er den Mark ihn nach Hause zu fahren, was nicht all zu weit weg war. Das Machte der Mark. Als sie durch eine ein wenig herab-gekommene Gegend fuhren, bat der Schwarze das Auto anzuhalten weil er mit einem Freund kurz etwas besprechen wollte. Der Freund kam auf das Auto vom Mark zu, ging zur Fahrerseite, machte die Tür auf, und zur gleichen Zeit zog er einen Pistole aus seiner Tasche und hielt sie dem Mark an den Kopf. Sie plünderten alles was im Auto war und liefen weg. Der Mark war im Schock. Noch nie hat ihm jemand eine Pistole an den Kopf gehalten und gedroht! Er fuhr zurück zu einer Stelle wo er sich erinnerte, dass dort eine Polizeistreife stand. Die Polizisten guckten ihn argwöhnisch an und fragten ob die Banditen ihm weh getan
hätten? Nein sagte der Mark. So? Was willst denn von uns? Nach dieser Erfahrung von unserem geliebten, einzigen Sohn sehnten wir uns um mehr Sicherheit. Die Village mit 2 bewachten Eingängen würde uns das bieten!
Wir fuhren Richtung Norden, uns es dauerte nicht lange und wir waren tatsächlich bei Champion, Illinois mitten in verschiedenen Schneestürmen. Viele Autos und so manche Lastwagen waren im Graben links und rechts. Sonja und ich guckten uns fragend an. Warum machen wir das? In dem Moment im Januar 1994 entschieden wir, dass wir in die Hot Springs Village umziehen. Die Village ist circa 1.500 Km weiter südlich, hat 4 Jahreszeiten, aber sehr milde, mit ab und zu Schnee, der aber nicht viel länger als 2 Tage liegen bleibt, im Durchschnitt. Die Grundstücksteuern sind ein Viertel von Denen in Wisconsin. (In Amerika finanziert man die Schulen durch die Grundstückssteuer).
Sobald wir zu Hause in unserem Eiskalten, verschneiten Green Bay, Wisconsin waren, rief ich die Immobilienmaklerin Jane an und sagte ihr sie solle eine Liste erstellen von allen Häusern in der Village die an einem der vielen Seen lagen. Wir wollen im März wieder ‘runter kommen und uns ein Haus aussuchen, sagte ich ihr.
Wir konnten eine solche wichtige Entscheidung leicht machen, weil ich Anfang 1993 bei Perini Amerika, wo ich 17 Jahre lang gearbeitet hatte, gekündigt hatte und somit frei wie ein Vogel war! Auch hatten wir bis dahin gute 25 Jahre in Green Bay gewohnt und
hatten genug Erfahrung mit der Kälte in Wisconsin, wo im Winter minus 20 Grad
Celsius keine Seltenheit war. Der Mark war weg zur Schule, wir hatten gerade die AapexX Corporation, unsere neue Firma gegründet und wir hatten noch keine Angestellten. Somit waren wir Vogelfrei! Wir bestellten einen Immobilienmakler um unser Haus in Green Bay zu verkaufen. Wir bestellten auch einen anderen Makler um unser Wochenendhaus, das “RooHaus”, in Baileys Harbor zu verkaufen.
Als wir im März 1994 in der Village wieder auftauchten, hatte die Jane die erbetene
Liste gemacht. Es standen dort 17 Häuser! Wir fuhren mit unserem Auto durch die Village und klapperten die verschiedenen Häuser ab. Ich machte Videos von den besuchten Häusern und wir betrachteten diese Videos Abends in unserem Hotelzimmer. Dabei haben wir systematisch Die eliminiert die uns nicht gefielen. Nach 2 Tagen hatten wir 2 Häuser die in die engere Wahl kamen. Eines war am See Balboa und eines am See Coronado. Zu erwähnen wäre hier, dass alle See- und Strassennamen auf Spanish sind weil der Konquistador Hernando De Soto aller Wahrscheinlichkeit in Hot Springs Pause von seinen mörderischen Eroberungen gemacht hatte. Er soll erkrankt gewesen sein in ca. 1540 und wollte hier in den heissen “Jugend”-Quellen Erholung finden. Es wird ja erzählt, dass die Spanischen Eroberer nur deswegen hier in den Amerikas
herumgeschlichen sind weil sie Gold, Silber, Edelstein und “die Quelle der Jugend” suchten!

Ubi Bene Ubi Casa
(Wo es mir gut geht, da bin ich zu Hause)
Kapitel VII

                                                           Der Ruhestand

Es ist der 12 Juli 2013 und ich bin so ziemlich fertig mit meiner Autobiografie. Am Montag den 15. Juli (in 3 Tagen) Reisen wir nach Deutschland weil wir dort am 27.06.2013 meinen 75-sten Geburtstag, wieder in der Lochmühle in Eigeltingen feiern werden. Die Liste der bestätigten Gäste ist auf 55 gestiegen, weniger als die vorigen Hansifeste weil so manche wegen anderer Interessen und aus Gesundheitsgründen nicht mitmachen können.

Dieses Kapitel möchte ich benützen um allgemeine Gedanken festzuhalten und meine Geschichte für jetzt abschliessen. Seitdem wir im Ruhestand sind (seit dem 1.1.2004) scheint es zu sein, dass wir uns mehr als früher über die Zukunft Sorgen machen. Nicht unsere Zukunft, denn wir sind ja “über dem Berg”. Nein, die Zukunft der Welt im allgemeinen. Auch beschäftigt uns die Politik viel mehr als früher. Kommt das weil wir mehr Zeit haben oder ist unser Interesse erst jetzt, im Alter aufgewacht?

Am 18. Juni 2008 sind wir Amerikanische Bürger geworden! Wir haben lange gebraucht um endlich uns Einbürgern zu lassen. Eine der Ausreden war, dass wir die Deutsche Staatsangehörigkeit nicht verlieren wollten, und damit die Deutsche Sozialversicher, d.h. die Rente. So sind wir für circa 39 Jahre als Deutsche mit ’ner Green Card in Amerika herumgewandert. Aber eine andere Erklärung ist auch, dass Deutschland seit circa 2005 ihre Regeln für Auswanderer geändert hat. Bis dahin verlor mann automatisch die Deutsche Staats-Angehörigkeit wenn mann eine Andere annahm. Jetzt erlaubt Deutschland Ausnahmen wenn mann triftige Gründe hat und wenn mann circa $500 zahlt!? Ha, die Germanen sind Kapitalistisch geworden!? So haben die Sonja und ich den Antrag gestellt weiterhin die Deutsche Staatsangehörigkeit zu behalten, auch wenn wir Amerikaner werden. Wir mussten triftige Grunde angeben, wie z.B. die Verwandten die wir in good old Germany haben und oft besuchen, und die Geschäftsverbindungen die besser ausfallen wenn wir Deutsche sind. So hat uns das Deutsche Konsulat in Houston, TX (Texas) eine Ausnahmegenehmigung für 10 Jahre gegeben. Den Amis ist es egal ob du eine  andere Staatsangehörigkeit hast oder nicht, denn sie anerkennen keine Andere als nur die Amerikanische. So reisen wir jetzt mit 2 Pässe herum, einen Deutschen und einen Amerikanischen. Der Deutsche gibt uns Vorteile beim Reisen weil viele Länder verlangen kein Visum von Deutschen, aber Amis müssen kräftig Blechen, circa $150 per Visum. Unsere letzte Reise nach Südamerika kostete uns gar nichts für Visas. Aber unsere Amerikanischen Mitreisenden mussten für jedes Land, und es waren vier (4!), jedes mal Bluten!

Abends setzen wir uns oft in unseren gemütlichen Fernsehsesseln und gucken uns die Nachrichten an, während dem wir etwas kleines vespern. Des öfteren haben wir ein Glas Wein dabei. Ich nehme einen Merlot und die Sonja einen Gewürztraminer. Meistens schauen wir uns erstmal das Journal von der Deutschen Welle, welches ich früher am Tag aufgenommen habe. Danach schauen wir uns The Newshour an, von PBS,den einzigen Staatlichen Fernsehsender in den USA!
Allerdings glotzen wir nicht immer Fern! Wir lesen auch viel. Die Zeitschrift “The Week” ist sehr gut da die Nachrichten relativ kurz gehalten sind und alle Themen decken. Das Beste ist, dass die Artikel von vielen verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften kommen, manche vom Linken und andere vom Rechten politischen Spektrum und ab und zu manche von der neutralen Mitte. So bekommt mann ein besseres Bild was die verschiedenen Meinungen und Trends an den Tag bringen. Z. Z. lesen wir auch die Zeitschrift “The Economist”. Eine Exzellente Lektüre!
Manchmal denken wir, dass wir uns zuviel Nachrichten angucken. Da geht so vieles schief in der Welt, das kann Einem zuwider werden. Z. Zeit  ist die Politik in den USA furchtbar gespalten. Unsere Bundesregierung kann nichts mehr vollbringen. Mann könnte den Mut verlieren. Die Republikaner wollen nach Rechts und die Demokraten wollen nach Links. Somit geht es nirgendwohin! Das Land braucht immense Reformen, und nichts wird gemacht. Es wird herum gestritten wie bei Waschweibern. Der Obama ist wiedergewählt worden, aber die Republikaner haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus und die Demokraten haben die Mehrheit im Senat. Was der Eine macht wird vom anderen annulliert. Vor der Wiederwahl hatten die Republikaner es sich zum heiligen Ziel gemacht den Obama die Wiederwahl nicht gewinnen zu lassen. Sie haben das Ziel nicht erreicht und sind furchtbar böse. Die Republikaner wollen die Schulden absenken mit empfindlichen Kürzungen des Sozialnetzes. Das erlaubt ihnen der Senat, wo die Demokraten die Mehrheit haben, nicht. Die Republikaner bestehen darauf, dass keine Steuern erhöht werden, auch nicht die für die Grossverdiener. Die Demokraten wollen das Sozialnetz nicht kürzen, auch wenn es so gross geworden ist, dass es das Land in den Abgrund zieht.
Das Schulwesen ist weit hinter anderen Ländern und somit verlieren die USA ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Einwanderungsgesetze sind veraltet und so werden viele Einwanderer schlecht behandelt, besonders die “Illegalen”, von denen geschätzt wird, dass es circa 11 Millionen gibt! Die Infrastruktur wie Strassen, Sanitäre Einrichtungen, Brücken, Schulen, usw. sind im traurigen Zustand...und es wird nichts, oder wenig gemacht.
Vor circa einem Monat hat es eine fürchterliche Mordszene in einer Kinderklasse in New Jersey gegeben wo 26 Personen, davon 20 Kleinkinder, von einem Jungen Mann erschossen worden sind. Er benützte ein Halbautomatisches Sturmgewehr und verschoss in 4 Minuten mehr als 150 Kugeln. Er erschoss sich auch selbst. Jetzt wird wie blöd debattiert was zu tun ist. Wieder steht es so, dass die Republikaner, und ein paar Demokraten, gegen jeden Verbot von Feuerwaffen sind. Wieder sieht es so aus als ob nichts oder sehr wenig gemacht werden wird. Ja, es kam kein Gestz zur Waffenkontrolle durch!
Immer kommen Stimmen auf, dass die Politiker von der Industrie gekauft sind. Z.B. die Pharmaindustrie gibt Millionen Dollars aus um die Politiker zu überzeugen keine Gesetze zu machen die deren Profit schmälern würde. Das Gleiche passiert mit der Waffenindustrie, die Energieindustrie, Versicherungsindustrie, usw. Wie können Politiker vernünftige Gesetze machen wenn sie von der Industrie unter Druck gesetzt werden? Die Industrie sagt: machst für uns gute Gesetze dann kriegst Geld um wiedergewählt zu werden. Machst du schlechte Gesetze für uns, dann kriegst du kein Geld und wir machen dich kaputt, das wird Charaktermord gennant!

Gelegentlich fahren wir in die Stadt (Hot Springs), die ca. 25 Km nah ist. Dort haben wir eine Kleine “Mall”, eine überdachtes Einkaufszentrum. Da sind auch verschiedene andere Läden, wie Bürosachladen, Eisenwaren, Kleidungsstücke, Autohändler, usw.. Nach Hot Springs bringen wir auch unsere Autos zum Ölwechsel oder zur Reparatur. Dort bei Honda habe ich meinen 2008 Honda Civic Hybrid in 2007 gekauft. Vom Tim Parker haben wir Sonja’s Auto gekauft, einen 2013 Chrysler Town & Country MiniVan.
Gelegentlich fahren wir die 75 Km nach Little Rock, die Hauptstadt von Arkansas. Dort finden wir verschiedene Malls und viel mehr Geschäfte.
Des öfteren laden wir Freunde zum Abendessen ein. Die Sonja ist ein sehr guter Koch. Ich bin ein guter Cocktail-Macher, obwohl die meisten mir das Leben erleichtern in dem sie Wein oder Bier trinken. Schnaps wird nicht mehr viel getrunken weil die meisten Senioren sind und verschiedene Medizin einnehmen. Die reagieren selten gut mit Alkohol. Natürlich spielen wir gelegentlich auch Golf. Unsere Village ist gerade dazu konzipiert worden. Wir haben 9 Golfplätze von hoher Qualität. Aber eine Leidenschaft ist es bei uns nicht geworden. Da wir direkt am See Coronado wohnen, haben wir auch ein 6 m langes Motorboot mit einem 90 PS Aussenborder. Damit können wir gemütlich auf dem See herumkutschieren, oder wenn der Mark mit Familie hier ist können wir damit auch Wasserskifahren! Diese Jahr, 2013 fuhren die Sonja und ich auf unserem See Coronado spazieren. Da fing der Motor an zu rauchen und wollte nicht mehr laufen. Wir benutzten den elektrischen Motor um nach Hause zu kommen. Dieser elektrische Antrieb wir beim Fischen benützt wenn man langsam und leise über das Wasser gleiten will. Diesmal half er uns wieder an Land zu kommen. Wir holten unseren Anhänger und luden das Boot darauf. Der Bootssteg ist genau gegenüber unserem Haus auf der anderen Seite vom See. Wir brachten das Boot zu Ken’s Marin, in der Nähe der Boote verkauft und repariert. Er sagte uns, dass der Motor Feuer gefangen hatte und die ganzen elektrische Kabel sind verbrannt. Die Reparaturkosten wurden auf $3.500 geschätzt. Er empfahl die Bootsversicherung anzurufen, die normalerweise solche Vorfälle deckt. Tatsächlich, der Schaden war groß genug, dass das Boot mit Motor und Anhänger ein Totalschaden war! Sie zahlten uns $4.000 und erlaubten uns das Boot zu behalten. Das Taten wir auch. Die Reparatur hat nur $3.200 gekostet und es läuft alles wieder wie neu! Endlich mal eine gute Geschichte über eine Versicherung!

Angeln tun wir recht wenig, obwohl der See mit Fischen gut bestückt ist.

Also, uns geht es (einigermaßen) gut und wir hoffen, dass es noch lange so bleibt!

Besucht meinen Kanal “HanHeu" oder “Johann Heuchert” bei YouTube wenn ihr Videos von unseren vielen Reisen sehen wollt!

Mein Vater
Die Geschichte des Friedrich Wilhelm Heuchert (1898-1971)

Erzählt von seinem Sohn Johann (Hans) Karl Heuchert, geb. 26.07.1938. Mit Unterstützung von seinen Geschwistern Fritz, Traudel und Mary.

Unser Vater war 1898 in Sosnowitz, Bukowina, geboren, war in Czernowitz, Bukowina getauft und ist in Esslingen am Neckar in 1971 gestorben. Er hatte 9 Geschwister.
Mein Vater, der Friedrich Wilhelm Heuchert, auch als “Fritz” bekannt, diente somit im Ersten Weltkrieg erstmal dem Fürsten von Galizien/Bukowina (1) (2), dann dem Franz Josef II, Kaiser von Ősterreich, und letztlich dem Deutschen Kaiser Wilhelm II, König von Preußen. Der König Carol I von Rumänien starb 1916, der Franzl starb 1919 und der preußische Kaiser dankte 1918 ab.

Unser Fritz meldete sich freiwillig 1914, als 16-jähriger, zur Österreichischen Armee ohne Erlaubnis seines Vaters, dem kaiserlichen Postbeamter Johann Heuchert (1860-1938). Dieser stürmte zum Militäramt und wollte seinen flüchtigen Sohn wieder nach Hause bringen. Der Amtsvorsteher ließ ihn aber seine Unterschrift bestätigen und da sie von unserem Fritz genau nachgemacht worden war, durfte er bleiben und sein Vater musste wütend, aber unverrichteter Dinge nach Hause gehen. Die brauchten ja auch Kanonenfutter! Fritz wurde ausgebildet und kam zu einer Maschinengewehrabteilung, weil er so fingerfertig war. Er konnte das Maschinengewehr mit verbundenen Augen auseinandernehmen und wieder zusammenbauen, und das schneller als jeder Andere. Am Anfang des Ersten Weltkrieges, an der Ostfront, erzählte er, ging es manchmal ganz jovial zu. Feiertage wurden von den Russen wie den Deutschen und Ősterreichern respektiert und es wurde nicht geschossen. Sie haben sogar mit den Russen geschachert und haben Pferde ausgetauscht für guten Wodka. Ja, am Anfang des Ersten Weltkrieges wurden die Kanonen der Artillerie mit Pferden gezogen, beim Ende waren sie schon motoriziert!

Die Russen griffen immer wieder an kamen aber nicht durch. Die Verluste waren auf beiden Seiten sehr hoch. Als die Nachricht durchkam, dass die Russen eine riesige Welle von Kosaken zusammengestellt hatten (Kosaken waren ob ihrer Kampfkraft sehr gefürchtet) um den Durchbruch endlich zu schaffen, ging der Fritz in die Messe und trank heißen Tee, den er heimlich mit Wodka verdünnte. Dann ging er nach draußen und nahm mehrere Handvoll Schnee in den Mund. Es schmerzte wie wahnsinnig, sagte er, aber er wiederholte diese Prozedur ein paar Mal, bis er vor Schmerzen ohnmächtig wurde. Am nächsten Tag wachte er im Lazarett auf, das weit hinter der Front war. Sein Mund schmerzte immer noch schrecklich und der Sanitäter sagte ihm, dass er alle seine Zähne verloren hatte und sein Gaumen war unmenschlich angeschwollen. Auch das Lazarett wurde weiter nach hinten, weg von der umkämpften Front gebracht, da die Kosaken and dem Tag tatsächlich die Front mit unheimlichen Verlusten durchbrochen hatten. Er erfuhr später, dass von seiner Maschinengewehrabteilung, die circa 180 Mann stark war, nur 2 überlebt hatten.... Er war der Dritte! Er war kein Held ... aber er überlebte!

(1)  http://de.wikipedia.org/wiki/Galizien (2) http://de.wikipedia.org/wiki/Bukowina

Die Front ging vor und zurück. Dann endlich am Ende von 1917 hatten die deutschen Truppen die Oberhand. Sie zwangen die Russen zu einem Friedensvertrag „von Brest-Litowsk“ wo Deutschland viele territoriale Vorteile hatte. Dabei wurden Finnland, große Teile von Polen, Littauen, usw. deutsch. Bei den Russen begann die Februarrevolution mit Lenin und am 8 März dankte der Zar ab. Da die Ostfront dabei ruhig wurde, befahl der Oberbefehlshaber der Ostfront, Oberfeldmarschall Paul von Hindenburg (1847–1934) und sein Adjutant der Generalquartiermeister Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff die Versetzung von Osttruppen zur Westfront. Diese Front war schon seit Jahren stecken geblieben und verursachte unheimlich hohe Verluste (auf beiden Seiten). Somit brauchte die oberste Heerführung mehr Kanonenfutter. Millionen Soldaten waren an der Westfront schon getötet worden und noch mehr waren schwer verletzt worden. Per Eisenbahn wurden die Truppen nach Westen transportiert. Da nahm unser Fritz die Gelegenheit und türmte. Er wollte ja überleben. Auch war er in der Zwischenzeit, wie Millionen anderer deutsche und Österreicher überzeugt, dass der Krieg ein Riesenunsinn ist und kein Sieg in Sicht war.

Er schlich sich auf Umwegen zu einer entfernten Cousine in Essen. Dort versteckte er sich und verdiente sich heimlich ein paar Reichsmark als Elektro-Mechaniker. Er konnte ja alles fixen denn er hatte ein paar Jahre Elektriker-Leehre in Czernowitz absolviert. Die Versorgung mit Nahrungsmittel war extrem schlecht. Die Rationierung lief schon seit 2 Jahren auf Hochtouren. Die Bevölkerung war schwer am leiden. Im Jahre 1923 marschierten belgische und französische Truppen ins Rheinland ein mit der Ausrede, dass Deutschland mal wieder in Verzug war mit den Reparationszahlungen die im Versailler vertag abgemacht worden waren. Da türmte der Fritz mal wieder. Diesmal ging er nach Bremen, wo er einen anderen Deserteur kannte. Dort fand er ein Handelsschiff, dass nach Indien Waren zu verschiffen hatte und durch den Suezkanal zu segeln beabsichtigte. Er wurde als Őler auf diesem, kleinen Übersee-Dampfer angeheuert. Da hatte er die Verantwortung alles, was gefettet und geschmiert werden musste auf dem Schiff, musste er sorgfältig machen. Die Propellerwelle war das Wichtigste denn diese fraß immer wieder an, wenn nicht genügend geschmiert wurde. Einer seiner Kollegen ertrank in der Koje unter ihm, weil die winzige Kabine im Sturm mit Seewasser vollgelaufen war. Die Meereswellen waren anscheinend 10 Meter hoch und versuchten den Kahn in die Tiefe zu ziehen. Er aber entkam und sah schnell ein, dass er doch kein Seefahrer war, da er auch noch furchtbar seekrank wurde. Beim nächsten Hafen, Alexandrien, Ägypten türmte er und schlug sich durch nach Kairo, wo er gehört hatte, dass es dort angeblich Arbeit gab?

Es muss dann um 1923 gewesen sein? Als Deutschsprechender fand er einen Job bei der Vertretung von AEG (1) in Kairo, wo er Aufzüge und Stromgeneratoren in Ägypten installierte (Bild 01) und reparierte. Zwischendurch hat er sich ‘mal als Elektriker selbstständig gemacht (er hatte in Bukowina hierfür eine Lehre begonnen gehabt) (Bild 02). Aber die schlechte Wirtschaftslage und möglicherweise sein Spieltrieb (?) zerstörten sein Geschäft. Da erzählte er wieder, dass er dann für ein paar Jahre sich mit Kartenspielen (Poker) sich durchgeschlagen hätte.
Er begann eine deutsche “Taverne Bauer” zu besuchen weil dort der Besitzer, Johann Georg Bauer, unser Großvater Mutterseits, auch zwei hübsche Töchter hatte, die Martha und die Klara, unsere Mutter. Er fungierte auch des Öfteren als Rausschmeißer, wenn Kunden zu viel Krawall machten. Er mochte besonders gern die Engländer ‘rausschmeißen, weil er sie als Kontrahenten im Ersten Weltkrieg ansah. Sein späterer Schwiegervater, der Johann Georg Bauer, mochte die Engländer genauso wenig, da die ihn während des Ersten Weltkrieges nach Malta in ein Internierungslager (Bild 003) verschleppt hatten, weil er deutscher war. Dort hatte er sich anscheinend den Magen kaputt gemacht?

Die Familie Bauer war schon vor dem Ersten Weltkrieg mit dem deutschen Konsul nach Ägypten gekommen. (Siehe die Story von Klara Heuchert, geb. Bauer)
In 1930 heiratete der Fritz die Klara in Kairo und bald darauf kam der Fritz Junior, mein Bruder Friedrich Wilhelm Heuchert (der Jüngere), in 1932 in Kairo zur Welt. Schlag auf Schlag folgte bald meine Schwester Traudl (Gertraude Heuchert) in 1934.

(1)        http://de.wikipedia.org/wiki/AEG%28Unternehmen%29

Dann zogen unsere Eltern nach Alexandrien, da der Vater dort eine Arbeit bekam bei der “Bonneterie”, eine Fabrik die die gute, ägyptische Maco-Baumwolle in Unterwäsche verarbeitete. Die benützten deutsche und schweizerischen Webstühle. Der jüdische Besitzer und der Schweizer Direktor wussten von der guten Arbeitsmoral der Deutschen und gaben dem Fritz einen Job als Elektro-Mechaniker.

In Alexandrien ist dann eine meiner Schwestern, Martha geboren. Sie ist aber ganz jung gestorben. Danach kam die Mary (Marie Heuchert) in 1936 zur Welt. Als letzter Mohikaner wurde ich dann 1938 in Alexandrien geboren. Mein Vater war sehr fleißig und auch sehr klug. Er arbeitete sich hoch zum technischen Direktor und hatte mehr als 300 Webstühle, in Gang zu halten. Während des Zweiten Weltkrieges reiste er ab und zu in die Schweiz, um Nadeln für diesen Riesenmaschinenpark zu beschaffen.
Die Engländer in Ägypten versuchten immer wieder, ihn zu inhaftieren und ihn in ein Internierungslager zu schaffen. Aber der Fritz hatte ja damals keine offizielle Staatsangehörigkeit, und das positive Fürsprechen des jüdischen Fabrikbesitzers und des Schweizer Direktors, hielten ihn aus der Internierungshaft, zu unserem unglaublichen Glück! Wir 4 Kinder besuchten alle die deutsche Katholische Schule der Borromäerinnen in Alexandrien. Dort lernten wir gleich von der ersten Klasse an nicht nur deutsch, sondern auch arabisch, englisch und französisch, neben all den anderen Fächern wie Rechnen, Religion, Geografie, usw. Mein Bruder Fritz ging dann noch für 4 Jahre zum italienischen Mönchs’-Istituto Don Bosco wo er nach 5 Jahren so etwas Ähnliches wie einen Technikerbrief bekam. Dabei lernte er auch noch italienisch! Ich ging dann auch für 2 Jahre zum Istituto Don Bosco und danach, im Dezember 1951 wanderten wir aus nach Deutschland. Dies war nötig geworden, da Europäer in Ägypten gehasst wurden wie noch nie, nachdem das Land Israel in 1948 durch die UN ins Leben gerufen worden war. Ägypten war das erste Land, das den Isarelis den Krieg erklärte, weil Israel in dem Land etabliert wurde, das man für Jahrhunderte “Palästina” nannte. Die Ägypter verloren den Krieg jämmerlich, da sie Waffen aus dem Ersten Weltkrieg hatten und die Israelis hatten die modernsten Waffen von den Engländern, Franzosen und Amerikanern erhalten. Das Chaos war furchtbar. Der damalige König Faruk und seine Verwandt- und Gefolgschaft waren unglaublich korrupt. Die hatten den Staat fürstlich betrogen und Millionen und Abermillionen in der Schweiz versteckt. Die Engländer, die die Besatzungsmacht schon seit vielen Jahrzenten waren, versuchten Ordnung zu schaffen. Aber sie verloren. Der Aufstand war zu groß. Ihre Soldaten wurden geköpft und die Ägypter spielten Fußball mit den Köpfen der Briten. Es war grauenhaft. Die ägyptische Armee schoss auf die ägyptische Marine und die paar Flugzeuge, die sie hatten, nannten sie Luftwaffe, die war gegen beide. Dann wurde ein guter Bekannter meines Vaters zerstückelt in einem Sack gefunden. Da hörte der Fritz endlich auf unsere Mutter, die ihn seit Jahren anflehte, aus Ägypten wegzuziehen. Er dachte, nach Brasilien auszuwandern, aber ein Bekannter, der dorthin gegangen war, hatte nie wieder von sich hören lassen. So flüchteten wir im Dezember 1951 nach Deutschland, wo meines Vater’s Geschwister waren. Die waren 1942 von ihrer und meines Vater’s Heimat, die Bukowina, umgesiedelt worden.

Seine Brüder, unser Onkel Hans und Onkel Lolo (Karl) und seine 2 Schwestern, die Tanten Erna und Frieda waren alle in Esslingen am Neckar als Flüchtlinge gelandet, nachdem sie während des 2-ten Weltkrieges eine Odyssee durch Osteuropa hinter sich gebracht hatten. Sie wurden nämlich ein Teil des Hitler-Stalin-Packtes (1), den der Joachim von Ribbentrop ausgehandelt hatte. Dieser sah vor den Austausch von Slowaken in der Czekoslowakei mit Deutschen der Bukowina (was österreichisch) und Galizien. Dabei haben die Nazis Juden in der Czekoslowakei eliminiert (umgebracht) und sie mit Bukowinadeutschen ersetzt. Dabei haben z. B. der Onkel Hans und der Onkel Lolo ein jüdisches Stoffgeschäft übernommen, mitsamt der Wohnung. Aber der Vormarsch der Russen später im Krieg machte sie zu Flüchtlingen, die dann letztendlich in Esslingen landeten.
Endlich sah der Fritz keine Zukunft mehr in Alexandrien und er entschied dem Wunsch unserer Mutter zu entsprechen und nach Deutschland auszuwandern. Sein jüdischer Fabrikbesitzer, der auch Lunte zog, war so nett und hat unerwartet unserem Vater eine “Treuerente” für die 17 Jahre, die er bei der “Bonneterie” gearbeitet hatte, gegeben. Es waren Tausende von ägyptischen Pfunden.  Meine Schwester Traudl wurde 1951 vorgeschickt, um die Lage auszupeilen. Im Dezember 1961 dampften wir mit einem italienischen Kreuzschiff von Alexandrien nach Brindisi, Italien. Unser Vater, der Fritz, hatte uns allen schöne, deutsche Pässe beschafft, natürlich Gefälschte, da wir ja staatenlos waren. Der Zug fuhr uns durch ganz Italien, durch die Schweiz bis nach Esslingen am Neckar. Dort wohnten wir erst einmal mit unserem Onkel Lolo und seiner Frau Ditta die selbst 3 Kinder hatten (Gudrun, Rudi und Isolde). Somit hausten wir, 6-köpfig mit ihnen die 5-köpfig waren, und diese ganze Bande in einer 3-Zimmer-Wohnung!
Bald fand mein Vater eine 4-Zimmer-Wohnung auf dem Hohenbühl, außerhalb von Esslingen, oben, hinter der Burg. Er musste, wie damals üblich, einen Baukostenvorschuss zahlen und da kamen ihm die “Pensionsgelder” sehr gelegen. Er suchte dann fieberhaft nach Arbeit. Fand aber keine. Er war 54 Jahre alt, sprach deutsch mit einem ausländischen Akzent und mehr als dreiviertel von Deutschland lag damals noch in Trümmern. Er suchte Arbeit auch außerhalb des engeren Kreises. Er war sogar in Bielefeld und Bremen. Mein Bruder Fritz fand einen Job bei Bosch in Stuttgart, meine Schwestern Traudl und Mary fanden auch Arbeit in Esslingen. (Lese ihre Biografien) Mir beschaffte der Vater eine Lehre in Oberesslingen. (Lese meine Geschichte)
Circa in 1954 ging unser Vater “Fritz” zurück nach Ägypten, wo er bei der Vertretung vom Nähmaschinen-Pfaff, einen Job fand. Er blieb dort für circa 2 Jahre und dann kam er wieder zurück nach Esslingen.

Bald darauf hatte er anscheinend eine Lungenentzündung und die Ärzte diagnostizierten ihn mit Verdacht auf TBC. So kam er für ein paar Jahre ins TBC-Sanatorium. Er hätte kiloweise Pillen schlucken müssen, die er aber heimlich den Vögeln zum Essen gab, um sie selbst nicht einnehmen zu müssen. Er wusste nämlich, dass er als junger Mensch eine akute Lungenentzündung hatte, die ihm wahrscheinlich Narben in der Lunge hinterlassen hatte. Wir Kinder mussten auch alle untersucht werden, um sicher zu sein, dass wir kein TBC hatten. Keiner von uns Kindern hatte TBC. Er kam dann nach Hause, hatte aber keine Arbeit und lebte von der Volksfürsorge. In der Zwischenzeit war unser Bruder Fritz vom Bosch in den belgischen Kongo geschickt worden, von wo aus er sehr großzügig Geld an die Eltern schickte, damit sie über Wasser blieben. Auch die Mary und die Traudl sowie ich steuerten je nach unseren Verhältnissen etwas bei. So kamen unsere Eltern mit Ach und Krach über die Runden.
Circa in 1958 kaufte sich unser Vater ein kleines (98 cc) Motorrad, ich glaube es war eine Adler, und schaukelte damit, mit seinen 60 Jahren, in der Nähe von Esslingen herum. Dann baute er aber einen Unfall, wo er vom Motorrad weit weggeworfen worden ist und er sich eine Gehirnerschütterung holte. Er weigerte sich vom Krankenwagen abgeholt zu werden, da sein Unfall für ihn ja eine Bagatelle war. Was? Ins Krankenhaus? Wegen ein wenig Kopfschmerzen? Was soll dieser Kram? Er zündete sich eine Zigarette an und blieb zu Hause. Im gleichen Herbst erfuhr er einen Schlaganfall, den die meisten auf seinen Motorradunfall zurückführten. Da musste er ins Krankenhaus, da hatte er keine Wahl. Danach war er teilweise auf der linken Körperseite gelähmt. Ich besuchte ihn im Krankenhaus, wo er unbeweglich im Bett lag. Aber seine Augen war weit auf und sprachen Bänder. Er konnte aber am Anfang nicht sprechen. Später erzählte er mir, dass die Ärzte bei seinem Bett gestanden hätten und auf Lateinisch die Todesursache besprachen. Er war noch lange nicht tot, er war nur außer Gefecht! Er hatte einen unbeugsamen Lebenswillen und massierte andauernd seinen linken, gelähmten Arm und brachte es auch hin den Arm leicht bewegen zu können. Er benützte die Busse, um nach Esslingen zu fahren. Wenn keiner ihm beim Einsteigen freiwillig half, dann sagte er den Leuten „sieht ihr nicht, dass ich ein Krüppel bin"? Hilft mir doch in den Bus hinein! Zaparlot nochmal! Ja, er war nicht schüchtern. Er schaffte es, vom Vogelhändler einen Wellensittich geschenkt zu bekommen. Dann schacherte er weiter in dem er dem Vogelhändler fragte „was soll ich mit dem Vogel, wenn ich keinen Käfig habe?“ So bekam er auch noch einen Käfig geschenkt!
Es dauerte aber nicht lange und er erholte sich einigermaßen und kam im Frühling von 1959 mit einem Invaliden-3-Rad mit Motor nach Hause. Er machte eine gute Bekanntschaft mit einem kleinen Motarradgeschäftsinhaber, in der Nähe von Wäldenbronn, der ihn dann immer wieder das Dreirad modernisierte sodass er mit einer Hand damit herumkutschieren konnte.

Um sich zu Hause zu beschäftigen, kaufte er sich eine Strickmaschine, die er in der kleinen Wohnung aufstellen ließ. Natürlich musste unsere Mutter, die Klara, seinen linken Arm „ersetzen“ da dieser gelähmt war. Sie liebte unseren Vater abgöttisch und machte so ziemlich alles was er verlangte, ohne viel zu murren. Die Stricknadeln mussten eingesetzt und eingestellt werden, die Wollspulen mussten aufgesteckt werden, usw. Sie tat das fleißig, damit er happy sein konnte. Seine Strickwaren gingen weg wie warme Semmeln und so hatte er eine gute Beschäftigung, mit einem kleinen (steuerfreien) Einkommen.

Unsere Mutter hatte nichts zu lachen mit unserem Vater. Schon als gesunder Mensch war er sehr ungeduldig, dickköpfig und rechthaberisch. Jetzt, als kranker Mensch, war er noch schlimmer. Oft musste unsere Mutter hören, wie „blöd” sie war (was sie NICHT war!) und musste seine Beschimpfungen hinnehmen, die er großzügig auf Deutsch, Arabisch, Rumänisch, Italienisch, russisch, französisch lautstark verteilte. Aber, wie gesagt, sie liebte ihn so sehr und hatte auch eine Engelsgeduld und nahm es jahrelang hin. Das war wirkliche „Hingabe“. Ab und zu kam ich vom Komiss (1957-1958) auf Heimaturlaub und fand unseren Vater bei seiner Strickmaschine im Keller. Dort half ich ihm ein wenig und dort war es auch, wo er mir ein paar Geschichten von seiner Jugendzeit erzählte. Die war anscheinend ganz schön hart, da er viele Brüder hatte, die älter waren als er. Nur die Ältesten durften zur höheren Schule (Onkel Hans & Jakob). Er fing eine Elektrikerlehre an, die ihm später in Ägypten gut geholfen hat. Denn da konnte er einen Elektrikerjob bei AEG annehmen. Er sagte auch das sein Vater unheimlich streng war und die Kinder oft stark bestrafte. Eine dieser Strafen war auf dem Boden unter dem Dach bleiben zu müssen für viele Stunden, manchmal sogar Tage. Einmal da oben, sagte mir unser Vater, brach er durch zur Wurstkammer und haute sich die Wampe voll. Also so toll war die Strafe dann doch nicht!?!
Unsere Mutter sagte mal “wenn euer Vater die Hose auszog, dann war ich schon wieder schwanger“! Sie war ja auch so ziemlich jedes Jahr schwanger, seitdem sie circa 1932 geheiratet hatten. Somit hat sie viele Abtreibungen hinter sich bringen müssen da sie viele Kinder hätten nicht ernähren und schulen können.
Unser Vater hat seinen zweiten Schlaganfall circa 1970 gehabt und der schlug ihn kräftig nieder. Er wurde dann bettlägerig und unsere Mutter, so klein wie sie war (circa 152  cm), aber mit einem Riesenherz, pflegte ihn. Es war ein sehr schwieriges Unterfangen denn unser Vater war ein großer Mann von circa einmeterachtzig und wog wahrscheinlich um die 100 Kilo!? Sie musste ihn waschen, von vorne und hinten, von oben und von unten.

Mit einer Engelsgeduld pflegte sie ihn für circa 9 Monate, bis er in 1971 einen dritten, massiven Schlaganfall erlitt, an dem er starb. Wir 4 Kinder haben dann beigesteuert, damit unser Vater im Wäldenbronner Friedhof begraben werden konnte. Dort fand er seine letzte Ruhe, gleich hinter der kleinen Kirche, wo ich 1954 konfirmiert worden war.












  
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